Sturmschäden an Haus und Auto: Wer trägt die Kosten?

09.10.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice (205 mal gelesen)
Sturmschäden an Haus und Auto: Wer trägt die Kosten? © Bu - Anwalt-Suchservice

Stürme, wie zuletzt das Orkantief "Xavier", hinterlassen erhebliche Schäden. Für die Geschädigten stellt sich dann die Frage, ob eine Versicherung den Schaden zahlt oder wer sonst dafür aufkommt.

Stürme und Unwetter mit erheblichen Schäden kommen immer wieder vor. Sie hinterlassen abgedeckte Dächer, umgefallene Bäume, zertrümmerte Autos und jede Menge Glasbruch. In einigen Fällen kommen Versicherungen für den Schaden auf. Es gibt dabei jedoch erhebliche Einschränkungen. In anderen Fällen kann eine andere Person für den Schaden haftbar gemacht werden. Und nicht selten wird dem Geschädigten auch ein Mitverschulden vorgeworfen.

Sturmschäden am Haus: Welche Versicherungen gibt es?


Hier kommen die Hausratsversicherung und die Wohngebäudeversicherung in Frage. In der Hausratsversicherung sind alle beweglichen Gegenstände versichert, die sich im Haus befinden. Deckt zum Beispiel ein Sturm das Dach ab und der teure Fernseher und die neue Polstergarnitur werden durch das Regenwasser zerstört, ist der richtige Ansprechpartner für diese Gegenstände die Hausratsversicherung. Das Dach selbst ist dagegen ein Fall für die Wohngebäudeversicherung. Diese sichert die Substanz des Gebäudes ab, nicht dessen Inhalt. Glasbruch – an Fenstern oder Möbeln – muss oft über einen besonderen Vertragsbaustein oder eine besondere Glasversicherung abgesichert werden. Eine Haftpflichtversicherung ist für Hauseigentümer genauso dringend zu empfehlen wie für Mieter. Weht der Sturm die Satellitenantenne vom Dach oder einen Blumentopf vom Balkon, kann dies schnell hohe Forderungen nach Schadensersatz nach sich ziehen. Denn: Hier haftet oft derjenige, der die entsprechenden Dinge nicht ausreichend gegen Sturm gesichert hat. Was die Versicherungen zahlen, richtet sich nach den jeweiligen Versicherungsbedingungen bzw. dem Versicherungsvertrag und dem Versicherungsvertragsgesetz.

Wann liegt ein Sturmschaden vor?


Aus Sicht der Versicherungen und der Gerichte liegt ein Sturmschaden ab Windstärke acht vor, also mit einer Windgeschwindigkeit von mindestens 62 bis 74 km/h. Alles darunter wird nicht als Sturm angesehen, sondern nur als schlechtes Wetter. Wichtig zu wissen ist, dass der Versicherungsnehmer den Grad der Windstärke nicht beweisen muss. Das entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe (Az. 12 U 251/04). Das Gericht erklärte dazu, dass es ausreichend sei, wenn zum Schadenszeitpunkt in der näheren Umgebung des Hauses diese Windstärke gemessen wurde. Welche Windstärke der Sturm in ihrer Region erreicht hat, erfahren Sie beim Deutschen Wetterdienst. Auch typische zeitgleiche Sturmschäden an Häusern in der Nachbarschaft sind ein Indiz für einen Sturmschaden.

Wann zahlt die Wohngebäudeversicherung?


Die Wohngebäudeversicherung umfasst Schäden am Haus selbst und wird von dessen Eigentümer abgeschlossen. Sturm- und Hagelschäden sind in der Regel in die Versicherungspolice eingeschlossen. Typische Sturmschäden an Gebäuden sind zum Beispiel davongeflogene Dacheindeckungen und Schäden an Dach und Fassade durch umgefallene Bäume oder abgebrochene Äste. Es gibt jedoch Einschränkungen: Wenn ein Hauseigentümer es zum Beispiel vor einem Sturm unterlässt, die Außenmarkise einzufahren, muss er damit rechnen, dass der Schaden nicht erstattet wird. Denn sein Handeln wird als grob fahrlässig angesehen (Amtsgericht München, Urteil vom 14. Januar 2009, Az. 112 C 31663/08). Hier kommt es allerdings auch auf den Vertragsinhalt an: In manchen Versicherungsverträgen ist der „Einwand der groben Fahrlässigkeit“ ausgeschlossen – das bedeutet, dass sich die Versicherung nicht auf dieses Argument berufen wird.

