Verhalten im Stau: Was man als Autofahrer wissen muss

02.07.2018, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 5 Min. (308 mal gelesen)
Verhalten im Stau: Was man als Autofahrer wissen muss © Bu - Anwalt-Suchservice

Gerade in der Urlaubszeit staut sich der Verkehr auf den Autobahnen. Besonders wichtig ist es dann, an die Rettungsgasse zu denken. Aber es gibt auch viele andere Dinge, an die Autofahrer denken sollten.

Wenn bei einem Stau Feuerwehr, Rettungsfahrzeuge und Polizei nicht schnell genug zum Einsatzort kommen, sind Menschenleben in Gefahr. Und das nur aus Nachlässigkeit vieler Autofahrer. Dazu kommt: Über das richtige Verhalten im Stau und überhaupt auf der Autobahn, vom Rechtsüberholen bis hin zu dem, was man auf dem Standstreifen darf oder nicht darf, kursieren eine Menge irrtümliche Ansichten. Hier klären wir einige davon auf.

Was man über die Rettungsgasse wissen muss


Die Rettungsgasse zählt zum wichtigsten Grundwissen eines jeden Autofahrers. Sobald es auf einer mehrspurigen Straße zum Stau kommt, muss eine Rettungsgasse freigehalten werden – und zwar zwischen der äußeren linken Spur und den anderen Fahrspuren. Ist man also auf der linken Spur unterwegs, muss man nach links ausweichen, auf den anderen Spuren nach rechts. Grundsätzlich darf der Standstreifen nicht genutzt werden. Aber: Wenn anders nicht genug Platz für die Rettungsgasse wäre, dürfen Autofahrer auch ein Stück auf den Standstreifen ausweichen.
Allein die Rettungsgasse gewährleistet, dass im Ernstfall Rettungsfahrzeuge wie Feuerwehrautos und Rettungswagen rechtzeitig zur Unfallstelle kommen und Leben retten. Von einem Unfall betroffen sein kann jeder.
Die Rechtsgrundlage für die Rettungsgasse findet sich in § 11 Abs. 2 der Straßenverkehrsordnung (StVO). Sie ist zu bilden, sobald sich der Verkehr auf Schrittgeschwindigkeit verlangsamt hat.

Wie wird das Nicht-Bilden der Rettungsgasse geahndet?


Wer bei stockendem Verkehr auf einer Autobahn oder mehrspurigen Außerortsstraße keine Rettungsgasse bildet, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit 200 Euro Bußgeld und zwei Punkten in Flensburg bestraft wird.
Wenn man dadurch Polizei- oder Rettungsfahrzeuge behindert, werden es 240 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot. Bei Gefährdung der Rettungskräfte sind es 280 Euro.
Kommt es durch die Rettungsgassen-Verweigerung zu einem Unfall, werden 320 Euro Bußgeld, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot fällig.

Wann darf man den Standstreifen nutzen?


Oft sieht man, wie besonders eilige Fahrer den Standstreifen nutzen, um am Stau vorbei schneller zur nächsten Ausfahrt zu gelangen. Dies ist jedoch nach § 2 Abs. 1 StVO untersagt. Der Standstreifen soll Platz für Pannenfahrzeuge bieten. Er gehört nicht zur Fahrbahn und darf deswegen nicht befahren werden. An Autobahnen und Kraftfahrstraßen ist laut § 18 Abs. 8 der StVO das Halten und Parken auf dem Standstreifen verboten – einzige Ausnahme ist eine Panne. Nicht als Panne zählt übrigens ein leerer Tank. Wer deswegen auf dem Standstreifen anhält, muss mit einem Bußgeld rechnen.
Die Folgen: Fahren auf dem Standstreifen zum schnelleren Vorwärtskommen kostet 75 Euro (90 Euro bei Gefährdung anderer, 110 Euro bei Unfall) und einen Punkt. Das Halten auf dem Standstreifen kostet 30 Euro, Parken (ab drei Minuten) schlägt mit 70 Euro (85 Euro mit Gefährdung, 105 Euro bei Unfall) und einem Punkt zu Buche. Auch “menschliche Bedürfnisse” oder Telefonieren sind übrigens kein Grund, auf dem Standstreifen anzuhalten.

Wann darf ich im Stau aus dem Auto aussteigen?


Mancher Autofahrer nutzt im Stau gerne die Gelegenheit, sich mal außerhalb des Autos die Füße zu vertreten. Dies ist rein rechtlich nicht erlaubt. Denn § 18 Abs. 9 StVO besagt: Auf der Autobahn haben Fußgänger nichts verloren. Ausnahmen sind allenfalls das Absichern einer Unfallstelle, erste Hilfe oder das Verlassen des Fahrzeugs im Notfall. Grundsätzlich haben Autofahrer bei einer Panne die Warnweste anzuziehen und sich auf die andere Seite der Leitplanke zu begeben. Die Folgen: Wer als Fußgänger eine Autobahn betritt, hat mit zehn Euro Verwarnungsgeld zu rechnen. Allerdings sieht dies die Polizei bei langen Staus oft nicht ganz so eng.

Wann ist rechts überholen erlaubt?


