MPU: Was muss man wissen?

06.02.2018, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 5 Min. (235 mal gelesen)
MPU: Was muss man wissen? © Bu - Anwalt-Suchservice

Die MPU, auch „Idiotentest“ genannt, kann jeden Autofahrer treffen – besonders nach einem Alkohol- oder Drogenverstoß. Sich gegen eine negative MPU zu wehren, ist kaum möglich. Was muss man wissen?

MPU ist die Abkürzung für „Medizinisch Psychologische Untersuchung“. Untersucht wird dabei, ob sich die untersuchte Person noch zur Teilnahme am Straßenverkehr bzw. zum Lenken eines Fahrzeuges eignet. Der Gesetzgeber nennt dies die „Begutachtung der Fahreignung“. Die MPU gibt es seit 1954. Sie wird von der zuständigen Führerscheinbehörde angeordnet, um zu beurteilen, ob jemandem die Fahrerlaubnis entzogen, oder nach bereits erfolgtem Fahrerlaubnisentzug eine neue erteilt werden soll.

Wann muss ich zur MPU?


Es gibt unterschiedliche Gründe für die Anordnung einer MPU. Aufgelistet sind diese in § 13 der Fahrerlaubnisverordnung (FeV):

1. Wenn ein ärztliches Gutachten oder sonst eine Tatsache vorliegt, die auf Alkoholmissbrauch (keine Sucht) schließen lässt.
2. Wenn die betreffende Person mehrfach unter Alkoholeinfluss Verkehrsverstöße begangen hat.
3. Wenn der Betroffene mit mindestens 1,6 Promille Blutalkohol oder 0,8 mg Atemalkohol ein Fahrzeug geführt hat.
4. Wenn ihm wegen Nr. 1 bis 3. die Fahrerlaubnis entzogen wurde.
5. Die Behörde sieht noch Klärungsbedarf, ob die Person weiterhin Alkoholmissbrauch betreibt oder abhängig ist.

Eine MPU kann aber auch angeordnet werden, wenn der Verdacht auf Drogenmissbrauch oder -abhängigkeit besteht oder wenn es Hinweise darauf gibt, dass der Betreffende schlicht aus Gesundheitsgründen nicht fahrtauglich ist.

Müssen auch Radfahrer zur MPU?


Die Fahrerlaubnisverordnung spricht bei den oben genannten Gründen von Fahrzeugen, nicht von Kraftfahrzeugen. Auch Fahrräder sind hier gemeint. Also: Auch wenn Sie als Radfahrer mit mindestens 1,6 Promille auffallen, müssen Sie zur MPU. Bestehen Sie diese nicht, ist Ihr Autoführerschein weg, d.h. Ihre Fahrerlaubnis wird entzogen.

MPU und Drogen


Bestehen Anhaltspunkte für Drogenkonsum, wird ebenfalls eine MPU angeordnet. Dafür muss der Betroffene noch nicht einmal unter Drogeneinfluss gefahren sein – ein Drogenfund bei einer Personenkontrolle als Fußgänger kann ausreichen. Feste Grenzwerte oder einheitliche Regelungen gibt es hier nicht. In jedem Fall ist mit einer MPU zu rechnen, wenn der Betreffende beim Fahren unter Drogen stand und einen Unfall verursacht hat.

Wer führt die MPU durch?


Die MPU wird von amtlich anerkannten Begutachtungsstellen durchgeführt. Eine Liste findet sich hier:
http://www.bast.de/DE/Verkehrssicherheit/Qualitaetsbewertung/Begutachtung/pdf/begutachtung-fahreignung.pdf?__blob=publicationFile&v=8

Wie läuft die MPU ab?


Zuerst muss ein zwei- bis dreiseitiger Fragebogen ausgefüllt werden. Die Fragen betreffen Persönliches, Lebenslauf und Gesundheit. Auch die Führerscheinklassen und der Beruf spielen eine Rolle, der Grund des Führerscheinentzuges, aber ggf. auch das Drogen- und Alkohol-Konsumverhalten. Für beides gibt es gesonderte Fragebögen. Die Fragebögen dienen der Vorbereitung auf das Gespräch mit einem Psychologen. Die eigentliche MPU gliedert sich nun in drei Teile. Zuerst kommt der Leistungstest an einem Testcomputer. Hier kann es zum Beispiel um einen Reaktionstest, um Wahrnehmung oder Konzentration gehen. Tipp: Beispiele zum Ablauf finden sich auf Youtube. Dieser Test dauert etwa 20 Minuten, die Auswertung erfolgt durch einen Verkehrspsychologen.
Als zweiter Teil gehört zur MPU eine medizinische Untersuchung. Dabei werden Nerven und Reflexe, Herz und Kreislauf besonders beachtet, auch die medizinische Vorgeschichte kommt zur Sprache. Wurde die MPU wegen Alkohol angeordnet, findet eine Untersuchung der Leberwerte statt (Blutabnahme). Geht es um Drogen, werden Blut und Urin untersucht.
Hauptteil der MPU ist der psychologische Test, also ein Gespräch mit einem psychologischen Gutachter. Hier handelt es sich um ein Einzelgespräch von etwa 45 Minuten. Dabei geht es um Gründe für Alkohol- oder Drogenmissbrauch, die Lebenssituation, Vorsätze für die Zukunft. Wichtig ist es dabei, über das eigene Fehlverhalten nachzudenken und Konsequenzen daraus zu ziehen. Etwa zwei Wochen nach der MPU erhält der Prüfling das Ergebnis.

