Diebstahl von Hoteleigentum: Ein Kavaliersdelikt?

02.02.2018, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 5 Min. (415 mal gelesen)
Diebstahl von Hoteleigentum: Ein Kavaliersdelikt? © Ma - Anwalt-Suchservice

Viele Hotelgäste lassen kleinere oder größere Gegenstände aus ihrer Unterkunft mitgehen. Welches Risiko geht man ein, wenn man Handtücher oder Shampoo aus dem Hotel mitnimmt?

Hotelgäste stehlen eine Vielzahl von Dingen. Die Liste geht dabei von Schreibstiften, Handtüchern und Bademänteln über Geschirr und Besteck bis zu Fernsehern, Kaffeemaschinen und Matratzen. Telefone, Wolldecken, Bilder – in einem Pressebericht ist von einem Hotelgast die Rede, der einen kompletten Schreibtisch abtransportierte. In einem Berliner Hotel wurde ein Waschbecken demontiert und mitgenommen. Aus einer Hotel-Umfrage des Hotelbewertungsportals “Wellness Heaven” geht hervor, dass das Diebesgut hochwertiger wird, je mehr Sterne ein Hotel hat. So werden in Fünf-Sterne-Hotels mehr hochwertige Fernseher, Kunstwerke und Matratzen entwendet, während Vier-Sterne-Hotels häufiger den Schwund von Bademänteln, Kleiderbügeln, Glühbirnen und Batterien feststellen.

Was gilt für Shampoos und Pflegeprodukte?


Entspannt sehen Hoteliers meist die Mitnahme von angebrochenen Shampoo-Fläschchen oder Seifen. Diese sind immerhin ein Verbrauchsprodukt, manche Hotelbetreiber sprechen gar von Werbung, wenn ihre Gäste Derartiges mitnehmen. Rechtlich gesehen ist allerdings auch dies Diebstahl. Denn die Hygiene- und Pflegeprodukte gehören dem Hotel, sollen nur während des Aufenthalts verbraucht werden und sind nicht zum Mitnehmen gedacht. Dies gilt unabhängig davon, ob die Produkte bereits angebrochen sind. Allerdings wird sich das Hotel in der Regel nicht über die Mitnahme angebrochener Pflegeprodukte beschweren, da diese nach Abreise des Gastes sowieso entsorgt werden würden.

Wann liegt Diebstahl vor?


Das Strafgesetzbuch (StGB) definiert Diebstahl als die Wegnahme einer fremden, beweglichen Sache. Für den Diebstahl ist ein sogenannter Gewahrsamsbruch notwendig, der Gegenstand muss also aus dem Gewahrsam seines rechtmäßigen Eigentümers gegen dessen Willen entfernt werden. Ein weiteres Merkmal ist die sogenannte Zueignungsabsicht: Der Wegnehmende muss die Absicht haben, den Gegenstand entweder sich selbst oder jemand anderer zuzueignen, also die Eigentumsverhältnisse daran zu ändern.
Ein Diebstahl wird nach § 242 des Strafgesetzbuches mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft. Die Gerichte haben also einen erheblichen Spielraum beim Strafmaß. Wie hoch dieses im Einzelfall ausfällt, richtet sich nach der Schwere der Tat und dem Wert der gestohlenen Gegenstände. Auch ein Versuch ist strafbar.

Wann liegt eine Unterschlagung vor?


Von einer Unterschlagung spricht man, wenn jemand sich selbst oder einem anderem eine fremde Sache zueignet – ohne sie jemand anderem wegzunehmen. Darum spricht man oft von Unterschlagung, wenn eine gemietete Sache, wie ein Mietwagen, nicht zurückgegeben wird. Der Täter einer Unterschlagung begeht nicht den beim Diebstahl üblichen Gewahrsamsbruch, da der Eigentümer ja seinen Gewahrsam an dem Gegenstand freiwillig aufgegeben hat. Die Unterschlagung ist in § 246 StGB geregelt. Wird eine Sache unterschlagen, die dem Täter anvertraut war, liegt die Strafe auch hier bei bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug oder einer Geldstrafe.

Unterschlagung oder Diebstahl im Hotelzimmer?


Werden Gegenstände aus dem Hotelzimmer mitgenommen, geht man von einem Diebstahl aus und nicht von einer Unterschlagung. Denn: Das Hotel hat die Gegenstände nicht allein in die Obhut des Gastes gegeben oder diesem anvertraut. Da die Hotelangestellten ein Zutrittsrecht zum Zimmer haben, behält das Hotel seinen Gewahrsam am Inventar.

Wann liegt ein Diebstahl geringwertiger Sachen vor?


