Führerschein: Sonderregeln für Fahranfänger

09.06.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (302 mal gelesen)
Führerschein: Sonderregeln für Fahranfänger © Light Impression - Fotolia.com
Der Führerschein und das erste Auto sind wichtige Schritte in ein selbstbestimmtes Leben. Für Fahranfänger gibt es im Straßenverkehr besondere Regeln. Hier eine Zusammenstellung der Besonderheiten, die junge Autofahrer wissen müssen.

Führerschein auf Probe
Fahranfänger erhalten nach dem deutschen Verkehrsrecht zunächst einen Führerschein auf Probe. Die Probezeit dauert zwei Jahre. Ausgenommen sind davon allerdings die Führerscheinklassen AM, L und T. Wird eine Fahrerlaubnis dieser Klassen zum ersten Mal auf eine andere Fahrerlaubnisklasse erweitert, gibt es jedoch auch einen Führerschein auf Probe.

Was passiert bei Verkehrssünden?
Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung haben in der Probezeit andere Folgen als danach. Bei leichten Verstößen, wie etwa Falschparken innerorts, drohen meist keine Folgen für den Führerschein. Bei schweren Verstößen wird es jedoch schon ernster. Der Fahranfänger muss bei einem Regelverstoß einerseits die üblichen Folgen tragen – zum Beispiel ein Bußgeld oder einen Punkt in Flensburg. Dazu kommen noch die besonderen Folgen, weil der Verstoß in der Probezeit begangen wurde.

Zwei Gruppen von Verstößen
Bei den schweren Verstößen unterscheidet man zwei Schweregrade: Da gibt es einmal die schwerwiegenden Verstöße der Gruppe A, wie etwa Unfallflucht, Nötigung, Rotlichtverstöße, Fahren unter Alkoholeinfluss, erhebliche Geschwindigkeitsüberschreitungen (meist über 20 km/h). Dann gibt es die weniger schwerwiegenden der Gruppe B – dies sind zum Beispiel Dinge wie die Benutzung des Handys am Lenkrad, die unbefugte Benutzung eines Kraftfahrzeugs, Gefährdung oder Behinderung von Fußgängern oder Radfahrern beim Abbiegen.

Folgen für die Probezeit bei schweren Verstößen
Begeht der Fahranfänger ein Verkehrsvergehen, auf das mindestens 60 Euro Bußgeld stehen, verlängert sich die Probezeit um zwei Jahre. Ein einmaliger Verstoß der Gruppe A führt nicht nur zu einer Verlängerung um zwei Jahre, sondern auch zur Anordnung eines Aufbauseminars. Wird in der verlängerten Probezeit ein weiterer Verstoß der Gruppe A begangen, kommt es zur Entziehung der Fahrerlaubnis. Auch ein A-Verstoß im Zusammenhang mit Alkohol oder Drogen führt dazu, dass der Fahranfänger ein Aufbauseminar belegen muss.

Verstöße der Klasse B
Ein einmaliger B-Verstoß führt nicht zu einer Verlängerung der Probezeit oder zu einem Aufbauseminar – nur das übliche Bußgeld ist zu zahlen. Zwei B-Verstöße werden jedoch wie ein A-Verstoß behandelt: Es gibt eine Verlängerung um zwei Jahre und ein Aufbauseminar. Dies gilt auch für einen B-Verstoß, dem ein A-Vertsoß folgt. Kommt es in der verlängerten Probezeit zu zwei weiteren B-Verstößen, gibt es eine Verwarnung. Dem Fahranfänger wird dann empfohlen, an einer verkehrspsychologischen Beratung teilzunehmen. Begeht er zwei weitere B-Verstöße während der verlängerten Probezeit, hat er ausgespielt: Dann wird die Fahrerlaubnis entzogen.

Das Aufbauseminar
Wird ein Aufbauseminar angeordnet, muss dieses in einer speziell zugelassenen Fahrschule absolviert werden. Die Preise sind regional unterschiedlich und liegen zwischen etwa 250,00 und 500,00 Euro. Waren bei dem Verkehrsverstoß Alkohol oder Drogen beteiligt, ordnet die Behörde ein besonderes Aufbauseminar an. Dieses führen Diplom-Psychologen durch, die eine amtliche Anerkennung als Seminarleiter haben. Eine Nachschulung dauert meist neun Stunden und wird in vier Blöcke aufgeteilt. Zwischen der ersten und der zweiten Schulung gibt es eine Fahrprobe mit dem Fahrlehrer, die bei der zweiten Schulung besprochen wird.

Entziehung der Fahrerlaubnis
Eine Entziehung der Fahrerlaubnis ist von einem befristeten Fahrverbot zu unterscheiden. Beim Fahrverbot kann nach Ablauf der gesetzten Frist wieder gefahren werden; bei der Entziehung der Fahrerlaubnis ist diese nicht mehr vorhanden und muss neu beantragt werden. Frühestens nach drei Monaten kann der Betroffene eine neue Fahrerlaubnis beantragen.

Alkohol
In der Probezeit gilt die 0,0-Promille-Regel. Wer dagegen verstößt, begeht einen A-Verstoß. Er muss mit einem Bußgeld von 250 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen, zusätzlich mit einer Verlängerung der Probezeit um zwei Jahre und der Anordnung eines Aufbauseminars.

Urteil: Verstoß mit Fahrrad
Ein Fahranfänger, der während der Probezeit mit dem Fahrrad eine rote Ampel missachtet, riskiert dieselben Folgen, als wenn der Verstoß mit einem Auto begangen worden wäre. So bestätigte das Verwaltungsgericht Aachen eine Entscheidung der Fahrerlaubnisbehörde. Diese hatte die Probezeit einer Radlerin nach einem Rotlichtverstoß um zwei Jahre verlängert und ein Aufbauseminar angeordnet – zusätzlich zum Bußgeld (Beschluss vom 28.11.2013, Az. 3 L 571/13).