Ladendiebstahl: Welche Folgen drohen?

20.08.2018, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 6 Min. (1617 mal gelesen)
Ladendiebstahl: Welche Folgen drohen? © Bu - Anwalt-Suchservice

Ladendiebstahl ist für viele eine Jugendsünde. Inzwischen ist er jedoch auch Teil der organisierten Kriminalität geworden. Je nach Begehungsweise drohen dem Täter durchaus ernsthafte Strafen.

Ladendiebstahl wird von sehr unterschiedlichen Menschen aus unterschiedlichen Gründen begangen. Manchmal sind die Täter Jugendliche, die – auch unter dem Druck von Werbung und Gruppenzwang – etwas haben wollen, dass das Taschengeld nicht hergibt. Oft sind die Täter auch Menschen mit einer Zwangserkrankung. Es kommt jedoch auch immer öfter vor, dass Ladendiebstähle von Mitgliedern organisierter Banden begangen werden. Nicht zuletzt kommt auch mancher „normale Bürger“ bei Kosmetika, Lebensmitteln, Markenkaffee oder Sportsocken schon mal in Versuchung. 2017 wurden in Deutschland 353.384 Ladendiebstähle angezeigt. Die Tendenz ist leicht rückläufig. Allerdings geht der finanzielle Schaden trotzdem in die Milliarden. Welche Strafen drohen, wenn man erwischt wird?

Was ist eigentlich ein Diebstahl?


Das Strafgesetzbuch definiert Diebstahl als die Wegnahme einer fremden, beweglichen Sache (§ 242 StGB). Auch die Absichten des Täters spielen eine Rolle: Dieser muss nämlich die Absicht haben, den entsprechenden Gegenstand sich selbst oder jemand anderem zuzueignen, also die Eigentumsverhältnisse daran zu ändern. Das Handeln des Betreffenden muss rechtswidrig sein – also nicht von Verträgen wie einem Kaufvertrag abgedeckt. Strafbar ist nicht nur die vollendete Tat, sondern auch der Versuch.

Wann liegt ein vollendeter Diebstahl vor?


Dies ist gar keine so einfache Frage. Ist eine Flasche Parfum schon „gestohlen“, wenn man sie in der Tasche hat, selbst aber noch im Laden steht? Oder ist die Tat erst vollendet, der Gegenstand also richtig „gestohlen“, wenn man die Kasse passiert oder das Geschäft verlassen hat?
Entscheidend ist dabei etwas, dass die Juristen „Gewahrsamsbruch“ nennen. Den Gewahrsam an einer Sache hat derjenige, der im Besitz dieser Sache ist und darüber verfügen kann. Nimmt man ihm diese Sache weg, bricht man seinen Gewahrsam und begründet einen neuen.
Bei einem Ladendiebstahl ist dieser Vorgang in dem Moment abgeschlossen, in dem der Dieb die Ware in seine Jackentasche oder unter seinen Pullover gesteckt hat, sodass andere sie nicht sehen können. Der Ladeninhaber kann jetzt nicht mehr frei über die Ware verfügen. Der Diebstahl ist vollendet.
Natürlich gibt es Grenzfälle – zum Beispiel, wenn der Kunde die Ware in eine mitgebrachte eigene Tüte, Einkaufstasche oder einen Einkaufstrolley steckt. Hier kommt es darauf an, inwieweit die Ware „außer Sicht“ ist, ob es sich also nur um einen Transport zur Kasse oder um einen Diebstahl gehandelt hat. Wurde die Parfumflasche in einen offenen Einkaufskorb gelegt, wird es meist keine Probleme geben. Bei eigenen Einkaufstaschen oder Trolleys sieht dies schon anders aus.
Empfehlung: Schaffen Sie klare Verhältnisse und nutzen Sie die ladeneigenen Einkaufskörbe oder -Wagen.
Ein normaler, vollendeter Ladendiebstahl wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe geahndet. Allerdings haben die Gerichte beim Strafmaß großen Spielraum.

Was gilt für den Diebstahl als Mitglied einer Bande?