Wohngebäude mit Vorschäden


Hatte ein Wohngebäude bereits Vorschäden, die weitere Schäden durch einen Sturm begünstigt haben, muss die Gebäudeversicherung trotzdem für den Sturmschaden aufkommen. Dies hat das Oberlandesgericht Saarbrücken in einem Fall entschieden, bei dem der durch Hohlstellen geschwächte Außenputz eines Hauses vom Sturm abgelöst wurde (Urteil vom 12.4.2006, Az. 5 U 496/05-53).

Wann zahlt die Hausratsversicherung?


Die Hausratsversicherung zahlt für direkte Sturmschäden am beweglichen Hausrat. Sie kann von Mietern und Hauseigentümern für selbst bewohnte Immobilien abgeschlossen werden. Zu solchen Schäden kann es zum Beispiel kommen, wenn ein Fenster oder das Dach kaputt geht und Regenwasser eindringt. Nicht versichert ist der Hausrat gegen selbst verschuldete Schäden: Etwa ein offen gelassenes Fenster oder im Freien stehen gelassene Möbel. Auch auf der Terrasse stehende Gartenmöbel oder andere Gegenstände wie etwa ein Grill sind nicht versichert – sie müssen vor dem Sturm in Sicherheit gebracht werden. Generell muss der Versicherungsnehmer alles Zumutbare dafür tun, den Schaden gering zu halten: Zum Beispiel ist es ihm zuzumuten, die teuren Möbel und den Plasmafernseher vom zerstörten Fenster wegzurücken. Bei der Hausratsversicherung sollte man darauf achten, den tatsächlichen Wert des Hausrats zu versichern – insbesondere bei Wertgegenständen wie besonders teurer Elektronik oder Designermöbeln. Denn der nach Quadratmetern Wohnfläche berechnete Standardbetrag der Versicherung reicht für diese Werte meist nicht aus.

Was ist eine Elementarschadenversicherung?


Die Wohngebäudeversicherung zahlt zwar bei Sturm und Hagel, aber in der Regel nicht bei durch Unwetter überfluteten Kellern oder Wasserschäden etwa durch einen Rückstau in den Abwasserleitungen. Letzteres kommt jedoch bei Überschwemmungen durch Unwetter oft vor. Hier kommt die Elementarschadenversicherung ins Spiel: Sie schützt Eigentümer oder Mieter vor Schäden durch Naturereignisse wie zum Beispiel Starkregen, Überschwemmung, Hochwasser, Schneedruck, Lawinen, Erdrutsch, Erdsenkung, Erdbeben. Sie kann als Zusatzbaustein für die Hausrats- und die Wohngebäudeversicherung abgeschlossen werden. Allerdings sollte man auch hier auf das Kleingedruckte im Vertrag achten: Schäden durch einen Rückstau in Abwasserleitungen sind zum Teil nur dann versichert, wenn die Leitung mit einer Rückstausicherung versehen ist.

Welche Versicherung deckt Schäden am Bau ab?


Für Bauherren gibt es besondere Versicherungen, um Risiken während der Bauphase abzudecken. Sturmschäden können durch eine Rohbauversicherung abgesichert werden. Diese ersetzt Schäden am Rohbau selbst und an Baumaterial auf der Baustelle. Auch Elementarschäden können mitversichert werden. Die Rohbauversicherung kann gesondert abgeschlossen werden, sinnvoller und insgesamt kostengünstiger ist es jedoch, bereits vor Baubeginn eine Wohngebäudeversicherung mit eingeschlossener Rohbauversicherung abzuschließen.

