Diebstahl und Beschädigung von Reisegepäck – was tun?

21.07.2017, Redaktion Anwalt-Suchervice (105 mal gelesen)
Diebstahl und Beschädigung von Reisegepäck – was tun? © Rh - Anwalt-Suchservice

Man freut sich auf den wohlverdienten Urlaub, wartet am Zielflughafen auf den Koffer – aber der ist weg. Verloren, geklaut – er taucht nicht mehr auf. Natürlich mit Kamera, Kleidung, Hygieneartikeln und Badezeug. Was tun?

Beim Diebstahl von Reisegepäck fragt sich zunächst, ob der Reiseveranstalter oder die Fluggesellschaft eine Haftung übernehmen oder gar vor Ort kurzfristig für das Nötigste sorgen müssen. Findet der Diebstahl im Hotel statt, muss dieses unter Umständen für das gestohlene Gepäck haften. Und vielleicht zahlt sogar eine Reisegepäckversicherung.

Wann haftet die Fluggesellschaft für Schäden und Diebstahl am Gepäck?


Offiziellen Statistiken zufolge gehen jährlich etwa 42 Millionen Gepäckstücke weltweit bei Flugreisen verloren. Die Mehrzahl taucht wieder auf und wird den Reisenden mit einer gewissen Verspätung wieder zugestellt. Aber etwa eine Million Koffer bleiben verschwunden. Die Fluggesellschaften sind nach dem Montrealer Abkommen von 2004 unabhängig von einem Verschulden dazu verpflichtet, ihre Fluggäste für Zerstörung, Verlust oder Beschädigung von Reisegepäck zu entschädigen. Allerdings gibt es Höchstgrenzen.

Ist die Fluggesellschaft zum Schadensersatz verpflichtet?


In der Regel suchen die Fluggesellschaften fünf Tage lang nach dem verschwundenen Gepäckstück. Wird es innerhalb dieser Zeit nicht wieder aufgefunden, bekommt der Passagier einen Fragebogen, auf dem er Angaben zum Inhalt und dessen Wert machen kann. Manche Fluggesellschaften geben den Fragebogen auch früher aus. Die Schadensregulierung richtet sich nach dem Montrealer Abkommen. Danach muss die Airline für verschwundenes Gepäck eine Entschädigung zahlen, allerdings nur bis zur Höchstgrenze von 1.131 sogenannten Sonderziehungsrechten, einer künstlichen Währung. Was dies in Euro ergibt, richtet sich nach dem jeweiligen Kurs – grundsätzlich sind dies etwas über 1.300 Euro. Diese Grenze gilt pro Passagier, nicht pro Gepäckstück.

Belege sind wichtig


Der Passagier muss den Wert des verlorenen oder beschädigten Eigentums nachweisen (Belege, eidesstattliche Erklärung) und erhält dann diesen Betrag bis zur Höchstgrenze ersetzt. Die Fluggesellschaft kann um die Zahlungspflicht herumkommen, wenn der Schaden durch den Zustand des Gepäcks oder dessen “Eigenarten” verursacht wurde, also etwa durch ungenügende Verpackung von zerbrechlichen Wertgegenständen oder den Transport von auslaufenden Flüssigkeiten. Die Fluggesellschaft ist ebenfalls von der Haftung befreit, wenn sie beweist, dass der Passagier den Schaden durch eine unrechtmäßige, also gegen das Gesetz verstoßende Handlung verursacht hat.

Was kann der Fluggast bei teuren Gepäckstücken tun?


Zunächst ist es wichtig, den Wert nachweisen zu können. Es sollten also Kaufbelege von Wertgegenständen aufgehoben werden. Eine Inventarliste des Koffers ist ebenfalls sinnvoll, da sie das Auffinden erleichtern kann. Wer rechtzeitig vor Reisebeginn eine zusätzliche Reisegepäckversicherung abschließt, ist auf der sicheren Seite.

Wer haftet bei Schäden, die durch den Zoll entstehen?


Die Fluggesellschaft haftet nicht für Schäden, die entstanden sind, während das Gepäck sich in der Obhut von jemand anderem befand. Schäden durch Zoll oder Polizei werden also nicht bezahlt. Der Reisende muss sich hier an den Verursacher halten, was oft problematisch sein dürfte. Beispiel: Ein Reisender auf dem Rückflug von Rom hatte neben Handy und Digitalkamera auch größere Vorräte von Rotwein, Salamis und Oliven im Gepäck. Die Lebensmittel wurden beschädigt und der Koffer landete übel riechend und tropfend beim Zoll. Dieser vernichtete das ganze Gepäckstück aus hygienischen Gründen und fertigte ein Protokoll darüber an. Dem Amtsgericht Frankfurt a.M. zufolge haftet die Fluggesellschaft dafür nicht. Der Koffer durfte vernichtet werden (Urteil vom 15.1.2013, Az. 30 C 1914/12).

Wann haftet der Reiseveranstalter?


