Gartenhaus und Baumhaus: Wann braucht man eine Baugenehmigung?

27.06.2019, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (13551 mal gelesen)
Gartenhaus und Baumhaus: Wann braucht man eine Baugenehmigung? © Ml - Anwalt-Suchservice

Viele Garteneigentümer möchten gern auf ihren Grünflächen zusätzliche Bauten errichten. Ein Spielhaus für die Kinder, ein Baumhaus, einen Geräteschuppen. Aber: Darf man das so einfach?

Ein Garten verlockt dazu, sich handwerklich zu betätigen. Schnell entsteht ein Spielhaus oder Gartenschuppen. Der Haken: Auch für kleine Bauwerke kann eine Baugenehmigung notwendig sein. Grundstückseigentümer, die auf ihrem Gelände ein Gartenhaus, eine Gartenlaube, einen Schuppen, eine Sauna oder Ähnliches errichten wollen, sollten sich mit den Vorschriften beschäftigen, die in ihrem jeweiligen Bundesland und in ihrer Stadt gelten. Denn: Bei illegalen Bauten droht erheblicher Ärger mit der Baubehörde. Und: Allzu oft gibt es einen Nachbarn, der die Behörde bereitwillig informiert.

Welche Gesetze gelten?


Baurechtliche Vorschriften finden sich im bundesweiten Baugesetzbuch und in den Landesbaugesetzen. Für was man eine Baugenehmigung benötigt, steht in der Landesbauordnung des jeweiligen Bundeslandes. Diese gesetzlichen Vorschriften weisen von Land zu Land einige Unterschiede auf. Gemeinsam ist ihnen, dass es immer baugenehmigungspflichtige und verfahrensfreie Bauvorhaben gibt.
Zusätzlich sind in der Regel die Vorgaben des Bebauungsplans der jeweiligen Gemeinde zu beachten. In diesem wird zum Beispiel festgelegt, ob ein Gebiet ein Wohngebiet, Gewerbegebiet oder Mischgebiet ist. Aber der Bebauungsplan kann auch regeln, wie die einzelnen Flächen auf den Grundstücken aussehen müssen. Im Extremfall kann darin stehen, wo Rasen und Sträucher zu pflanzen sind – und wo man Nebenanlagen wie Schuppen und Gartenhäuser bauen darf.

Welche Vorhaben sind genehmigungsfrei?


Dies geht aus der jeweiligen Landes-Bauordnung hervor. Einige Beispiele:
Nach § 57 der Bayerischen Bauordnung sind Gebäude mit einem Rauminhalt bis 75 Kubikmeter genehmigungsfrei. Allerdings gilt dies nicht im Außenbereich, sondern nur im Bereich der zusammenhängenden Ortsbebauung. Genehmigungsfrei sind auch Garagen und überdachte Stellplätze bis zu 50 Quadratmeter Fläche – solange diese nicht im Außenbereich stehen.
In Hamburg sind unter anderem eingeschossige Gebäude ohne Aufenthaltsräume mit bis zu 30 Kubikmetern umbautem Raum genehmigungsfrei (außer im Außenbereich).
In Berlin gilt dies beispielsweise für eingeschossige Gebäude mit einer Brutto-Grundfläche von höchstens zehn Quadratmetern, außer im Außenbereich.
In Brandenburg sind Gebäude ohne Aufenthaltsräume, Toiletten oder Feuerstätten mit nicht mehr als 75 Kubikmeter Brutto-Rauminhalt verfahrensfrei, wenn sie sich nicht im Außenbereich befinden. Dies gilt nicht für Garagen, Ställe und Gebäude, die Verkaufs- oder Ausstellungszwecken dienen.
Die Einschränkung „ohne Aufenthaltsräume, Toiletten oder Feuerstätten“ findet sich häufig; wenn diese vorhanden sind, gibt es meist bereits ab zehn Quadratmetern Fläche eine Genehmigungspflicht.

Was gilt in Kleingartenkolonien?


