Heckenschnitt: Wann darf / muss man zur Heckenschere greifen?

24.10.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (1610 mal gelesen)
Heckenschnitt: Wann darf / muss man zur Heckenschere greifen? © Ma - Anwalt-Suchservice

Gartenbesitzer sollten wissen, dass sie ihre Gartenhecke nicht beliebig schneiden dürfen, sondern nur zu bestimmten Zeiten im Jahr. Auch unkontrollierter Wildwuchs ist jedoch nicht zu empfehlen.

Eine Hecke ist natürlicher und dekorativer als ein Zaun und bietet auch besseren Blickschutz. Obendrein bietet sie Nistmöglichkeiten für Singvögel. Hecken wachsen jedoch auch, und wenn man sie nicht schneidet, wachsen sie einem irgendwann über den Kopf. Wird eine Hecke nicht ab und zu geschnitten, sieht sie schnell nicht mehr so dekorativ aus. Manche Arten von Sträuchern können sich durchaus in Bäume verwandeln, wenn man sie lässt – wie etwa eine Ahornhecke. Auch können Passanten behindert werden, die den Fußweg entlang der Hecke benutzen möchten. Da ist ein Rückschnitt angesagt. Hier gibt es jedoch gesetzliche Einschränkungen. Wer sich nicht daran hält, riskiert ein Bußgeld.

Wie oft sollte man eine Hecke schneiden?


Experten empfehlen, eine Hecke zweimal im Jahr zu schneiden. Dabei muss man aber auf den richtigen Zeitpunkt achten, da dies nicht ganzjährig erlaubt ist. Hier geht es hauptsächlich um den Schutz von Tieren, denen die Hecke als Lebensraum dient, zum Beispiel Vögel, die darin ihre Nester bauen und ihre Jungen aufziehen.

Was steht im Gesetz?


Die wichtigste Vorschrift zu diesem Thema ist § 39 des Bundesnaturschutzgesetzes. Absatz 1 der Regelung untersagt es, wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu verletzen oder zu töten sowie ihre Lebensstätten ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen. Eine Hecke ist als eine solche Lebensstätte anzusehen.
Spezieller wird es in Absatz 5 der Vorschrift: Danach ist es ausdrücklich verboten, Hecken, lebende Zäune und Gebüsche im Zeitraum zwischen 1. März und 30. September abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen. Erlaubt sind jedoch schonende Form- und Pflegeschnitte, um den Zuwachs der Pflanzen zu beseitigen.
Aber: Bevor nun mit erfreutem "aha!" der Griff zur Motor-Heckenschere erfolgt, sollte man an die anderen Regelungen des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) denken:
So dürfen wie erwähnt in der Hecke brütende Vögel und andere darin Schutz suchende Tiere nicht gestört, vertrieben oder verletzt werden. Ein Form- und Pflegeschnitt ist lediglich ein kosmetischer Schnitt der Triebe. Auch dieser darf nur stattfinden, wenn in der Hecke keine tierischen Mitbewohner nisten. Davon hat sich der Gartenfreund zuvor unbedingt zu überzeugen.

Welcher besondere Schutz gilt für Vögel?


Manche Tiere stehen unter besonderem Schutz. Nach § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes gilt nicht nur für streng geschützte Arten, sondern generell für alle europäischen Vogelarten: Es ist verboten, sie während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören. Auch ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten dürfen nicht beschädigt oder zerstört werden.

Welche Bußgelder drohen?


Wer gegen die genannten Vorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Gartenfreunde, die entgegen § 39 Abs. 5 ihre Hecke außerhalb der "Schonzeit" schneiden, riskieren zum Beispiel ein Bußgeld von bis zu 10.000 Euro.
Kommt es dabei zu einer Beeinträchtigung von frei lebenden Tieren, etwa, indem diese wissentlich beunruhigt, verletzt, getötet, erheblich gestört oder ihre Ruhe- und Fortpflanzungsstätten (Nester) zerstört werden, kann das Bußgeld gemäß § 69 BNatSchG sogar bis zu 50.000 Euro betragen.

Was sagen die Landesgesetze?


Natürlich gibt es auch auf Ebene der Bundesländer Gesetze zum Thema „Hecke“. Das Landschaftsgesetz von Nordrhein-Westfalen verbietet es zum Beispiel, auch außerhalb der üblichen Schonfrist ohne vernünftigen Grund die Lebensstätten wildlebender Tiere zu beeinträchtigen oder zu zerstören. In Hamburg gibt es wie in anderen Städten eine Baumschutzverordnung, die auch Hecken betrifft. Der Hamburger Regelung zufolge ist allenfalls ein Rückschnitt des jährlichen Zuwachses erlaubt, alles andere muss von der Stadt genehmigt werden. In München andererseits sind Hecken, die als lebende Einfriedung dienen und regelmäßig zurückgeschnitten werden, ausdrücklich von der Baumschutzverordnung ausgenommen. Gartenbesitzer sollten sich angesichts dieser unterschiedlichen Rechtslage vor größeren Maßnahmen erst einmal darüber informieren, was an ihrem Wohnort Stand der Dinge ist.

Welche Ausnahmen gibt es?


Das Bundesnaturschutzgesetz erlaubt in § 39 Abs. 5 ausnahmsweise die Beseitigung von Gehölzen, wenn diese im Zuge einer behördlich angeordneten Maßnahme oder von Bauarbeiten mit behördlicher Baugenehmigung durchgeführt wird.
Auch die Verkehrssicherungspflicht des Grundstückseigentümers kann es notwendig machen, eine Hecke zu entfernen oder zurückzuschneiden – zum Beispiel, wenn diese nach einem Sturm droht, auf eine Straße zu kippen.
Solche Maßnahmen sollten jedoch nur in Absprache mit der zuständigen Behörde stattfinden – damit es nicht später doch noch zu einem Bußgeldverfahren kommt, wenn festgestellt wird, dass die Hecke nicht mehr da ist.

Wer ist zuständig?


Fragen darüber, was in der jeweiligen Gemeinde und im jeweiligen Bundesland erlaubt oder verboten ist, kann das städtische Umwelt- oder Naturschutzamt beantworten. Bei dieser Behörde sind auch Ausnahmegenehmigungen zu beantragen.

Praxistipp


Hecken dürfen zwischen dem 1. März und dem 30. September nicht in größerem Maße beschnitten werden. Gartenbesitzer riskieren hier Bußgelder. Im Streit mit einer örtlicher Umwelt- oder Naturschutzbehörde berät und hilft ein Fachanwalt für Verwaltungsrecht.

(Bu)



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