Bei Pauschalreisen gilt der Verlust des Reisegepäcks als Reisemangel. Der Reisende ist daher zur Minderung des Reisepreises berechtigt. Wichtig ist hier die sofortige Meldung an den Reiseleiter vor Ort. Denkbar ist eine Minderung um 25 Prozent des Tagespreises für jeden Tag ohne Gepäck. Wenn für den Urlaub entscheidende Gegenstände fehlen (Taucherausrüstung, Rollstuhl) unter Umständen mehr. Hier steht dann ein Anspruch auf Schadensersatz wegen entgangener Urlaubsfreude im Raum. Rechtsgrundlage ist das Reisevertragsrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches, §§ 651a ff. BGB. Ansprüche müssen innerhalb eines Monats nach Reiseende geltend gemacht werden.

Bekommt man Ersatzkleidung vor Ort?


Die Fluggesellschaften erlauben Fluggästen nach einem Gepäckverlust in der Regel, sich auf ihre Kosten ein paar notwendige Kleidungsstücke oder Waschzeug anzuschaffen. Das bedeutet aber nicht, dass man nach Herzenslust shoppen gehen kann. Jede Fluglinie hat unterschiedliche Grenzen für Beträge, die sie noch für angemessen hält. Diese stehen in den jeweiligen Allgemeinen Geschäftsbedingungen und liegen bei 25 bis 200 Euro. Bei Pauschalreisen handhaben Reiseveranstalter dies ähnlich.

Ab wann haftet das Hotel für Diebstahl und Schäden am Gepäck?


In deutschen Hotels gilt: Sobald sich der Koffer in der Obhut des Hotels befindet, haftet das Hotel auch für Diebstahl und Beschädigung. Man spricht hier von “eingebrachten”, also in das Hotel mitgebrachten Sachen. Die gesetzliche Regelung findet sich in §§ 701 ff. BGB. Vor dem Einzug oder nach dem Auszug aus dem Zimmer haftet das Hotel nur für Gegenstände, die es ausdrücklich in seine Obhut genommen hat, wenn etwa Koffer bis zur endgültigen Abreise noch verwahrt werden. Achtung: Dies gilt nicht bei ausländischen Hotels. Hier ist die Verwahrung bis zum Abreisezeitpunkt eher eine Gefälligkeit, so dass Schadensersatz oft nur bei nachgewiesenem Verschulden geltend gemacht werden kann. Der Reiseveranstalter haftet nur, wenn die Verwahrung des Gepäcks am Abreisetag Vertragsbestandteil war. Dies ist in der Regel nicht der Fall (Amtsgericht Berlin-Mitte, Az. 16 C 289/05).

Haftungsbeschränkungen des Hotels


Die Haftung eines deutschen Hotels ist gesetzlich beschränkt. Das Hotel haftet bis zum 100fachen des täglichen Übernachtungspreises, höchstens aber bis zum Betrag von 3.500 Euro. Für Geld, Wertpapiere und Kostbarkeiten haftet das Hotel bis 800 Euro. Allerdings ist die Haftung nicht begrenzt, wenn der Schaden nachweislich vom Hotelier oder dessen Personal verschuldet ist. Der Gast kann dem Hotel die Haftung nur durch schriftliche Vereinbarung erlassen, soweit sie die Höchstgrenzen übersteigt und der Schaden nicht vom Hotel verschuldet ist.

Wie muss der Geschädigte bei Diebstahl und Schäden reagieren?


Geht der Koffer am Flughafen verloren, müssen Reisende sich zunächst an die Gepäckermittlung des jeweiligen Flughafens (“Lost and Found”) und an die Fluggesellschaft wenden. Hier kann oft schon ein Verlustprotokoll ausgefüllt werden. Reisende sollten unbedingt das Flugticket mit dem Gepäckabschnitt aufbewahren, auf dem eine Registriernummer für den Koffer steht. Bei Pauschalreisen sollte sofort auch der Reiseveranstalter angesprochen werden (Reiseleiter vor Ort).

Wann greift eine Reisegepäckversicherung?


Eine Reisegepäckversicherung zahlt, wenn das Gepäck während einer Reise zerstört oder beschädigt wird oder verschwindet. Sie kann einzeln oder im Paket mit anderen Versicherungen abgeschlossen werden. Die Reisegepäckversicherung zahlt in der Regel nicht, wenn das Gepäck unbeaufsichtigt ist und dann verschwindet, oder wenn der Reisende es verliert. Eine Reihe von Gegenständen sind vom Versicherungsschutz ausgeschlossen, meist Fahrkarten, Bargeld, Wertpapiere, Waffen. Für Wertgegenstände und Elektronik gibt es oft Haftungshöchstgrenzen. Was genau die Versicherung hier trägt, steht im jeweiligen Vertrag. – Bei einem Schaden durch Einbruch oder Raub kann auch im Urlaub die Hausratsversicherung den Schaden erstatten. Bis zu welchen Beträgen der mobile Hausrat im Urlaub abgesichert ist, richtet sich nach den Versicherungsbedingungen.


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