Privat Geld verleihen: Was muss man beachten?

15.11.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (294 mal gelesen)
Privat Geld verleihen: Was muss man beachten? © Rh - Anwalt-Suchservice
Ein Bekannter ist in Geldnot, ein Verwandter ist klamm – schnell hat man privat mal etwas Geld verliehen – oder womöglich auch etwas mehr. Aber was ist, wenn der Schuldner nicht zurückzahlen kann, und welche Spielregeln gelten aus rechtlicher Sicht?

Privat Geld verleihen
Viele Anlässe sind denkbar, in denen mancher seinen Freund, Nachbarn, Schwager oder Arbeitskollegen nicht finanziell "im Regen stehen" lassen möchte. Dies reicht von 100 oder 200 Euro bei einem kleineren Engpass bin zu größeren Beträgen für Mietschulden oder zur Abwendung von Vollstreckungsmaßnahmen. Nicht immer hat der andere dann aber auch innerhalb eines vernünftigen Zeitraumes die Möglichkeit, das Geld zurückzuzahlen. Was passsiert dann? Schnell ist hier eine Freundschaft in Gefahr oder gar die freundschaftlichen Verhältnisse innerhalb der Familie.

Darf man ohne Weiteres privat Geld verleihen?
Ja. Vorteil privater Darlehen für den Darlehensnehmer: Meist gibt es keine oder nur geringe Zinsen, und die Schufa erfährt nichts. Als Darlehensgeber sollte man allerdings auch bei einem guten Vertrauensverhältnis unbedingt einen schriftlichen Darlehensvertrag aufsetzen und diesen auch so bezeichnen. Komplizierter ist das Thema Zinsen. Werden welche verlangt und handelt es sich um mehr als ein paar Euro, müssen diese in der Einkommenssteuererklärung angegeben werden.

Was sollte im Darlehensvertrag stehen?
Eine schriftliche Vereinbarung kann viel Streit verhindern. Ohne Vereinbarung bestehen kaum Chancen, das Geld gerichtlich zurückzufordern. Wenn die Absprache als "Darlehensvertrag" überschrieben ist, kann sich der Schuldner später nicht auf das Argument zurückziehen, dass das Geld verschenkt oder für eine Gegenleistung gezahlt wurde. Erwähnt werden sollten die Höhe der Geldsumme, ggf. die zu zahlenden Zinsen, das Datum der Auszahlung und der Rückzahlungstermin. Falls später doch einmal gerichtlich geklagt wird, sollte das Geld nicht bar übergeben, sondern überwiesen werden – denn so hat man einen Beleg darüber, dass es auch tatsächlich an den Schuldner geflossen ist. Ansonsten hat man auch hier ein Beweisproblem.

Was sagt das Finanzamt?
Der Darlehensgeber muss Zinseinkünfte versteuern. Dies ergibt sich aus § 20 Absatz 1 Nr. 7 des Einkommenssteuergesetzes (EStG). Denn die Zinsen sind prinzipiell Einkommen und vom Darlehensgeber in der Steuererklärung anzugeben (Anlage KAP). 801 Euro Zinseinnahmen sind als Sparer-Pauschbetrag pro Jahr steuerfrei. Werden keine oder nicht marktübliche Zinsen verlangt, geht das Finanzamt gerne davon aus, dass etwas verschenkt wird – und dann ist Schenkungssteuer fällig. Bei 200 Euro für die Autoreparatur des Kumpels ist das noch nicht so relevant, wenn aber der Schwiegervater dem jungen Paar 50.000 Euro für den Hausbau leiht, sieht die Sache schon anders aus.

Wann droht die Steuerpflicht?
Bisher wird bei einer Verzinsung von bis zu drei Prozent eine Schenkung angenommen; das "Geschenk" sind dann die gesparten Zinsen. Das Finanzamt setzt diese mit fiktiven 5,5 Prozent an. Bei einer Schenkung können beide Beteiligten zur Steuerzahlung herangezogen werden. Dann kommt es auf die Freibeträge an. Bei Kindern liegt der Freibetrag bei 400.000 Euro, eine Steuer wird kaum fällig werden. Bei Geschwistern, Schwiegerkindern oder Freunden sind es jedoch nur 20.000 Euro, dieser Freibetrag gilt für alle Schenkungen innerhalb von zehn Jahren. Hier ist bei größeren Darlehen über längere Zeiträume Vorsicht geboten. Dieses Vorgehen der Finanzbehörden bestätigte der Bundesfinanzhof in München in einem Urteil, bei dem es um ein zinsloses Darlehen innerhalb einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft ging (Urteil vom 27.11.2013, Az. II R 25/12).

Wenn das Geld nicht zurück kommt
Zahlt der Verwandte oder Freund das Geld nicht zurück, ist zunächst einmal sanfter Druck angesagt. Denn man will ja nicht persönliche Beziehungen dadurch zerstören, dass man sofort vor Gericht geht. Unformelle Nachfragen helfen oft wenig. Wirkungsvoller ist eine schriftliche Anmahnung des Betrages.

Im Notfall: Mahnung und Klage
Hilft dies nicht, muss letztendlich doch der formelle Weg gegangen werden. Mit einem gerichtlichen Mahnverfahren kann auch ohne Klage und Urteil ein Vollstreckungsbescheid erwirkt werden, mit dem der Gläubiger den Gerichtsvollzieher losschicken kann. Der Schuldner hat hier die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen – dann ist eine gerichtliche Klärung nach dem Zivilrecht vorprogrammiert.