Was ist Beischlafdiebstahl und welche Strafen drohen?

07.12.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice (173 mal gelesen)
Was ist Beischlafdiebstahl und welche Strafen drohen? © Rh - Anwalt-Suchservice

Beischlafdiebstahl ist kein Sexualdelikt. Gemeint ist vielmehr ein Diebstahl, bei dem Sex als Begleitumstand ausgenutzt wird, um jemanden zu bestehlen. Die Tat ist strafbar, auch wenn es keinen speziellen Straftatbestand gibt.

Der Begriff Beischlafdiebstahl ist manchem nicht geläufig. Zuerst ist man geneigt, an ein Sexualdelikt zu denken. Aber weit daneben – es geht hier um ein Vermögensdelikt, also um Geldbeutel, Schmuck und Luxusuhr. Denn als Beischlafdiebstahl bezeichnet die Polizei einen Diebstahl im Zusammenhang mit Geschlechtsverkehr.

Was ist Beischlafdiebstahl?


Wer mit jemand anderem schläft und ihn dabei oder danach bestiehlt, begeht einen Beischlafdiebstahl. Der Sex dient dabei eher der Ablenkung. Zum Teil ist der Diebstahl auch ein Zusatzeinkommen, denn oft kommt er im Prostituiertenmilieu vor. Dies ist allerdings nicht immer der Fall. Der Begriff Beischlafdiebstahl kommt im Strafgesetzbuch nicht vor; er wird eher von der Polizei verwendet. Ein gesonderter Straftatbestand dafür existiert nicht. In rechtlicher Hinsicht wird Beischlafdiebstahl entweder als Diebstahl (§ 242 StGB) oder als schwerer Diebstahl (§ 243 StGB) angesehen.

Welche Formen von Beischlafdiebstahl gibt es?


Hier sind verschiedene Varianten möglich. So wird von Fällen berichtet, in den Prostituierte ihren Freiern Geld, Schmuck oder – wie in einem Fall aus Hamburg – die teure Armbanduhr entwendet haben. Es soll auch schon vorgekommen sein, dass Kunden einer Prostituierten ihre PIN verraten haben, um diese zu bezahlen, und anschließend ihr Konto leer vorfanden. Auch auf so mancher Ferieninsel soll das Delikt häufig vorkommen. Für die Bestohlenen ist es oft schwierig, nachzuvollziehen, was genau passiert ist. Denn oft sind sie sich nach einer durchgefeierten Nacht selbst nicht sicher, wie viel Geld in der Brieftasche war, oder wann es verschwunden ist. Und nicht jeder möchte über seine Bordellbesuche großartig reden. Dies erleichtert den Tätern durchaus die Arbeit. Und aus diesem Grund gibt es auch keine offiziellen Zahlen zum Beischlafdiebstahl. Aber es gibt durchaus auch Varianten, die nicht mit Prostitution zu tun haben. So berichtete ntv im Januar 2005 über eine 36jährige, die sich mit einem Online-Chatpartner im realen Leben getroffen hatte. Nach dem One-Night-Stand vermisste sie diverse Wertsachen. Es kommen also durchaus auch Männer als Täter in Frage.

Welche Straftaten begeht ein Beischlafdieb in rechtlicher Hinsicht?


Rechtlich wird Beischlafdiebstahl meist als normaler Diebstahl im Sinne von § 242 des Strafgesetzbuches (StGB) behandelt – also vereinfacht gesagt wie das Wegnehmen fremder, beweglicher Sachen in der Absicht, diese sich selbst rechtswidrig zuzueignen. Hier droht eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe. Es kann jedoch vorkommen, dass die Tat auch als schwerer Diebstahl nach § 243 StGB zu behandeln ist. Darauf stehen mindestens drei Monate und bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe.

Wann liegt ein einfacher Diebstahl vor?


Einfacher Diebstahl liegt immer dann vor, wenn Gegenstände einfach nur gestohlen werden, ohne dass weitere, erschwerende Tatmerkmale hinzukommen. Zum Beispiel eben dann, wenn der Täter oder die Täterin dem Opfer die Brieftasche ausleert, nachdem es eingeschlafen ist oder das Bad aufgesucht hat.

Wann liegt schwerer Diebstahl vor?


