Hagelschaden nach Unwetter: Tipps für die Schadensmeldung

13.06.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (519 mal gelesen)
Hagelschaden nach Unwetter: Tipps für die Schadensmeldung © Bu - Anwalt-Suchservice

Schwere Gewitter mit kräftigen Hagelschauern kommen auch in unseren Breitengraden immer öfter vor. Oft werden Autos durch Hagel schwer beschädigt. Was muss man der Versicherung mitteilen?

Immer häufiger kommt es auch in Deutschland zu schweren Unwettern mit Hagelkörnern, die durchaus einen Durchmesser von mehreren Zentimetern erreichen können. An Blech und Lack von Autos entstehen dadurch oft großflächige und massive Schäden. Um von ihrer Versicherung den Schaden ersetzt zu bekommen, müssen Autofahrer einige Punkte beachten.

Hagel: Massive Schäden an Autos in Deutschland


Im Jahr 2017 meldeten die deutschen Autoversicherer über 405.000 Schäden an Fahrzeugen infolge von Unwetter. Rund 850 Millionen Euro wurden an die Geschädigten ausgezahlt. Dies schließt Hagelschäden ein, aber auch Sturmschäden etwa durch umgefallene Bäume, abgebrochene Äste und heruntergefallene Dachziegel.

Welche Versicherung zahlt für den Hagelschaden?


Kommt es durch Hagel zu einem Schaden am eigenen PKW des Versicherungsnehmers, zahlt dessen Teilkaskoversicherung. Hat er eine Vollkaskoversicherung, sind Teilkaskoschäden mit eingeschlossen. Wer lediglich eine Haftpflichtversicherung hat, geht leer aus. Wer also eine Kaskoversicherung hat, sollte Unwetterschäden nicht gleich auf eigene Kosten reparieren lassen, sondern sich zuerst bei seiner Versicherung melden.

Wichtig: Schnelle Schadensmeldung


Jeder Versicherungsvertrag über eine Kaskoversicherung enthält eine Frist, innerhalb der Kunde die Schadensmeldung abgeben muss, wenn er nach einem Schadensfall Geld bekommen will. Oft dauert diese Frist nur eine Woche. Geht die Schadensmeldung später ein, braucht die Versicherung nicht zu zahlen.
Manchmal taucht im Versicherungsvertrag als Fristangabe auch nur das Wort "unverzüglich" auf. Im juristischen Sprachgebrauch heißt das "ohne schuldhaftes Zögern". Im Klartext: Der Versicherungsnehmer hat den Schaden zu melden, sobald es möglich ist. Der private oder berufliche Terminkalender taugt dabei nicht zur Ausrede. Der Betreffende ist nur entschuldigt, wenn er den Schaden wirklich nicht melden konnte – beispielsweise, weil er bewusstlos im Krankenhaus lag.

In welcher Form ist der Hagelschaden zu melden?


Bei vielen Versicherungen gibt es für die Schadensmeldung besondere telefonische Hotlines. Diese sind meist rund um die Uhr erreichbar.
Achtung: Mit dem Anruf ist es nicht getan. Die einwöchige Frist im Versicherungsvertrag gilt in der Regel für die schriftliche Schadensmeldung. Das bedeutet: Meldet man den Schaden telefonisch, füllt aber das von der Versicherung zugeschickte Formular zur Schadensmeldung nicht aus, gibt es kein Geld. Dies gilt auch, wenn das ausgefüllte Formular nicht fristgerecht bei der Versicherung eingeht.
Formulare für die Schadensmeldung können meist auch online bei der Versicherung heruntergeladen werden.

Bei einer gerichtlichen Klage gegen die Versicherung über die Schadensmeldung muss der Kunde beweisen, dass er das Formular rechtzeitig abgeschickt hat (Amtsgericht Coburg, Urteil vom 18.6.2009, Az. 15 C 378/09).
Das Versäumen der schriftlichen Schadensmeldung nennt man im Versicherungsrecht eine Obliegenheitsverletzung durch den Kunden. Dieser ist nämlich einer vertraglich vereinbarten Obliegenheit nicht nachgekommen.

