Was kann man als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen?

10.05.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (556 mal gelesen)
Was kann man als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen? © Bernd Leitner - Fotolia.com
Steuerzahler können eine Reihe von privaten Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen. Dies betrifft zum Beispiel Behandlungskosten, die nicht von der Krankenkasse abgedeckt sind.

Was sind außergewöhnliche Belastungen?
Als außergewöhnliche Belastungen bezeichnet man private Kosten, gegen deren Entstehung man nichts machen kann und die einen stärker belasten als andere Leute mit vergleichbarer Einkommenslage und gleichem Familienstand. Wichtiges Kriterium ist dabei, dass die Kosten "zwangsläufig " entstehen. Das bedeutet:

- Man kann sich diesen Kosten aus konkreten Gründen nicht entziehen. Dies können auch rechtliche oder sittliche Gründe bzw. persönliche Verpflichtungen sein,
- sie sind nach Lage der Dinge notwendig,
- sie übersteigen einen angemessenen Betrag nicht.

Außergewöhnliche Belastungen können die Einkommenssteuer mindern. Allerdings sind nur bestimmte unerwartet auftretende Ausgaben als außergewöhnliche Belastungen anerkannt.

Welche Aufwendungen sind absetzbar?
Eine abschließende Liste gibt es nicht. Denn es kommt hier auf die Einkommensverhältnisse des Einzelnen an. Ein Gutverdiener kann sich leichter medizinische Hilfsmittel leisten als jemand, der für den Mindestlohn arbeitet. Die Gerichte haben hier eine Vielzahl von Einzelfallentscheidungen gefällt und eine Anerkennung zum Teil an unterschiedliche Voraussetzungen geknüpft. Im konkreten Fall ist eine fachkundige Beratung zu empfehlen.

Beispiele für anerkannte Aufwendungen aus dem Gesundheitsbereich:

- Krankheitskosten: Zum Beispiel ärztliche Behandlung, Fahrtkosten, Zuzahlungen für Medikamente, sofern die Krankenkasse diese Kosten nicht übernimmt;
- teilsweise auch Kosten für alternative Therapien (Akupunktur) oder Heilpraktikerbehandlungen, hier kommt es aber auf die Therapie an,
- nicht rezeptpflichtige Arzneimittel, soweit vom Arzt verordnet,
- Hilfsmittel im engeren Sinn: Zum Beispiel Brillen, Zahnersatz, Hörgeräte, Rollstühle. Hilfsmittel "im weiteren Sinn", zum Beispiel Spezialbetten nur, wenn die Notwendigkeit durch ein Attest eines Amtsarztes oder des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) nachgewiesen wird,
- Augenoperationen zur Korrektur einer Fehlsichtigkeit.

Die "Zwangsläufigkeit" der Aufwendungen nimmt das Finanzamt dem Steuerpflichtigen ab, wenn er eine Verordnung eines Arztes oder Heilpraktikers vorlegt. Dies hat der Bundesfinanzhof in München entschieden; es ging dabei um eine heileurythmische Behandlung (Urteil vom 26.2.2014, Az. VI R 27/13).

Wichtig ist es, zuerst bei der Krankenkasse um Kostenerstattung nachzufragen. Steuerlich können die genannten Aufwendungen nur geltend gemacht werden, wenn die Kasse tatsächlich nicht gezahlt hätte.

Nicht krankheitsbedinge Kosten
Als außergewöhnliche Belastung absetzbar sind auch:

- Unterhaltskosten,
- Bestattungskosten,
- Kosten aufgrund von Überschwemmungen oder Unwettern,
- Kosten für erforderliche Umbaumaßnahmen, wenn jemand gegen Baustoffe oder Wohngifte (Formaldehyd) allergisch ist,
- auch die Asbestsanierung von Wohngebäuden kann unter Umständen als außergewöhnliche Belastung anerkannt werden.

Welche sind nicht anerkannt?
Beim Thema Gesundheit sind zum Beispiel Vorsorgeaufwendungen, etwa für vorbeugende Untersuchungen oder Behandlungen, nicht anerkannt. Dies gilt auch für Diätnahrung. Im Allgemeinen können auch Aufwendungen, die zu den Betriebsausgaben, Werbungskosten oder Sonderausgaben gehören, nicht als außergewöhnliche Belastungen angerechnet werden. Vom Abzug ausgeschlossen sind auch Aufwendungen für die Führung eines Rechtsstreits (Prozesskosten). Ausnahme: Wenn der Steuerpflichtige ohne diese Aufwendungen seine Existenzgrundlage verlieren würde.

Wie genau verringert sich die Einkommenssteuer?
Vom Gesamtbetrag der Einkünfte des Steuerpflichtigen wird lediglich derjenige Teil seiner Aufwendungen abgezogen, der seine „zumutbare Belastung“ übersteigt. Diese ist im Steuerrecht gesetzlich geregelt. Bleiben die außergewöhnlichen Belastungen unter dieser Grenze, gibt es keine Steuervergünstigung. Die individuelle Belastungsgrenze des Einzelnen richtet sich nach einem Prozentsatz seiner gesamten Einkünfte, nach dem Familienstand und der Anzahl der Kinder. Alleinstehende zahlen mehr als Verheiratete und erst recht als Eltern mit Kindern.

Beispiel
Ein unverheirateter Steuerpflichtiger ohne Kinder verdient zwischen 15.340 Euro und 51.130 Euro. Sechs Prozent seines Einkommens sind ihm als Sonderausgaben zumutbar, der darüber hinausgehende Betrag reduziert sein Einkommen. Wäre er verheiratet, wären es fünf Prozent. Hätte er ein bis zwei Kinder, wären es drei Prozent (vgl. § 33 Einkommenssteuergesetz).

Verdient ein Alleinstehender Kinderloser also 40.000 Euro, liegt seine zumutbare Belastung bei sechs Prozent und damit bei 2.400 Euro im Jahr. Hat er Krankheitskosten in Höhe von 3.000 Euro gehabt, berücksichtigt das Finanzamt 600 Euro. Hat er ein Kind, sind ihm drei Prozent oder 1.200 Euro zumutbar. Dann werden ihm 1.800 Euro angerechnet.

Antrag
Außergewöhnliche Belastungen werden nur auf Antrag berücksichtigt. Dazu müssen sie im Mantelbogen der Steuererklärung eingetragen werden.