Darf ich meinen Sohn Jesus nennen?

29.01.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (246 mal gelesen)
Darf ich meinen Sohn Jesus nennen? © Kristin Gründler - Fotolia.com
Nicht nur bei Weihnachts-Kindern beliebt: Eltern wollen dem Sohnemann den Namen Jesus geben. Ist das überhaupt zulässig? Wir sind der Sache einmal nachgegangen!

Jesus als Vorname seit 1998 erlaubt
Währen der Vorname Jesus in Südeuropa, insbesondere in Spanien und Portugal schon immer weit verbreitet war, durften die Standesämter in Deutschland die Eintragung des Namens lange Zeit verweigern. Erst das OLG Frankfurt am Main entschied am 24.11.1998 (Az.: 20 W 149/98), dass der Name Jesus ein weltweit gebräuchlicher Vorname sei, gegen dessen Vergabe keine rechtlichen Bedenken beständen.

Satan ist verboten
Anders sieht es jedoch bei Satan oder Sputnik aus. So dürfen zwar Musik-Bands heißen, für einen Vornamen gelten sie aber als zu unpassend. Ähnlich ist der Umgang mit Verleihnix. Dieser Name gilt als lächerlich und somit als unzulässig. Was Mädchennamen betrifft, sind Eltern beim Standesamt mit Namen wie Fanta, Pferfferminza oder Borussia gescheitert. Entsprechendes wird man auch von Pippi oder Schalke annehmen können. Schließlich ist der Staat berechtigt und verpflichtet, ein Kind als Grundrechtsträger vor verantwortungsloser Namenswahl durch die Eltern zu schützen.

BVerfG erlaubt geschlechtsneutrale Vornamen
Geschlechtsneutrale Namen wie Kim, Andrea oder Sascha waren und sind auch heute noch in den deutschen Amtsstuben ein regelrechter Zankapfel. Häufig wird verlangt, dass einem solchen Namen noch ein Zweitname hinzugefügt wird, der einem Geschlecht eindeutig zuzuordnen ist. Allerdings hat das Bundesverfassungsgericht am 5.12.2008 (Az.: 1 BvR 576/07) entschieden, dass die Eltern mangels einschlägiger Bestimmungen im Namensrecht in der Wahl des Vornamens grundsätzlich frei seien. Diesem Recht der Eltern zur Vornamenswahl dürfe allein dort eine Grenze gesetzt werden, wo seine Ausübung das Kindeswohl zu beeinträchtigen drohten, also wie im Fall Fanta oder Verleihnix.

In dem vorliegenden Fall gehörten die Eltern des Kindes der Religionsgemeinschaft der Hindu an und wollten ihre Tochter Kiran nennen. Ein Vorname, der in Indien sowohl Jungen wie auch Mädchen gegeben wird. Nach hinduistischer Tradition ist es unmöglich, einem Kind einen zusätzlichen Namen zu geben. Für den Standesbeamten ein Unding, doch er musste sich schließlich der höchstrichterlichen Rechtsprechung beugen. Das Gericht sah in der Weigerung des Beamten, den Namen Kiran nicht in das Geburtsregister einzutragen, eine Verletzung von Art. 6 Abs. 2 GG (Erziehungsrecht der Eltern) sowie Art. 2 Abs. 1 GG (Allgemeines Persönlichkeitsrecht des Kindes).