Kind nach Seitensprung: Hat der Vater ein Umgangsrecht?

03.05.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (474 mal gelesen)
Kind nach Seitensprung: Hat der Vater ein Umgangsrecht? © Bu - Anwalt-Suchservice

Es soll vorkommen, dass auf einen Seitensprung eine Schwangerschaft folgt. Oft möchten die Beteiligten das Vorkommnis lieber “unter den Teppich kehren”. Was aber, wenn der uneheliche Vater Umgang mit seinem Kind wünscht?

Auch nicht verheiratete Väter haben grundsätzlich ein Recht auf Umgang mit ihrem leiblichen Kind. Was passiert aber, wenn das Kind dank Seitensprung in eine andere Beziehung oder Ehe hineingeboren wird? In der Regel werden die Ehepartner kein großes Interesse daran haben, dass der “Seitensprung-Vater” jedes zweite Wochenende vorbeischaut, um sein Kind zu besuchen.

Wie wird man Vater – vor dem Gesetz?


Im Familienrecht unterscheidet man zwischen dem rechtlichen Vater und dem biologischen. Wird ein Kind während einer Ehe geboren, gilt der Ehemann rechtlich als dessen Vater. Aber: In Zeiten von Patchwork-Familien und wechselnden Beziehungen ist es oft nicht so einfach. Manches Paar sieht die Ehe gar nicht als notwendig an, hat aber trotzdem zusammen Kinder. Andere Möglichkeiten, rechtlich gesehen zum Vater zu werden, sind: Der Mann erkennt die Vaterschaft an, oder seine Vaterschaft wird gerichtlich festgestellt. Wenn beide Elternteile wollen, dass der Vater auch vor dem Gesetz zu seiner Vaterschaft steht, ergibt sich meist kein großes Problem. Schwierigkeiten ergeben sich eher, wenn die Mutter inzwischen vom leiblichen Vater getrennt ist und vielleicht mit einem anderen Mann zusammenlebt, der leibliche Vater jedoch weiterhin Kontakt mit seinem Kind möchte. Oder auch, wenn das Kind im Rahmen eines Seitensprunges gezeugt wurde. Denn: Wer nicht in rechtlicher Hinsicht als Vater angesehen wird, kann zwar rein biologisch Vater sein, hat aber weder Pflichten wie etwa die Zahlung von Unterhalt, noch irgendwelche Rechte. Er hat also ein Kind, dass er nie zu Gesicht bekommt und für das er sich nicht interessieren darf.

Wie funktioniert das Umgangsrecht für leibliche Väter?


Der Gesetzgeber hat deshalb mit § 1686a des Bürgerlichen Gesetzbuches eine Regelung geschaffen, nach der auch nicht-rechtliche, leibliche Väter ein Umgangsrecht mit ihrem Kind haben. Allerdings ist dieses Umgangsrecht an strenge Voraussetzungen geknüpft. So muss der Vater ein ernsthaftes Interesse an dem Kind zeigen. Auch muss der Umgang mit dem leiblichen Vater dem Kindeswohl dienen. Letzteres kann Probleme bereiten, denn immerhin ist das Kind dann zwischen zwei Vätern hin- und hergerissen. Allerdings geht meist nichts ohne gerichtliche Schritte. Denn zuerst einmal muss ja festgestellt werden, dass es sich überhaupt um das Kind des Nicht-Ehepartners handelt, und viele Ehefrauen werden das kaum zugeben wollen.

Was hat das OLG Oldenburg entschieden?


Das Oberlandesgericht Oldenburg hat am 14.2.2017 ein wichtiges Urteil für leibliche Väter gefällt und entschieden, dass die Mutter eine Vaterschaftsfeststellung dulden muss, wenn der mögliche außereheliche Vater ein ernsthaftes Interesse an seinem Vielleicht-Kind hat. Hier war es zu einem Seitensprung gekommen und neun Monate später zu einer Geburt – nur bestritt das Ehepaar alle Voraussetzungen des oben genannten § 1686a BGB. Nach Ansicht der Eheleute war es ihr Kind, der Seitensprung-Partner habe sowieso kein ernsthaftes Interesse an dem Kind gezeigt und obendrein sei es auch nicht zum Wohl des Kindes, wenn sich ein Außenstehender in die Familie und das offenbar wieder bestehende Eheglück einmische. Der Seitensprung-Gefährte war da aber ganz anderer Ansicht. Er wollte unbedingt wissen, ob er Vater geworden sei – und wenn ja, wollte er Umgang mit seinem Kind. Da biss er jedoch auf Granit: Die Mutter weigerte sich, eine Abstammungsuntersuchung durchführen zu lassen. Vor dem Amtsgericht als der ersten Instanz war die Mutter zunächst siegreich. Denn das Gericht schloss sich ihrer Ansicht an, dass die Einmischung eines fremden Mannes ins Familienleben bei einem mittlerweile knapp einjährigen Kind kaum dem Kindeswohl dienen könne. Als richtigen Zeitpunkt für eine Aufklärung des Kindes über seinen – vielleicht – biologischen Vater sah das Gericht das Vorschulalter an.

Wie argumentierte das OLG Oldenburg?


Das OLG Oldenburg entschied jedoch anders. In solchen Fällen müsse eine Interessenabwägung stattfinden. Und diese falle hier zu Gunsten des Mannes aus. Der Vaterschaftstest bedeute keine zusätzlichen Belastungen für das Familienleben – immerhin wisse der Ehemann ja über alles Bescheid. Ob der Umgang des Kindes mit dem nichtehelichen Vater dem Kindeswohl diene, könne man überhaupt erst klären, wenn dessen biologische Vaterschaft festgestellt sei. Erst dann mache es auch Sinn, sich über mögliche Vorwürfe gegen den Mann Gedanken zu machen – denn solche hatte das Erhepaar geäußert. Auch das Kind sei dann ggf. zu informieren. Wenn der Vaterschaftstest aber negativ sei, wäre die Angelegenheit sowieso erledigt. Daher habe die Mutter zunächst einmal eine Abstammungsuntersuchung zu dulden (OLG Oldenburg, Beschluss vom 14.2.2017, Az. 13 WF 14/17).

Fazit


Das OLG Oldenburg hat die Rechte leiblicher, nichtehelicher Väter gestärkt. Allerdings ist das Vorgehen in einem solchen Fall immer noch recht umständlich. Denn der mutmaßliche leibliche Vater muss zunächst einmal auf die Zustimmung der Mutter zu einer Abstammungsuntersuchung klagen. Gewinnt er und verläuft die Untersuchung für ihn positiv, muss er einen weiteren Prozess über das eigentliche Umgangsrecht führen – bei dem dann auch ggf. die “schmutzige Wäsche” ausgepackt wird, um zu belegen, dass ein Umgang mit diesem Mann für das Kind nicht gut ist. Hier sind dann gute Nerven gefragt – und ein guter Anwalt.