Sturmschäden an Haus und Auto: Wer trägt die Kosten?

08.02.2021, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 6 Min. (1490 mal gelesen)
Auto,umgestürzter,Baum,Sturmschaden Auto durch Sturm beschädigt - In welchen Fällen zahlt die Versicherung? © Bu - Anwalt-Suchservice

Gerade im Februar sind Sturmtiefs mit erheblichem Schaden keine Seltenheit. Für die Geschädigten stellt sich dann schnell die Frage, ob eine Versicherung den Schaden deckt oder wer sonst dafür aufkommt.

Besonders im Frühjahr und Herbst kommt es oft zu Stürmen und Unwettern mit großen Schäden. Zurück bleiben abgedeckte Dächer, umgefallene Bäume auf den Straßen, zertrümmerte Autos und jede Menge zerbrochenes Glas. Versicherungen bezahlen in einigen Fällen den Schaden. Aber: Hier gibt es so einige Einschränkungen. Und dann gibt es auch Fälle, in denen eine bestimmte Person für den Schaden haftbar gemacht werden kann. Dabei kommt es allerdings auch vor, dass dem Geschädigten ein Mitverschulden vorgeworfen wird.

Sturmschäden am Haus: Welche Versicherungen gibt es?


Hier kommen die Hausratsversicherung und die Wohngebäudeversicherung in Frage. In der Hausratsversicherung sind Schäden an allen beweglichen Gegenständen abgesichert, die sich im Haus befinden. Wenn zum Beispiel ein Sturm das Dach beschädigt und der neue Fernseher und die teure Couchgarnitur durch Regenwasser zerstört werden, ist die Hausratsversicherung der richtige Ansprechpartner. Für das Dach selbst ist dagegen die Wohngebäudeversicherung zuständig. Sie sichert die Substanz des Gebäudes ab und nicht dessen beweglichen Inhalt.

Ein besonderes Thema ist Glasbruch an Fenstern oder Möbeln. Dieser ist nicht selbstverständlich in alle Versicherungsverträge eingeschlossen. Stattdessen muss ihn der Versicherungsnehmer über einen besonderen Vertragsbaustein oder eine besondere Glasversicherung extra absichern.

Eine Haftpflichtversicherung ist für Hauseigentümer genauso wichtig wie für Mieter. Falls beispielsweise ein Sturm die Satellitenantenne vom Dach oder einen Blumentopf vom Balkon weht und diese Autos oder Passanten treffen, können schnell hohe Schadensersatzforderungen folgen. Dann haftet derjenige, der sein Eigentum nicht ausreichend gegen Sturm gesichert hat.
Was die Versicherungen im einzelnen Fall bezahlen, hängt immer von den jeweiligen Versicherungsbedingungen ab, also vom Versicherungsvertrag. Das Versicherungsvertragsgesetz legt die Regeln fest, an die sich Versicherungen dabei zu halten haben.

Wann liegt ein Sturmschaden vor?


Aus Sicht von Versicherungen und Gerichten handelt es sich um einen Sturmschaden, wenn der Wind Stärke acht erreicht. Dies entspricht dann einer Windgeschwindigkeit von 62 bis 74 km/h. Alles darunter wird nicht als Sturm, sondern lediglich als schlechtes Wetter angesehen.

Wichtig ist: Der Versicherungsnehmer braucht den Grad der Windstärke nicht zu beweisen. Das entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe (Az. 12 U 251/04). Dem Urteil zufolge ist es ausreichend, wenn diese Windstärke zum Zeitpunkt des Schadens in der näheren Umgebung des Hauses gemessen wurde. Welche Windstärke ein Sturm in einer bestimmten Region hatte, lässt sich beim Deutschen Wetterdienst herausfinden. Als Indiz für einen Sturmschaden sieht man außerdem typische zeitgleiche Sturmschäden an anderen Gebäuden in der Nachbarschaft an.

Wann zahlt die Wohngebäudeversicherung?


In der Wohngebäudeversicherung sind Schäden am Haus selbst versichert. Abschließen kann diese Versicherung nur der Eigentümer. Die meisten Versicherungspolicen schließen Schäden durch Sturm- und Hagel ein. Als typische Sturmschäden an Gebäuden betrachtet man zum Beispiel davongeflogene Dacheindeckungen sowie Schäden an Dach und Fassade durch umgestürzte Bäume oder abgebrochene Äste.

