Spenden von der Steuer absetzen

02.11.2018, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 6 Min. (426 mal gelesen)
Spenden von der Steuer absetzen © Bu - Anwalt-Suchservice

Viele Menschen öffnen ihren Geldbeutel in der Hoffnung damit Gutes zu tun. Wohltätige Organisationen aller Art werben für ihre Aktivitäten. Und so manche gute Tat kann sich auch steuermindernd auswirken.

Ohne Spenden wäre eine Vielzahl von gemeinnützigen Einrichtungen nicht denkbar. Der Staat wird durch spendenfinanzierte Einrichtungen zum Beispiel im sozialen Bereich durchaus entlastet. Um dies zu honorieren, gewährt das Finanzamt Steuerzahlern, die für wohltätige Zwecke spenden, einige Steuererleichterungen.

Was sind eigentlich Spenden?


Als Spenden bezeichnet man im Steuerrecht generell freiwillige Zuwendungen ohne Gegenleistung für einen religiösen, wissenschaftlichen, gemeinnützigen, kulturellen, wirtschaftlichen oder politischen Zweck. Um solche Ausgaben als Sonderausgaben von der Einkommenssteuer abzusetzen, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Empfänger der Spenden können grundsätzlich gemeinnützige Vereine sein, es kommen aber auch Stiftungen, politische Parteien oder Religionsgemeinschaften in Frage. Übrigens kann man nicht nur Geld spenden, sondern auch Gegenstände – etwa Sachleistungen, zum Beispiel Kleider oder Lebensmittel – sowie Arbeitszeit in Form von kostenlos geleisteter Arbeit.

Was ist der Sonderausgaben-Pauschbetrag


Eine kleine Vergünstigung stellt der Sonderausgaben-Pauschbetrag dar. Ohne weiteren Nachweis können Steuerzahler 36 Euro, bei zusammen veranlagten Ehegatten 72 Euro im Jahr als Sonderausgaben-Pauschbetrag von ihren Einnahmen abziehen. Dies ist in § 10c des Einkommenssteuergesetzes (EStG) geregelt. Spenden und Mitgliedsbeiträge sind allerdings nur eine Variante der Sonderausgaben. Zu diesen rechnet man zum Beispiel auch Unterhaltsleistungen an getrennt lebende oder geschiedene Ehe- oder Lebenspartner oder Aufwendungen für die erste Berufsausbildung.

Wie kann ich größere Spendenbeträge absetzen?


Auch Beträge, die den Pauschbetrag übersteigen, können als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Dazu ist allerdings ein Nachweis über die Verwendung erforderlich. Höchstgrenze sind 20 Prozent der Einkünfte des Steuerpflichtigen. Allerdings gibt es die Möglichkeit des Spendenvortrages: Wird die Spendengrenze in einem Jahr überschritten, können die Spenden im Folgejahr abgesetzt werden.
Der Betrag muss an gemeinnützige Organisationen gespendet werden.
Zuwendungen an politische Parteien können bis zu insgesamt 1.650 Euro und bei Zusammenveranlagung von Ehegatten bis zu insgesamt 3.300 Euro im Kalenderjahr abgezogen werden. Sie werden jedoch nur insoweit als Sonderausgaben anerkannt, als für sie nicht bereits eine anderweitige Steuerermäßigung gewährt wurde. Spenden, die in den Vermögensstock einer Stiftung gehen, können innerhalb eines Zehn-Jahres-Zeitraumes sogar bis zu einer Million Euro (zwei Millionen bei zusammen veranlagten Ehegatten) abgesetzt werden.

Wie funktioniert der Spendennachweis bei Spenden bis 200 Euro?


