Frostschaden an der Heizung: Wann zahlt die Versicherung?

22.01.2018, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 6 Min. (737 mal gelesen)
Frostschaden an der Heizung: Wann zahlt die Versicherung? © Bu - Anwalt-Suchservice

Die Heizung aus, und ab in den Süden. Viele Winterurlauber erwartet bei ihrer Rückkehr eine unangenehme Überraschung. Denn Frostschäden können teuer werden. Nicht immer zahlt die Versicherung.

Durch Frost können Heizungs- und Wasserrohre platzen, denn gefrierendes Wasser dehnt sich bekanntlich aus. Spätestens wenn es taut, kommt zu den zerstörten Rohrleitungen auch noch ein ausgewachsener Wasserschaden hinzu. Für Hauseigentümer wird es dadurch richtig teuer. Zwar bieten sich verschiedene Versicherungen an, um einen solchen Schaden abzudecken. Jedes Jahr zahlen die deutschen Versicherungen mehr als zwei Milliarden Euro für Leitungswasserschäden. Ob der Geschädigte jedoch tatsächlich Geld bekommt, ist im Einzelfall sehr davon abhängig, wie der Schaden genau entstanden ist.

Wie kommt es zu einem Frostschaden?


Beim Gefrieren vergrößert Wasser sein Volumen um circa neun Prozent. Wasserleitungsrohre, Heizkessel, Heizungsrohre, Heizkörper und Heizschlangen von Fußbodenheizungen sind davon nicht ausgenommen. Das zu Eis gefrierende Wasser sprengt diese Installationen auf. Wenn es taut, fließt das Wasser aus den geborstenen Rohren frei ins Haus. Heutige Häuser sind oft mit Laminat- und Holzfußböden ausgestattet, die in mehreren Schichten aufgebaut sind, mit einer Trittschalldämmung darunter. Wände und Zwischendecken werden aus Wärmedämmungsgründen immer aufwändiger konstruiert und mit Dämmschichten versehen. Die Laminat- und Holzfußböden verziehen sich oft durch die Feuchtigkeit so stark, dass sie nur noch ausgetauscht werden können. Wenn dicke Schichten von Dämmungen aus Mineralwolle oder anderen saugfähigen Stoffen nass werden, wird es noch unangenehmer: Feuchte Dämmschichten sind nicht nur wirkungslos, sie werden auch in Rekordzeit von Schimmelpilzen befallen. Oft bleibt der Schimmel lange Zeit unentdeckt, da er sich an unsichtbaren und nicht zugänglichen Stellen befindet.

Welche Versicherung ist für Frostschäden zuständig?


Hier kommen mehrere Versicherungsarten in Frage. Zuständig sein kann die Wohngebäudeversicherung, die Hausratsversicherung, oder in einigen Fällen auch die Haftpflichtversicherung.

Wann zahlt die Wohngebäudeversicherung?


Eine Wohngebäudeversicherung zahlt Schäden am Haus und an allem, was damit fest verbunden bzw. was fest eingebaut ist. Dies sind zum Beispiel Heizkörper, Heizungs- und Wasserrohre und Heizkessel. Auch die Einbauküche samt Geräten, den Parkettboden und die Dämmschicht darunter schließt dies ein. Möbel und bewegliches Inventar sind nicht versichert. Wichtig ist, dass tatsächlich im Vertrag das Risiko “Leitungswasserschaden” eingeschlossen ist.
Oft steckt hier der “Teufel im Detail”: Denn in so manchem Vertrag sind Schäden, die nicht plötzlich, sondern allmählich entstehen, ausdrücklich ausgeschlossen. Mit anderen Worten: Kommt es durch längerfristigen Frost oder etwa Materialermüdung zu einem kleinen Riss im Rohr, durch den langsam und unbemerkt immer mehr Wasser heraussickert, bleibt der Versicherte womöglich auf seinen Schaden sitzen. Hier lohnt es sich, einen genaueren Blick in den Versicherungsvertrag zu werfen. Die Wohngebäudeversicherung kann nur der Eigentümer des Gebäudes abschließen, unabhängig davon, ob er darin wohnt oder es vermietet.