Eigenes Verschulden kann den Versicherungsschutz gefährden. Wenn es ein Immobilieneigentümer zum Beispiel vor einem Sturm unterlässt, die Außenmarkise einzufahren, wird seine Versicherung ihm danach in der Regel keine neue Markise bezahlen. Sein Handeln wird man in diesem Fall als grob fahrlässig ansehen (Amtsgericht München, Urteil vom 14. Januar 2009, Az. 112 C 31663/08). Aber: Hier kommt es wiederum sehr auf den Vertragsinhalt an: So wird in immer mehr Versicherungsverträgen der „Einwand der groben Fahrlässigkeit“ ausgeschlossen. Die Versicherung sichert also zu, dass sie sich nicht auf grobe Fahrlässigkeit ihres Kunden berufen wird.

Was gilt für Wohngebäude mit Vorschäden?


Hatte ein Wohnhaus schon Vorschäden, durch die weitere Schäden durch einen Sturm begünstigt wurden, muss die Gebäudeversicherung den Sturmschaden trotzdem ersetzen. Dies ergibt sich aus einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Saarbrücken. Im betreffenden Fall hatte sich bei einem Sturm der durch Hohlstellen geschwächte Außenputz eines Hauses abgelöst (Urteil vom 12.4.2006, Az. 5 U 496/05-53).

Wann zahlt die Hausratsversicherung?


Über die Hausratsversicherung sind direkte Sturmschäden am beweglichen Hausrat versichert. Abgeschlossen werden kann sie durch Mieter und Eigentümer für selbst bewohnte Immobilien. Zu solchen Schäden kommt es zum Beispiel, wenn ein Fenster oder das Dach beschädigt wird, Regenwasser eindringt und dadurch bewegliches Inventar Schaden nimmt.

Aber: Der Hausrat ist nicht gegen selbst verschuldete Schäden versichert. Wer bei Sturm ein Fenster offen oder Möbel im Freien stehen lässt, hat oft das Nachsehen. Auch auf der Terrasse stehende Gartenmöbel oder andere Gegenstände wie etwa ein Grill sind nicht versichert. Solche Gegenstände sollte man daher vor einem Sturm sicher unterstellen.
Jeder Versicherungsnehmer hat eine sogenannte Schadensminderungspflicht. Das heißt: Er muss alles Zumutbare dafür tun, den Schaden möglichst gering zu halten. Zumutbar ist es zum Beispiel, die teuren Möbel und den Plasmafernseher vom zerstörten Fenster wegzurücken oder den teuren Orientteppich beiseite zu räumen, wenn Wasser von oben darauf tropft.

Bei der Hausratsversicherung muss man besonders darauf achten, den tatsächlichen Wert des Hausrats zu versichern. Dies betrifft insbesondere Wertgegenstände wie teure Elektronik, Designermöbel oder Antiquitäten. Nicht ausreichend ist es meist, sich auf den nach Quadratmetern Wohnfläche berechneten Standardbetrag der Versicherung zu verlassen. Außerdem sollte man die Kaufbelege von Wertgegenständen aufbewahren, um deren Wert nachweisen zu können.

Was ist eine Elementarschadenversicherung?


Eine herkömmliche Wohngebäudeversicherung schützt zwar vor Schäden durch Sturm und Hagel, zahlt aber in der Regel nicht bei durch ein Unwetter überfluteten Kellern oder Wasserschäden durch einen Rückstau in den Abwasserleitungen. Letzteres kommt bei Überschwemmungen durch Unwetter sehr häufig vor. Hilfreich ist dann eine Elementarschadenversicherung: Sie schützt vor Schäden durch Naturereignisse wie etwa Starkregen, Überschwemmung, Hochwasser, Schneedruck, Lawinen, Erdrutsch, Erdsenkung, Erdbeben.
Eine Elementarschadenversicherung kann als Zusatzbaustein für die Hausrats- und die Wohngebäudeversicherung abgeschlossen werden. Achtung: Schäden durch einen Rückstau in Abwasserleitungen sind auch bei ihr oft nur dann versichert, wenn die Leitung mit einer Rückstausicherung versehen ist.

Welche Versicherung deckt Schäden am Bau ab?


Bauherren können Risiken während der Bauphase mit speziellen Versicherungen absichern. So können durch eine Rohbauversicherung Sturmschäden abgedeckt werden. Diese ersetzt Schäden am Rohbau selbst und auch an dem auf der Baustelle gelagerten Baumaterial. Versicherbar sind auch Elementarschäden. Eine Rohbauversicherung kann man gesondert abschließen. Kostengünstiger kann es sein, schon vor Baubeginn eine Wohngebäudeversicherung mit eingeschlossener Rohbauversicherung abzuschließen.

