Recht beim Friseur: Haarschnitt mit Schönheitsfehlern

30.07.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 5 Min. (4111 mal gelesen)
Recht beim Friseur: Haarschnitt mit Schönheitsfehlern © Bu - Anwalt-Suchservice

Auch bei einem Friseurbesuch kann mal etwas schiefgehen. Vielleicht werden die Haare falsch gefärbt oder anders geschnitten, als vom Kunden gewünscht. Welche Ansprüche haben Friseurkunden?

Ein verunglückter Haarschnitt ist immer ärgerlich, denn er lässt sich kaum reparieren – die Haare sind nun mal ab. Noch schlimmer sind kahle Stellen oder eine seltsame Haarfarbe durch den unsachgemäßen Einsatz von Chemie. Was kann man tun, wenn man sich nach dem Friseurbesuch nicht verschönert, sondern verunstaltet vorkommt? Schließlich kann man einen Haarschnitt oder eine durchgeführte Tönung nicht wie andere Waren einfach wieder zurückgeben. Und was ist, wenn sich der Kunde verletzt? Muss der Frisiersalon dann Schmerzensgeld bezahlen?

Bekommt man Geld zurück bei Unzufriedenheit?


Kunden erhalten grundsätzlich kein Geld zurück, wenn sie mit der Leistung des Friseurs oder der Friseurin nicht einverstanden sind. Zwischen den Kunden und dem Friseur wird ein Werkvertrag im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches abgeschlossen – wie zum Beispiel auch bei Handwerkerarbeiten an einem Haus. Ansprüche können höchstens dann geltend gemacht werden, wenn die Leistung des Friseurs ganz objektiv als handwerklich mangelhaft anzusehen ist.

Muss ich dem Friseur Gelegenheit zur Nachbesserung geben?


Der Kunde darf vom Friseur eine Nachbesserung fordern. Dies ist auch die Voraussetzung dafür, weitere Ansprüche wegen mangelhafter Leistung geltend zu machen. In manchen Fällen allerdings ist eine Nachbesserung entbehrlich, weil sie dem Kunden nicht zumutbar ist. Dies kann vorkommen, wenn das Vertrauensverhältnis zum Friseur durch dessen Verhalten komplett zerstört ist.

Welche weiteren Ansprüche können bestehen?


Wenn sich der Friseur weigert, den verhunzten Haarschnitt nachzubessern, kann der Kunde unter Umständen einen anderen Friseur besuchen, dort den Schaden in Ordnung bringen lassen und die Kosten dem ersten Friseur berechnen. Auch kann der Kunde Anspruch auf Schadensersatz sowie Ersatz von Aufwendungen wie etwa Fahrtkosten haben. Die Voraussetzung ist jedoch in jedem Fall, dass die Leistung des Friseurs wirklich fehlerhaft war und dass der Kunde diesem – ohne Erfolg – Gelegenheit zur Nachbesserung gegeben hat. Dabei muss die Nachbesserung nicht unbedingt vom gleichen Mitarbeiter vorgenommen werden. Für Kunden ist es hier wichtig, Nachweise für die mangelhafte Arbeit des Friseurs zu haben.

Wann bekommt man Schmerzensgeld?


Schmerzensgeld können Friseur-Kunden unter Umständen verlangen, wenn sie körperliche Verletzungen oder seelische Beeinträchtigungen erlitten haben. Das Schmerzensgeld soll in diesem Fall nicht einen entstandenen Schaden in Geld ausgleichen, sondern für erlittene Leiden und Schmerzen entschädigen. Es muss sich jedoch dafür schon um eine ernsthafte Beeinträchtigung des Wohlbefindens handeln. Dabei werden auch psychische Belastungen berücksichtigt.

Urteil: Fehlerhafte Blondierung


Eine Frau hatte ihren Friseur besucht, weil sie sich im Sommer ein paar blonde Strähnchen machen lassen wollte. Zu Hause bemerkte sie, dass ihre Haare am Hinterkopf Brandstellen zeigten und porös erschienen, die Haarspitzen waren brüchig. Dann fielen ihr büschelweise Haare am Hinterkopf aus. Der Frisiersalon weigerte sich, sich mit dem Problem irgendwie zu beschäftigen. Man behauptete stattdessen, die Kundin habe die beschriebenen Effekte durch einen eigenen Nachschnitt zu Hause selbst verursacht.
Die Kundin jedoch klagte – und das Gericht glaubte ihr (und ihrem Freund als Zeugen), dass sie nicht selbst an ihren Haaren herummanipuliert hatte – und auch, dass der Friseur sie nicht über die Risiken der durchgeführten Haarbehandlung aufgeklärt hatte. Hier hatte die Kundin auch noch eine Sachverständige aufgesucht, die ihr schriftlich bestätigte, dass die Blondierung unsachgemäß durchgeführt worden sei. Sie erhielt daraufhin ein Schmerzensgeld von 1.000 Euro. Zusätzlich musste der Friseur als Schadensersatz auch die 60 Euro für die Frisur zurückzahlen und die Kosten für die Sachverständige in Höhe von 300 Euro ersetzen (AG Erkelenz, Urteil vom 7. Mai 2009, Az. 8 C 351/08).

