Silvester - Schäden nach dem Feuerwerk

08.01.2018, Redaktion Anwalt-Suchservice (471 mal gelesen)
Silvester - Schäden nach dem Feuerwerk © Rh - Anwalt-Suchservice

Um den Jahreswechsel kommt es zu vielen Schäden durch Böller und Raketen. Je nach Lage des Falles müssen sich Geschädigte an unterschiedliche Versicherungen wenden, um Ersatzleistungen zu erhalten.

Jedes Jahr wieder geht eine Vielzahl von Schäden auf Böller und Silvesterraketen zurück. Vom einfachen Brandfleck an einer Fassade oder auf dem Autolack bis hin zu gesprengten Briefkästen, zerbeulten Fahrzeugen und schließlich abgebrannten Häusern reichen die Schäden. Auch Personen werden immer wieder verletzt. Verschiedenartige Versicherungen decken solche Schäden ab. Allerdings: Hat eine andere Person den Schaden vorsätzlich oder fahrlässig verursacht, nehmen die Versicherer den Betreffenden gerne in Regress – zumindest, soweit er zu ermitteln ist. Ist der Versicherungsnehmer selbst verantwortlich oder mitschuldig, stellt sich im Versicherungsrecht die Frage, ob die Leistungspflicht der Versicherung wegen grober Fahrlässigkeit reduziert ist.

Was zahlt die Private Haftpflichtversicherung?


Die Privathaftpflichtversicherung deckt Schäden ab, für die der Versicherungsnehmer gegenüber jemand anderem haften muss. Dies sind also Schäden, die der Versicherungskunde fahrlässig verursacht hat. Nicht versichert sind vorsätzlich verursachte Schäden, wie etwa das gezielte Beschießen von Fahrzeugen oder Personen mit Feuerwerkskörpern. Häufig fragen sich Versicherungskunden, inwieweit sie bei grober Fahrlässigkeit versichert sind. Meist macht grobe Fahrlässigkeit bei der Haftpflichtversicherung nichts aus. Denn: Moderne Policen versichern Schäden in der Regel unabhängig davon, ob diese auf einfache oder grobe Fahrlässigkeit zurückgehen. Es mag allerdings ältere oder sehr preisgünstige Policen geben, in denen die Leistungen bei grober Fahrlässigkeit eingeschränkt sind. Ein Blick in den Versicherungsvertrag kann nicht schaden.

Welche Schäden deckt die Wohngebäude- bzw. Feuerversicherung ab?


Die Feuerversicherung ist meist in einer Wohngebäudeversicherung enthalten. Abgeschlossen wird sie vom Hauseigentümer. Die Feuerversicherung ersetzt im Falle eines Brandes den Schaden am Gebäude und an seinen unbeweglichen, also fest installierten Bestandteilen. Dies ist beispielsweise ein von Böllern gesprengter Briefkasten. Auch Garagen und Gartenhütten sind meist in den Schutz der Policen einbezogen, aber kein bewegliches Inventar. Ist das Feuer durch ein Fremdverschulden entstanden, wird die Versicherung versuchen, die Verantwortlichen in Regress zu nehmen. Dazu muss ihr der Versicherungsnehmer seinen Schadensersatzanspruch gegen den Verursacher abtreten. Dessen Verschulden muss sich nachweisen lassen. Ein Regress ist davon abhängig, dass der Schuldige vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt hat.
Ein grob fahrlässiges Verhalten des Versicherungsnehmers selbst kann dazu führen, dass die Versicherung ihre Zahlung abhängig von der Schwere des Verschuldens verringert. Hier kommt zum Beispiel das Offenlassen von Fenstern in der Silvesternacht in Frage, oder das Aufbewahren von Brandbeschleunigern im Haus. Bei grober Fahrlässigkeit kann die Versicherung im Extremfall eine Zahlung ganz verweigern, so etwa beim Zünden von Feuerwerkskörpern der Kategorie 2 im eigenen Keller (OLG Naumburg, Urteil vom 28.3.2011, Az. 4 W 12/11).

Wann wende ich mich an die Hausratsversicherung?


Die Hausratsversicherung zahlt Schäden am beweglichen Hausrat, wenn dieser bei einem Brand zerstört wird. Diese Versicherung können Hauseigentümer für ihre eigenen Wohnräume abschließen, aber auch Mieter können ihren Hausrat versichern. Dabei ist darauf zu achten, dass man die Versicherungssumme nicht zu niedrig ansetzt. Gibt es besondere Wertgegenstände wie Antiquitäten, Sammlungen oder Perserteppiche, müssen diese in der Regel zusätzlich versichert werden.
Auch die Hausratsversicherung kann ihre Leistung bei grober Fahrlässigkeit in Abhängigkeit vom Mitverschulden des Versicherungsnehmers herabsetzen.

