Silvester - Schäden nach dem Feuerwerk

02.01.2020, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 4 Min. (919 mal gelesen)
Böller,Silvester Bei Schäden durch Böller ist die richtige Versicherung wichtig. © Rh - Anwalt-Suchservice

Raketen und Böller verursachen zum Jahreswechsel vielfältige Schäden. Geschädigte müssen sich je nach Fall an unterschiedliche Versicherungen wenden, um Ersatzleistungen zu bekommen.

Jedes Jahr aufs Neue geht eine Vielzahl von Schäden auf das Konto von Böllern und Silvesterraketen. Diese reichen vom einfachen Brandfleck an einer Fassade über angekokelten Autolack bis zu gesprengten Briefkästen, zerbeulten PKW und schließlich abgebrannten Häusern. Natürlich werden auch häufig Personen verletzt. Verschiedene Versicherungen decken viele Schäden ab. Hat jedoch eine andere Person vorsätzlich oder fahrlässig den Schaden verursacht, nehmen die Versicherer den Verantwortlichen oft in Regress. Wenn der Versicherungsnehmer selbst verantwortlich oder mitschuldig ist, kann die Leistungspflicht der Versicherung wegen grober Fahrlässigkeit reduziert sein.

Was zahlt die private Haftpflichtversicherung?


Eine Privathaftpflichtversicherung deckt Schäden ab, für die der Versicherungsnehmer gegenüber einer anderen Person haften muss. Hier geht es um Schäden, die vom Versicherungskunden fahrlässig verursacht worden sind: Vorsätzlich verursachte Schäden wie das gezielte Beschießen von Fahrzeugen oder Personen mit Feuerwerkskörpern sind nicht versichert.
Versicherungskunden fragen sich oft, ob sie bei grober Fahrlässigkeit auch noch versichert sind. Bei der Haftpflichtversicherung macht grobe Fahrlässigkeit in der Regel nichts aus. In modernen Policen sind Schäden meist unabhängig davon versichert, ob sie auf einfacher oder grober Fahrlässigkeit beruhen. Allerdings kann bei älteren oder sehr preisgünstigen Versicherungspolicen die Leistung der Versicherung bei grober Fahrlässigkeit eingeschränkt sein. Hier lohnt sich ein Blick in den Versicherungsvertrag.

Welche Schäden deckt die Wohngebäude- bzw. Feuerversicherung ab?


Die Feuerversicherung ist meist Teil einer Wohngebäudeversicherung. Diese wird vom Hauseigentümer abgeschlossen. Nach einem Brand ersetzt die Feuerversicherung den Schaden am Haus und seinen unbeweglichen, also fest installierten Bestandteilen. Dazu gehört zum Beispiel ein von Böllern gesprengter Briefkasten. Der Schutz der Versicherung erstreckt sich meist auch auf Garagen und Gartenhütten. Nicht versichert ist bewegliches Inventar wie die Möbel im Haus oder das Rennrad im Schuppen.

Wenn das Feuer durch ein Fremdverschulden verursacht wurde, wird die Versicherung versuchen, die verantwortliche Person in Regress zu nehmen – sich von ihr also das ausgezahlte Geld zurückzuholen. Dazu muss der Versicherungsnehmer der Versicherungsgesellschaft seinen Schadensersatzanspruch gegen den Verursacher abtreten. Für dessen Schuld muss es Beweise geben. Der Verursacher muss vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt haben.

Hat sich der Versicherungsnehmer selbst grob fahrlässig verhalten, kann dies bedeuten, dass die Versicherung ihre Zahlung abhängig von der Schwere des Verschuldens reduziert. Ein Beispiel wäre hier das Offenlassen von Fenstern in der Silvesternacht oder das Aufbewahren von Brandbeschleunigern im Haus. Bei einer besonders ausgeprägten groben Fahrlässigkeit kann die Versicherung sogar die Zahlung ganz verweigern. Dies gilt zum Beispiel beim Zünden von Feuerwerkskörpern der Kategorie 2 im eigenen Keller (OLG Naumburg, Urteil vom 28.3.2011, Az. 4 W 12/11).

Wann wende ich mich an die Hausratsversicherung?


Die Hausratsversicherung ist zuständig für Schäden am beweglichen Hausrat. Diese Versicherung kann von Hauseigentümern und Mietern für ihre eigenen Wohnräume abgeschlossen werden. Wichtig ist, dass man die Versicherungssumme nicht zu niedrig ansetzt. Sind besondere Wertgegenstände wie Antiquitäten, Sammlungen oder Perserteppiche vorhanden, müssen diese meist zusätzlich versichert werden.
Eine Hausratsversicherung kann bei grober Fahrlässigkeit des Versicherungsnehmers ihre Zahlung abhängig vom Grad des Verschuldens reduzieren.

