Was ist Beischlafdiebstahl und welche Strafen drohen?

17.08.2018, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 5 Min. (376 mal gelesen)
Was ist Beischlafdiebstahl und welche Strafen drohen? © Rh - Anwalt-Suchservice

Beischlafdiebstahl ist kein Sexualdelikt. Hier ist vielmehr ein Diebstahl gemeint, bei dem Sex ausgenutzt wird, um jemanden zu bestehlen. Zwar gibt es keinen speziellen Straftatbestand, strafbar ist die Tat aber trotzdem.

Den meisten Menschen ist der Begriff Beischlafdiebstahl nicht bekannt. Im ersten Moment denkt man dabei meist an ein Sexualdelikt. Aber weit daneben – hier geht es um ein Vermögensdelikt, also um Geldbeutel, Schmuck und Luxusuhr. Denn: Die Polizei bezeichnet Diebstähle als Beischlafdiebstahl, bei denen das Opfer durch Sex angelockt oder abgelenkt wird oder die sonst damit im Zusammenhang stehen.

Was ist Beischlafdiebstahl?


Wer mit jemand anderem schläft und ihn dabei oder danach bestiehlt, begeht einen Beischlafdiebstahl. Hier dient der Sex eher der Ablenkung. Manchmal ist der Diebstahl auch eine Art Zusatzeinkommen, insbesondere im Prostituiertenmilieu. Allerdings kann man dies nicht verallgemeinern. Im Strafgesetzbuch findet man den Begriff Beischlafdiebstahl nicht, meist verwendet ihn eher die Polizei. Es gibt keinen besonderen Straftatbestand, der so heißt. Rechtlich gesehen handelt es sich entweder um einen einfachen Diebstahl (§ 242 Strafgesetzbuch) oder um einen schweren Diebstahl (§ 243 StGB).

Welche Formen von Beischlafdiebstahl gibt es?


Es gibt verschiedene Varianten dieses Deliktes.
Zum Beispiel gibt es Fälle, in denen Prostituierte ihren Freiern Geld, Schmuck oder – wie in einem Fall aus Hamburg – die teure Armbanduhr entwenden. Berichtet wurde auch über Fälle, in denen Kunden einer Prostituierten ihre EC-Karte mit PIN anvertraut haben, um diese zu bezahlen. Anschließend fanden sie ihr Konto leer vor.
Auf manchen Ferieninseln soll es häufig zu Beischlafdiebstahl kommen.
Häufig ist es für die Betroffenen nicht so einfach, nachzuvollziehen, was überhaupt passiert ist – denn mancher ist sich nach einer durchfeierten Nacht selbst nicht sicher, wie viel Geld in der Brieftasche war, oder wann es verschwunden ist. Natürlich möchte auch längst nicht jeder freimütig über seine Bordellbesuche reden. Den Tätern erleichtert dies die Arbeit.
In Anbetracht dieser Situation ist es nicht verwunderlich, dass es keine offiziellen Zahlen zum Beischlafdiebstahl gibt.
Nicht immer wird dieses Delikt von Prostituierten begangen. So berichtete ntv im Januar 2005 über eine 36-jährige, die mit einem Online-Chatpartner ein Treffen im realen Leben vereinbart hatte. Es kam zu einem One-Night-Stand – und danach vermisste sie verschiedene Wertgegenstände. Auch Männer kommen also als Täter in Frage.

Welche Straftaten begeht ein Beischlafdieb in rechtlicher Hinsicht?


Der Beischlafdiebstahl wird strafrechtlich in der Regel als ein herkömmlicher Diebstahl nach § 242 des Strafgesetzbuches (StGB) angesehen. Der Diebstahl ist vereinfacht gesagt definiert als das Wegnehmen fremder, beweglicher Sachen in der Absicht, diese sich selbst rechtswidrig zuzueignen. Für diese Straftat droht eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe. Allerdings ist es auch denkbar, dass die Tat als schwerer Diebstahl nach § 243 StGB anzusehen ist. Dann riskiert der Täter eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten und bis zu zehn Jahren.

Wann handelt es sich um einfachen Diebstahl?


Von einfachem Diebstahl spricht man immer dann, wenn Gegenstände einfach nur gestohlen werden, ohne dass weitere, erschwerende Tatmerkmale dazu kommen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Täter oder eine Täterin dem Opfer die Brieftasche leert, nachdem es eingeschlafen ist oder wenn es gerade das Bad aufsucht.

Wann spricht man von schwerem Diebstahl?


Schwerer Diebstahl heißt im Gesetz “Diebstahl in einem besonders schweren Fall”. Ein solcher Fall liegt vor, wenn besondere Umstände dazu kommen, die die entsprechende Tat schlimmer, also verwerflicher, erscheinen lassen, als den oben beschriebenen einfachen Diebstahl.
§ 243 des Strafgesetzbuches nennt solche besonderen Tatumstände. Dies sind zum Beispiel:

- Gewerbsmäßiges Stehlen,
- Ausnutzen der Hilflosigkeit einer anderen Person,
- Diebstahl einer erlaubnispflichtigen Handfeuerwaffe.

