Testamentserrichtung bei Todesgefahr

28.07.2017, Autor: Frau Iris Koppmann (48 mal gelesen)
Rechtsanwältin Iris Koppmann
Nicht selten kommt es vor, dass ein schwerkranker, vom Tode bedrohter Mensch, der sich im Krankenhaus befindet, das Bedürfnis hat, hinsichtlich seines Nachlasses bzw. der Erbfolge noch eine Regelung zu treffen. In manchen Fällen hat er noch gar nichts verfügt, es liegt also gar kein Testament vor oder ähnliches oder es liegt zwar ein Testament oder eine anderweitige letztwillige Verfügung vor, die soll jedoch noch kurzfristig geändert werden.

Testamentserrichtung bei Todesgefahr

Nicht selten kommt es vor, dass ein schwerkranker, vom Tode bedrohter Mensch, der sich im Krankenhaus befindet, das Bedürfnis hat, hinsichtlich seines Nachlasses bzw. der Erbfolge noch eine Regelung zu treffen. In manchen Fällen hat er noch gar nichts verfügt, es liegt also gar kein Testament vor oder ähnliches oder es liegt zwar ein Testament oder eine anderweitige letztwillige Verfügung vor, die soll jedoch noch kurzfristig geändert werden.

Welche Möglichkeiten bestehen in einem solchen Fall?

Sofern der Schwerkranke noch schreibfähig ist, besteht natürlich die Möglichkeit, ein handschriftliches Testament zu verfassen. Sollte dies jedoch nicht mehr möglich sein aufgrund des gesundheitlichen Zustandes gibt es auch noch die Möglichkeit eines so genannten Drei-Zeugen-Testaments. Allerdings sind hier die Voraussetzungen enorm schwierig. Bei dieser Testamentsform bedarf es der Anwesenheit von drei anwesenden Zeugen. Gem. § 2250 BGB besteht die Möglichkeit ein Testament mündlich zu erklären in Anwesenheit von drei Zeugen. Dies setzt allerdings voraus, dass sich der Erblasser in naher Todesgefahr befindet. Gem. § 2250 Abs. 2 BGB ist ein derartiges Testament nur dann wirksam, wenn sich der Testierende in so naher Todesgefahr befindet, dass ein ordentliches Testament weder vor einem Notar noch gem. § 2249 BGB ein Nottestament vor einem Bürgermeister errichtet werden kann. Die Todesgefahr muss tatsächlich vorliegen oder zur Überzeugung aller drei anwesenden Testamentszeugen bestehen. Der Todesgefahr gleichgestellt ist die Gefahr einer drohenden Testierunfähigkeit.

Das Oberlandesgericht Hamm hatte in seinem Beschluss vom 10.02.2017, Az. 15 W 587/15, über die Wirksamkeit eines solchen Testaments zu entscheiden. Vorliegend hatte einer der drei Testamentszeugen bei der Errichtung des Testaments nicht angenommen, dass sich die Erblasserin in akuter Todesgefahr befunden habe. In der Beweisaufnahme des Oberlandesgerichts gab er an, dass ihm seinerzeit nicht bekannt gewesen war, ob die Erblasserin in der Gefahr gewesen sei, in kurzer Zeit zu sterben oder geschäftsunfähig zu werden. Es hätte auch keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür gegeben, dass sich die Erblasserin bei der Testamentserrichtung tatsächlich in Todesgefahr oder in einer gefahreintretenden Testierunfähigkeit befunden habe. Insofern ist es nicht ausreichend, dass der Erblasser wegen einer fortgeschrittenen, nicht mehr heilbaren Erkrankung nur noch kurze Zeit zu leben habe.
Entscheidend ist vielmehr, dass der Tod des Erblassers aufgrund konkreter Umstände vor dem Eintreffen eines Notars zu befürchten ist. Klinisch muss er damit unmittelbar die bevorstehende Endphase seines Lebens erreicht haben. In dem vom Oberlandesgericht zu beschließenden Fall ist die Erblasserin erst vier Tage nach der Testamentserrichtung verstorben und ihre Testierunfähigkeit ist erst 48 Stunden später eingetreten.