Auf der Autobahn ist es verboten, rechts zu überholen. Es gibt jedoch Ausnahmen: Hat sich beispielsweise auf der linken Spur eine Fahrzeugschlange gebildet, darf man auf der Spur rechts daran vorbeifahren – allerdings nur mit äußerster Vorsicht und nur mit geringfügig schnellerer Geschwindigkeit. Vor Gericht gilt oft die Faustregel, dass man auf Autobahnen rechts überholen darf, wenn der Verkehr links unter 60 km/h schnell ist und man beim Überholen maximal 20 km/h schneller ist als der Verkehr auf der linken Spur. Die Folgen bei Nichtbeachtung: Rechts überholen auf der Autobahn bedeutet ein Bußgeld von 100 Euro (120 bei Gefährdung anderer, 145 Euro bei Unfall) sowie einen Punkt in Flensburg.

Rückwärts fahren oder wenden


Dass dies auf der Autobahn nun wirklich auf keinen Fall erlaubt ist, sollten alle Führerscheininhaber wissen (§ 18 Abs. 7 StVO). Einzige Ausnahme: Die explizite Anweisung eines Polizeibeamten. Wer auf der Autobahn ohne eine solche Anweisung rückwärts fährt oder wendet, hat mit einem Bußgeld von 200 Euro (240 Euro bei Gefährdung anderer, 290 Euro bei Unfall), zwei Punkten in Flensburg und einem Monat Fahrverbot zu rechnen.

Telefonieren am Lenkrad


Die Gerichte sind in den letzten Jahren mit einer Vielzahl von Fallkonstellationen über Handynutzung am Steuer geplagt worden. Die gesetzliche Regelung ist jedoch eindeutig: Am Lenkrad darf ein Mobiltelefon nicht genutzt werden, wenn man es dafür in der Hand halten muss. Das gilt nicht nur für das Telefonieren, sondern auch für die Nutzung als Terminkalender, Uhr, Navi, Diktiergerät, zum Musikhören oder als Fliegenklatsche. Die neue Regelung in § 23 Abs. 1a StVO spricht nicht mehr von Telefon oder Telefonieren, sondern bezieht sich auf jedes „elektronische Gerät, das der Kommunikation, Information oder Organisation dient“. Im Stau gilt: Steht das Fahrzeug und ist der Motor aus, darf man auch ohne Freisprecheinrichtung telefonieren. Wer trotzdem mit dem Handy in der Hand erwischt wird, muss mit folgenden Konsequenzen rechnen: Nutzung eines Mobiltelefons durch In-der-Hand-Halten: Bußgeld von 100 Euro plus ein Punkt in Flensburg.
Bei Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer werden es 150 Euro, bei Unfall 200 Euro, dazu kommen jeweils zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot.

Was gilt für das Verlassen der Autobahn?


Autobahnen dürfen nur an den entsprechend gekennzeichneten Ausfahrten verlassen werden (§ 18 Abs. 10 StVO). Folgen bei Nichtbeachtung: Das Bußgeld beträgt 25 Euro.

Dürfen sich Motorradfahrer durch die Autos schlängeln?


Oft sieht man im Stau, wie sich Motorradfahrer zwischen den Autos hindurchschlängeln. Auch dies ist jedoch nicht erlaubt. Hier gelten die oben genannten Regeln für das Rechtsüberholen. Dieses darf man nur im Ausnahmefall, wenn der Verkehr auf dem linken Fahrstreifen stockt, auf dem rechten Fahrstreifen aber noch rollt (siehe oben). Nicht erlaubt ist es zwischen zwei Fahrstreifen, auf denen der Verkehr steht. Außerdem ist auch beim Vorbeifahren an einem stehenden Fahrzeug ein ausreichender Sicherheitsabstand einzuhalten – dieser wird von den Gerichten meist mit einem Meter angesetzt. Im Stau ist dies meist nicht durchführbar. Auch auf der linken Spur ist es schwierig, sich links vorbeizuquetschen – ohne die durchgezogene Linie zu überfahren. Die Rettungsgasse dürfen Motorradfahrer schon gar nicht nutzen. Auch der Standstreifen darf nicht befahren werden. Je nachdem, welcher Verstoß begangen wird, kommen unterschiedliche Bußgelder und Folgen in Frage.

Gaffen und Im-Weg-Stehen bei Unfällen


Immer wieder werden Rettungskräfte massiv durch Gaffer und Handy-Filmer behindert. Zwar ist Gaffen an sich nicht strafbar. Aber andere typische Verhaltensweisen von Gaffern sind es schon. Das Filmen von Unfallopfern etwa fällt unter § 201a Abs. 1 Nr. 2 Strafgesetzbuch (Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs einer hilflosen Person durch Bildaufnahmen) und kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe geahndet werden.
Achtung: Wer Retter bei der Arbeit behindert, kann mittlerweile nach § 323c Abs. 2 StGB entsprechend einer unterlassenen Hilfeleistung bestraft werden, nämlich mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe. Handys können von der Polizei eingezogen werden. Da Polizei und Rettungskräfte mittlerweile auf Behinderungen durch Gaffer recht empfindlich reagieren, ist auch mit einer Ahndung solchen Verhaltens zu rechnen.

Praxistipp


Die besonderen Verkehrsregeln auf der Autobahn dienen nicht der Schikane, sondern der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer. Ihre Einhaltung kann Leben retten und Unfälle verhindern. Am besten ist es natürlich, wenn Sie gar nicht erst in den Stau geraten. Eine Vielzahl von Homepages oder auch Stau-Apps informieren aktuell über die Staulage auf den Autobahnen.

(Bu)



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