“Gewerbsmäßig” heißt, dass jemand regelrecht seinen Lebensunterhalt mit der entsprechenden Straftat verdient, diese also regelmäßig und immer wieder durchführt.
In der Realität ist hier allerdings ein anderer Fall wichtiger: Das Ausnutzen der Hilflosigkeit einer anderen Person. Jemand, der schlicht im Bett liegt und schläft, gilt noch nicht als hilflos. Wenn das Tatopfer jedoch krank ist, stark alkoholisiert ist oder unter Drogen steht (etwa K.o.-Tropfen), liegt eine solche Hilflosigkeit eindeutig vor.

Was gilt bei Beischlafdiebstahl mit K.o.-Tropfen?


Es kommt vor, dass jemand mit dem Versprechen von Sex irgendwo hingelockt wird, um ihn dann mit K.o.-Tropfen außer Gefecht zu setzen und ihm sein Geld und seine Wertgegenstände zu stehlen. Hier handelt es sich nicht mehr um einen „normalen“ Beischlafdiebstahl. Denn mithilfe von K.o.-Tropfen bricht der Täter oder die Täterin aktiv den Widerstand der anderen Person. Ihr Einsatz steht rechtlich einer Anwendung von Gewalt gleich. Sobald also K.o.-Tropfen zum Einsatz kommen, verwandelt sich das begangene Delikt von einem Diebstahl in einen Raub mit deutlich höherer Strafandrohung. Genau genommen wird hier meist sogar der Tatbestand des schweren Raubes nach § 250 Abs. 1 Nr. 1b StGB erfüllt sein. Die Täter riskieren dabei eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren.

Was sagt der Bundesgerichtshof zum Thema K.o.-Tropfen?


Vor einigen Jahren hat sich der Bundesgerichtshof mit einem Fall beschäftigt, in dem ein Mann einer Frau K.o.-Tropfen in den Kaffee getan hatte. Die Frau war daraufhin einige Stunden lang bewusstlos gewesen. Inzwischen plünderte der Täter ihre Wohnung. Allerdings konnte er später überführt und verurteilt werden. Vor dem Bundesgerichtshof ging es hauptsächlich um die Frage, wie der Einsatz der K.o.-Tropfen rechtlich zu bewerten sei.
Für das Strafmaß war nämlich entscheidend, ob die Tropfen als “gefährliches Werkzeug” im Sinne von § 250 Abs. 2 StGB anzusehen waren. Ein Raub, bei dem ein gefährliches Werkzeug eingesetzt wird, wird mit einer Mindeststrafe von fünf Jahren geahndet.
Die andere Möglichkeit war, die K.o.-Tropfen im Sinne von § 250 Abs. 1 StGB lediglich als ein “Mittel..., um den Widerstand einer anderen Person durch Gewalt oder Drohung mit Gewalt zu verhindern oder zu überwinden” anzusehen. Dann läge die Mindeststrafe bei drei Jahren.
Der Bundesgerichtshof entschied sich für Variante Nummer zwei. Der Grund: Der Täter hatte eine Dosierung verwendet, bei der das Opfer zwar einige Stunden weggetreten war, die aber nicht die Gesundheit der Frau gefährdete. Damit waren die K.o.-Tropfen in diesem Fall nicht als „gefährliches Werkzeug“ anzusehen. Er musste sich also mit drei Jahren Mindeststrafe abfinden, konnte aber eine Mindeststrafe von fünf Jahren vermeiden.
Hier zeigt sich, wie die Art der Tatbegehung über mehrere Lebensjahre entscheiden kann: Hätte der Täter eine gefährlichere Dosierung verwendet oder das Opfer mit einem Stuhlbein K.o. geschlagen, wäre sein Gefängnisaufenthalt deutlich länger ausgefallen (Beschluss vom 27. Januar 2009, Az. 4 StR 473/08).

Wie ist das Verhältnis von Beischlafdiebstahl und Sexualdelikten?


Ob sich der Täter noch wegen weiteren Delikten strafbar macht, etwa wegen eines Sexualdelikts, hängt von der Situation im Einzelfall ab. In der Regel liegt beim Beischlafdiebstahl keine Sexualstraftat vor, weil der Geschlechtsverkehr einvernehmlich stattfindet.

Praxistipp


Fall Sie Opfer eines Beischlafdiebstahls geworden sind, sollten Sie umgehend die Polizei informieren. Beim Verdacht auf den Einsatz von K.o.-Tropfen ist es sinnvoll, sich sofort ärztlich untersuchen zu lassen. Denn womöglich können noch gefährliche Substanzen im Blut sein. Es gibt in einigen Städten eine besondere Ambulanz für Gewaltopfer. Dort werden ärztliche Untersuchungen vorgenommen, die gerichtsfest sind. Die Ergebnisse können also als Beweismittel dienen. Bei einer Untersuchung durch den Hausarzt ist dies nicht unbedingt der Fall. Die Untersuchung bei der Gewaltopfer-Ambulanz beinhaltet keine Pflicht, Anzeige zu erstatten.

(Ma)



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