Führerschein: Sonderregeln für Fahranfänger

26.08.2020, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (386 mal gelesen)
junge Frau,Führerschein In der Probezeit gelten schärfere Regeln. © - freepik

Der Führerschein und das erste Auto sind wichtige Schritte in ein selbstbestimmtes Leben. Im Straßenverkehr gibt es jedoch besondere Regeln für Fahranfänger. Hier eine Zusammenstellung der Besonderheiten.

Fahranfänger bekommen zunächst einen Führerschein auf Probe. Dieser ist ein vollwertiger Führerschein und gilt nach problemlosem Ablauf der Probezeit als endgültig erteilter Führerschein. Die Probezeit dauert zwei Jahre. Sie gilt für die Führerscheinklassen A, B, C und D. Ausgenommen sind die Führerscheinklassen L und T (z. B. für forst- und landwirtschaftliche Maschinen wie Traktoren) und AM (zweirädrige Kleinkrafträder mit einem Hubraum von bis zu 50 Kubikzentimetern). Wird allerdings eine Fahrerlaubnis dieser Klassen zum ersten Mal auf eine andere Fahrerlaubnisklasse erweitert, bekommt man ebenfalls zunächst einen Führerschein auf Probe.

Probezeit: Was passiert bei Verkehrssünden?


Während der Probezeit haben Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung andere Folgen als danach. Immerhin drohen bei kleineren Verstößen, wie etwa Falschparken innerorts, in der Regel keine Folgen für den Führerschein. Ernster wird es jedoch bei schwereren Verstößen. Hier müssen Fahranfänger einerseits die üblichen Folgen tragen – wie etwa ein Bußgeld oder einen Punkt in Flensburg. Die
besonderen Folgen eines Verstoßes während der Probezeit kommen hinzu.

Welche Arten von Verstößen gibt es?


Bei den schwereren Verstößen sind zwei Schweregrade zu unterscheiden. Zu den schwerwiegenden Verstößen der Gruppe A gehören zum Beispiel Unfallflucht, unterlassene Hilfeleistung, Nötigung, Rotlichtverstöße, Fahren unter Alkoholeinfluss, die Benutzung des Handys beim Fahren, Verstöße gegen das Rechtsfahrgebot und erhebliche Geschwindigkeitsüberschreitungen (ab 21 km/h zu viel) sowie Abstandsvergehen mit weniger als einem Viertel des Tachowertes.

Die etwas weniger schwerwiegenden Verstöße gehören zur Gruppe B. Dies sind beispielsweise das Überziehen der Hauptuntersuchung um mehr als acht Monate, das nicht vorschriftsmäßige Mitnehmen von Kindern im Auto, nicht vorschriftsmäßige Ladungssicherung, abgefahrene Reifen (unter 1,6 mm), Parken auf der Autobahn, Parken in Feuerwehrzufahrten, mangelhafte Absicherung eines liegengebliebenen Fahrzeugs.

Welche Folgen haben A-Verstöße?


Begeht der Fahranfänger ein schweres Verkehrsvergehen der Gruppe A, verlängert sich die Probezeit auf vier Jahre. Außerdem wird die Teilnahme an einem kostenpflichtigen Aufbauseminar angeordnet.
Beim zweiten A-Verstoß in der Probezeit ist eine schriftliche Verwarnung fällig, verbunden mit der Empfehlung, eine verkehrspsychologische Beratung wahrzunehmen.
Beim dritten A-Verstoß (oder beim zweiten während der verlängerten Probezeit) wird die Fahrerlaubnis entzogen. Für die Neuerteilung eines Führerscheins wird eine Sperrzeit von mindestens sechs Monaten verhängt.

Welche Folgen haben B-Verstöße?


Ein einmaliger B-Verstoß führt noch nicht gleich zu einer Verlängerung der Probezeit oder zu einem Aufbauseminar. Trotzdem ist wie immer das übliche Bußgeld für den Verstoß zu bezahlen.