Welche Schäden bezahlt die Hausratsversicherung?

Hausratsversicherungen enthalten meist einen Schutz gegen Schäden durch Leitungswasser. Versichert sind jedoch nur Schäden am beweglichen Eigentum des Bewohners, also an Möbeln, Einrichtungsgegenständen und dem Haushaltsinventar. Dazu gehören auch Elektrogeräte und Kleidung. Wertsachen wie Schmuck oder Antiquitäten sind nicht ohne Weiteres mitversichert, hier muss gesondert verhandelt werden. Grundsätzlich ist es wichtig, auf eine ausreichende, dem Wert des Inventars entsprechende Versicherungssumme zu achten. Deckt die Hausratsversicherung Leitungswasserschäden nicht ab, empfiehlt sich eine Vertragserweiterung. Die Hausratsversicherung kann von Mietern abgeschlossen werden und von Eigentümern, die ihre Immobilie selbst bewohnen.

Welche Besonderheiten gelten für Teppiche, Teppichböden und Parkett?


Bei Bodenbelägen und Teppichen ist in erster Linie entscheidend, ob sie fest mit dem Gebäude verbunden sind. Dadurch werden sie nämlich rechtlich zu einem Bestandteil des Gebäudes und sind keine losen Einrichtungsgegenstände mehr.
Ist ein Bodenbelag also fest verlegt – wie ein Parkettboden oder ein verklebter Teppichboden – ist dieser ein Bestandteil des Gebäudes und nur über die Gebäudeversicherung versichert. Die Hausratsversicherung ist allenfalls für lose aufliegende Teppiche zuständig. Wertvolle Orientteppiche sollten im Rahmen der Hausratsversicherung gegen Aufpreis besonders versichert werden.

Wann zahlt die Privathaftpflichtversicherung?


Die Privathaftpflichtversicherung ist zuständig, wenn der Eigentümer oder Mieter einer Wohnung einen Wasserschaden selbst verursacht hat, durch den ein anderer geschädigt wurde – etwa beim Mieter dessen Vermieter oder auch der Bewohner einer Wohnung unter derjenigen des Versicherten.

Welche Pflichten hat der Versicherungsnehmer?


Für alle genannten Versicherungen gilt: Ihr Schutz kann eingeschränkt sein oder gar ganz entfallen, wenn der Versicherungsnehmer allgemeine Sorgfaltspflichten oder im Vertrag festgelegte Obliegenheiten missachtet. Erstere fallen eher unter “gesunden Menschenverstand”, letztere sind meist im Vertrag geregelte Pflichten des Versicherungskunden. Üblicherweise muss der Versicherungsnehmer darauf achten, dass bei Frost sämtliche Wasserhähne außen am Haus abgestellt und die dazugehörigen Leitungen leer gelaufen sind. Eine sinnvolle Erfindung sind frostsichere Außenwasserhähne, die bei Neubauten oft von Anfang an verbaut werden und bei Altbauten nachgerüstet werden können.
Wer tatsächlich im Winter länger abwesend ist – auf Mallorca oder anderswo – sollte nicht nur an die Außenwasserhähne denken, sondern alle wasserführenden Leitungen im Haus leeren und den Haupthahn zudrehen. Dies gilt auch für wasserführende Rohre im Heizsystem und die Fußbodenheizung. Platzen hier die Heizschlangen, muss der gesamte Fußboden herausgerissen werden.
Bei längerer Abwesenheit empfiehlt sich eine häufigere Kontrolle durch Nachbarn oder Freunde. Diese sollten auch besonders auf das Heizsystem achten. Soll es nicht entleert werden, muss die Heizung weiterlaufen. Die Frostschutz-Einstellung reicht bei höheren Minusgraden übrigens nicht aus, um Frostschäden zu verhindern.

Was bringt der Frostwächter?


