Legionellen im Trinkwasser – Wissen für Mieter und Vermieter

08.06.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (561 mal gelesen)
Legionellen im Trinkwasser – Wissen für Mieter und Vermieter © spotmatikphoto - Fotolia.com
Legionellen könmnen schwere Krankheiten auslösen. Viele Vermieter wissen nicht, dass sie ihre Trinkwasseranlage regelmäßig auf Legionellen überprüfen lassen müssen. Gerichtsurteile gewähren Mietern im Ernstfall Ansprüche.

Was sind Legionellen?
Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die im Süsswasser vorkommen. Sie können zu lebensgefährlichen Erkrankungen beim Menschen führen, insbesondere zur sogenannten „Legionärskrankheit.“ Der Name bezieht sich auf das erste registrierte massenhafte Auftreten einer Legionellenerkrankung. Dabei waren in einem Hotel in den USA während eines Veteranentreffens Legionellen über die Klimaanlage verbreitet worden; von 221 Teilnehmern starben 34.

Legionellen – ein „aufgebauschtes“ Problem?
Die Legionärskrankheit ist eine besonders schwere Form der Lungenentzündung. Legionellen können jedoch auch das „Pontiac-Fieber“ verursachen, eine mildere grippeartige Krankheit. Legionellen sind eine Gefahr für viele deutsche Haushalte. Eine stichprobenartige Umfrage der „Welt am Sonntag“ bei den Gesundheitsämtern von sechs Großstädten und 15 Landkreisen ergab 516 Fälle, in denen eine akute Gesundheitsgefahr vorlag. Nach Schätzungen der Behörden sind 15 Prozent der Warmwasseranlagen in Mehrfamilienhäusern und öffentlichen Gebäuden derart starkt belastet, das technische Gegenmaßnahmen fällig wären. Dem Bundesumweltamt zufolge sterben etwa 3.000 Menschen im Jahr in Deutschland an legionellenbedingten Erkrankungen. Das Robert-Koch-Institut hat hochgerechnet, dass es insgesamt 15.000 bis 30.000 Lungenentzündungen durch Legionellen im Jahr in Deutschland gibt. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Raucher und Menschen mit schwächerem Immunsystem.

Wie entsteht eine Legionellenbelastung in einer Trinkwasseranlage?
Legionellen leben in warmem Wasser. Sie entstehen bei Temperaturen zwischen 20 Grad und 55 Grad Celsius. Außerhalb dieses Temperaturbereichs sterben sie ab. Besonders günstige Bedingungen finden sie in stehendem Wasser, etwa in Bereichen eines Rohrleitungssystems, die zeitweise nicht durchspült werden (Wohnungsleerstand, unbenutzte Leitungsstränge mit Verbindung zum Haussystem, Löschwasserleitungen, überdimensionierte Warmwasseranlagen). Eine Gefahr stellt die zu große Nähe von Trinkwasserinstallationen zu Heizungsrohren dar. Auch Ablagerungen von Bakterien, Kleinstlebewesen und Algen (sogenannte Biofilme) begünstigen Legionellen.

Welche Gegenmaßnahmen gibt es?
Als Gegenmaßnahme bietet sich – neben konstruktiven Änderungen am Gesamtsystem – eine regelmäßige Erhitzung des Wassers auf 70 Grad Celsius an. So wird zumindest der Bereich desinfiziert, in dem das Wasser erwärmt wird.

Wie nimmt der Mensch Legionellen auf?
Legionellen werden beim Einatmen aufgenommen. Zu einer Infektion kommt es also nicht durch das Trinken des verseuchten Wassers, sondern durch das Einatmen von vernebeltem Wasser oder Wasserdampf. Dies kann zum Beispiel beim Duschen passieren, beim Verdampfen von Wasser in Luftbefeuchtern oder Klimaanlagen, durch Zimmerspringbrunnen oder Rasensprenger.

Welche Pflichten hat der Vermieter?
Seit 2011 schreibt die deutsche Trinkwasserverordnung in den meisten Mehrfamilienhäusern eine Pflicht zur regelmäßigen Untersuchung auf Legionellen vor. Ein- und Zweifamilienhäuser sind ausgenommen. 2012 wurde festgelegt, dass diese Untersuchung im Drei-Jahres-Rhythmus stattfinden muss. Bis zum 31.12.2013 war die erste Untersuchung durchzuführen. Wird der Wert von 100 Kolonie bildenden Einheiten auf 100 ml Trinkwasser erreicht, ist eine sofortige Meldung ans Gesundheitsamt Pflicht. In diesem Fall sind technische Abhilfemaßnahmen unbedingt erforderlich.

Legionellen als Mangel der Mietwohnung
Das Amtsgericht Dresden hat einem Mieter bei einer gemessenen Legionellenkonzentration von 14.000 koloniebildenden Einheiten (KBE) auf 100 ml Wasser eine Mietminderung von 25 Prozent erlaubt. Es liege eine akute Gesundheitsgefährdung vor. Das Gericht wies darauf hin, dass nach dem Mietrecht eine Mietwohnung dem vertragsgemäßen Zweck nur dann dient, wenn sie ohne Gesundheitsgefahren bewohnbar ist (Urteil vom 11.11.2013, Az. 148 C 5353/13). Eine Mietminderung kommt grundsätzlich in Betracht, wenn der Wert von 100 KBE auf 100 ml Trinkwasser nicht unerheblich überschritten wird.

Neues Urteil: Todesfall durch Legionellen
2015 wurde vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe ein Fall verhandelt, bei dem die Tochter eines an der Legionärskrankheit verstorbenen Mieters vom Vermieter über 23.000 Euro als Schadenersatz und Schmerzensgeld forderte. Nach Feststellungen örtlicher Behörden war die Trinkwasseranlage im Mietshaus massiv mit Legionellen verseucht gewesen. Das Landgericht Berlin hatte die Klage zunächst abgewiesen, weil es den Zusammenhang zwischen der Erkrankung und der Verseuchung für nicht ausreichend bewiesen hielt. Der Bundesgerichtshof sah hier eine fehlerhafte Beweiswürdigung – unter anderem war das Vorhandensein eines besonderen Erregertyps beim Patienten und in der Anlage nicht berücksichtigt worden. Der BGH verwies das Verfahren an die Vorinstanz zurück (Urteil vom 6. Mai 2015, Az. VIII ZR 161/14).