Testament verfassen: 9 Punkte, die Sie unbedingt beachten sollten!

27.05.2022, Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 6 Min. (341 mal gelesen)
Testament,letzter Wille,Notar,Erbschaft,Nachlass Bei der Erstellung eines Testaments gelten einige wichtige Regeln. © Ma - Anwalt-Suchservice

Mit einem Testament kann man seine Angelegenheiten ordnen und seinen Nachlass regeln. Man sollte dabei jedoch ein paar Fehler vermeiden, die zu seiner Ungültigkeit führen können.

Die meisten von uns befassen sich nicht gern mit Fragen der Erbfolge oder der Nachlassregelung. Stattdessen verlassen sie sich auf die gesetzliche Erbfolge. Dadurch erben jedoch oft Personen, die der Betreffende selbst eher nicht bedacht hätte. Wer selbst entscheiden möchte, was mit seinem Nachlass passiert, sollte daher eindeutige Regelungen treffen. Ein gutes Werkzeug dafür ist das Testament - nur sollte man dabei keine Fehler machen. Sonst ist es nicht wirksam, und dann tritt wieder die gesetzliche Erbfolge in Kraft.

Punkt 1: Was kann man in einem Testament alles regeln?


In einem Testament kann man Personen zu Erben einsetzen oder sie enterben. Eine Erbeinsetzung kann man an die Erfüllung von Auflagen binden. Außerdem kann der Erblasser auch ein sogenanntes Vermächtnis aussetzen. Das bedeutet, dass man einer bestimmten Person einen bestimmten Gegenstand zuspricht. Dessen Herausgabe darf die oder der Betreffende dann von den Erben verlangen. Auch kann ein Testament eine Teilungsanordnung enthalten. Diese regelt dann, wie der Nachlass unter mehreren Miterben aufzuteilen ist.

Zusätzlich kann der Erblasser im Testament anordnen, dass sich ein Testamentsvollstrecker um seine Nachlassangelegenheiten kümmern soll. Wer das sein soll, kann er selbst im Testament bestimmen. Die jeweilige Person sollte natürlich darüber informiert und damit einverstanden sein. Der Testamentsvollstrecker muss sich dann darum kümmern, dass der Nachlass genau so verteilt, wird, wie es der Erblasser wollte.

Wenn ein gesetzlicher Erbe laut Testament nichts erben soll, hat er Anspruch auf einen Pflichtteil. Dieser beträgt die Hälfte seines gesetzlichen Erbteils. Der Pflichtteilsberechtigte kann von den testamentarischen Erben die Herausgabe verlangen. Aber: Im Testament können Sie auch bestimmen, dass der Pflichtteil für einen Angehörigen beschränkt oder ihm ganz entzogen werden soll. Dies ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

Näheres zum Pflichtteil finden Sie hier:
Pflichtteilsrecht: Was ist mein Anteil am Erbe?

Punkt 2: Diese Formalien sollten Sie einhalten.


Ganz wichtig ist: Sie müssen Ihr Testament vollständig eigenhändig handschriftlich verfassen. Sonst ist es ungültig. Computer-Ausdrucke oder elektronische Dateien sind kein Testament. Außerdem müssen Sie natürlich mit Ihrem Namen unterschreiben und Datum sowie Ort hinzufügen. Auf diese Weise entsteht ein sogenanntes eigenhändiges Testament. Davon zu unterscheiden ist das öffentliche Testament. Davon spricht man, wenn das Testament mit der Hilfe eines Notars erstellt oder dem Notar in einem Umschlag übergeben wird.

Punkt 3: Wer kann ein Testament verfassen?


Ein Testament kann jeder verfassen, der testierfähig ist. Wer das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, ist nicht testierfähig - unter keinen Umständen und auch nicht mit Hilfe der Eltern. Ab 16 Jahren ist man bedingt testierfähig. Man kann mit Hilfe eines Notars ein sogenanntes öffentliches Testament errichten, das dann in amtliche Verwahrung beim Amtsgericht kommt. Man kann jedoch kein eigenhändiges Testament verfassen, dass man dann einfach zu Hause in einer Schublade aufbewahrt (§ 2247 Abs. 4 BGB). Sobald man volljährig ist, kann man auch ein eigenhändiges Testament verfassen.
Zusätzliche Voraussetzung der Testierfähigkeit ist: Der oder die Betreffende darf nicht wegen Geistesschwäche, geistigen Erkrankungen oder Bewusstseinsstörungen außerstande sein, zu verstehen, was er da eigentlich für Regelungen trifft.

Punkt 4: Konkrete Person nennen!


Das Oberlandesgericht Braunschweig wies 2019 darauf hin, dass auch ein handschriftlicher, unterschriebener Notizzettel durchaus ein wirksames Testament sein kann. Allerdings gilt dies nicht, wenn der Zettel nicht datiert ist und keine bestimmte Person als Erben nennt. Hier hatte die Erblasserin denjenigen zum Alleinerben bestimmt, "der für mich aufpasst und nicht ins Heim steckt". Eine konkrete Person war nicht genannt. Es war auch nicht klar, was mit "aufpassen" gemeint war. Dies alles war dem Gericht zu unbestimmt. Daher galt der Notizzettel in diesem Fall nicht als wirksames Testament (Beschluss vom 20.3.2019, Az. 1 W 42/17).

Punkt 5: Wo bewahre ich mein Testamt auf?