Was unterscheidet einfache und grobe Fahrlässigkeit?


Besonders bei den beiden letzten Versicherungstypen kann es ausschlaggebend sein, durch welche Art der Fahrlässigkeit das Feuer verursacht wurde. Wenn der Versicherungskunde den Brand durch grobe Fahrlässigkeit selbst verursacht hat, darf die Versicherung ihre Leistung verringern – im Extremfall sogar auf Null.
Handelt es sich jedoch um ein reines Versehen, das "jedem mal passieren kann", wird allgemein von leichter Fahrlässigkeit ausgegangen. Wenn andererseits jemand die normalerweise anzuwendende Sorgfalt besonders schwer außer Acht lässt und vollkommen offensichtliche Sicherheitsvorkehrungen vernachlässigt, handelt es sich um grobe Fahrlässigkeit. Beispiele dafür sind: Jemand lässt sein sechsjähriges Kind mit Böllern der Kategorie 2 für Erwachsene hantieren. Oder: Jemand zündet eine Rakete neben einem Reetdachhaus. Oder: Jemand zündet eine Rakete nahe bei einem Haus, bei dem gerade mehrere Fenster zum Lüften offen stehen. Oder: Ein Hausbewohner lässt in der Silvesternacht seine Fenster offen und verlässt zum Feiern das Haus.

Was bedeutet: Grobe Fahrlässigkeit ausgeschlossen?


Bei vielen modernen Versicherungsverträgen verzichten die Versicherer auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit. Sie zahlen also auch bei grober Fahrlässigkeit den vollen Betrag. Dies kann allerdings dazu führen, dass die Versicherungsbeiträge höher sind. Auch bei derartigen Policen hat der Versicherte sogenannte Obliegenheiten zu beachten. Dies sind Pflichten, deren Missachtung dazu führen kann, dass die Versicherung nicht zahlen muss. Die Einzelheiten regelt der jeweilige Vertrag.

Schäden am Auto: Was zahlt die Kaskoversicherung?


Die Kaskoversicherung deckt grundsätzlich Brandschäden und Glasschäden am Auto ab. Gerät also ein PKW in Brand oder springt eine Scheibe, die von einer verirrten Rakete getroffen wird, ist dieser Schaden versichert. Nicht versichert sind meist jedoch reine Seng- und Schmorschäden, also etwa von einem Feuerwerkskörper angekokelter Autolack.

Unterscheiden muss man zwischen der Teilkasko- und der Vollkaskoversicherung. In der Teilkasko sind Schäden durch Vandalismus nicht versichert. Werfen also zum Beispiel Betrunkene gezielt Böller auf ein Auto und gerät dieses dadurch in Brand, muss die Versicherung unter Umständen nicht zahlen. Eine Vollkaskoversicherung deckt auch Vandalismus-Schäden ab.

In der Teilkasko sind auch Schäden an den Stoffdächern von Cabrios durch herabfallende Glut meist nicht versichert. Dies gilt auch für Beulen durch herunterfallende Raketen. Hier hilft nur eine Vollkaskoversicherung.
Ein kleiner Trost für Autofahrer: Feuerwerk richtet meistens keine schweren Schäden an Autos an. Ruß kann man mit einer Wäsche und einer guten Politur meist selbst beseitigen, ohne dass der Lack beschädigt wird.

Praxistipp


Die meisten Versicherungsverträge setzen eine Frist, innerhalb der man einen Schaden melden muss. Dieser Zeitraum kann unterschiedlich lang sein, beträgt aber meistens nur wenige Tage. Wer einen Schaden durch Böller erlitten hat, sollte diesen also sofort der Versicherung melden. Dies kann man meist auch online. Wichtig sind außerdem eine gute Dokumentation des Schadens durch Fotos und die Adressen möglicher Zeugen. Wenn noch Rechnungen über beschädigte Wertgegenstände vorliegen, kann man diese gleich mitschicken. Kommt es zum Streit über die Verantwortung für Schäden oder zu einer anderer Auseinandersetzung mit Ihrer Versicherung, kann ein Fachanwalt für Versicherungsrecht die Erfolgschancen eines gerichtlichen Verfahrens an besten einschätzen und Sie vor Gericht vertreten.

(Wk)



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