Was passiert, wenn ich nicht zum Termin erscheine?


Die Führerscheinstelle setzt Fristen für die Teilnahme an einer MPU. Wenn Sie nicht zum Termin erscheinen, müssen Sie mit dem Entzug der Fahrerlaubnis oder der Ablehnung der Neuerteilung einer entzogenen Fahrerlaubnis rechnen.

Was passiert, wenn ich durchfalle?


Wer durchgefallen ist – dies sind etwa 50 Prozent der Prüflinge – sollte nicht das Ergebnis an die Führerscheinbehörde weiterleiten. Denn so beweist man, dass man nicht zum Autofahren geeignet ist. Man sollte statt dessen den Antrag zum Beispiel auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis zurückziehen und die MPU zu einem späteren Zeitpunkt wiederholen. Und zwar, nachdem man sich die Ergebnisse gründlich durchgesehen hat und die Gründe für das Durchfallen kennt. Meist geben die Gutachter Empfehlungen ab, wie der Betroffene seine Fahreignung in ihren Augen verbessern kann. Dem sollte gefolgt werden. Eine Frist, wann man die MPU wiederholen kann, gibt es nicht. Fragen Sie am besten die Stelle, bei der Sie die MPU gemacht haben.

Wie kann ich mich auf die MPU vorbereiten?


Für die MPU gibt es Vorbereitungskurse. Bei Drogen und Alkohol sind oft Abstinenznachweise zu erbringen, so verlangen die Prüfer oft kurzfristige Blut- und Urintests oder Haarproben (Screening), laut ADAC durchaus sechsmal innerhalb von zwölf Monaten. Betroffene sollten sorgfältig auswählen, von wem sie sich auf die MPU vorbereiten lassen – denn „Berater“ gibt es viele, und nicht alle sind seriös.

Was kostet eine MPU?


Die Gebührenordnung für Maßnahmen im Straßenverkehr regelt die Kosten für eine MPU bundeseinheitlich. Diese sind nicht immer gleich, sondern abhängig von der Frage, die die Führerscheinbehörde von der Begutachtungsstelle geklärt haben will und damit nicht pauschal zu beziffern. Zwar kostet eine MPU wegen Alkohol grundsätzlich 412 Euro inklusive Mehrwertsteuer, eine MPU wegen Alkohol- und Drogenmissbrauch liegt aber bereits über 700 Euro. Für Urin- und Haaranalysen können weitere Kosten hinzukommen. Gruppenkurse zur Vorbereitung kosten etwa 500 bis 600 Euro.

Wie kann ich mich gegen das Ergebnis der MPU rechtlich wehren?


Gar nicht. Gegen das Ergebnis der MPU gibt es kein Rechtsmittel (anders als hinsichtlich der Anordnung).

Sind Änderungen bei der MPU absehbar?


Beim Deutschen Verkehrsgerichtstag 2016 in Goslar wurde von Experten gefordert, dass Autofahrer künftig bereits ab 1,1 Promille generell zur MPU müssen – nicht erst ab 1,6. Dies ähnelt der Überlegung diverser Gerichte insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg, auch Autofahrer mit weniger als 1,6 Promille zur MPU zu schicken, insbesondere, wenn ihnen die Fahrerlaubnis durch ein strafgerichtliches Urteil entzogen worden war und es jetzt um die Wiedererteilung geht. Das Bundesverwaltungsgericht hat dem jedoch 2017 eine Absage erteilt. Stand der Dinge: Bei einer einmaligen Alkoholfahrt mit weniger als 1,6 Promille kann nicht pauschal eine MPU angeordnet werden. Auch nicht, wenn ein Strafgericht den Führerschein entzogen hat. Eine Anordnung bei unter 1,6 Promille ist allerdings möglich, wenn andere Faktoren hinzukommen, die Alkoholmissbrauch oder -Sucht vermuten lassen (Urteil vom 6.4.2017, Az. 3 C 24.15).

Praxistipp


Haben Sie Zweifel, ob die Ihnen gegenüber erfolgte Anordnung einer MPU rechtmäßig ist? Dann kann Ihnen ein auf das Verkehrsrecht spezialisierter Rechtsanwalt wertvolle Hilfe leisten. Denn in diesem Bereich gibt es eine Vielzahl möglicher Fallkonstellationen – und nicht immer ist die behördliche Anordnung begründet.

(Ma)



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