Anzeige wegen Körperverletzung – wie reagieren?

03.08.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (15699 mal gelesen)
Anzeige wegen Körperverletzung – wie reagieren? © VRD - Fotolia.com
Mancher Streit eskaliert schnell – gerade wenn Sommerhitze und Alkohol im Spiel sind. Eine körperliche Auseinandersetzung ist schnell passiert. Mancher meint nur, sich selbst verteidigt zu haben – und wundert sich dann über eine Anzeige wegen Körperverletzung. Es ist wichtig, auf eine solche Anschuldigung richtig zu reagieren.

Was ist eine Körperverletzung?
Die Körperverletzung ist nach dem deutschen Strafrecht eine Straftat. Gesetzlich geregelt ist dies in § 223 des Strafgesetzbuches (StGB). Nach dieser Vorschrift gilt es als Körperverletzung, wenn jemand „eine andere Person körperlich mißhandelt oder an der Gesundheit schädigt“. Als Misshandlung gilt dabei jede üble, unangemessene Behandlung, die das körperliche Wohlbefinden oder die körperliche Unversehrtheit nicht nur unerheblich beeinträchtigt. Beispiel: Ein Faustschlag ins Gesicht wird in der Regel eine Körperverletzung darstellen. Ein Ohrfeige ist der Grenzfall – sie kann auch lediglich als Beleidigung betrachtet (und geahndet) werden.

Weitere Körperverleztungs-Tatbestände
Weitere Vorschriften befassen sich unter anderem mit schlimmeren Arten der Tatsausführung, also etwa mit gefährlicher Körperverletzung (Verwendung von Gift, Waffen, Hinterhalt, Begehung durch mehrere Personen, Lebensgefahr), schwerer Körperverletzung (mit der Folge dauerhafter körperlicher Schäden oder Behinderungen) oder Körperverletzung mit Todesfolge. Diese sind mit härteren Strafen bedroht als die einfache Körperverletzung.

Wie wird die Körperverletzung bestraft?
Eine einfache Körperverletzung wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Bei einer gefährlichen Körperverletzung liegt der Strafrahmen bei mindestens sechs Monaten bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe, in minder schweren Fällen bei einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren. Bei einer schweren Körperverletzung drohen dem Täter ein bis zehn Jahre Freiheitsentzug, bei einer Körperverletzung mit Todesfolge mindestens drei Jahre. Auch eine versuchte Körperverletzung ist strafbar.

Der Strafantrag
Umgangssprachlich wird oft von der „Strafanzeige“ gesprochen. Hier muss man unterscheiden: Mit einer Strafanzeige informiert jemand die Polizei lediglich über ein möglicherweise strafbares Verhalten. Die Strafanzeige muss nicht durch den Geschädigten erfolgen. Es liegt bei den Ermittlungsbehörden, inwieweit sie daraufhin Schritte starten. Der Strafantrag dagegen ist bei bestimmten Straftaten eine Voraussetzung dafür, dass die Behörden überhaupt ein Verfahren einleiten. So auch hier: Eine Körperverletzung nach § 223 StGB wird nur auf einen Strafantrag des Opfers hin verfolgt – oder, wenn die Staatsanwaltschaft ein besonderes öffentliches Interesse für die Strafverfolgung sieht. In der Regel muss der Betroffene also Strafantrag stellen, damit eine Strafverfolgung stattfindet.

Wechselseitige Körperverletzung
Oft kommt es vor, dass im Rahmen einer Schlägerei beide Kontrahenten sich als Opfer einer Körperverletzung ansehen. Beide stellen dann Strafantrag gegen den jeweils anderen. Das Gericht muss dann genau prüfen, ob ein sogenannter Rechtfertigungsgrund für einen der beiden spricht – etwa Notwehr. Denn dann hätte der Betreffende nicht rechtswidrig gehandelt und sich nicht strafbar gemacht. Kommt es im Rahmen einer Schlägerei mit mehreren Beteiligten zu einer schweren Körperverletzung oder zum Tod eines Menschen, wird auch ein bloßer Teilnehmer mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft (§ 231 StGB).

Wie reagieren?
Viele Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung werden eingestellt, wenn der Täter sich beim Geschädigten entschuldigt oder es sich um gegenseitige Körperverletzung gehandelt hat. Auch Notwehr kann ein gutes Argument sein. Hier empfiehlt sich eine anwaltliche Beratung in frühem Stadium. Auf keinen Fall sollten bei einer polizeilichen Vernehmung Angaben gemacht werden, ohne zuvor mit einem Strafverteidiger gesprochen zu haben. Unbedachte Aussagen lassen sich oft im gerichtlichen Strafverfahren nicht mehr rückgängig machen.

Strafrecht und Zivilrecht – zwei verschiedene paar Schuhe
Eine Körperverletzung zieht oft nicht nur ein Ermittlungs- bzw. Strafverfahren nach dem Strafrecht nach sich, sondern auch eine Klage des Geschädigten auf Schmerzensgeld und/oder Schadenersatz nach dem Zivilrecht. Es ist wichtig, beide Rechtsgebiete auseinander zu halten. Oft erfolgt das Zivilverfahren erst, nachdem im Ermittlungs- oder Strafverfahren eine Entscheidung gefallen ist. Wurde das Ermittlungsverfahren durch die Staatsanwaltschaft nach § 170 Absatz 2 der Strafprozessordnung eingestellt (weil man keinen ausreichenden Anlass für ein Strafverfahren gesehen hat) hat der Geschädigte meist auch nur wenig Chancen vor einem Zivilgericht. Dies gilt natürlich auch bei einem Freispruch im gerichtlichen Strafverfahren. Erfolgt die Einstellung nach § 153 StPO (Geringfügigkeit) hängen die Erfolgschancen sehr vom Einzelfall ab. Wurde jemand wegen einer Körperverletzung strafrechtlich verurteilt, steht einer Zivilklage auf Schmerzensgeld meist wenig im Wege.