Verkehrsrecht - Was Motorradfahrer wissen sollten

11.07.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (160 mal gelesen)
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Auch Motorradfahrer müssen einige verkehrsrechtliche Vorgaben beachten. Dabei geht es vor allem um ihre eigene Sicherheit – zum Beispiel, was Reifen, Helme oder die Ausstattung der Maschine betrifft.

Alte und abgefahrene Reifen können beim Motorradfahren schnell tödliche Folgen haben. Wichtig sind zudem die richtige Schutzkleidung und ein guter Helm. Und: Wie laut darf eine Maschine heutzutage überhaupt sein? Muss man etwas Besonderes beachten, wenn ein Sozius mitfährt?

Wie lange halten Motorradreifen?


2010 hat die Dekra einen Report zur Verkehrssicherheit von Motorrädern herausgegeben, für den verunfallte Maschinen untersucht wurden. Bei knapp 50 Prozent wurden abgefahrene Reifen oder mangelnder Reifendruck festgestellt. Sinnvollerweise sollten Motorradfahrer regelmäßig ihre Reifen auf Luftdruck, Profil, unregelmäßige Abnutzung und Beschädigungen prüfen. Die Verschleißgrenze ist bei einer Profiltiefe von 1,6 mm erreicht. Es gibt keine festen Altersgrenzen, nach denen Reifen auszumustern sind, denn ihr Zustand hängt von vielen Faktoren ab. Nach fünf Jahren allerdings sollte man die Reifen in der Werkstatt prüfen lassen. Nach zehn Jahren gelten Reifen immer als ausmusterungsbedürftig. Ihr Alter erkennt man an der auf der Seitenwand angebrachten DOT-Nummer. Die seit 2001 auf den Reifen abgebildet vierstellige Zahl gibt Aufschluss über die Produktionswoche und das Produktionsjahr. 2309 steht zum Beispiel für die 23. Produktionswoche des Jahres 2009.

Winterreifenpflicht: Gilt sie auch für Motorräder?


An sich herrscht in Deutschland seit 2010 für alle Kraftfahrzeuge eine witterungsabhängige Winterreifenpflicht. Am 10. März 2017 hat der Bundesrat beschlossen, diese für Motorräder wieder abzuschaffen. Denn zunächst einmal fährt kaum jemand im Winter Motorrad, und dann gibt es auch kaum Winterreifen für Zweiräder zu kaufen. § 2 Abs. 3a Nr. 2 StVO, in Kraft seit 1. Juni 2017, nimmt nun einspurige Fahrzeuge von der Winterreifenpflicht aus.

Welche Folgen drohen bei unsicheren Reifen?


Wer mit Reifen fährt, die keine ausreichende Profiltiefe mehr aufweisen, kann mit 60 Euro zur Kasse gebeten werden. 75 Euro sind es für den Fahrzeughalter, der nicht selbst gefahren ist. Einen Punkt in Flensburg gibt es jeweils dazu. Wird durch unsichere Reifen ein Unfall verursacht, drohen Einschränkungen beim Versicherungsschutz. Für die Kaskoversicherung hat das Oberlandesgericht Koblenz dies davon abhängig gemacht, dass der Unfall tatsächlich durch das mangelhafte Reifenprofil verursacht wurde (Az. 10 U 253/08).

Ab wann muss man einen Helm tragen?


Wer auf einem Kraftrad mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 20 km/h unterwegs ist, muss einen „geeigneten“ Helm tragen. Dies schreibt § 21a StVO vor. Die Helmpflicht gilt für Fahrer und Beifahrer.

Welche Helm-Arten sind im Straßenverkehr nicht erlaubt?


Als nicht „geeignet“ sind generell Radfahrerhelme, Arbeitshelme etwa für Bauarbeiter, Feuerwehrhelme oder Militärhelme anzusehen, da sie keinen ausreichenden Schutz bieten. Auch sogenannte Braincaps, die Gesicht, Ohren und Kinn freilassen, gelten aus Behördensicht als ungeeignet.

Welche Kennzeichnungen sind bei zugelassenen Helmen zu finden?