Wer als Mitglied einer Bande tätig wird, muss mit einer härteren Strafe rechnen. Ihm drohen mindestens sechs Monate und bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe.
Die Gerichte sehen Zusammenschlüsse von mindestens drei Personen als Bande an. Diese müssen sich „zur fortgesetzten Begehung von Raub oder Diebstahl verbunden“ haben. Damit jemand wegen Bandendiebstahl verurteilt werden kann, muss mindestens ein anderes Mitglied der Bande bei der Tat mitgeholfen haben – zum Beispiel durch ein Ablenken von Verkäufern.

“Es war doch nur ein Taschenmesser“: Diebstahl mit einer Waffe


Auch der Diebstahl mit einer Waffe wird härter bestraft: Hier drohen mindestens sechs Monate und bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe. Handelt es sich gleichzeitig um einen Bandendiebstahl, liegt die Mindeststrafe bei einem Jahr.
Hier gibt es oft böse Überraschungen für Täter. Denn: Die höhere Strafe gibt es nicht nur für „richtige“ Waffen, wie etwa Schusswaffen, Gaspistolen, Totschläger, Dolche, Schlagringe und Pfefferspray.
Genauso behandelt werden auch sogenannte „gefährliche Werkzeuge“ und jegliche „Mittel,...um den Widerstand einer anderen Person durch Gewalt oder Drohung mit Gewalt zu verhindern oder zu überwinden.“
Auch ein Taschenmesser, eine Nagelschere oder ein Schraubendreher können beim Diebstahl als gefährliches Werkzeug angesehen werden.
Wichtig: Dies hat nichts mit dem Waffengesetz zu tun. Es geht hier nicht darum, ob ein Gegenstand nach dem Waffengesetz verboten oder erlaubnispflichtig ist. Es geht allein um die mögliche Gefahr für andere Leute.
Beispiel: Das Oberlandesgericht Köln sah ein „Schweizer Offiziersmesser“ mit einer Klingenlänge von 6 cm als „gefährliches Werkzeug“ an (Urteil v. 10.01.2012, Az. III-1 RVs 258/11).
Bestraft wird das Mitführen. Es kommt also nicht darauf an, ob die Waffe oder das gefährliche Werkzeug überhaupt aus der Tasche geholt wird.
Mit anderen Worten: Wer im Laden klaut und dabei ein mickeriges Taschenmesser in der Jackentasche stecken hat, riskiert mindestens sechs Monate „Knast“.

Wie wird wiederholter Diebstahl geahndet?


Von „gewerbsmäßigem Diebstahl“ gehen die Gerichte aus, wenn für jemanden das Klauen zur dauerhaften Einnahmequelle von einigem Umfang geworden ist. Auch hier drohen höhere Strafen. Man spricht dann von einem besonders schweren Fall des Diebstahls (§ 243 StGB). Dieser wird mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu zehn Jahren geahndet.
Die Voraussetzung für einen gewerbsmäßigen Diebstahl ist nicht, dass der Täter die Beute verkauft oder dass sein Treiben den Umfang eines Gewerbebetriebs erreicht. Es muss auch keine bestimmte, feste Anzahl von Diebstählen erreicht sein.
Empfehlung: Betroffene sollten keinesfalls gegenüber der Polizei den Eindruck erwecken, dass sie ganz oder zum Teil vom Diebstahl leben.

Aufessen von Lebensmitteln (Mundraub)


Auch das Essen von Lebensmitteln, die ein Laden zum Verkauf anbietet, ist als (normaler) Diebstahl strafbar, wenn diese nicht an der Kasse bezahlt werden. Auch „zur Probe“ darf nicht einfach irgendetwas gegessen werden. Sieht der Ladeninhaber darüber hinweg, ist dies reine Kulanz.