Schwerer Diebstahl, juristisch korrekt „Diebstahl in einem besonders schweren Fall“, liegt vor, wenn besondere Umstände hinzukommen, die die Tat verwerflicher erscheinen lassen, als einen einfachen Diebstahl. Diese Umstände sind in § 243 StGB aufgezählt. Dazu gehören zum Beispiel:
- Gewerbsmäßiges Stehlen,
- Ausnutzen der Hilflosigkeit einer anderen Person,
- Diebstahl einer erlaubnispflichtigen Handfeuerwaffe.
„Gewerbsmäßig“ bedeutet, dass der Täter regelrecht seinen Lebensunterhalt auf diese Weise verdient. Der in der Praxis wichtigste Fall ist hier jedoch das Ausnutzen der Hilflosigkeit einer anderen Person. Dafür reicht es nicht aus, wenn der Bestohlene friedlich im Bett liegt und schläft. Ist das Opfer jedoch krank, stark alkoholisiert oder steht es unter Drogen, liegt eine solche Hilflosigkeit vor.

Was gilt bei Beischlafdiebstahl mit K.o.-Tropfen


Wird das Opfer mit dem Versprechen von Sex irgendwo hingelockt und dann mit K.o.-Tropfen außer Gefecht gesetzt und um seine Habseligkeiten erleichtert, liegt kein normaler Beischlafdiebstahl mehr vor. Denn K.o.-Tropfen sind ein Mittel, um den Widerstand einer anderen Person aktiv zu brechen. Ihr Einsatz wird einer Gewaltanwendung gleichgesetzt. In diesem Moment verwandelt sich das begangene Delikt von einem Diebstahl in einen Raub, für den die Strafandrohung deutlich höher ist. Genau genommen wird es sich hier sogar um einen schweren Raub im Sinne von § 250 Abs. 1 Nr. 1b StGB handeln. Darauf steht eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren.

Was besagt das Urteil des Bundesgerichtshofes zum Thema K.o.-Tropfen?


Der BGH hat sich vor einigen Jahren mit einem Fall befasst, bei dem ein Mann einer Frau K.o.-Tropfen in den Kaffee gegeben hatte. Diese war daraufhin für mehrere Stunden bewusstlos, inzwischen plünderte der Täter ihre Wohnung. Der Täter wurde allerdings später überführt und verurteilt. Vor dem Bundesgerichtshof ging es in erster Linie darum, wie der Einsatz der K.o.-Tropfen rechtlich zu bewerten war. Denn danach richtete sich das Strafmaß. Waren diese womöglich als „gefährliches Werkzeug“ im Sinne von § 250 Abs. 2 StGB anzusehen? Ein Raub unter Verwendung eines gefährlichen Werkzeuges führt zu einer Mindeststrafe von fünf Jahren. Oder waren die Tropfen doch nur im Sinne von § 250 Abs. 1 StGB ein „Mittel..., um den Widerstand einer anderen Person durch Gewalt oder Drohung mit Gewalt zu verhindern oder zu überwinden“? In diesem Fall liegt die Mindeststrafe bei drei Jahren. Beide Varianten erfüllen den Tatbestand des schweren Raubes. Der Gerichtshof entschied sich für die letztere Variante. Denn: Der Täter hatte eine Dosierung verwendet, bei der das Opfer zwar einige Stunden weggetreten war, aber nicht weiter gefährdet. Der Täter musste sich also mit drei Jahren Mindeststrafe abfinden, kam aber um die mindestens fünf Jahre herum. So kann die Art der Tatbegehung über mehrere Lebensjahre entscheiden: Hätte er eine gefährliche(re) Dosierung verwendet oder das Opfer mit einem Stuhlbein K.o. geschlagen, hätte sich sein Aufenthalt im Gefängnis deutlich verlängert (BGH, Beschluss vom 27. Januar 2009, Az. 4 StR 473/08).

Beischlafdiebstahl und Sexualdelikte


Ob sich der Täter noch wegen weiteren Delikten strafbar macht, etwa wegen eines Sexualdelikts, hängt von der konkreten Situation ab. In aller Regel liegt beim Beischlafdiebstahl kein Sexualdelikt vor, da der Geschlechtsverkehr einvernehmlich stattfindet.

Praxistipp: Was tun nach einem Beischlafdiebstahl?


Nach einem Beischlafdiebstahl sollte die Polizei informiert werden. Besteht der Verdacht, dass möglicherweise K.o.-Tropfen im Spiel waren, sollte sich das Opfer umgehend ärztlich untersuchen lassen, um auszuschließen, dass noch gefährliche Substanzen im Blut sind. In manchen Städten gibt es eine sogenannte Ambulanz für Gewaltopfer. Dort findet eine Untersuchung statt, die gerichtsfest ist und deren Ergebnisse als Beweise verwendet werden können – was bei einer Untersuchung durch den Hausarzt nicht unbedingt der Fall ist. Diese Untersuchung beinhaltet keine Pflicht, Anzeige zu erstatten.


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