Heckenschnitt: Wann darf / muss man zur Heckenschere greifen?

23.08.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (1173 mal gelesen)
Heckenschnitt: Wann darf / muss man zur Heckenschere greifen? © D. Ott - Fotolia.com
Eine Gartenhecke darf nur zu bestimmten Zeiten im Jahr geschnitten werden, so will es das Bundesnaturschutzgesetz. Es können sogar Bußgelder fällig werden. Aber auch unkontrollierter Wildwuchs ist nicht zu empfehlen. Hier einige Tipps für Gartenbesitzer.

Wie oft sollte man eine Hecke schneiden?
Hecken sind als Grundstücksabgrenzung beliebt. Kein Wunder: Eine Hecke ist deutlich schöner anzusehen als ein Gartenzaun, sie ist blickdichter und bietet obendrein noch Nistmöglichkeiten für Singvögel. Aber Hecken wachsen auch, und wenn man sie nicht schneidet, wachsen sie einem irgendwann über den Kopf. Experten empfehlen daher, eine Hecke zweimal im Jahr zu schneiden. Dabei muss man aber darauf achten, dass dies nicht ganzjähig erlaubt ist. Dabei geht es in erster Linie um den Schutz von Tieren, die die Hecke als Lebensraum nutzen – etwa Vögel, die darin ihre Nester bauen und ihre Jungen aufziehen.

Was regelt das Gesetz?
Die wichtigste Vorschrift aus dem Umweltrecht zu diesem Thema ist § 39 des Bundesnaturschutzgesetzes. Absatz 1 verbietet es, wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu verletzen oder zu töten sowie ihre Lebensstätten ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen. Speziell um Hecken geht es in Absatz 5 dieser Vorschrift: Danach ist es untersagt, Hecken, lebende Zäune und Gebüsche in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen. Zulässig sind allerdings schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen. Aber: Bevor nun mit erfreutem "aha!" zur Motor-Heckenschere gegriffen wird, sollte an die anderen Regelungen des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) gedacht werden. Denn wie oben erwähnt dürfen brütende Vögel und andere in der Hecke Schutz suchende Tiere nicht gestört, vertrieben oder verletzt werden. Erlaubt ist nur ein kosmetischer Schnitt der Triebe, und auch dieser darf nur erfolgen, wenn in der Hecke keine tierischen Mitbewohner nisten – davon muss sich der Gartenfreund zuvor unbedingt überzeugen.

Besonderer Schutz für Vögel
Für besonders geschützte Tiere wie auch generell für die europäischen Vogelarten gibt es noch eine besondere Schutzvorschrift in § 44 BNatSchG. Danach ist es verboten, sie während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören. Diese Vorschrift verbietet es auch, Fortpflanzungs- und Ruhestätten wild lebender Tiere zu beschädigen.

Welche Bußgelder drohen?
Ein Verstoß gegen die genannten Vorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes ist eine Ordnungswidrigkeit. Wer entgegen § 39 Abs. 5 seine Hecke außerhalb der "Schonzeit" schneidet, riskiert ein Bußgeld von bis zu 10.000 Euro. Werden freilebende Tiere wissentlich beunruhigt, verletzt, getötet, erheblich gestört oder ihre Ruhe- und Fortpflanzungsstätten (Nester) zerstört, können nach § 69 BNatSchG sogar Geldbußen bis 50.000 Euro fällig werden.

Gibt es weitere Regelungen in Landesgesetzen?
Natürlich hat auch der Landesgesetzgeber etwas zum Thema "Hecke" zu sagen. So untersagt es zum Beispiel das Landschaftsgesetz in Nordrhein-Westfalen, auch außerhalb der üblichen Frist ohne vernünftigen Grund die Lebensstätten wildlebender Tierarten zu beeinträchtigen oder zu zerstören. In Hamburg stehen alle Hecken unter dem Schutz der Baumschutzverordnung, hier ist allenfalls ein Rückschnitt des jährlichen Zuwachses erlaubt und alles andere genehmigungspflichtig. In München wiederum sind Hecken, die als lebende Einfriedung dienen und regelmäßig zurückgeschnitten werden, von der Baumschutzverordnung ausgenommen. Es empfiehlt sich also, sich vor drastischeren Maßnahmen über die örtlichen Regelungen zu informieren.

Gibt es Ausnahmen?
Die Beseitigung von Gehölzen ist nach § 39 Abs. 5 BNatSchG ausnahmsweise gestattet, wenn sie im Rahmen einer behördlich angeordneten Maßnahme oder von Bauarbeiten mit Baugenehmigung stattfindet. Auch die Verkehrssicherungspflicht kann es erforderlich machen, eine Hecke zu entfernen oder zurückzuschneiden – wenn diese etwa nach einem Sturm auf eine Straße zu kippen droht. Die Maßnahmen sollten jedoch unbedingt in Absprache mit der zuständigen Behörde erfolgen – damit nicht später doch ein Bußgeldbescheid ins Haus flattert, wenn irgendwann festgestellt wird, dass die Hecke nicht mehr da ist.

Wer ist zuständig?
Fragen darüber, was vor Ort zulässig ist, kann das städtische Umwelt- oder Naturschutzamt beantworten. Diese Behörde ist auch für die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen zuständig.