Urteil: Deckhaar zu kurz


Ein anderes Urteil fällte das Amtsgericht München. Hier hatte eine Kundin ihrer Friseurin den Auftrag erteilt, ihre Haare zu färben und an den Spitzen zu kürzen. Ausdrücklich hatte sie den Wunsch geäußert, ihre Haare nur um einen halben Zentimeter zu kürzen, weil diese besonders dünn wären. Beim Schneiden beobachtete die Kundin die Ausführung. Danach war sie zunächst zufrieden, kam aber einige Tage später wieder und beschwerte sich, dass ihre Haare zu kurz geschnitten seien. Jetzt könne man durch regelrechte Löcher die Kopfhaut sehen. Sie forderte Schmerzensgeld – die Friseurin zahlte nicht. Vor Gericht war die Münchnerin nicht erfolgreich: Das Amtsgericht München wies ihre Klage ab. Einerseits habe sie den gesamten Haarschnitt ohne Einwände beobachtet. Andererseits könne man nur Schmerzensgeld verlangen, wenn man nach einem komplett misslungenen Haarschnitt praktisch "entstellt" sei. Dies sei hier jedoch in keiner Weise der Fall (Amtsgericht München, Urteil vom 7.10.2011, Az. 173 C 15875/11).

Urteil: Verlust langer Haare


Eine Kundin wollte ihre langen schwarzen Haare blond färben lassen. Die Friseurin hielt dies wegen des schlechten Zustands der Haare allerdings für riskant. Sie schlug in diesem Fall eine sogenannte „Painting“-Methode vor. Das Verfahren misslang jedoch gründlich: Die etwa 90 Zentimeter langen Haare der Kundin wurden im Nacken derartig angesengt, dass sie auf Boblänge gekürzt werden mussten. Die Kundin war wenig amüsiert. Das Amtsgericht Rheine teilte ihre Ansicht und gestand ihr 1.000 Euro Schmerzensgeld zu. Gefordert hatte sie 4.000 Euro. Diesen Betrag hatte das Gericht reduziert, weil der Schaden nur durch die Vorschädigung der Haare so schlimm ausgefallen war (Amtsgericht Rheine, Urteil vom 12.5.2016, Az. 14 C 391/14).

Urteil: Nachbesserungsfrist muss sein


Eine Friseurkundin hatte ein Foto einer Bloggerin vorgelegt und um eine Haarfärbung nach gleicher Methode gebeten. Es handelte sich um die sogenannte Balayage-Technik. Zwei Stunden lang blieb das Färbemittel auf ihrem Kopf, dann begannen brennende Schmerzen und Juckreiz. Nach dem Ausspülen der Haare waren diese dottergelb – was nicht der gewünschte Effekt war. Dem Verlangen der Kundin, dies zu ändern, kann die Friseurin nicht nach. Einen weiteren Termin hatte sie auch nicht frei. Sie gab der Kundin nur eine Tönung für Zuhause mit. Diese bezahlte und ging. Später jedoch ging sie vor Gericht. Dieses wies ihre Klage jedoch ab: Die Kundin habe es versäumt, der Friseurin ausdrücklich eine Frist zur Nachbesserung zu setzen. Ohne eine solche Fristsetzung habe sie auch keinen Anspruch auf Schadensersatz (Amtsgericht München, Urteil vom 24.1.2019, Az. 213 C 8595/18).

Verletzungen beim Friseur


Manchmal kommt es beim Friseur zu regelrechten Verletzungen. So erging es einer Kundin, bei der ein Blondiermittel versehentlich direkt auf die Kopfhaut aufgetragen worden war. Dadurch wurde eine fünf mal fünf Zentimeter große Hautpartie verätzt. Dies verursachte Schmerzen, und es wuchsen auf der Stelle auch keine Haare mehr. Nur eine Haartransplantation versprach Aussicht auf Erfolg. Das Landgericht Coburg gestand der Kundin ein Schmerzensgeld von 5.000 Euro zu (Landgericht Coburg, Urteil vom 29.7.2009, Az. 21 O 205/09).

Praxistipp


Beim Friseur sollte man durchaus darauf achten, was gerade passiert – und unverzüglich Einspruch erheben, wenn dies nicht wunschgemäß ist. Zu empfehlen sind auch möglichst genaue Anweisungen zum gewünschten Schnitt. Wenn doch einmal etwas schiefläuft, sollte man es zuerst mit einer Nachbesserung versuchen. Dazu ist der Friseur verpflichtet. Gerichtliche Schritte versprechen nur bei ganz erheblichen Fehlern Erfolg. Aus Beweisgründen kann es helfen, zeitnah einen Sachverständigen aufzusuchen. Es gibt Sachverständige des Friseurhandwerks oder Friseurgutachter. Auskunft erteilen hier die Handwerkskammern. Beim Rechtsstreit hilft ein auf das Zivilrecht spezialisierter Rechtsanwalt.

(Bu)



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