Gefällt Ihnen dieser Rechtstipp?
Ihre Bewertung:  stern_graustern_graustern_graustern_graustern_grau
Bisher abgegebene Bewertungen:
sternsternsternsternstern  4,0/5 (6 Bewertungen)

Hier finden Sie Anwälte für Erbrecht an Ihrem Ort (alphabetisch sortiert)
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z Ö Ü

Autor dieses Rechtstipps

Rechtsanwältin
Iris Koppmann
Weitere Rechtstipps (22)

Anschrift
Göbenstraße 3
50672 Köln
DEUTSCHLAND

Telefon: 0221-2573153

Kontaktaufnahme
zum Kanzleiprofil von
Rechtsanwältin Iris Koppmann
Suche in Rechtstipps

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:
2017-10-20, Redaktion Anwalt-Suchservice
Mit Hilfe eines Testaments können Sie festlegen, was nach Ihrem Ableben mit Ihrem Vermögen passieren soll. Die gesetzliche Erbfolge kann per Testament abgeändert werden. Allerdings werden bei der Erstellung von Testamenten oft Fehler gemacht, die zu Streitigkeiten unter den Erben führen.
Redaktion Anwalt-Suchservice
Das Recht der Testamentsgestaltung umfasst die gesetzlichen Rahmenbedingungen, unter denen ein Erblasser ein Testament aufsetzen kann und darf. Das Testament wird auch letztwillige Verfügung genannt.
2016-01-20, Autor Anton Bernhard Hilbert (497 mal gelesen)

Die Gefahr des Verlustes umschwebt das Testament. Jedenfalls dann, wenn es nicht hinterlegt ist. Wird der Verlust erst im Erbfall bemerkt, kann es nicht wiederholt werden. Dennoch muss damit nicht alles verloren sein. ...

sternsternsternsternstern  4,6/5 (63 Bewertungen)
2013-10-02, Autor Andreas Jäger (868 mal gelesen)

Bei der Erstellung und Verwahrung von Testamenten gibt es wichtige Regeln zu beachten! Die Möglichkeiten, ein Testament abzufassen, sind vielfältig: Das Gesetz lässt neben dem eigenhändigen Testament auch das öffentliche (notarielle) Testament oder ...

sternsternsternsternstern  3,8/5 (14 Bewertungen)
2016-01-29, Autor Kerstin Prange (296 mal gelesen)

Die 2. Ehefrau kann unter Umständen ein Testament anfechten in dem ihr verstorbener Ehemann seine Ex-Frau zur Erbin eingesetzt hat. Hat der nach Scheidung wiederverheirate Ehemann in einem während seiner ersten Ehe errichteten Testament seine ...

sternsternsternsternstern  4,2/5 (27 Bewertungen)
Das Berliner Testament – was versteht man darunter? © Stauke - Fotolia.com
2016-03-08, Redaktion Anwalt-Suchservice (345 mal gelesen)

Viele Ehegatten möchten ein gemeinsames Testament aufsetzen. Ein bewährtes Mittel dafür ist das sogenannte Berliner Testament. Bei seiner Abfassung sind jedoch einige Regeln zu beachten. ...

sternsternsternsternstern  3,9/5 (35 Bewertungen)
Nottestament - Letzter Wille kurz vorm Tod © Bu - Anwalt-Suchservice
2017-06-15 11:28:36.0, Redaktion Anwalt-Suchservice (87 mal gelesen)

Es kommt vor, dass der Erblasser nicht mehr selbst in der Lage ist, sein Testament schriftlich zu verfassen. Für diesen Fall hält das Gesetz eine Notlösung parat....

sternsternsternsternstern  4,0/5 (8 Bewertungen)
weitere Rechtstipps in der Rubrik Erbrecht weitere Rechtstipps weitere Rechtstipps in der Rubrik Erbrecht

Autor dieses Rechtstipps

Rechtsanwältin
Iris Koppmann
Weitere Rechtstipps (22)

Anschrift
Göbenstraße 3
50672 Köln
DEUTSCHLAND

Telefon: 0221-2573153

Kontaktaufnahme
zum Kanzleiprofil von
Rechtsanwältin Iris Koppmann
Suche in Rechtstipps
Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.   
Mehr Informationen  |  OK
Durch die Nutzung unserer Dienste, erklären Sie sich mit Cookies einverstanden.    Info
OK