Sturmschäden an Haus und Auto: Wer trägt die Kosten?

13.03.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 6 Min. (447 mal gelesen)
Sturmschäden an Haus und Auto: Wer trägt die Kosten? © Bu - Anwalt-Suchservice

Stürme, wie zuletzt das Sturmtief „Eberhard“, hinterlassen erhebliche Schäden. Für die Geschädigten stellt sich dann die Frage, ob eine Versicherung den Schaden deckt oder wer sonst dafür aufkommt.

Stürme und Unwetter mit großen Schäden kommen besonders im Frühjahr und im Herbst häufig vor. Zurück bleiben abgedeckte Dächer, umgefallene Bäume auf den Straßen, zertrümmerte Autos und jede Menge zerbrochenes Glas. In einigen Fällen zahlen Versicherungen den Schaden. Dabei gibt es jedoch erhebliche Einschränkungen. In anderen Fällen kann eine bestimmte Person für den Schaden haftbar gemacht werden. Es kommt allerdings auch vor, dass dem Geschädigten ein Mitverschulden vorgeworfen wird.

Sturmschäden am Haus: Welche Versicherungen gibt es?


In Betracht kommen hier die Hausratsversicherung und die Wohngebäudeversicherung. Die Hausratsversicherung deckt Schäden an allen beweglichen Gegenständen ab, die sich im Haus befinden. Beschädigt zum Beispiel ein Sturm das Dach und der neue Fernseher und die teure Couchgarnitur werden durch Regenwasser zerstört, ist die Hausratsversicherung der richtige Ansprechpartner. Das Dach selbst ist dagegen über die Wohngebäudeversicherung versichert. Diese sichert nämlich die Substanz des Gebäudes ab und nicht dessen Inhalt.
Glasbruch an Fenstern oder Möbeln ist ein besonderes Thema. Er ist nicht selbstverständlich in alle Versicherungsverträge eingeschlossen und muss zum Teil über einen besonderen Vertragsbaustein oder eine besondere Glasversicherung abgesichert werden.
Für Hauseigentümer ist eine Haftpflichtversicherung ebenso wichtig wie für Mieter. Weht etwa der Sturm die Satellitenantenne vom Dach oder einen Blumentopf vom Balkon und diese treffen Autos oder Passanten, können schnell hohe Schadensersatzforderungen die Folge sein. In solchen Fällen haftet oft derjenige, der die entsprechenden Dinge nicht ausreichend gegen Sturm gesichert hat. Was die Versicherungen zahlen, ist immer von den jeweiligen Versicherungsbedingungen abhängig, also vom Versicherungsvertrag und letztlich auch vom Versicherungsvertragsgesetz.

Wann liegt ein Sturmschaden vor?


Nach Ansicht der Versicherungen und der Gerichte liegt ein Sturmschaden vor, wenn der Wind die Stärke acht erreicht. Dies entspricht einer Windgeschwindigkeit von 62 bis 74 km/h. Alles darunter gilt nicht als Sturm, sondern nur als schlechtes Wetter. Wichtig: Der Versicherungsnehmer muss den Grad der Windstärke nicht beweisen. Das erklärte das Oberlandesgericht Karlsruhe (Az. 12 U 251/04). Das Gericht entschied, dass es ausreichend sei, wenn zum Zeitpunkt des Schadens in der näheren Umgebung des Hauses diese Windstärke gemessen wurde. Welche Windstärke der Sturm in Ihrer Region hatte, können Sie beim Deutschen Wetterdienst herausfinden. Als Indiz für einen Sturmschaden gelten außerdem typische zeitgleiche Sturmschäden an Häusern in der Nachbarschaft.

Wann zahlt die Wohngebäudeversicherung?


Die Wohngebäudeversicherung versichert Schäden am Haus selbst. Sie wird durch dessen Eigentümer abgeschlossen. Die Versicherungspolice schließt in der Regel Sturm- und Hagelschäden ein. Als typische Sturmschäden an Gebäuden gelten beispielsweise davongeflogene Dacheindeckungen und Schäden an Dach und Fassade durch umgestürzte Bäume oder abgebrochene Äste. Allerdings gibt es Einschränkungen: Unterlässt es ein Immobilieneigentümer zum Beispiel vor einem Sturm, die Außenmarkise einzufahren, wird der Schaden in der Regel nicht erstattet. Sein Handeln wird nämlich als grob fahrlässig betrachtet (Amtsgericht München, Urteil vom 14. Januar 2009, Az. 112 C 31663/08). Dabei kommt es jedoch auf den Vertragsinhalt an: In immer mehr Versicherungsverträgen ist der „Einwand der groben Fahrlässigkeit“ ausgeschlossen – das bedeutet, dass sich die Versicherung nicht auf dieses Argument berufen wird.