Der Haken: Zwei B-Verstöße werden wie ein A-Verstoß behandelt. Die Probezeit wird also auf vier Jahre verlängert und ein Aufbauseminar wird angeordnet. Zwei weitere B-Verstöße führen zu einer schriftlichen Verwarnung und der Empfehlung, zur verkehrspsychologischen Beratung zu gehen. Bei zwei weiteren B-Verstößen während der (auch verlängerten Probezeit) wird die Fahrerlaubnis entzogen.

Was muss man zum Aufbauseminar wissen?


Ein von der Fahrerlaubnisbehörde angeordnetes Aufbauseminar muss in einer speziell zugelassenen Fahrschule absolviert werden. Die Preise dafür sind regional verschieden und schwanken zwischen 250 und 500 Euro.
Wenn ein Verkehrsverstoß im Zusammenhang mit Alkohol oder Drogen begangen wurde, ordnet die Behörde ein besonderes Aufbauseminar an. Durchgeführt wird dieses von Diplom-Psychologen mit amtlicher Anerkennung als Seminarleiter.
Für eine Nachschulung muss man meist mit neun Stunden rechnen, die in vier Blöcke aufgeteilt werden. Zwischen der ersten und der zweiten Schulung findet eine Fahrprobe mit einem Fahrlehrer statt, die im Rahmen der nächsten Schulung durchgesprochen wird.

Die Entziehung der Fahrerlaubnis


Die Entziehung der Fahrerlaubnis ist etwas anderes, als ein befristetes Fahrverbot. Beim Fahrverbot erhält man den Führerschein nach einer bestimmten Frist zurück. Wurde die Fahrerlaubnis entzogen, ist der Führerschein weg. Man muss dann einen neuen beantragen, dies ist frühestens nach drei Monaten möglich. Oft wird diese Zeitspanne durch eine Sperrfrist verlängert.

Alkoholfahrt in der Probezeit


Seit 2007 gilt für Autofahrer in der Probezeit und für Autofahrer unter 21 Jahren die strikte 0-Promille-Grenze. Es darf also überhaupt kein Alkohol konsumiert werden, wenn man hinterher noch fahren will. Wer dies missachtet, begeht einen A-Verstoß und muss mit einer Verlängerung seiner Probezeit auf vier Jahre und einem verpflichtenden Aufbauseminar durch Diplompsychologen rechnen. Ein Bußgeld von 250 Euro und einen Punkt in Flensburg gibt es als Bonus noch dazu.

Urteil: Verstoß mit Fahrrad


Wer als Fahranfänger noch in der Probezeit ist, sollte sich auch beim Fahrradfahren vorsehen. Wer jetzt zum Beispiel eine rote Ampel missachtet, riskiert die gleichen Folgen, als ob er Auto gefahren wäre.
So bestätigte zum Beispiel das Verwaltungsgericht Aachen 2013 eine Entscheidung der Fahrerlaubnisbehörde. Eine Radfahrerin war bei rot über eine Ampel gefahren. Da sie sich noch in ihrer Führerschein-Probezeit befand, wurde ihre Probezeit auf vier Jahre verlängert und sie musste zum Aufbauseminar. Zusätzlich gab es ein Bußgeld (Beschluss vom 28.11.2013, Az. 3 L 571/13).

Vorzeitiges Ende der Probezeit


Zu einer vorzeitigen Beendigung der Probezeit kommt es, wenn die Fahrerlaubnis entzogen wird oder der Inhaber der Fahrerlaubnis auf sie verzichtet. Dann beginnt mit der Erteilung einer neuen Fahrerlaubnis eine neue Probezeit zu laufen. Allerdings umfasst diese nur die Restdauer der vorherigen Probezeit.

Praxistipp


Fahranfänger sollten in der Probezeit besonders vorsichtig fahren. Verkehrsregelverstöße führen in dieser Zeit zu härteren Konsequenzen. Die herkömmlichen Bußgelder und Punkte kommen zu den besonderen Sanktionen noch dazu. Beim gerichtlichen Vorgehen gegen Bußgeldbescheide und behördliche Anordnungen hilft und berät ein Fachanwalt für Verkehrsrecht.