Sturmschaden am Auto: Was zahlt die Versicherung?


Wer nur eine Haftpflichtversicherung hat, geht bei Sturmschäden an seinem Auto leer aus. Eine Teilkaskoversicherung zahlt Sturmschäden bei Stürmen ab Windstärke acht oder nachvollziehbare Hagelschäden. Diese können wieder über den deutschen Wetterdienst oder Schäden in der Umgebung glaubhaft gemacht werden. Der Schaden muss allerdings direkt durch die Naturgewalten entstanden sein und nicht durch den Fahrer. Beispiel: Fällt ein umstürzender Baum auf ein geparktes Auto, zahlt die Teilkasko. Rammt der Fahrer einen vor ihm auf die Straße gefallenen Baum, zahlt sie nicht. Fällt ein Baum hauptsächlich deshalb um, weil er morsch ist, zahlt die Teilkasko ebenfalls nicht bzw. nur den Glasbruch. Dann zahlt allenfalls eine Vollkaskoversicherung. Ähnlich ist es mit Wasserschäden: Wird das Auto überflutet, zahlt die Teilkasko, fährt man in eine Überschwemmung, zahlt sie nicht. Das Verhalten des Autofahrers spielt allerdings auch beim Parken eine Rolle: Stellt er das Auto an einer gefährdeten Stelle ab, etwa unter einem morschen Baum oder neben einer Baustelle mit schlecht gesicherten Gegenständen, kann die Versicherung ihre Zahlungen einschränken. Auch bei Autoversicherungen sollte darauf geachtet werden, dass der Einwand der groben Fahrlässigkeit ausgeschlossen ist.

Fliegende Baustellenklos und rasende Müllcontainer


Machen sich Gegenstände im Sturm selbstständig und schädigen fremdes Eigentum, haftet oft deren Besitzer. Denn dieser hat in der Regel eine Verkehrssicherungspflicht, er muss also so gut wie möglich verhindern, dass durch seine Gegenstände andere geschädigt werden. Das Amtsgericht Ratingen befasste sich mit dem Fall eines vom Sturm umgeworfenen Mobilklos. Dieses hatte einen geparkten PKW getroffen. Das Gericht entschied, dass der Aufsteller des Baustellenklos für den Schaden haften müsse. Denn es sei seine Pflicht gewesen, dieses vor dem Sturm zu sichern und den Standort so zu wählen, dass es fremdes Eigentum nicht gefährde. Allerdings wurde der Fahrzeughalterin ein Mitverschulden von 50 Prozent angerechnet, weil sie bei Sturm neben dem Baustellenklo geparkt hatte (Urteil vom 21.12.1990, Az. 8 C 1768/90). Bei rollbaren Müllcontainern hängt nach Kollisionen mit geparkten PKW die Haftung sehr stark vom Einzelfall ab: Einige Gerichte lassen den Eigentümer des Containers nicht haften, wenn er dessen Feststellbremse angezogen hat (LG Coburg, Beschluss vom 9.6.2006, Az. 33 S 38/06). Ist jedoch ein starker Sturm angekündigt, müssen unter Umständen zusätzliche Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden.

Wichtig: Schäden rechtzeitig melden


Geschädigte sollten einen Sturmschaden ihrer Versicherung unverzüglich melden. Die Vertragsbedingungen enthalten entsprechende Fristen. Vergeht zu viel Zeit, können die Versicherer die Leistung verweigern. Darüber hinaus muss der Versicherung in der Regel die Gelegenheit zur Besichtigung des Schadens gegeben werden, bevor Reparaturen stattfinden oder beschädigte Gegenstände entsorgt werden. Dies ist nur im Ausnahmefall entbehrlich, wenn etwa ohne Reparatur weitere Schäden zu befürchten sind. Auch dann sollte sinnvollerweise eine Absprache mit der Versicherung erfolgen.


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