Auto auf dem Radweg: Wer haftet für Sturz vom Fahrrad?

06.04.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (109 mal gelesen)
Auto auf dem Radweg: Wer haftet für Sturz vom Fahrrad? © Rh - Anwalt-Suchservice

Dauernd queren Autos Fahrradwege, egal ob beim Abbiegen oder bei der Ein- oder Ausfahrt zum oder vom Grundstück. Und oft kommt es dabei zu Unfällen. Wer haftet dann?

Dieser Rechtstipp behandelt folgende Themen:
Radweg für Radler Unfall trotz Radweg Das Urteil Haftung ohne Verschulden
Radwege sind den Radfahrern vorbehalten - so weit, so selbstverständlich. Doch im Alltag kommt es naturgemäß auch dort zu Begegnungen zwischen Autofahrern und Radlern. Das Landgericht Oldenburg hatte jetzt einen Fall zu entscheiden, bei dem ein Radfahrer beim Umfahren eines den Radweg blockierenden Pkw zu Fall gekommen war.

Radweg für Radler


Radwege sind sinnvoll. Sie erhöhen die Sicherheit für Fahrradfahrer, indem sie ihnen einen eigenen Verkehrsraum zur Verfügung stellen. Das Risiko eines Unfalls unter Beteiligung eines Pkw ist damit jedoch keineswegs ausgeschlossen; etwa in Situationen, wenn ein Autofahrer den Radweg kreuzen muss, um auf die Straße zu gelangen. So auch bei dem jetzt vom Landgericht Oldenburg behandelten Fall.

Unfall trotz Radweg


Ein Autofahrer hatte dort einen Radweg überqueren müssen, um aus einer Grundstückseinfahrt kommend die viel befahrene Straße erreichen zu können. Weil dort starker Verkehr herrschte, musste der Fahrer jedoch auf Höhe des Radweges anhalten und zunächst auf eine Lücke im fließenden Verkehr warten. Noch während das Auto schräg auf dem Radweg stand, kam ein Fahrradfahrer dort entlang gefahren. Bei dem Versuch das Heck des wartenden Wagens zu umfahren, geriet der Radler auf eine Rasenkante, und es kam zum Sturz. Hierbei zog sich der Radfahrer Verletzungen zu.

Das Urteil


Mit seiner Klage begehrte er nun von dem Autofahrer die Erstattung der Hälfte seines erlittenen materiellen Schadens sowie die Zahlung eines Schmerzensgelds. Während das Amtsgericht die Klage noch abgewiesen hatte, erkannte das Landgericht Oldenburg dem Radfahrer nun Ersatz seiner berechtigten Ansprüche in Höhe von 25 Prozent und ein Schmerzensgeld über 1.000 € zu. Das Landgericht bestätigte damit eine Haftung des Autofahrers aus der einfachen Betriebsgefahr seines Wagens.

Haftung ohne Verschulden


Der Autofahrer haftet also, ohne dass er sich ein Verschulden zurechnen lassen muss. Er war insbesondere nicht verpflichtet den Fahrradweg wieder zu räumen, als sich der Radler der Stelle näherte. Insoweit gilt, dass ein Verkehrsteilnehmer, der die Verhaltensregeln im Verkehr beachtet, und der eine Position einmal erreicht hat, diese zugunsten eines anderen Verkehrsteilnehmers nicht wieder freigeben muss. Allerdings hat der Autofahrer - ungeachtet der Beachtung sämtlicher Verkehrsregeln - durch das Blockieren des Radweges eine Gefahr gesetzt, die sich schließlich durch den Unfall auch realisiert hat. Aus diesem Grunde konnte die Betriebsgefahr hier nicht vollständig hinter dem Verschulden des Radfahrers zurücktreten.