Welchen Aufwand man zum Nachweis betreiben muss, richtet sich nach der Einhaltung der 200-Euro-Grenze: Spenden bis 200 Euro kann man mit einem vereinfachten Verfahren gegenüber dem Finanzamt nachweisen. Geht die Spende an eine juristische Person des öffentlichen Rechts oder “öffentliche Dienststelle” – also etwa an eine Universität, eine staatliche Gemeinde oder eine Schule – reichen ein Bareinzahlungsbeleg, der Kontoauszug eines Kreditinstituts oder der PC-Ausdruck vom Online-Banking. Der Spender muss allerdings einen zusätzlichen Beleg vom Zahlungsempfänger einreichen, wenn die Spende nicht an eine öffentliche Institution, sondern an eine als gemeinnützig anerkannte Organisation gegangen ist (zum Beispiel an einen Verein). Diese Spendenquittung muss folgende Informationen enthalten:

- Dass die Organisation von der Körperschaftsteuer befreit ist,
- wofür die Spende verwendet wird,
- ob es sich um eine Spende oder einen Mitgliedsbeitrag gehandelt hat.

Bei Spenden an Vereine oder Stiftungen sollte der Steuerzahler darauf achten, dass diese von der Körperschaftsteuer befreit sind. Es muss sich also um eine Organisation handeln, deren Gemeinnützigkeit vom Finanzamt anerkannt ist. Dies wird beim Trägerverein einer Kita eher der Fall sein als beim örtlichen Kegelclub. Die Gemeinnützigkeit und die Verwendung der Mittel müssen sich auch aus der Spendenquittung ergeben.

Wie funktioniert der Spendennachweis bei Spenden über 200 Euro?


Mit dem Betrag steigen die Anforderungen an den Spendennachweis. Oberhalb von 200 Euro reicht das vereinfachte Verfahren nicht mehr aus; erforderlich ist nun eine formelle Spendenbescheinigung. Diese muss zwingend mit dem dafür vorgesehenen Formular erbracht werden, welches online bei der Finanzverwaltung zum Download bereitsteht. Auf diesem Formular muss der Spendenempfänger einige Angaben machen und den Empfang des Betrages bestätigen.
Bei Spenden kann auch die Pflicht zum Aufbewahren der Quittung entfallen, wenn man den Spendenempfänger dazu bevollmächtigt, die Spendenquittung auf elektronischem Weg an das Finanzamt zu übermitteln. Dazu ist eine Vollmacht und die Steuer-Identifikationsnummer des Spenders notwendig, die dieser dann natürlich dem Empfänger mitteilen muss.

Wie stellt man den Wert von Sachspenden fest?


Auch der Wert von Sachspenden muss auf der Spendenbestätigung aufgeführt sein. Dabei nimmt man den derzeitigen Marktwert. Dazu sollte man den Neupreis, die Nutzungsdauer und den Zustand zum Zeitpunkt der Spende in irgendeiner Form glaubhaft machen. Diese Informationen müssen aus der Spendenquittung hervorgehen. Alte Kaufbelege können nützlich sein. Aber auch Kleinanzeigen können bei der Ermittlung des Marktwertes helfen. Sachspenden sind nur abzugsfähig, wenn sie direkt für den steuerbegünstigten Zweck des Vereins oder der Organisation verwendet werden.

Was gilt für das Einreichen von Belegen ab Veranlagungszeitraum 2017?


Von der Steuererklärung für das Jahr 2017 an gilt, dass das Finanzamt auf das Einreichen von Belegen in Papierform verzichtet. Das bedeutet aber nicht, dass keine Belege mehr nötig sind. Diese müssen mindestens für ein Jahr aufbewahrt und auf Verlangen vorgezeigt werden. Durch diese Regelung soll der Papierkrieg in der Behörde reduziert und die Bearbeitungszeit der Steuererklärungen gesenkt werden.

Sonderregeln beim Spenden für Flüchtlinge


Für Spenden, die Flüchtlinge betreffen, gibt es eine zeitlich befristete Sonderregelung. Denn die Flüchtlingskrise verursacht erhöhten Finanzbedarf, und private Spenden sind in diesen Zeiten besonders willkommen. Das Bundesfinanzministerium hat deshalb einige Vereinfachungen für private Spender und steuerbegünstigte Organisationen verkündet. Hier gilt:

- Geht die Spende an eine öffentlich-rechtliche Stelle oder eine anerkannte Hilfsorganisation und hat der Empfänger extra ein Sonderkonto für Flüchtlingsspenden eingerichtet, ist die 200-Euro-Grenze aufgehoben. Auch größere Beträge können also mit dem vereinfachten Verfahren belegt werden.
- Gemeinnützige Organisationen dürfen auch Spenden für Flüchtlinge sammeln, wenn dies nichts mit ihrem Satzungszweck zu tun hat. Sie müssen auf die Sonderaktion hinweisen.
- Nicht gemeinnützige Organisationen können ebenfalls Spenden für Flüchtlinge sammeln. Steuerlich abziehbar sind diese Spenden, wenn sie auf einem Treuhandkonto verwahrt und dann an eine gemeinnützige Organisation zur Förderung der Hilfe für Flüchtlinge weitergeleitet werden.
- Gemeinnützige Organisationen dürfen ihre bisher unverbrauchten Mittel zur Unterstützung von Flüchtlingen nutzen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Gelder nicht vom Spender ausdrücklich für einen anderen Zweck bestimmt worden sind.
- Auf eine Schenkung fällt keine Schenkungssteuer an, wenn diese ausschließlich zu mildtätigen Zwecken zur Hilfe für Flüchtlinge erfolgt.
- Arbeitnehmer können einen Teil ihres Lohns direkt vom Arbeitgeber als Spende für Flüchtlinge überweisen lassen; auf diesen Teil wird dann keine Lohnsteuer fällig. Nicht möglich ist jedoch ein zusätzliches Absetzen des Betrages als Spende. Auch Aufsichtsräte können auf ähnliche Weise einen Teil ihrer Vergütung direkt spenden.

Diese Maßnahmen gelten vom 1. August 2015 bis zum 31. Dezember 2018.

Wann sind Auslandsspenden steuerlich absetzbar?


Das Finanzamt und auch die Finanzgerichte legen bei der Absetzbarkeit von Auslandsspenden strenge Maßstäbe an. So muss der Spender nachweisen, dass der ausländische Spendenempfänger deutschen Gemeinnützigkeitsstandards entspricht.
Dies bestätigte das Finanzgericht Düsseldorf (Az. 11 K 2439/10). Im verhandelten Fall hatte ein deutscher Steuerpflichtiger eine an eine spanische Stiftung geleistete Spende von seiner Steuer absetzen wollen. Da er dem Finanzamt keine Unterlagen über die Gemeinnützigkeit des ausländischen Spendenempfängers vorlegen konnte, lehnte dieses eine Absetzbarkeit ab. Das Gericht erläuterte, dass auch eine Auslandsspende nur dann steuerlich geltend gemacht werden könne, wenn der Empfänger nach seiner Satzung oder seinem Stiftungsgeschäft und aufgrund seiner tatsächlichen Geschäftsführung ausschließlich und unmittelbar gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken diene. Als Nachweis geeignet seien etwa die Satzung eines Vereins, der Tätigkeitsbericht oder Aufzeichnungen über die Vereinnahmung und die Verwendung der Spendengelder.
Das Finanzgericht Münster (Az. 2 K 2608/09 E) entschied ebenso. In diesem Fall hatte ein Spender Sachspenden an ein portugiesisches Seniorenheim geleistet. Diese hatte er als Sonderausgabe bei seiner Steuererklärung geltend gemacht. Nach Auffassung des Münsteraner Gerichts kann eine solche Spende nur dann von der Steuer absetzbar sein, wenn der ausländische Spendenempfänger den deutschen Kriterien der Gemeinnützigkeit entspricht. In der Regel gibt es Steuervergünstigungen nur bei Spenden an gemeinnützige Organisationen innerhalb der EU (plus Island, Liechtenstein und Norwegen).

Praxistipp


Spenden gehören zu den Sonderausgaben. Betragen diese über 600 Euro im Jahr, trägt das Finanzamt auf Antrag einen Sonderausgaben-Freibetrag als Lohnsteuer-Abzugsmerkmal ein. Das bedeutet, dass dieser Betrag schon beim Arbeitgeber beim Abzug der Lohnsteuer berücksichtigt wird und mehr Einkommen netto auf dem Konto ist.

(Wk)



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