Was gilt für Wohngebäude mit Vorschäden?


Wenn ein Wohnhaus schon Vorschäden hatte, welche weitere Schäden durch einen Sturm begünstigt haben, muss die Gebäudeversicherung den Sturmschaden trotzdem ersetzen. Dies geht aus einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Saarbrücken hervor. Im verhandelten Fall hatte sich der durch Hohlstellen geschwächte Außenputz eines Hauses durch einen Sturm gelöst (Urteil vom 12.4.2006, Az. 5 U 496/05-53).

Wann zahlt die Hausratsversicherung?


Die Hausratsversicherung deckt direkte Sturmschäden am beweglichen Hausrat ab. Abschließen können sie Mieter und Hauseigentümer für selbst bewohnte Immobilien. Solche Schäden entstehen zum Beispiel, wenn ein Fenster oder das Dach beschädigt wird und Regenwasser eindringt.
Der Hausrat ist jedoch nicht gegen selbst verschuldete Schäden versichert. Dazu gehören etwa ein offen gelassenes Fenster oder im Freien stehen gelassene Möbel. Nicht versichert sind auch auf der Terrasse stehende Gartenmöbel oder andere Gegenstände wie etwa ein Grill. Solche Dinge sollte man also vor dem Sturm sicher unterstellen.
Der Versicherungsnehmer hat eine sogenannte Schadensminderungspflicht. Er muss also alles Zumutbare dafür tun, den Schaden möglichst gering zu halten: So gilt es als zumutbar, dass er zum Beispiel die teuren Möbel und den Plasmafernseher vom zerstörten Fenster wegrückt.
Wichtig ist es bei der Hausratsversicherung, den tatsächlichen Wert des Hausrats zu versichern – dies gilt besonders bei Wertgegenständen wie teurer Elektronik, Designermöbeln oder Antiquitäten. Der nach Quadratmetern Wohnfläche berechnete Standardbetrag der Versicherung reicht für solche Werte in der Regel nicht aus. Von Wertgegenständen sollte man Kaufbelege aufbewahren, um deren Wert nachweisen zu können.

Was ist eine Elementarschadenversicherung?


Eine Wohngebäudeversicherung zahlt zwar bei Schäden durch Sturm und Hagel, meist aber nicht bei unwetterbedingt überfluteten Kellern oder Wasserschäden durch einen Rückstau in den Abwasserleitungen. Letzteres kommt bei Überschwemmungen durch Unwetter oft und immer häufiger vor. Hier kann eine Elementarschadenversicherung helfen: Sie schützt Eigentümer oder Mieter vor Schäden durch Naturereignisse wie etwa Starkregen, Überschwemmung, Hochwasser, Schneedruck, Lawinen, Erdrutsch, Erdsenkung, Erdbeben.
Eine solche Versicherung kann als Zusatzbaustein für die Hausrats- und die Wohngebäudeversicherung abgeschlossen werden. Auch bei ihr sollte man allerdings genau auf das Kleingedruckte achten: Schäden durch einen Rückstau in Abwasserleitungen sind oft nur versichert, wenn die Leitung mit einer Rückstausicherung versehen ist.

Welche Versicherung deckt Schäden am Bau ab?


Spezielle Versicherungen gibt es für Bauherren, um Risiken während der Bauphase abzusichern. So können Sturmschäden durch eine Rohbauversicherung abgedeckt werden. Eine solche Versicherung ersetzt Schäden am Rohbau selbst und auch am auf der Baustelle gelagerten Baumaterial. Auch Elementarschäden sind versicherbar. Eine Rohbauversicherung kann gesondert abgeschlossen werden. Für Bauherren ist es jedoch sinnvoller und meist auch kostengünstiger, schon vor Baubeginn eine Wohngebäudeversicherung mit eingeschlossener Rohbauversicherung abzuschließen.

Sturmschaden am Auto: Was zahlt die Versicherung?