Welche Rolle spielt der Gutachter?


Hat der Versicherte den Hagelschaden seiner Teilkaskoversicherung gemeldet, schickt diese meist einen Gutachter, der sich das Auto ansieht und die Höhe des Schadens beurteilt. Dann erhalten Versicherter und Versicherung je eine Ausfertigung des Gutachtens.
Geschädigte sollten darauf achten, ihr Fahrzeug nicht in die Werkstatt zu bringen, bevor der Gutachter Gelegenheit zur Besichtigung hatte. Wenn die Werkstatt mit der Reparatur beauftragt wird, sollte die Werkstatt das Gutachten bekommen. Sonst besteht die Gefahr, dass eine viel aufwändigere Reparatur durchgeführt wird, als dies vom Sachverständigen für nötig gehalten wurde. Natürlich bezahlt die Versicherung dann nur den vom Gutachter festgestellten Schaden.

Welches Reparaturverfahren ist das Beste?


Wenn der Lack unbeschädigt ist, kann man durch Hagelschlag verursachte Dellen oft auch ohne Spachteln und Lackieren durch Herausziehen oder Herausdrücken entfernen. Dieses Verfahren bezeichnet man oft als Smartrepair. In der Regel ist diese Methode preisgünstiger. Ob sie im Einzelfall besser ist, hängt vom jeweiligen Schadensbild ab. Erteilt der Geschädigte einen Auftrag über eine Smartrepair, sollte er allerdings genau vereinbaren, welches Verfahren angewandt wird. Denn nicht selten wird der Begriff „Smartrepair“ freimütig auch für andere Verfahren benutzt.

Hagelschaden wird nur einmal bezahlt


Ein Münchner Autofahrer hatte nach einem Hagelschaden auf Gutachtenbasis 2.400 Euro von seiner Versicherung bekommen. Er ließ den Schaden jedoch nicht reparieren und fuhr das zerbeulte Auto weiter. Nach einem Jahr hagelte es erneut, und weitere Beulen kamen dazu. Wieder meldete er Mann einen Hagelschaden. Der neue Gutachter wusste nichts von dem alten Schaden und erstellte ein Gutachten, bei dem alle Beulen als neuer Schaden angesehen wurden.
Daraufhin zog allerdings die Versicherung vom Schadensbetrag nicht nur die Selbstbeteiligung, sondern auch den Vorjahresschaden ab. Der Versicherungsnehmer bekam noch ganze 66 Euro und ging vor Gericht.
Das Amtsgericht München wies jedoch seine Klage ab: Die Versicherung müsse nur die Wiederherstellung desjenigen Zustands bezahlen, der vor dem einzelnen Schadensereignis bestanden habe. Es gibt also für jeden Schaden nur einmal Geld (Az. 271 C 10327/10).

Trotz Hagelschaden unfallfrei?


Die Gerichte sehen Hagel- und Unfallschäden als unterschiedliche Schadensarten an. Wird das Fahrzeug irgendwann später verkauft, darf der Verkäufer es also durchaus als "unfallfrei" anbieten, obwohl es einen Hagelschaden hatte.
Liegen jedoch Schäden durch einen Unfall und Hagel vor, darf das Auto natürlich nicht mehr als unfallfrei verkauft werden. Wenn ein Autohändler den Kunden in einem solchen Fall zwar auf den Hagelschaden hinweist, den Unfall aber verschweigt, kann der Kunde unter Umständen eine Rückabwicklung des Kaufvertrages fordern (Kammergericht Berlin, Urteil vom 10.11.2003, Az. 8 U 179/03).

Praxistipp


Bei Streitigkeiten mit ihrer KfZ-Versicherung sollten sich Autofahrer an einen spezialisierten Rechtsanwalt wenden. Dies kann ein Fachanwalt für Versicherungsrecht oder ein Fachanwalt für Verkehrsrecht sein.

(Ma)



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