Privat Geld verleihen: Was muss man beachten?

05.11.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (452 mal gelesen)
Privat Geld verleihen: Was muss man beachten? © Rh - Anwalt-Suchservice

Ein Bekannter ist in Geldnot, ein Verwandter ist klamm – schnell verleiht man privat mal etwas Geld – und womöglich auch etwas mehr. Aber was ist, wenn der Schuldner nicht zurückzahlen kann?

Es gibt viele Anlässe, aus denen man seinen Freund, Nachbarn, Schwager oder Arbeitskollegen nicht finanziell "im Regen stehen" lassen will. Dies reicht von 100 oder 200 Euro bei einem kleineren Engpass bis hin zu größeren Beträgen zur Begleichung von Mietschulden oder zur Abwendung von Vollstreckungsmaßnahmen. Häufig kann der andere dann aber das Geld nicht zeitnah zurückzahlen. Was passiert dann? Schnell ist eine Freundschaft in Gefahr oder es droht womöglich Ärger innerhalb der eigenen Familie.

Darf man überhaupt privat Geld verleihen?


Ja. Private Darlehen haben Vorteile für den Darlehensnehmer: Häufig gibt es keine oder nur niedrige Zinsen und die Schufa erfährt nichts davon. Allerdings sollten Darlehensgeber auch bei einem guten Vertrauensverhältnis unbedingt einen schriftlichen Darlehensvertrag aufsetzen und diesen auch so nennen.
Verlangt der Kreditgeber Zinsen und handelt es sich um mehr als ein paar Euro, muss er diese in seiner Einkommenssteuererklärung angeben.

Was sollte im Darlehensvertrag stehen?


Eine schriftliche Vereinbarung kann viele Streitigkeiten verhindern. Ohne Vereinbarung gibt es allerdings kaum eine Chance, das Geld vor Gericht zurückzuverlangen. Gibt es eine schriftliche Vereinbarung, die mit "Darlehensvertrag" überschrieben ist, kann der Schuldner später nicht behaupten, dass er das Geld geschenkt bekommen oder für eine Gegenleistung erhalten hat. Erwähnt werden sollte auch die Höhe der Geldsumme, ebenso die zu zahlenden Zinsen (falls welche anfallen), das Datum der Auszahlung sowie der Rückzahlungstermin.
Zu empfehlen ist es auch, von einer Übergabe in bar abzusehen und das Geld zu überweisen. Im Falle einer späteren Klage gibt es dann einen Beleg darüber, dass der Betrag tatsächlich an den Schuldner geflossen ist. Sonst hat man auch hier ein Beweisproblem.

Was sagt das Finanzamt?


Werden Zinsen gezahlt, hat der Darlehensgeber seine Zinseinkünfte zu versteuern. Dies geht aus § 20 Absatz 1 Nr. 7 des Einkommenssteuergesetzes (EStG) hervor. . Zinsen sind prinzipiell Einkommen und müssen vom Darlehensgeber in der Steuererklärung angegeben werden. In diesem Fall ist der Einkommenssteuererklärung die Anlage KAP beizufügen. 801 Euro Zinseinnahmen sind als Sparer-Pauschbetrag pro Jahr steuerfrei, bei einem zusammen veranlagten Ehepaar sind es 1.602 Euro.
Wenn keine oder nicht marktübliche Zinsen verlangt werden, geht das Finanzamt gerne davon aus, dass hier etwas verschenkt wird. In diesem Fall wird Schenkungssteuer fällig. Dies mag bei 200 Euro für die Autoreparatur des Kumpels noch nicht so sehr ins Gewicht fallen. Leiht aber der Schwiegervater dem jungen Paar 50.000 Euro für den Hausbau, sieht die Sache schon anders aus.

Wann droht die Steuerpflicht?


Bei einer Verzinsung von bis zu drei Prozent wird eine Schenkung angenommen; das "Geschenk" sind dann die gesparten Zinsen. Diese setzt das Finanzamt mit fiktiven 5,5 Prozent an. Beide Beteiligte einer Schenkung können zur Steuerzahlung herangezogen werden. Ob sie tatsächlich zahlen müssen, hängt von den Freibeträgen ab. Bei Kindern beträgt der Freibetrag 400.000 Euro, eine Steuer wird nur selten fällig werden. Bei Geschwistern, Schwiegerkindern oder Freunden sind es jedoch lediglich 20.000 Euro.
Dieser Freibetrag gilt für alle Schenkungen innerhalb von zehn Jahren. Danach kann der Freibetrag erneut in Anspruch genommen werden. Vorsicht geboten ist daher bei größeren Darlehen über längere Zeiträume.
Dieses Vorgehen der Finanzbehörden wurde vom Bundesfinanzhof im Fall eines zinslosen Darlehens innerhalb einer nicht ehelichen Lebensgemeinschaft bestätigt, welches als Schenkung angesehen wurde (Urteil vom 27.11.2013, Az. II R 25/12).

Was tun, wenn das Geld nicht zurückkommt?


Zahlt der Verwandte oder Freund das Geld nicht zurück, ist zunächst einmal sanfter Druck der beste Weg. Immerhin will man ja nicht persönliche Beziehungen zerstören, indem man sofort vor Gericht geht. Unformelle Nachfragen helfen allerdings oft nur wenig. Wirkungsvoller ist häufig eine schriftliche Anmahnung des Betrages.

Im Notfall: Mahnung und Klage


Hilft dies nicht, muss der Gläubiger letztendlich doch den formellen Weg einschlagen. Hier bietet sich zunächst ein gerichtliches Mahnverfahren an, mit dem auch ohne Klage und Urteil ein Vollstreckungsbescheid erwirkt werden kann. Mit diesem kann der Gläubiger dann den Gerichtsvollzieher zum Eintreiben der Schuld losschicken. Der Schuldner hat im Mahnverfahren die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen. Dann kommt man um ein Gerichtsverfahren nicht herum, in dem geklärt wird, ob der Zahlungsanspruch besteht.

Praxistipp


Das private Verleihen von Geld ist manchmal nicht zu umgehen. Wer dies tut, sollte unbedingt einen korrekten schriftlichen Vertrag aufsetzen und seine Zinseinkünfte dem Finanzamt mitteilen. Ansonsten kann der Freundschaftsdienst schnell teure und unangenehme Folgen haben. Im Rechtsstreit um eine private Geldschuld ist ein Rechtsanwalt, der sich mit dem Zivilrecht befasst, der richtige Ansprechpartner.

(Bu)



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