In Kleingartenkolonien auf Pachtland gelten Sonderregeln: Hier braucht man meist keine Baugenehmigung, um eine typische Kleingartenhütte oder -Laube zu bauen. Erlaubt ist meist eine Hütte pro Parzelle. Maßgeblich ist hier § 3 des Bundeskleingartengesetzes, der die Größe der Laube auf maximal 24 Quadratmeter einschließlich überdachtem Freisitz beschränkt. Solche Lauben in Kleingartenanlagen werden durch die Landesbauordnungen meist von einer Genehmigung freigestellt, wenn sie sich von ihrer Ausstattung her nicht zum dauerhaften Wohnen eignen. Nicht zulässig sind dagegen in der Regel zusätzliche Schuppen.

Was gilt für Baumhäuser?


Für Baumhäuser gelten die gleichen Regelungen, wie für andere Gartenhütten: Sie sind genehmigungsfrei, sofern die Flächen- oder Rauminhalts-Grenzen für verfahrensfreie Bauvorhaben aus der jeweiligen Landesbauordnung beachtet werden. Meist gilt die zusätzliche Einschränkung, dass sie keine Aufenthaltsräume, Toiletten oder Feuerstätten haben dürfen.

Was sind Aufenthaltsräume?


§ 2 der von Sachverständigen der Bundesländer ausgearbeiteten Musterbauordnung (MBO) beschreibt Aufenthaltsräume als Räume, die sich zum dauernden Aufenthalt von Menschen eignen und dafür bestimmt sind.
Zu den Aufenthaltsräumen zählen etwa Wohnräume, Schlafräume und Küchen, aber auch Büro- und Verkaufsräume. Werk- oder Sporträume sind ebenfalls Aufenthaltsräume, wenn sie regelmäßig benutzt werden.
Keine Aufenthaltsräume sind jedoch Lager-, Abstell-, Sanitär- und Nebenräume oder Flure und Treppenhäuser. Wenn ein Raum als Aufenthaltsraum für Menschen gilt, muss er über bestimmte Fensteröffnungen und Rettungswege verfügen.

Wie nah an der Grundstücksgrenze darf ich meinen Schuppen bauen?


In den Landesbauordnungen sind auch die Grenzabstände enthalten, welche Bauwerke zur Grundstücksgrenze hin einhalten müssen. Für Gebäude und für alle Bauwerke, die ähnliche Auswirkungen wie Gebäude haben, gilt meist ein Grenzabstand von mindestens drei Metern.
Allerdings sind Garagen und Gebäude ohne Aufenthaltsräume und Feuerstätten mit einer Höhe bis zu drei Metern häufig ohne Abstand oder mit einem bis auf einen Meter reduzierten Abstand von der Grenze erlaubt (hier: Niedersächsische Bauordnung, § 5 Abs. 8).

Wie finde ich heraus, ob ich eine Genehmigung benötige?


Hier ist das örtliche Bauamt der erste Ansprechpartner. In komplizierteren Fällen kann es notwendig werden, eine kostenpflichtige Bauvoranfrage zu stellen. So bekommt man Rechtssicherheit. Meist sollte sich die Frage nach einer Gartenhütte allerdings auch ohne formelle Bauvoranfrage beantworten lassen.

Woher bekomme ich die Unterlagen für den Bauantrag?


Wenn tatsächlich eine Baugenehmigung erforderlich ist, muss ein Bauantrag durch einen dazu Berechtigten wie zum Beispiel einen Architekten vorgelegt werden. Dazu werden meist weitere Unterlagen benötigt, wie etwa ein von einem Vermesser angefertigter Lageplan des Grundstücks. Die einzureichenden Baupläne für Bausatz-Gartenhütten erhält man oft schon beim Hersteller oder beim Baumarkt.

Praxistipp


Zu empfehlen ist immer ein rechtzeitiges, freundliches Gespräch mit den Nachbarn. Wer diese frühzeitig auf sein Projekt anspricht und fragt, ob sie etwas einzuwenden haben, kann oft späteren Ärger vermeiden. Viele Nachbarschaftsstreitigkeiten lassen sich durch Kommunikation – und vielleicht einen gemeinsamen Grillabend bei Bratwurst und Bier – vermeiden.
Kommt es zum Streit mit der Baubehörde, kann ein Fachanwalt für Baurecht helfen. Kann man sich mit den Nachbarn überhaupt nicht einigen, ist ein im Zivilrecht tätiger Anwalt der richtige Ansprechpartner.

(Bu)



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