Wie gründe ich eine GmbH?

08.12.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 5 Min. (158 mal gelesen)
Wie gründe ich eine GmbH? © Rh - Anwalt-Suchservice

Die GmbH ist eine beliebte Gesellschaftsform für Existenzgründer. Mit ihrer Gründung sind jedoch einige Formalien verbunden. Hier einige Hinweise zu den wichtigsten Schritten der GmbH-Gründung.

Wer sich selbstständig machen möchte, hat die Qual der Wahl: Möchte er Einzelkaufmann sein, mit vollem Risiko? Tut er sich mit anderen in einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts zusammen – und haftet dann im Zweifel auch für deren Fehler? Oder gründet er eine GmbH, um sein Haftungsrisiko zu reduzieren und professionell aufzutreten? Die GmbH hat viele Vorteile, ist aber auch mit höherem Gründungsaufwand verbunden.

Was ist eine GmbH?


GmbH ist die Abkürzung für „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“. Es handelt sich um eine Gesellschaftsform aus dem deutschen Gesellschaftsrecht. Die GmbH ist eine Kapitalgesellschaft. Ihre Gesellschafter beteiligen sich also in erster Linie mit einer Kapitalbeteiligung und nicht durch Arbeit. Die GmbH beruht auf einem Gesellschaftsvertrag und ist eine Körperschaft des privaten Rechts, deren Mitglieder einen gemeinsamen Zweck verfolgen. Sie ist eine juristische Person, die eigenständig vor Gericht klagen und verklagt werden kann. Ihr gesetzliches Mindest-Stammkapital beträgt 25.000 Euro. Der Geschäftsführer der GmbH kann ein Gesellschafter sein, dies ist jedoch oft auch nicht der Fall. Er vertritt die GmbH nach außen.

Ablauf der Gründung: Welche Rechtsform wähle ich?


Erster Schritt einer Gründung ist die Wahl der Rechtsform. Hier sollten Gründer sorgfältig das Für und Wieder der verschiedenen Rechtsformen abwägen. Die häufigste Rechtsform ist das einzelkaufmännische Unternehmen. Beispiele für Personengesellschaften sind: GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts), Kommanditgesellschaft (KG) und offene Handelsgesellschaft (oHG). Beispiele für Kapitalgesellschaften sind: GmbH, Limited, Unternehmergesellschaft mit beschränkter Haftung (UG) und Aktiengesellschaft (AG). Wichtige Entscheidungskriterien sind die Anzahl der Gründer, eine gewünschte Haftungsbeschränkung, ein vorgeschriebenes Stammkapital, Freiheiten beim Firmennamen, Kosten und Dauer der Gründung, Aufwand und Kosten für Buchführung und Bilanzierung, Steuerliche Unterschiede, Publizitätsvorschriften (Veröffentlichung von Jahresabschlüssen etc.), Mitbestimmungsmöglichkeiten der Gesellschafter.

Was sind die Vorteile einer GmbH?


Gegenüber einer einzelkaufmännischen Tätigkeit oder verschiedenen Varianten der Personengesellschaft hat die GmbH den Vorteil, dass die Haftung der Gesellschafter begrenzt ist. Denn: Die GmbH haftet Gläubigern gegenüber nur mit ihrem Gesellschaftsvermögen. Die einzelnen Gesellschafter haften nicht mit ihrem Privatvermögen, sondern nur mit ihren Einlagen. Dies stellt eine wichtige Absicherung für die Gesellschafter dar. Weitere Vorteile bestehen unter anderem darin, dass bei der GmbH auch Sacheinlagen ins Gesellschaftsvermögen eingebracht werden können, dass der Geschäftsführer zugleich auch Gesellschafter sein kann, dass ein Wechsel von Gesellschaftern relativ einfach möglich ist und dass das Unternehmen durch Verkauf der Gesellschaftsanteile veräußert werden kann.

Was sind die Nachteile einer GmbH?


Erforderlich ist ein Stammkapital von mindestens 25.000 Euro. Davon muss zumindest die Hälfte bei der Gründung auch eingezahlt werden. Die Gesellschafter haften allerdings mit dem gesamten Stammkapital von mindestens 25.000 Euro. Rechtliche Konsequenzen drohen, wenn das Vermögen der GmbH und das der Gesellschafter nicht sauber getrennt werden, denn hier entsteht schnell der Verdacht unzulässiger verdeckter Gewinnausschüttungen. Die Gründungsformalitäten der GmbH sind deutlich umfangreicher als bei anderen Gesellschaftsformen. So muss die Gründung notariell beurkundet werden. Eine Eintragung im Handelsregister ist notwendig. Das GmbH-Gesetz ist zu beachten, hier gibt es eine Vielzahl von Vorschriften über Buchführung, Bilanzierung und die Veröffentlichung von Geschäftsergebnissen. Selbstverständlich fallen für alle diese Vorgänge auch Kosten an. Der Geschäftsführer setzt sich bei Pflichtverstößen einer persönlichen Haftung und möglichen strafrechtlichen Folgen aus. Ein weiterer Nachteil ist die Gewerbesteuerpflicht der GmbH. Der Vorteil der Haftungsbeschränkung wird in vielen Fällen dadurch zunichte gemacht, dass Banken die Kreditvergabe von selbstschuldnerischen Bürgschaften der Gesellschafter abhängig machen, so dass diese dann doch wieder selbst haften.