Dass die Frostschutz-Einstellung allein nicht reicht, musste auch ein deutscher Rentner erfahren, der den Winter auf Mallorca verbracht hatte. Sieben Wochen lang hatte er sich dort aufgehalten und inzwischen seiner Tochter die Kontrolle über sein Haus übertragen. An seiner Heizung hatte er die niedrigste Einstellung gewählt, den sogenannten “Frostwächter”. Die Tochter sollte ein- bis zweimal in der Woche nach dem Rechten sehen. Nun gab es jedoch starken Frost, und es kam zu einem Stromausfall. Die Heizung arbeitete nicht mehr, ohne dass die Tochter dies bemerkte. Zerborstene Rohre und Heizkörper waren schließlich die Folge – ein Schaden von über 4.000 Euro. Die Gebäudeversicherung des Rentners verweigerte die Zahlung. Sie war der Meinung, dass das Haus öfter hätte kontrolliert werden müssen – an besten täglich.

Was sagte das Gericht dazu?


Das Landgericht Bonn gab der Versicherung Recht. Wenn man die niedrigste Einstellung "Frostwächter" auswähle, sei in einer Frostperiode gerade beim Ausfall der Heizung damit zu rechnen, dass das Haus sehr schnell auskühle und entsprechende Schäden entstünden. Deswegen seien tatsächlich bei Frost tägliche Kontrollen erforderlich. Auch habe der Hauseigentümer seine Tochter nur um eine allgemeine Kontrolle des Hauses gebeten, nicht speziell um eine Funktionskontrolle der Heizung. Gerade dies hätte aber kontrolliert werden müssen. Die Versicherung musste daher nicht zahlen (Urteil vom 21. November 2006, Az. 10 O 203/06).

Was sagen andere Gerichte?


Diese Meinung vertreten jedoch nicht alle Gerichte. So entschied etwa das Oberlandesgericht Oldenburg anders. Dabei war ein Ferienhaus in Nordrhein-Westfalen betroffen. Das Gebäude wurde im Winter nicht genutzt, die Heizung war auf Stufe I bzw. zwischen Frostschutz und Stufe I eingestellt. Der Eigentümer hatte hier ein Ehepaar beauftragt, zweimal wöchentlich zu kontrollieren, ob die Heizung funktionierte. Überraschend kam es zu zweistelligen Minusgraden. Dadurch gefror trotz laufender Heizung das Wasser in den Rohren und Heizkörpern, die zum Teil platzten. Folge war eine Überschwemmung mit erheblichem Wasserschaden. Dieser wurde mit 11.000 Euro beziffert. Auch hier weigerte sich die Gebäudeversicherung, zu zahlen: Der Eigentümer habe keine ausreichenden Schutzmaßnahmen getroffen.

Wie viele Kontrollen sind notwendig?


Das Oberlandesgericht Oldenburg stellte sich nun aber auf die Seite des Hauseigentümers. Die niedrige Einstellung der Heizung hätte als Frostschutz ausgereicht. Bei einer recht neuen Heizungsanlage seien auch zwei Kontrollen pro Woche ausreichend. Generell müsse eine Heizung nur so oft kontrolliert werden, dass unter normalen Umständen ein reibungsloses Funktionieren gewährleistet sei. Es sei durchaus keine Obliegenheit des Versicherungsnehmers, die Heizung so häufig zu kontrollieren, dass es auch bei einem unerwarteten Komplettausfall der Heizung zu keinerlei Frostschäden kommen könne (Urteil vom 23.12.2015, Az. 5 U 190/14).

Praxistipp


Die Gerichte haben keine einheitliche Rechtsprechung zu der Frage entwickelt, wie oft Hauseigentümer tatsächlich im Winter bei Abwesenheit ihre Heizung kontrollieren lassen müssen. Wer länger abwesend ist, sollte eher etwas mehr an Heizkosten einkalkulieren, als einen Frostschaden zu riskieren. Werden Bekannte mit der Kontrolle beauftragt, ist es wichtig, diese explizit mit der Kontrolle der Heizung zu betrauen. Kommt es dennoch zu einem Schaden, kann ein auf das Versicherungsrecht spezialisierter Rechtsanwalt Ihnen womöglich helfen, auch eine widerspenstige Versicherung zur Zahlung des Schadens zu bewegen.