Steuern: Was kann man als Sonderausgaben absetzen?

27.04.2018, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (690 mal gelesen)
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Eine Reihe von privaten Ausgaben sind als sogenannte Sonderausgaben von der Einkommenssteuer absetzbar. Viele Steuerzahler wissen dies nicht – und verschenken Geld.

Unter Sonderausgaben versteht man bestimmte Kosten, die im Rahmen der privaten Lebensführung anfallen, ohne dass der Steuerpflichtige etwas dagegen tun kann. Diese Kosten können in der jährlichen Einkommenssteuererklärung geltend gemacht werden. Sie sind absetzbar, weil es sich für den Steuerzahler um unvermeidbare Kosten handelt, die seine finanzielle Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Sonderausgaben reduzieren das steuerpflichtige Einkommen und verringern so auch die zu zahlende Einkommenssteuer.

Welche Ausgaben sind als Sonderausgaben anerkannt?


Grundsätzlich sind als Sonderausgaben anerkannt:

- Unterhaltszahlungen an geschiedene oder dauernd getrennt lebende Ehepartner,
- Beiträge für die Altersvorsorge (auch private, etwa die Riester-Rente),
- Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Unfall- und Haftpflichtversicherung, zur gesetzlichen Rentenversicherung und zur Arbeitslosenversicherung,
- Beiträge zu Versicherungen auf den Lebens- oder Todesfall,
- Beiträge zur zusätzlichen freiwilligen Pflegeversicherung,
- gezahlte Kirchensteuer,
- Steuerberatungskosten,
- Schulgeld und Ausbildungskosten (erste Ausbildung),
- Spenden.

Wo werden die Sonderausgaben in der Steuererklärung berücksichtigt?


Seite 2 des Mantelbogens der Einkommenssteuererklärung enthält einen speziellen Bereich für das Thema "Sonderausgaben". Allerdings müssen Steuerzahler meist Steuerformulare bzw. Anlagen ausfüllen, um alle Sonderausgaben abzudecken. Davon sollte man sich jedoch nicht abschrecken lassen – immerhin bringt es Geld.

Was ist der Sonderausgaben-Pauschbetrag?


§ 10c des Einkommenssteuergesetzes (EstG) sieht für Sonderausgaben einen Pauschalbetrag von 36 Euro im Jahr vor. Diese Pauschale wird ohne besondere Nachweise oder Anträge automatisch berücksichtigt. Bei zusammen veranlagten Ehegatten verdoppelt sich der Betrag. Steuerzahler haben allerdings die Möglichkeit, einen höheren Abzug geltend zu machen, wenn sie ihre Sonderausgaben entsprechend nachweisen und die erforderlichen Formulare ausfüllen.

Welche Formulare sind erforderlich? Der Papierkrieg


Wichtig ist die Anlage Vorsorgeaufwand. In dieser werden die Beiträge zur Altersvorsorge und zur Kranken- und Pflegeversicherung vermerkt. Besonders bei Riester-Verträgen sollte man auch die Anlage AV (Altersvorsorgebeiträge) ausfüllen. Wichtig ist außerdem auch die Anlage Kind – nicht nur dann, wenn Schulgeld an eine Privatschule entrichtet wurde. Unterhaltsleistungen und Ausgleichsleistungen zur Vermeidung des Versorgungsausgleichs können ebenfalls als Sonderausgaben berücksichtigt werden, hierzu ist die Anlage U auszufüllen.

Was ist bei Vorsorgeaufwendungen zu beachten?


Als Basisversorgung betrachtet das Finanzamt gesetzliche Renten, berufsständische Versorgungswerke, landwirtschaftliche Alterskassen und Rürup-Renten. Diese grundlegenden Vorsorgeaufwendungen können bis zu bestimmten Höchstbeträgen geltend gemacht werden. Von den Höchstbeträgen können für das Jahr 2017 nur 84 Prozent in Ansatz gebracht werden. 2018 sind es 86 Prozent und ab 2025 ist dann der volle Höchstbetrag abzugsfähig. In der Steuererklärung für 2017 können Steuerzahler damit maximal 23.362 Euro (Alleinstehende) oder 46.724 Euro (zusammen veranlagte Paare) für die Basisversorgung geltend machen. Bei rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmern wird der Betrag jedoch noch einmal gekürzt – um den steuerfreien Arbeitgeberanteil.

Versicherungsbeiträge für Kinder


Besteht Anspruch auf Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag, kann man auch die Kranken- und Pflegeversicherung des Kindes als Sonderausgaben absetzen. Dies funktioniert aber jedes Jahr nur einmalig, also entweder in der Steuererklärung der Eltern oder in der des Kindes.

Was gibt es beim Unterhalt zu beachten?


