Sexting: Muss Vater WhatsApp von Smartphones der Kinder löschen?

16.08.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (639 mal gelesen)
Sexting: Muss Vater WhatsApp von Smartphones der Kinder löschen? © bloomua - Fotolia.com
Für Eltern ist es mitunter nicht einfach, die Übersicht über die Netz-Aktivitäten ihrer minderjährigen Kinder zu behalten. Oft wird diesem Thema wenig bis keine Aufmerksamkeit geschenkt. Ein Gericht hat jetzt einen Vater dazu verurteilt, die Smartphones seiner Töchter regelmäßig zu kontrollieren und bestimmte Anwendungen von diesen zu löschen.

Der aktuelle Fall
Ein Paar hatte sich 2006 getrennt und sich scheiden lassen. Die heute zehn und 15 Jahre alten Töchter waren zuerst bei der Mutter geblieben, später war dem Vater das Recht zur Aufenthaltsbestimmung übertragen worden. Nun wohnten die Kinder bei ihm. Die jüngere Tochter besaß ein Smartphone, die ältere zwei. Auf beiden waren viele Apps installiert, darunter auch die bekannte Messenger-App "WhatsApp." Nun stellte sich heraus, dass ein alter Schulfreund des Vaters der älteren Tochter über einen langen Zeitraum per WhatsApp sexuell belästigende Text- und Bildmitteilungen geschickt hatte. Dieser wohnte im Nachbarort, bei ihm verbrachte der Vater oft in Begleitung einer Tochter die Wartezeit, während die jeweils andere Arzt- oder Therapietermine hatte. Die ältere Tochter hatte einer Lehrerin erzählt, dass der Freund des Vaters bei den Besuchen auch schon Fotos von den Kindern gemacht habe. Schließlich erstattete sie gemeinsam mit ihrer Mutter Strafanzeige wegen des Verdachts der sexuellen Belästigung gegen den Schulfreund des Vaters.

Was ist zu tun?
Die Mutter hatte ihren Töchtern empfohlen, den Bekannten des Vaters als Kontakt bei WhatsApp zu blockieren. Trotzdem war es zu weiteren Belästigungen gekommen. Der Vater vertraute seinem alten Freund zunächst weiter. Seine Tochter hatte sich geschämt, ihm davon zu erzählen, und so erfuhr er erst spät vom Inhalt der Mitteilungen. Vor dem Familiengericht ging es nun darum, wie die Kinder am Besten zu schützen seien.

Berücksichtigung der Lebenslage
Das Gericht sah sich die Lebensumstände der Beteiligten genau an. Beide Elternteile hatten neue Partner, mit denen sich die Kinder gut verstanden. Der Vater wollte mit den Kindern zu seiner neuen Partnerin in einen 12 Kilometer entfernten Ort ziehen, worauf diese sich freuten. Er versicherte glaubhaft, den Kontakt zu seinem alten Schulfreund abgebrochen zu haben. Das Gericht verhängt nun zum Schutz der Kinder eine Reihe von Auflagen hinsichtlich der Nutzung elektronischer Kommunikationsmittel.

Kein WhatsApp mehr
So wurde der Vater nicht nur verpflichtet, jeden Kontakt der Kinder zu seinem alten Schulfreund aktiv zu unterbinden, sondern auch dazu, den Töchtern nur jeweils maximal ein internetfähiges mobiles Smart-Gerät (Smartphone oder Tablet) zur Verfügung zu stellen. WhatsApp sei von den Geräten der Kinder zu entfernen. Wenn die Töchter dies wünschten, könne man vorher ihre Chat-Verläufe speichern oder ausdrucken.

Messenger-Einschränkungen
Der Vater wurde außerdem dazu verurteilt, jegliche Messenger-Apps von den Smartphones seiner Kinder fernzuhalten, die eine zwangsweise automatische Vernetzung des Nutzers mittels der eigenen sowie fremder im Gerät hinterlegter Mobiltelefonnummern zwingend vorsehen. Dies galt bei der älteren Tochter bis einen Tag vor ihrem 18. und bei der jüngeren einen Tag vor ihrem 16. Geburtstag.

Gesprächspflicht und Telefonkontrolle
Am ersten Wochenende eines jeden Monats muss der Vater außerdem nun mit seinen Töchtern ein Gespräch über ihre Handynutzung und eventuelle Fragen dazu oder Vorfälle dabei führen. Einmal pro Quartal muss er dabei die Smartphones der Kinder selbst auf installierte Apps und jugendgefährdende Inhalte überprüfen – ebenfalls bis zum Erreichen der oben genannten Altersgrenzen. Am Anfang muss er darüber hinaus die Erfüllung dieser Pflichten auch gegenüber dem Gericht nachweisen.

Funktion von WhatsApp
Das Gericht beschäftigte sich ausführlich mit der Funktionsweise von WhatsApp und erklärte, dass es durchaus möglich ist, bei Kenntnis der Handynummer eine auf WhatsApp erfolgte Blockade zu umgehen. Der Aufwand dafür sei mäßig. Es müsse also befürchtet werden, dass der Belästiger immer wieder Kontakt zu den Kindern aufnehme. Nur die Entfernung der App schütze die Kinder vor einer wahrscheinlichen Wiederholung der Belästigungen (Amtsgericht Bad Hersfeld, Beschluss vom 22.7.2016, Az. F 361/16 EASO).