Privathaftpflicht: Wann zahlt sie nicht?

19.11.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (292 mal gelesen)
Privathaftpflicht: Wann zahlt sie nicht? © styleuneed - Fotolia.com
Eine Privathaftpflichtversicherung gehört zu den wichtigsten Absicherungen im Alltagsleben. Sie bezahlt für Schäden anderer, für die man ansonsten haften müsste. Allerdings zahlt sie nicht alles – es gibt wichtige Ausnahmen.

Was ist in der Privathaftpflicht versichert?
Durch die Privathaftpflichtversicherung sind Sachschäden, Personenschäden und Vermögensschäden versichert. Sie gilt für alle Schäden, die vom Versicherungsnehmer schuldhaft verursacht worden sind, für die dieser also haften und Schadensersatz zahlen muss. Obergrenze ist die im Vertrag vereinbarte Höchstdeckung. Ein klassischer Fall für die Privathaftpflicht ist ein Schaden, der durch ein Versehen, also mit leichter Fahrlässigkeit, verursacht wird. Beispiel: Jemand ist bei Bekannten zu Besuch und stößt versehentlich etwas Zerbrechliches um.

Typische Schadensfälle für die Privathaftpflicht
Typische Schäden für die Privathaftpflicht sind:
- In fremden Haushalt wird versehentlich etwas zerstört (Vase, Spiegel),
- die Kinder zerschießen mit ihren Ball unabsichtlich die Fensterscheibe des Nachbarn,
- ein Hauseigentümer vergißt das Schneeräumen und die Nachbarin bricht sich auf Schnee und Eis das Bein,
- man überquert die Straße und schaut dabei auf das Smartphone. Durch ausweichende PKWs kommt es zu einem Unfall mit Sach- und Personenschaden.

Welcher Wert wird ersetzt?
Üblicherweise ersetzt die Gesellschaft im Versicherungsfall den Zeitwert eines zerstörten Gegenstandes. Meist ersetzt sie nicht den Neuwert oder den Wiederbeschaffungswert. Der Zeitwert ist der aktuelle Wert abzüglich des Wertverlustes durch Abnutzung und Alterung.

Welche Ausschlüsse sind üblich?
- Geliehenes: Dinge, die der Versicherungsnehmer privat ausgeliehen, gemietet, gepachtet oder geleast hat, sind nicht versichert. Beispiel: Der für den Umzug geliehene Kombi wird gegen eine Mauer gesetzt: Die Privathaftpflicht zahlt nicht.
- Mietwohnung: Auch Schäden an der Mietwohnung des Versicherten sind nicht versichert.
- Familienangelegenheiten: Erheben enge Verwandte oder Angehörige des gleichen Haushalts Schadenersatzansprüche gegeneinander, sind diese auch meist ausgeschlossen. Dies gilt auch für Ansprüche unter Personen, die sich den gleichen Versicherungsvertrag teilen (Familienversicherung).
- Vorsatz: Wer vorsätzlich, also ganz bewusst und gewollt, einen Schaden verursacht, braucht gar nicht erst bei seiner Versicherung anzurufen.
- Geldstrafen und Bußgelder: Eine Geldstrafe zum Beispiel wegen Kaufhausdiebstahls oder ein Bußgeld wegen eines Geschwindigkeitsverstoßes (bei anschließender Flucht?) sind Dinge, die der Verantwortliche aus eigener Tasche zahlen muss.
- Schäden aus reinen vertraglichen Verpflichtungen, zum Beispiel eine vereinbarte Vertragsstrafe, sind nicht versichert.
- Oft ausgeschlossen sind auch Sachschäden, die durch eine allmähliche Einwirkung von Hitze, Kälte, Gas, Dampf, Feuchtigkeit, Niederschlag, Rauch, Ruß oder Staub entstehen.

Im Zweifel lohnt sich ein Blick in den Versicherungsvertrag, denn diese können sich von Gesellschaft zu Gesellschaft etwas unterscheiden.

Welche anderen Versicherungsfälle sind nicht abgedeckt?
Nicht in der Privathaftpflicht versichert sind außerdem Schäden, für die es besondere Haftpflichtversicherungen gibt. Beispiele:
- Tierhalterhaftpflicht,
- Berufs / Betriebshaftpflicht,
- Schäden aus dem Betrieb von Kraftfahrzeugen, Luft- oder Wasserfahrzeugen,
- Schäden aus dem Betrieb von Modellflugzeugen und kleineren privaten Flugdrohnen.

Sonderfall: Vermieterhaftpflicht
Als Vermieter sollte man dem Thema Haftpflicht ebenfalls ein paar Gedanken gönnen. Achung: Einige Privathaftpflichtversicherungen schließen Schäden im Zusammenhang mit der Vermietung einer einzigen Wohnung (z.B. Einliegerwohnung) bereits ein. Hier lohnt ein Blick in den Vertrag. Sollen mehrere Wohnungen vermietet werden, ist eine besondere Vermieterhaftpflicht erforderlich.

Sonderfall: Tierhalterhaftpflicht
Für die Besitzer von Hunden, Pferden etc. ist eine Tierhalterhaftpflicht wichtig und in einigen Bundesländern auch gesetzlich vorgeschrieben. Entstehen hier Schäden – etwa weil der Hund einen anderen Hund beißt oder das Pferd über den Zaun springt und auf die Autobahn läuft – so zahlt eine normale Privathaftpflichtversicherung nicht.

Grobe Fahrlässigkeit
Bei grober Fahrlässigkeit erlaubt das Versicherungsrecht den Versicherern, ihre Zahlungen bei der Schadensregulierung entsprechend dem Grad der Fahrlässigkeit anteilig zu reduzieren. Verankert ist dies in § 81 Versicherungsvertragsgesetz (VVG). Grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn die übliche Sorgfalt in besonders hohem Maße verletzt wird; wenn Vorkehrungen unterbleiben, deren Notwendigleit jedem hätte einleuchten müssen. Beispiel: Jemand lässt Anfang Januar noch die Kerzen an einem trockenen Adventskranz brennen und geht zum Schneeschippen nach draußen, während sich eine junge, verspielte Katze im Zimmer befindet.