Sturmschaden am Auto: Was zahlt die Versicherung?


Viele Autofahrer haben für ihr Auto nur eine Haftpflichtversicherung. Dann haben sie bei Sturmschäden Pech und gehen leer aus.
Eine Teilkaskoversicherung leistet bei Sturmschäden ab Windstärke acht oder bei nachvollziehbaren Hagelschäden. Geschädigte können diese über den deutschen Wetterdienst oder ähnliche Schäden in der Umgebung glaubhaft machen. Der Schaden muss jedoch direkt durch die Naturgewalten entstanden sein und nicht unter Mitwirkung des Fahrers.

Beispiel: Stürzt ein Baum auf ein geparktes Auto, zahlt die Teilkasko. Rammt aber der Fahrer einen Baum, der vor ihm auf die Straße gefallen ist, zahlt sie nicht. Sie zahlt auch nicht, wenn ein Baum hauptsächlich deshalb umgefallen ist, weil er morsch war. Unter Umständen zahlt sie in solchen Fällen zumindest den Glasbruch. In solchen Fällen zahlt höchstens eine Vollkaskoversicherung den gesamten Schaden.

Bei Wasserschäden gilt: Ein überflutetes Auto ist ein Fall für die Teilkasko. Fährt man aktiv in eine Überschwemmung hinein, zahlt sie nicht. Das Verhalten des Autofahrers ist auch beim Parken wichtig: Wenn er sein Auto an einer besonderen Gefahrenstelle abstellt, zum Beispiel unter einem morschen Baum oder neben einer Baustelle mit schlecht gesicherten Gegenständen, reduziert die Versicherung ihre Zahlungen. Auch bei Autoversicherungen gilt: Manche Verträge schließen den Einwand der groben Fahrlässigkeit aus. Dies ist für den Kunden von großem Vorteil.

Fälle vor Gericht: Fliegende Baustellenklos und rasende Müllcontainer


Machen sich Gegenstände im Sturm selbstständig und beschädigen dabei fremdes Eigentum, haften oft deren Besitzer. Diese haben eine Verkehrssicherungspflicht: Sie müssen so gut wie möglich verhindern, dass durch ihre Gegenstände andere einen Schaden erleiden.

Vor dem Amtsgericht Ratingen ging es zum Beispiel um ein vom Sturm umgeworfenes Mobilklo. Dieses hatte zielsicher einen geparkten PKW getroffen. Dem Gericht zufolge musste der Aufsteller des Baustellenklos den Schaden tragen. Es wäre seine Pflicht gewesen, es vor dem Sturm zu sichern und den Standort so zu wählen, dass kein fremdes Eigentum gefährdet werde. Allerdings wurde der Autobesitzerin ein Mitverschulden von 50 Prozent angerechnet – sie hatte ihr Auto bei Sturm neben dem Baustellenklo abgestellt (Urteil vom 21.12.1990, Az. 8 C 1768/90).

Auch Müllcontainer auf Rollen machen sich manchmal bei Sturm selbstständig. Wenn sie mit geparkten Autos kollidieren, hängt die Haftung sehr vom Einzelfall ab. Manche Gerichte verneinen eine Haftung des Container-Eigentümers, wenn dieser die Feststellbremse des Containers angezogen hatte (LG Coburg, Beschluss vom 9.6.2006, Az. 33 S 38/06). Sofern allerdings ein starker Sturm angekündigt war, muss der für den Container Verantwortliche unter Umständen weitere Sicherungsmaßnahmen treffen.

Praxistipp


Als Geschädigter sollten Sie einen Sturmschaden Ihrer Versicherung unverzüglich melden. Die Vertragsbedingungen setzen dafür kurze Fristen. Vergeht zu viel Zeit, kann Ihre Versicherung die Leistung verweigern. Außerdem muss der Versicherung meist Gelegenheit zur Besichtigung des Schadens gegeben werden – und zwar, bevor Reparaturen stattfinden oder beschädigte Gegenstände entsorgt werden.
Verzichtet werden kann darauf nur im Ausnahmefall, wenn zum Beispiel ohne Reparatur weitere Schäden zu erwarten sind. Auch dann sollte aber sinnvollerweise eine Absprache mit der Versicherung stattfinden. Im Schadensfall kann ein im Zivilrecht tätiger Anwalt oder ein Fachanwalt für Versicherungsrecht Sie beraten oder im Prozess vertreten.

(Bu)



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