Was sind die Unterschiede zwischen einfacher und grober Fahrlässigkeit?


Insbesondere bei den letzten beiden Versicherungstypen kann es entscheidend sein, welche Art der Fahrlässigkeit das Feuer verursacht hat. Hat der Versicherungsnehmer selbst den Schaden durch grobe Fahrlässigkeit verursacht, darf die Versicherung ihre Leistung reduzieren – im Extremfall auf Null.
Bei einem reinen Versehen, das "jedem mal passieren kann", geht man allgemein von leichter Fahrlässigkeit aus. Verletzt jemand andererseits die im Normalfall anzuwendende Sorgfalt besonders schwer und lässt vollkommen offensichtliche Sicherheitsvorkehrungen außer acht, spricht man von grober Fahrlässigkeit. Beispiele für grobe Fahrlässigkeit sind etwa: Jemand lässt ein sechsjähriges Kind mit Böllern für Erwachsene herumspielen. Oder: Jemand zündet eine Rakete nahe einem Reetdachhaus. Oder: Jemand zündet eine Rakete nahe einem Haus, bei dem ganz offensichtlich mehrere Fenster zum Lüften offen stehen. Oder: Jemand lässt in der Silvesternacht seine Fenster offen und geht zum Feiern aus dem Haus.

Was bedeutet: Grobe Fahrlässigkeit ausgeschlossen?


In vielen heutigen Versicherungen verzichten die Versicherer auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit. Das bedeutet: Sie zahlen auch bei grober Fahrlässigkeit den vollen Betrag. Oft sind diese Policen dann allerdings teurer. Auch bei diesen Policen muss der Versicherte allerdings sogenannte Obliegenheiten beachten, deren Missachtung zu einer Leistungsfreiheit der Versicherung führen kann. Näheres regelt der jeweilige Vertrag.

Schäden am Auto: Was zahlt die Kaskoversicherung?


Brandschäden und Glasschäden am Auto sind grundsätzlich über die Kaskoversicherung abgedeckt. Gerät also ein Auto in Brand oder springt eine Scheibe wegen eines Treffers von einer verirrten Rakete, ist dieser Schaden versichert. Nicht versichert sind in der Regel allerdings reine Seng- und Schmorschäden, also zum Beispiel von einem Feuerwerkskörper angekokelter Lack.
Zu unterscheiden ist außerdem zwischen der Teilkasko- und der Vollkaskoversicherung. Schäden durch Vandalismus sind in einer Teilkaskoversicherung nicht versichert. Wenn zum Beispiel Betrunkene gezielt Böller auf ein Fahrzeug werfen, das dadurch in Brand gerät, muss die Versicherung unter Umständen nicht zahlen. Bei der Vollkaskoversicherung ist auch Vandalismus versichert.
In der Teilkasko sind häufig Schäden durch herabfallende Glut an den Stoffdächern von Cabrios nicht abgedeckt. Auch Beulen, etwa durch herabfallende Raketen, sind in der Teilkasko nicht versichert. Hier wäre wieder die Vollkasko am Zug.
Ein kleiner Trost für Autofahrer: Meist werden durch Feuerwerk keine schweren Schäden an Autos angerichtet. Ruß lässt sich mit einer Wäsche und einer guten Politur meist beseitigen, ohne dass der Lack Schaden nimmt.

Praxistipp: Schadensmeldung


Die meisten Versicherungsverträge enthalten eine Frist, innerhalb der die Schadensmeldung abgegeben werden muss. Diese kann unterschiedlich lang sein, liegt aber meist bei wenigen Tagen. Haben Sie einen Schaden durch Böller erlitten, sollten Sie diesen sofort melden. Meist geht das auch online. Wichtig sind auch eine gute Dokumentation durch Fotos und die Adressen möglicher Zeugen. Sind Rechnungen über beschädigte Wertgegenstände vorhanden, können diese gleich mitgeschickt werden. Im Falle eines Streits über die Verantwortung für Schäden oder einer Auseinandersetzung mit Ihrer Versicherung kann ein Rechtsanwalt für Zivilrecht die Erfolgschancen eines gerichtlichen Verfahrens einschätzen und sie dabei vertreten.


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