Mahnbescheid? Keine Panik - nüchterne Analyse ist gefragt!

04.09.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (284 mal gelesen)
Mahnbescheid? Keine Panik - nüchterne Analyse ist gefragt! © M. Peters
Ist Ihnen schon einmal ein Mahnbescheid ins Haus geflattert? Dann ist Ihnen das unangenehme Gefühl, das viele Menschen beim Öffnen derartiger Post empfinden, vielleicht nicht fremd. Schon die amtliche Überschrift über dem Papier sorgt bei manchem für Schweißausbrüche, oder die bloße Ahnung, möglicherweise tatsächlich etwas schuldig geblieben zu sein, verursacht ein beklommenes Gefühl in der Magengegend.

Doch Angst, Scham und andere emotionale Reaktionen sind wenig hilfreich, wenn es darum geht, angemessen auf den Erhalt eines Mahnbescheids zu reagieren. Denn ein Mahnbescheid ist kein Urteil und verpflichtet den Empfänger zunächst einmal zu nichts. Vielmehr gilt es jetzt, die Situation nüchtern und sachlich zu analysieren und dann - im Idealfall nach anwaltlicher Beratung - die richtige Reaktion folgen zu lassen.

Was ist ein Mahnbescheid?
Um zu wissen, wie mit einem Mahnbescheid umzugehen ist, muss man zunächst verstehen, was ein Mahnbescheid eigentlich ist. Mithilfe dieses standardisierten gerichtlichen Verfahrens kann jedermann, der eine fällige zivilrechtliche Geldforderung gegen einen anderen hat, versuchen, möglichst zügig an sein Geld zu kommen und einen zur Zwangsvollstreckung geeigneten Titel zu erhalten. Das Mahnverfahren ist allerdings ausgeschlossen bei Ansprüchen auf zukünftige Leistungen, bei verwaltungs- und sozialrechtlichen Ansprüchen sowie bei anderen als Geldforderungen (etwa Herausgabe- oder Feststellungsansprüche).

Hat der Gläubiger den Antrag auf Erlass eines Mahnbescheids beim zuständigen Mahngericht eingereicht (maßgeblich ist der (Wohn-) Sitz des Antragsstellers), erlässt dieses den Mahnbescheid, der dem Antragsgegner daraufhin förmlich durch die Post zugestellt wird. Erkennbar ist das Schreiben an dem auffälligen gelben Kuvert, auf dem der Briefträger das Datum der Zustellung vermerkt; Absender ist immer das Gericht.

Widerspruch oder besser nicht?
Da das Gericht ausdrücklich nicht prüft, ob dem Antragsteller der geltend gemachte Anspruch überhaupt zusteht, ist über die Rechtmäßigkeit der Forderung und die Chancen, diese auch vor Gericht durchsetzen zu können, noch nichts gesagt. Besteht die Forderung tatsächlich, können Sie als Empfänger des Mahnbescheids durch Zahlung der geforderten Summe innerhalb von zwei Wochen die Sache endgültig aus der Welt schaffen. Bestehen aber Zweifel am Bestehen der Forderung, bzw. an der Höhe des geforderten Betrags oder sind Sie sicher, dass die Forderung nicht durchsetzbar ist, sollten Sie die Sachlage eingehend prüfen - bei komplizierteren Konstellationen dringend auch anwaltlich prüfen lassen.

Zwei Wochen haben Sie nach Zustellung des Mahnbescheids Zeit, Widerspruch einzulegen. Hierzu sollten Sie das vom Mahngericht zur Verfügung gestellte Formular verwenden. Reagiert der Antragsteller nicht auf den Widerspruch, ist die Angelegenheit vom Tisch. Verfolgt er jedoch seinen Anspruch weiter, muss ein streitiges Verfahren durchgeführt werden. Das bedeutet, die Sache geht vor Gericht und wird im Rahmen eines ganz "normalen" Zivilprozesses weitergeführt.

Vollstreckungsbescheid
Haben Sie nach zwei Wochen weder die Zahlung veranlasst noch Widerspruch eingelegt, kann der Antragsteller den Erlass eines Vollstreckungsbescheids beantragen. Damit ist für Sie die Möglichkeit des Widerspruchs nicht mehr gegeben. Schutzlos sind Sie damit aber nicht. Innerhalb von zwei Wochen können Sie Einspruch einlegen gegen den Vollstreckungsbescheid - mit der Folge, dass dann in jedem Fall das streitige Verfahren folgt.

Fazit
Der Erhalt eines Mahnbescheids ist zwar kein Grund zur Panik. Insbesondere dann nicht, wenn die damit geltend gemachte Forderung eindeutig nicht besteht. In Fällen jedoch, in denen die Sach- oder Rechtslage nicht so klar ist, sollten Sie in jedem Fall rechtzeitig, also deutlich vor Ablauf der Zweiwochenfrist, rechtlichen Rat einholen. Denn ein einmal eingelegter Widerspruch (oder Einspruch beim Vollstreckungsbescheid) kann - neben der eigentlichen Forderung - schnell zu nicht unerheblichen (Gerichts-)Kosten führen.