Testament: Was Sie hinsichtlich Ihres letzten Willens beachten müssen

30.11.2018, Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (57 mal gelesen)
Testament: Was Sie hinsichtlich Ihres letzten Willens beachten müssen © Ma - Anwalt-Suchservice

Das Testament ist ein wichtiges Mittel, um seine Angelegenheiten zu ordnen und seinen Nachlass zu regeln. Allerdings werden bei der Erstellung von Testamenten auch viele Fehler gemacht.

Viele Menschen möchten sich nicht gerne mit Fragen der Erbfolge oder der Nachlassregelung befassen. Oft verlassen sie sich deshalb auf die gesetzliche Erbfolge. Dies kann jedoch unerwünschte Folgen haben. Wer selbst bestimmen will, was mit seinem Nachlass passiert, sollte daher entsprechende Regelungen treffen. Ein Mittel dazu ist das Testament.

Was ist ein Testament?


Ein Testament ist eine letztwillige Verfügung. In ihr legt also jemand seinen “letzten Willen” nieder, in dem er bestimmt, was nach seinem Tod mit seinen Besitztümern geschehen soll. Ohne eine solche Regelung gilt die gesetzliche Erbfolge, wie sie das Bürgerliche Gesetzbuch vorgibt. Völlige Entscheidungsfreiheit hat der Verfasser eines Testaments allerdings nicht – für das Vererben gelten trotzdem bestimmte Grundregeln. Auch muss der Verfasser mehrere Formvorschriften beachten, damit das Testament wirksam ist.

Warum verfasst man ein Testament?


Die gesetzliche Erbfolge führt oft zum Streit unter Angehörigen. Denn sie bedeutet nicht selten die Bildung einer Erbengemeinschaft, die völlig unterschiedliche Vorstellungen über das weitere Vorgehen mit Haus, Grundstück oder geerbtem Betrieb hat. Ist zum Beispiel ein Erblasser – also der Verstorbene – verheiratet, aber kinderlos, bildet sich automatisch eine Erbengemeinschaft zwischen seinen Eltern und seiner Ehefrau – da ist nicht selten Streit vorprogrammiert.
Oft möchte der Erblasser allerdings auch bestimmte Personen vom Erbe ausschließen, die laut gesetzlicher Erbfolge erben würden. Dies kann wegen Streitigkeiten passieren, aber auch, weil man sein Vermögen gezielt jemand Bestimmtem vererben möchte. Im Testament können derartige Regelungen getroffen werden. Nahe Verwandte erhalten trotz “Enterbung” jedoch einen Pflichtteil.
Manche Testamentsverfasser möchten auch ihren Ehepartner besonders absichern und zum Beispiel verhindern, dass die Kinder als gesetzliche Miterben den Verkauf des Eigenheims vorantreiben. Ein gemeinschaftliches Testament der Ehegatten – etwa das sogenannte Berliner Testament – bietet dazu Möglichkeiten.

Was unterscheidet das Testament von anderen Verfügungen?


Auch mit einem Erbvertrag kann man seinen Nachlass regeln. Während das Testament aber einseitig ist, gibt es beim Erbvertrag zwei Vertragspartner. Ein Testament kann der Verfasser zu Lebzeiten jederzeit widerrufen. An einen Erbvertrag ist er grundsätzlich gebunden.
Die sogenannte Patientenverfügung wird manchmal auch als Patiententestament bezeichnet. Diese Bezeichnung ist jedoch falsch und irreführend. In einer Patientenverfügung regelt der Verfasser, welche medizinischen Maßnahmen bei ihm durchgeführt werden sollen oder dürfen, wenn er selbst nicht mehr in der Lage ist, sich dazu zu äußern. Die Regeln über Testamente gelten nicht für die Patientenverfügung.
Ein Behindertentestament dagegen ist eine letztwillige Verfügung. Es handelt sich um ein besonderes Testament, mit dem die Eltern eines behinderten Kindes sicherstellen wollen, dass dieses nach ihrem Ableben gut versorgt ist. Es geht dabei in erster Linie darum, zu verhindern, dass Sozialhilfeträger auf den Nachlass zugreifen, um sich für gezahlte Beträge zu entschädigen. Entsprechende Regelungen sind aus Sicht der Gerichte legitim.

Was kann man in einem Testament alles regeln?


In einem Testament können Personen zu Erben eingesetzt oder auch enterbt werden. Die Erbeinsetzung kann an die Erfüllung von Auflagen gebunden sein. Der Erblasser kann auch ein Vermächtnis aussetzen, das heißt, dass er einer bestimmten Person einen bestimmten Gegenstand zuspricht, den diese dann von den Erben fordern darf. Das Testament kann eine Teilungsanordnung enthalten, die regelt, wie der Nachlass unter mehreren Miterben aufzuteilen ist.
Der Erblasser kann auch anordnen, dass sich ein Testamentsvollstrecker um seine Nachlassangelegenheiten kümmern soll. Er kann dafür jemanden benennen. Auch der Pflichtteil für einen Angehörigen kann im Testament beschränkt oder entzogen werden.
Wer Vermögen im Ausland hat, sollte unbedingt in seinem Testament festlegen, welches nationale Rechtssystem für seine Erbschaftsangelegenheiten angewendet werden soll. Ansonsten müssen sich seine Erben mit ausländischen Regelungen und Behörden herumschlagen.

Welche Formalien muss man einhalten?


Ganz wichtig: Das Testament muss vom Erblasser vollständig per Handschrift verfasst sein. Ausdrucke oder elektronische Dateien sind kein Testament. Auch muss der Erblasser natürlich mit seinem Namen unterschreiben und Datum sowie Ort hinzufügen. Das gerade beschriebene eigenhändige Testament unterscheidet man vom öffentlichen Testament. Dieses wird mithilfe eines Notars erstellt.

Wer kann ein Testament verfassen?


Ein Testament kann jeder verfassen, der testierfähig ist. Das bedeutet: Jeder, der das 16. Lebensjahr vollendet hat. Außerdem darf der Verfasser nicht wegen Geistesschwäche, geistigen Erkrankungen oder Bewusstseinsstörungen außerstande sein, zu verstehen, was er da regelt.

Wo bewahre ich mein Testamt auf?


Das Testament kann man zu Hause aufbewahren oder es zur Aufbewahrung beim Nachlassgericht geben. Wichtig ist, dass die Erben im Ernstfall wissen, wie sie an das Testament kommen. Vorher sollte es ihnen natürlich nicht so ohne Weiteres zur Verfügung stehen.

Praxistipp


Soll der Inhalt eines Testaments rechtssicher sein und dem Willen des Erblassers entsprechen, ist eine Beratung durch einen Fachanwalt für Erbrecht zu empfehlen.

(Ma)



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