Was tun bei Falschüberweisung oder Fehlabbuchung?

22.10.2018, Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (683 mal gelesen)
Was tun bei Falschüberweisung oder Fehlabbuchung? © Bu - Anwalt-Suchservice

Bei Überweisungen und Abbuchungen kann einiges schiefgehen. Eine Rückbuchung ist nicht immer möglich. Was können Bankkunden tun, um ihr Geld zurückzubekommen?

Online-Überweisungen sind eine einfache Sache. Allerdings ist ein Tippfehler oder Zahlendreher schnell passiert. Oder die Kontoverbindung des Empfängers hat sich unbemerkt geändert. Andererseits kann es auch zu unberechtigten Abbuchungen im Lastschriftverfahren kommen – dies passiert gar nicht so selten. Wie bekommt man nun als Bankkunde sein Geld zurück?

Wie kann es zu einer falschen Lastschriftabbuchung kommen?


Bei einer Lastschrift beauftragt der Empfänger einer Zahlung seine Bank, einen Betrag vom Konto des zur Zahlung Verpflichteten abzubuchen. Die beiden beteiligten Geldinstitute müssen diesem Auftrag nachkommen. Es findet dabei vonseiten der Banken keine Kontrolle statt, ob die Abbuchung berechtigt war. So kommt es häufig vor, dass geschuldete Beträge versehentlich doppelt abgebucht werden. Schreibfehler bei Überweisungen können dazu führen, dass ein falsches Konto belastet wird. Und schließlich nutzen auch Betrüger manchmal das Lastschriftverfahren, um Beträge von fremden Konten abbuchen zu lassen.

Was ist bei einer falschen Lastschriftabbuchung zu tun?


Allerdings gibt es bei Lastschriftabbuchungen eine einfache Lösung. Seit Anfang 2016 sind alle Lastschriften auf das SEPA-Lastschriftverfahren umgestellt. Hier gilt: Der Zahlende kann die Lastschriftabbuchung innerhalb einer bestimmten Frist widerrufen und sich das Geld durch eine Rücklastschrift zurückbuchen lassen. Wie lang die Frist ist, hängt davon ab, ob es sich um einen Fehler oder eine völlig unberechtigte Abbuchung gehandelt hat.
Gibt es für die Lastschrift ein gültiges Mandat – liegt also eine gültige Einzugsermächtigung oder Abbuchungserlaubnis vor – kann eine fehlerhafte Lastschrift innerhalb von acht Wochen zurückgebucht werden. Bankkunden müssen sich dazu an ihre Bank wenden und die Lastschrift widerrufen bzw. annullieren. So ein Fall kann eintreten, wenn zum Beispiel ein Betrag falsch berechnet wurde oder der Zahlungsempfänger einen Zahlendreher in der Geldsumme hatte.
Gab es allerdings keine gültige Einzugsermächtigung oder wurde diese widerrufen, können Verbraucher sogar 13 Monate lang die Lastschrift zurückfordern. Dies kann der Empfänger des Geldes nur verhindern, indem er eine gültige Einzugsermächtigung vorweist.

Was ist bei einer falschen Kreditkartenabbuchung zu tun?


Falsche Abbuchungen von Kreditkarten werden oft erst spät bemerkt, da die Abbuchung vom Girokonto des Verbrauchers erst am Monatsende erfolgt. Auch hier kann das Geld jedoch zurückgefordert werden. Dazu muss der Kunde bei seinem Kreditkartenunternehmen Widerspruch gegen die Abbuchung einlegen. Das Verfahren unterscheidet sich je nach Unternehmen. Geht es zum Beispiel um eine zu hohe Abbuchung durch einen Onlinehändler, sollte man den entsprechenden Schriftverkehr vorlegen können. Bei einer völlig unberechtigten Abbuchung kann eine Vorlage der Anzeige bei der Polizei verlangt werden bzw. sinnvoll sein.
Bei Kreditkarten haben Kunden acht Wochen lang Zeit, eine unberechtigte Abbuchung zu widerrufen. Nach Ablauf dieser Frist ist das Geld weg.