Kleinkram mit geringem Wert


Gegenstände im Wert von unter 50 Euro sehen die Gerichte als sogenannte „geringwertige Sachen“ an. Die Folge ist, dass der Diebstahl nur auf Strafantrag hin überhaupt verfolgt wird. Natürlich wird dieser Antrag regelmäßig gestellt, da sehr viele Ladendiebstähle unter dieser Grenze liegen und der Gesamtschaden für die Geschäftsinhaber natürlich erheblich ist.
Trotzdem wird nicht immer Anklage erhoben. Denn über die Anklageerhebung entscheidet allein die Staatsanwaltschaft, und diese kann das Verfahren auch einstellen. Insbesondere bei Ersttätern besteht beim Diebstahl geringwertiger Sachen eine gute Chance, dass das Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt wird. Eine Einstellung kann an Auflagen gebunden sein, wie zum Beispiel eine Spende an eine gemeinnützige Organisation.

Wovon hängt die Höhe der Strafe ab?


Wie hoch die Strafe innerhalb des Strafrahmens ausfällt, hängt von vielen Faktoren ab. Es kommt zum Beispiel darauf an, ob es sich um einen einzelnen „Ausrutscher“ oder den 20ten Diebstahl in Folge handelt. Regelungen zum Strafrahmen finden sich in § 46 Abs. 2 des Strafgesetzbuches.

Eine große Rolle spielt bei der Strafzumessung die „Gesinnung“ – also das Motiv für den Diebstahl. Ein Diebstahl aus reiner Not, etwa um einem Kind etwas zum Anziehen kaufen zu können, wird anders beurteilt, als ein Diebstahl wegen einer Mutprobe oder als Zusatzverdienst – oder gar, um dem Ladeninhaber bewusst zu schaden. Die erhöhte Strafe beim Diebstahl mit Waffen oder gefährlichen Werkzeugen wurde bereits erwähnt. Allerdings wird die Strafe bei Mitnahme eines Schraubendrehers trotzdem geringer ausfallen, als wenn es sich um Rambos Kampfmesser gehandelt hat.

Das Gericht berücksichtigt auch die Lebensumstände des Angeklagten. Dies sind zum Beispiel Familie, Drogenabhängigkeit und Gesundheit. Nicht zuletzt spielt auch sein Verhalten nach der Tat eine Rolle. Gibt der Dieb das Diebesgut zurück und bemüht sich um Wiedergutmachung, hat er bessere Chancen auf eine milde Strafe. Strafmildernd kann sich auch ein drohender Jobverlust infolge des Diebstahls oder der Verurteilung auswirken.
Der Versuch, nach der Tat zu fliehen oder Spuren zu beseitigen, darf nicht zu einer Verschärfung der Strafe führen.

Was wird ins Führungszeugnis eingetragen?


Jede strafrechtliche Verurteilung wird Ins Bundeszentralregister aufgenommen. Allerdings heißt das noch nicht, dass sie auch im polizeilichen Führungszeugnis erscheint. Keinen Eingang ins Führungszeugnis finden Verurteilungen von Ersttätern mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Monaten oder einer Geldstrafe bis zu 90 Tagessätzen. Ebenso sind bestimmte Taten unter Drogeneinfluss und bestimmte zur Bewährung ausgesetzte Jugendstrafen ausgenommen.

Hausverbot im Laden


Eine häufige Folge des Ladendiebstahls ist ein Hausverbot im jeweiligen Geschäft oder Supermarkt. Dieses darf der Ladeninhaber ohne Weiteres verhängen, da er das Hausrecht innehat. Ein Hausverbot ist oft zeitlich begrenzt auf ein oder zwei Jahre, kann sich aber auf alle Geschäfte einer Handelskette beziehen. Wer das Hausverbot missachtet, macht sich wegen Hausfriedensbruch strafbar.

Praxistipp


Bei einem Ladendiebstahl kann es durchaus zu einer empfindlichen Gefängnisstrafe kommen. Die Strafe hängt sehr stark von den Tatumständen und den Motiven des Täters ab. Hier ist es für Betroffene besonders wichtig, möglichst wenig Angaben gegenüber der Polizei zu machen und einen erfahrenen Strafverteidiger hinzuzuziehen.

(Ma)



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