Der Gesellschaftsvertrag


Die Gründung einer GmbH erfordert zwingend den Abschluss eines Gesellschaftsvertrages. Dieser muss den Namen und den Sitz des Unternehmens enthalten, das Stammkapital, den Geschäftszweck, die Anzahl und Höhe der Gesellschaftsanteile der einzelnen Gesellschafter und eine Gesellschafterliste. Sinnvoll ist auch eine Regelung über die Bestellung des Geschäftsführers. Bei höchstens drei Gesellschaftern und einem Geschäftsführer darf anstatt des Gesellschaftsvertrages ein standardisiertes Musterprotokoll zur Gründung verwendet werden, das dann allerdings keinen Spielraum für eigene vertragliche Regelungen enthält. Der Gesellschaftsvertrag ist durch einen Notar zu beurkunden.

Was passiert beim Notar?


Zunächst beurkundet der Notar den Gesellschaftsvertrag. Die Gesellschafterliste wird ebenfalls vom Notar erstellt. Auch die Geschäftsführerbestellung ist notariell zu beurkunden. Eine weitere wichtige Aufgabe des Notars besteht darin, die Gesellschaft beim Handelsregister anzumelden. Auch ein Wechsel von Gesellschaftern oder Geschäftsführer(n) erfordert später eine notarielle Beurkundung und eine Eintragung im Handelsregister.

Wie erfolgt die Einzahlung der Stammeinlage?


Eine GmbH darf erst dann ins Handelsregister eingetragen werden, wenn der Mindestanteil der Stammeinlage eingezahlt ist. Auf jeden Geschäftsanteil muss dabei ein Viertel des Nennbetrags eingezahlt sein, sofern keine Sacheinlagen erfolgen. Für Streit sorgt oft der Fälligkeitstermin für die Einzahlung der Resteinlagen der Gesellschafter. Dieser sollte im Gesellschaftsvertrag geregelt werden, andernfalls muss die Gesellschafterversammlung darüber entscheiden.

Welche Kosten fallen bei der GmbH-Gründung an?


Die Kosten hängen von verschiedenen Faktoren ab. Eine Gründung mit dem Musterprotokoll ist billiger als eine mit einem individuellen und von einem Rechtsanwalt ausgearbeiteten Gesellschaftsvertrag – der aber viele Eventualitäten besser abdeckt. Einige der erforderlichen Dokumente können auch selbst erstellt und zum Notar mitgebracht werden, anstatt sie vom Notar erstellen zu lassen. Dies ist mit dem Notar zu vereinbaren. Mit 400 bis 800 Euro für den Notar ist zu rechnen. Dazu kommt die Eintragungsgebühr für das Handelsregister, das beim Amtsgericht geführt wird – etwa 150 Euro. Auch eine Eröffnungsbilanz ist zu erstellen. Wird dies nicht selbst, sondern durch einen Steuerberater erledigt, kostet auch dieser Geld. Bei einer einfachen Gründung mit Musterprotokoll ist dafür mit ca. 80 bis 140 Euro zu rechnen. Die Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt ist gebührenpflichtig. Diese Gebühren sind von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich und bewegen sich meist im Bereich von etwa 20 bis 30 Euro. Mit Eintragung ins Handelsregister wird die GmbH auch Zwangsmitglied in der Industrie- und Handelskammer (IHK) und muss in der Regel einen Mitgliedsbeitrag zahlen. Hier gibt es oft einen Grundbeitrag von etwa 150 Euro im Jahr, der umsatzabhängig steigt.

Welche Buchführungspflichten hat die GmbH?


Die GmbH kann keine einfache Einnahme-Überschuss-Rechnung veranstalten – hier ist die doppelte Buchführung mit einem aus Gewinn- und Verlustrechnung sowie Bilanz bestehenden Jahresabschluss Pflicht. Der Jahresabschluss muss im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlicht werden; der Umfang der veröffentlichten Daten richtet sich nach der Unternehmensgröße.

Praxistipp


Wer klein anfangen will, kann zunächst eine Unternehmergesellschaft (UG) gründen. Diese Mini-GmbH ist ebenfalls in der Haftung beschränkt. Das Mindest-Stammkapital liegt bei 1 Euro. Ein zu geringes Stammkapital reduziert allerdings die Kreditwürdigkeit und erhöht das Risiko, sich zu überschulden und zum Insolvenzantrag verpflichtet zu sein. Die UG ist so konzipiert, dass ein Teil der Gewinne zurückgelegt wird, um später eine GmbH zu gründen. Eine Beratung über die geeignete Gesellschaftsform ist jedem Gründer dringend zu empfehlen und kann bei einem Fachanwalt für Gesellschaftsrecht eingeholt werden.