Mancher hat für sein Auto nur eine Haftpflichtversicherung. In diesem Fall hat der Fahrzeughalter bei Sturmschäden Pech. Er geht leer aus.
Eine Teilkaskoversicherung zahlt bei Sturmschäden ab Windstärke acht oder bei nachvollziehbaren Hagelschäden. Als Geschädigter können Sie diese wieder über den deutschen Wetterdienst oder Schäden in der Umgebung glaubhaft machen. Allerdings muss der Schaden direkt durch die Naturgewalten entstanden sein und nicht unter Mitwirkung des Fahrers. Zum Beispiel: Wenn ein umstürzender Baum auf ein geparktes Auto fällt, zahlt die Teilkasko. Rammt aber der Fahrer einen direkt vor ihm auf die Straße gefallenen Baum, zahlt sie nicht. Auch dann, wenn ein Baum hauptsächlich deshalb umgefallen ist, weil er morsch ist, zahlt die Teilkasko nichts oder zumindest nur den Glasbruch. In diesem Fall erhält der Autofahrer höchstens Geld von einer Vollkaskoversicherung.
Ähnlich verhält es sich bei Wasserschäden: Wird das Auto überflutet, ist dies ein Fall für die Teilkasko, fährt man aktiv in eine Überschwemmung hinein, zahlt sie nicht. Das Verhalten des Autofahrers ist sogar beim Parken wichtig: Stellt er sein Auto an einer besonderen Gefahrenstelle ab, zum Beispiel unter einem morschen Baum oder neben einer Baustelle mit schlecht gesicherten Gegenständen, kann die Versicherung ihre Zahlungen heruntersetzen. Auch bei Autoversicherungen sollte man übrigens darauf achten, dass der Einwand der groben Fahrlässigkeit ausgeschlossen ist.

Fälle vor Gericht: Fliegende Baustellenklos und rasende Müllcontainer


Wenn sich Gegenstände im Sturm selbstständig machen und fremdes Eigentum beschädigen, haften in vielen Fällen deren Besitzer. Denn diese haben in aller Regel eine Verkehrssicherungspflicht zu beachten. Sie müssen also so gut wie möglich verhindern, dass durch ihre Gegenstände andere einen Schaden erleiden.
Das Amtsgericht Ratingen beschäftigte sich mit einem vom Sturm umgeworfenen Mobilklo. Dieses hatte zielsicher einen geparkten PKW getroffen. Das Gericht erklärte, dass der Aufsteller des Baustellenklos den Schaden tragen müsse. Es wäre seine Pflicht gewesen, dieses vor dem Sturm zu sichern und auch den Standort so zu wählen, dass fremdes Eigentum nicht gefährdet werde. Der Autobesitzerin wurde jedoch ein Mitverschulden von 50 Prozent angerechnet – weil sie ihren PKW bei Sturm neben dem Baustellenklo abgestellt hatte (Urteil vom 21.12.1990, Az. 8 C 1768/90).
Auch Müllcontainer auf Rollen machen sich gelegentlich bei Sturm selbstständig. Kollidieren sie mit geparkten PKW, hängt die Haftung stark vom Einzelfall ab: Einige Gerichte lehnen eine Haftung des Container-Eigentümers ab, wenn er dessen Feststellbremse angezogen hat (LG Coburg, Beschluss vom 9.6.2006, Az. 33 S 38/06). Ist allerdings ein starker Sturm angekündigt, muss der für den Container Verantwortliche unter Umständen zusätzliche Sicherungsmaßnahmen treffen.

Praxistipp


Einen Sturmschaden sollten Sie als Geschädigter Ihrer Versicherung unverzüglich melden. Die Vertragsbedingungen enthalten dafür Fristen. Wenn zu viel Zeit vergeht, kann Ihre Versicherung die Leistung verweigern. Außerdem muss der Versicherung in der Regel die Gelegenheit zur Besichtigung des Schadens gegeben werden – und zwar, bevor Reparaturen stattfinden oder beschädigte Gegenstände entsorgt werden. Darauf kann nur Ausnahmefall verzichtet werden, wenn etwa ohne Reparatur weitere Schäden zu erwarten sind. Auch in diesem Fall sollte aber sinnvollerweise eine Absprache mit der Versicherung stattfinden. Rechtlichen Rat im Schadensfall erteilt ein im Zivilrecht tätiger Anwalt oder ein Fachanwalt für Versicherungsrecht.

(Bu)



Anwalt-Suchservice
Juristische Redaktion
E-Mail schreiben Juristische Redaktion

Anwalt-Suchservice
Juristische Redaktion
E-Mail schreiben Juristische Redaktion