Wie erwähnt können auch Unterhaltsleistungen an den geschiedenen oder dauerhaft getrennt lebenden Partner (Ehepartner bzw. eingetragenen Lebenspartner) steuerlich geltend gemacht werden. Jährlich absetzbar sind hier 13.805 Euro plus ggf. für den Partner gezahlte Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Der absetzbare Betrag muss einerseits auf Seite 2 des Mantelbogens und andererseits in der Anlage U eingetragen werden. Achtung: Hier muss der Expartner mit unterschreiben (Anlage U). Dieser muss dann die gleichen Beträge in seiner eigenen Anlage SO als "sonstige Einkünfte" aufführen. Diese Methode bezeichnet man auch als “Realsplitting”. Erteilt der Expartner seine Zustimmung nicht, kann der andere immer noch bis zu 9.000 Euro jährlich als außergewöhnliche Belastung absetzen. Dazu muss er die Anlage “Unterhalt” ausfüllen; dies ist nicht die gleiche Anlage wie “U”. Auch Unterhaltsleistungen an Kinder oder pflegebedürftige Eltern können auf diesem Wege abgesetzt werden.

Immobilien: Mietfreier Ex


Wohnt der Ex-Partner/die Ex-Partnerin mietfrei in einer Wohnung, die dem Steuerpflichtigen gehört, kann dieser den Mietwert als Sonderausgaben absetzen. Zahlt der Ex-Partner eine nicht marktgerechte Miete, kann die Differenz zur marktgerechten Miete (Mietspiegel der Gemeinde) ebenfalls geltend gemacht werden.

Absetzbar: Kosten für die erstmalige Berufsausbildung


Kosten für eine Berufsausbildung kann man nur dann als Sonderausgaben geltend machen, wenn es sich um die erste Berufsausbildung handelt. Hier gibt es einen Höchstbetrag von 6.000 Euro im Jahr. Seit 2015 muss eine Erstausbildung mindestens 12 Monate dauern, um abzugsfähig zu sein. Eine Ausbildung setzt voraus, dass es sich um einen anerkannten Ausbildungsgang handelt, der durch eine Prüfung abgeschlossen wird. Dazu rechnet man die erste Ausbildung oder auch ein Erststudium.
Zu den Ausbildungskosten gehören nicht nur Lehrgangsgebühren, sondern unter anderem Kosten für Lernmaterial, Bücher etc. Verheiratete können den Höchstbetrag jeweils für sich absetzen. Um etwas absetzen zu können, muss der Steuerpflichtige allerdings erst einmal etwas einnehmen – ein Verlustvortrag auf später ist nicht möglich. Ein Sonderausgabenabzug kann nur für das Jahr erfolgen, in dem die Kosten angefallen sind.
Kosten für Fortbildungen oder Zweitausbildungen sind ggf. als Werbungskosten absetzbar.

Krankheitskosten: Welche Kosten sind Sonderausgaben?


Der Bundesfinanzhof befasste sich 2017 mit dem Fall eines Privatversicherten. Es ging dabei um die Absetzbarkeit von Krankheitskosten. Der Mann hatte seine Arztkosten bei einer Erkrankung selbst bezahlt und sich das Geld nicht von seiner Krankenversicherung erstatten lassen, um in den Genuss einer Beitragsrückerstattung zu kommen. Nun wollte er bei der Steuererklärung seine Krankenversicherungsbeiträge als Sonderausgaben geltend machen. Dabei musste er die von der Versicherung erstatteten Beiträge jedoch abziehen. Er versuchte nun, die selbst bezahlten Behandlungskosten wiederum von den erstatteten Beiträgen abzuziehen, um möglichst hohe Sonderausgaben geltend machen zu können. Dieses Vorgehen war dem Bundesfinanzhof dann jedoch zu fantasievoll (BFH, Urteil vom 29.11.2017, Az. X R 3/16).
Auch die vertraglich vereinbarte Selbstbeteiligung eines Privatversicherten bei seiner Krankenversicherung kann nicht als Sonderausgabe abgezogen werden (BFH, Urteil vom 1.6.2016, Az. X R 43/14).

Praxistipp


Haben Sie Spenden oder Mitgliedsbeiträge an steuerbegünstige (gemeinnützige) Organisationen oder Vereine gezahlt? Auch diese Beträge können Sie als Sonderausgaben absetzen, und zwar mit bis zu 20 Prozent Ihres Einkommens. Sie benötigen jedoch Spendennachweise der Empfänger. Von der Steuererklärung für den Veranlagungszeitraum 2017 an müssen Sie keine Spendenquittungen mehr einreichen – Sie müssen diese aber unbedingt aufheben, da das Finanzamt sie anfordern kann. Dies gilt übrigens auch für alle anderen Belege.

(Ma)



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