Als geeignet gelten Helme mit ECE-Einnäher (Economic Commission of Europe). Derzeit aktuell ist die Norm ECE-R 22.05. So gekennzeichnete Helme halten bestimmte Mindestanforderungen ein. Aber: Auch Helme, die nicht nach ECE geprüft sind, können zulässig sein – wenn sie sich aufgrund ihrer Bauart als Schutzhelme eignen. Dies wird dann jeweils im Einzelfall beurteilt.

Welche Strafen drohen bei Helm-Verstößen?


Wer einen nicht geeigneten Helm trägt, muss mit einem Verwarnungsgeld von 15 Euro rechnen – und damit, dass ihm die Weiterfahrt ohne geeigneten Helm untersagt wird. Wer ein Kind ohne geeigneten Helm mitnimmt, muss 60 Euro Bußgeld zahlen und bekommt einen Punkt. Außerdem kann die Versicherung sogar bei einem unverschuldeten Unfall ihre Zahlungen kürzen (z.B. Landgericht Köln, Az. 18 O 148/08).

Schutzkleidung: Welche gesetzlichen Vorgaben gibt es?


Lederjacke, Motorradhose und Motorradschuhe können vor schweren Verletzungen schützen. Eine gesetzliche Pflicht, besondere Schutzkleidung zu tragen, besteht aber nicht.

Welche rechtlichen Folgen hat ein Unfall ohne Schutzkleidung?


Geht es vor Gericht um die Aufteilung eines Schadens unter mehreren Beteiligten nach deren Verschulden, wird einem Motorradfahrer ohne geeignete Schutzkleidung oft ein erhebliches Mitverschulden an seinen Verletzungen angerechnet. Dies gilt zumindest, wenn er mit vernünftiger Schutzkleidung weniger schwer verletzt worden wäre (Oberlandesgericht Düsseldorf, Urteil vom 20.02.2006, Az. I-1 U 137/05). Das bedeutet: Es gibt deutlich weniger Schmerzensgeld, auch bei einem unverschuldeten Unfall.

Wie laut darf ein Motorrad sein?


Dies ist nach der seit 1.1.2016 geltenden Regelung UNECE-R 41.04 vom Leistung-Masse-Verhältnis der Maschine abhängig. Die derzeitigen Grenzwerte für neu zugelassene Maschinen bewegen sich zwischen 73 bis 77 dB(A). Für ältere Fahrzeuge gilt jedoch ein Bestandsschutz, hier gelten also die früheren Regelungen weiter.

Welche Modifizierungen sind erlaubt?


Man unterscheidet Soundtuning, optisches Tuning und Leistungstuning. Alle Änderungen müssen jedoch regelkonform sein, sonst droht ein Erlöschen der Betriebserlaubnis der Maschine. Und dies führt nicht nur zu einem Bußgeld, sondern auch dazu, dass man nach einer Kontrolle nicht mehr weiterfahren darf. Erlaubt sind nur Zubehörteile, die eine ABE bzw. eine EU-Typengenehmigung besitzen. Diese ist an der E-Nummer auf dem jeweiligen Teil erkennbar. Ansonsten kann auch bei der Prüfstelle eine Einzelbetriebserlaubnis beantragt werden. Generell nicht zulässig sind Umbauten, die zur Umgehung von Schadstoff- oder Lärmgrenzwerten dienen, etwa Änderungen am Auspuff. Zubehörteile, deren Zulässigkeit zum Beispiel mit einem Teilegutachten nachgewiesen wird, können von der Behörde in der Zulassungsbescheinigung Teil I nachgetragen werden.

Was muss beachtet werden, wenn ein Sozius mitfährt?


Krafträder, auf denen ein Beifahrer mitfährt, müssen gemäß § 35a Abs. 9 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) mit einem Sitz für den Beifahrer ausgestattet sein. Ausnahme ist die Mitnahme eines Kindes unter sieben Jahren, hier muss dann für das Kind ein besonderer Sitz vorhanden sein und es muss durch Radverkleidungen dafür gesorgt werden, dass seine Füße nicht in die Speichen bzw. Räder geraten. § 61 StVZO schreibt außerdem für Beifahrer Fußstützen und eine Festhaltemöglichkeit vor.