Handelt es sich um eine vollkommen unberechtigte Abbuchung durch Straftäter, die auf irgendeine Weise an Kreditkartendaten gelangt sind, ist eine Sperrung der Karte erforderlich. Dies kann über die Telefonnummer 116116 oder besondere Telefonnummern der jeweiligen Kartenunternehmen stattfinden. Eine Sperrung ist immer endgültig, die Karte kann danach nie wieder benutzt werden. Vorher noch getätigte Umsätze werden jedoch bearbeitet und vorher getätigte Zahlungen vom Girokonto abgebucht. Meist schicken die jeweiligen Anbieter bzw. Geldinstitute dem Kunden zeitnah eine neue Karte zu.

Geht eine Kreditkarte verloren, wird sie gestohlen oder sonst missbräuchlich verwendet, haftet der Inhaber nach § 675v des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) mit maximal 50 Euro für den Schaden. Aber: Die Geldinstitute berufen sich natürlich gerne darauf, dass der Betreffende grob fahrlässig mit seinen Zugangsdaten umgegangen ist. Ist dies der Fall, müssen sie den Schaden nicht erstatten.

Welche Schritte sind bei einer Fehlüberweisung erforderlich?


Ein schwierigeres Thema ist die Fehlüberweisung, bei der der Kontoinhaber selbst einen Betrag an eine falsche Kontonummer bzw. einen falschen Empfänger überweist. Die Banken überprüfen heute nicht mehr, ob eine Kontonummer tatsächlich zu dem auf der Überweisung genannten Empfänger gehört oder umgekehrt der Empfänger zum angegebenen Konto. Hier kann die Überweisung nur gestoppt werden, wenn die Bank sie noch nicht ausgeführt hat. Das bedeutet: sofort bei der Kundenhotline der eigenen Bank anrufen und sich mit der Telefon-PIN legitimieren können. Diese Gelegenheit ist allerdings spätestens nach einer halben Stunde verstrichen. Dann wird's kompliziert. Eine Rückbuchung durch den Überweisenden selbst ist nämlich nicht möglich. Ein Anspruch gegen die eigene Bank oder die Empfängerbank besteht auch nicht. Der Kontoinhaber kann sein Geld nur zurückbekommen, indem der falsche Empfänger es ihm zurücküberweist.

Darauf hat der Absender einen Rechtsanspruch. Dieser basiert auf § 812 BGB (ungerechtfertigte Bereicherung). Nur hat der Überweisende außer der IBAN meist keine Daten des Empfängers.
Diese kann er allerdings von der Bank bekommen. Diese ist nämlich nach § § 675y Abs. 5 BGB dazu verpflichtet, dem Absender der Zahlung alle Informationen zu geben, die dieser benötigt, um sein Geld zurückzubekommen. Genauer: Die Bank des Empfängers muss gegenüber der Bank des Absenders Namen und Adresse des Überweisungsempfängers herausrücken. Dazu stellt der Überweisende bei seiner Bank einen sog. Nachforschungsauftrag. Die Bank des Empfängers muss der Bank des Überweisenden daraufhin die Daten übermitteln. Dann kann dieser den Zahlungsempfänger zur Rückzahlung auffordern. Reagiert dieser auf die erste freundliche Aufforderung nicht, sollte eine schriftliche Mahnung per Einschreiben mit Rückschein und mit Zahlungsfrist erfolgen. Denn dadurch wird der Zahlungsempfänger in Verzug gesetzt. Gibt er das Geld nicht fristgerecht zurück, ist es ratsam, einen Anwalt zu beauftragen. Ein Anwaltsschreiben kann bereits zu mehr Zahlungswillen führen. Notfalls ist eine Zahlungsklage erforderlich.

Praxistipp


Überprüfen Sie regelmäßig Kontoauszüge und Kreditkartenabrechnungen auf Abbuchungen, die zu hoch, doppelt oder unberechtigt sind. Zügiges Handeln ist wichtig. Im Zweifelsfall hilft ein Rechtsanwalt, der sich als Fachanwalt auf das Bankrecht spezialisiert hat.

(Bu)



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