Diebstahl (und Unterschlagung) geringwertiger Sachen werden nach § 248a StGB nur auf Strafantrag des Geschädigten hin verfolgt. Eine einfache Anzeige des Diebstahls reicht also nicht aus. Ausnahme: Die Staatsanwaltschaft ist der Meinung, dass eine Strafverfolgung im öffentlichen Interesse wäre. Dann kann sie auch von selbst tätig werden. Dies kommt zum Beispiel bei massenhaften oder gewerbsmäßigen Diebstählen in Betracht.
Die Gerichte sind sich nicht ganz einig darüber, wo die Grenze für eine geringwertige Sache liegt. Zum Teil wird diese bei einem Wert von 30 Euro, zum Teil aber auch erst bei 50 Euro angesetzt. Viele der in Hotelzimmern gestohlenen Gegenstände – von Kleiderbügeln über Bademäntel bis hin zu Sofakissen – fallen damit unter den Diebstahl geringwertiger Sachen. Allzu sehr verlassen sollten ich Hotelgäste darauf jedoch nicht – ein hochwertiges Sofakissen kostet womöglich schon mehr als 30 Euro und ist damit nach Ansicht vieler Gerichte über der Grenze.

Was droht bei Diebstahl von Elektronik, Deko oder Kunstgegenständen?


Hier wird die Geringwertigkeitsgrenze in der Regel überschritten sein. Eine Strafverfolgung ist damit wahrscheinlicher. Auch die Toleranzschwelle bei den Hotelbetreibern ist hier niedriger, denn Diebstähle solcher Gegenstände verursachen mehr Schaden und beeinträchtigen unter Umständen auch die Vermietbarkeit der Zimmer, bis Ersatz geschaffen ist. Im Falle einer Verurteilung ist mit einer höheren Strafe zu rechnen.

Wann liegt schwerer Diebstahl vor?


Ein schwerer Diebstahl liegt zum Beispiel vor, wenn ein Gegenstand gestohlen wird, der in einen Behälter (z.B. Safe) eingeschlossen oder in irgendeiner Form besonders gegen Diebstahl gesichert ist. Dies wird bei Hotelinventar eher selten vorkommen. Immerhin: Für Flachbildfernseher gibt es bereits spezielle Diebstahlsicherungen, die auch in Hotels zum Einsatz kommen. Ist eine Art von Diebstahlsicherung vorhanden, droht eine Verurteilung wegen schwerem Diebstahl und damit eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten und bis zu zehn Jahren. Auch gewerbsmäßiger Diebstahl zum Verdienen des Lebensunterhaltes ist schwerer Diebstahl. Bei geringwertigen Sachen scheidet schwerer Diebstahl allerdings aus.

Urteil: Drei Monate für zwei Flaschen Whisky


Als Beispiel: Das Oberlandesgericht Oldenburg verurteilte einen Mann zu drei Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung, der zwei Flaschen Whisky im Wert von 48 Euro in einem Laden gestohlen hatte. Dies wurde als schwerer Diebstahl beurteilt, weil er gewerbsmäßig gehandelt habe. Den Betrag von 48 Euro sah das Gericht hier nicht mehr als geringwertig an, so dass eine Verurteilung wegen schweren Diebstahls möglich war. Geringwertig sei alles bis zu 30 Euro (OLG Oldenburg, Urteil vom 2.12.2014, Az. 1 Ss 261/14).

Wie können Hotels reagieren?


Hotels reagieren auf unterschiedliche Weise. Bei Shampoos, Seifen und Cremes unternehmen sie in der Regel nichts. Verlässt ein Gast ganz offen das Haus mit einem Koffer, aus dem ein Hotelhandtuch heraushängt, kann es vorkommen, dass seine Kreditkarte entsprechend nachbelastet wird. In vielen Fällen wird allerdings auch bei Handtüchern und Bademänteln nichts unternommen. Wird der Gast jedoch dabei erwischt, wie er einen wertvolleren Gegenstand stiehlt, kann es durchaus zu einer Strafanzeige kommen. Dazu muss das Hotel beweisen können, dass dieser Gast den betreffenden Gegenstand gestohlen hat. Viele Hotels behandeln solche Fälle jedoch mit viel Diskretion und schreiben lieber einen Brief, in dem sie Rückgabe oder Bezahlung fordern. Gerade kleinere Hotels gehen verstärkt dazu über, diebstahlsichere Kleiderbügel zu verwenden, keine Bademäntel mehr anzubieten und generell das lose Inventar im Zimmer zu reduzieren.

Wann kann das Hotel Schadensersatz fordern?


Unabhängig von einer Strafanzeige kann das Hotel natürlich auch nach dem Zivilrecht Schadensersatz fordern, wenn der Gast etwas mitgehen lässt. Dies gilt auch für Schäden, die der Gast am Zimmer verursacht. Auch zu diesem Mittel greifen Hotels eher im Ausnahmefall. Voraussetzung ist auch hier, dass das Hotel beweisen kann, wer für den Schaden verantwortlich ist.

Praxistipp


Viele Hotels bieten mittlerweile ihren Gästen an, Bademäntel, Handtücher und andere Dinge mit Hotel-Logo schlicht im Hotelshop zu kaufen. Wer ein Souvenir will, sollte von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Ansonsten sollten Hotelgäste bedenken: Auch wenn Hotels oft kulant sind, haben die Gäste nicht das Recht, einfach mitzunehmen, was ihnen gefällt. Es gibt keine Garantie dafür, dass sie nicht strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Werden Sie eines Diebstahls beschuldigt, sollten Sie sich an einen Rechtsanwalt wenden, der als Strafverteidiger tätig ist.

(Ma)



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