Ein eigenhändiges Testament können Sie zu Hause aufbewahren oder es zur Aufbewahrung zum örtlichen Nachlassgericht beim Amtsgericht geben. Wichtig ist, dass die Erben im Ernstfall wissen, wie sie an das Testament kommen. Natürlich sollte es ihnen vor dem Ernstfall nicht so ohne Weiteres zur Verfügung stehen.
Das öffentliche Testament wird vom Notar an das Nachlassgericht zur Verwahrung gegeben. Wenn Sie es durch eine geänderte Fassung ersetzen möchten, können Sie es jederzeit dort auch wieder abholen. Dadurch wird die bisherige Fassung jedoch unwirksam.

Punkt 6: Wen setze ich als Erben ein?


Sie können als Erben mehrere Personen einsetzen, die einen bestimmten Anteil Ihres Nachlasses erben sollen. Dann entsteht nach Ihrem Ableben eine Erbengemeinschaft. Da es bei dieser oft Streit gibt, empfiehlt es sich hier besonders, einen Testamentsvollstrecker einzusetzen.
Sie können aber auch eine einzige Person als Alleinerben einsetzen. Der oder die Betreffende erbt dann alles (übrigens auch Ihre Schulden).
Wenn es außer den von Ihnen als Erben eingesetzten Personen noch gesetzliche Erben gibt, sind diese durch die Nichterwähnung im Testament praktisch enterbt worden und haben Anspruch auf einen Pflichtteil.
Ehepartner können ein gemeinsames Testament aufsetzen und sich zum Beispiel gegenseitig als Erben einsetzen.

Punkt 7: Wie vererbe ich einzelne Gegenstände aus dem Nachlass?


Viele Menschen haben die Vorstellung, dass sie ihr Haus ihrer Tochter, ihren Sportwagen ihrem Sohn und das Bankkonto der Schwiegertochter vererben können. So funktioniert das deutsche Recht jedoch nicht. Es werden vielmehr immer prozentuale Anteile am Gesamtnachlass vererbt. Um jemandem einen einzelnen Gegenstand zum Beispiel als Andenken zuzuwenden, müssen sie ein sogenanntes Vermächtnis aufsetzen. Ein Vermächtnisnehmer ist kein Erbe und wird nicht Teil der Erbengemeinschaft. Er kann von den Erben die Herausgabe des Gegenstandes fordern. Natürlich kann ein Erbe gleichzeitig auch Vermächtnisnehmer sein.

Eine Möglichkeit besteht darin, zum Beispiel Ihrer Tochter Ihr Aktiendepot als sogenanntes Vorausvermächtnis zukommen zu lassen. Dabei sollten Sie regeln, wer zu welchem Anteil Ihren Nachlass erbt, und etwa hinzufügen "meine Tochter soll als Vorausvermächtnis, also ohne Anrechnung auf ihren Erbteil, mein Aktiendepot bei der XY Bank erhalten". Die Feststellung, dass es keine Anrechnung auf den Erbteil geben soll, ist wichtig.

Punkt 8: Wann sollte man einen Ersatzerben bestimmen?


Niemand kann in die Zukunft sehen. Für den Fall, dass ein im Testament bestimmter Erbe vor Ihnen verstirbt, können Sie einen Ersatzerben bestimmen. Diese Ersatz-Erbeinsetzung kann auch für den Fall gelten, dass der eigentliche Erbe das Erbe ausschlägt. Wenn Sie letzteres nicht im Testament regeln, wird stillschweigend davon ausgegangen, dass die Ersatzerbschaft auch für den Fall der Erbausschlagung gelten sollte.

Punkt 9: Was muss ich beachten, wenn ich meinen Ruhestand im Ausland verbringe?


Wer Vermögen im Ausland hat oder dort seinen Ruhestand verbringt, sollte in seinem Testament unbedingt bestimmen, welches nationale Rechtssystem auf seine Erbschaftsangelegenheiten angewendet werden soll - im Zweifel das deutsche. Sonst müssen sich seine Erben nämlich mit ausländischen Regelungen und Behörden herumschlagen. Wenn nichts anderes im Testament steht, richtet sich in der EU das anzuwendende Recht nach dem letzten gewöhnlichen Aufenthaltsort des Erblassers. Dann ist Ihr Testament unter Umständen ganz oder teilweise nach ausländischem Recht unwirksam. In diesem Fall gilt die gesetzliche Erbfolge nach den Regeln von Spanien, Frankreich oder Italien. Diese ist dort jedoch oft völlig anders geregelt, als bei uns. Dies betrifft insbesondere Themen wie Ehegattenerbrecht und Pflichtteile.

Alternativen: Wie kann man seinen letzten Willen sonst noch regeln?


Seinen Nachlass kann man auch mit einem Erbvertrag regeln. Ein Testament ist einseitig, beim Erbvertrag gibt es zwei Vertragspartner. Ihr Testament können Sie jederzeit zu Ihren Lebzeiten widerrufen. Ausnahmen gibt es bei gemeinsamen Testamenten von Ehegatten. An einen Erbvertrag ist man jedoch grundsätzlich gebunden.

Manchmal wird auch die sogenannte Patientenverfügung als Patiententestament bezeichnet. Diese Bezeichnung ist falsch und irreführend. In einer Patientenverfügung legt der Verfasser fest, welche medizinischen Maßnahmen bei ihm durchgeführt werden sollen oder dürfen, wenn er sich selbst nicht mehr dazu äußern kann. Mit dem Nachlass hat dies nichts zu tun. Für die Patientenverfügung gelten andere Regeln als für das Testament.

Ein Behindertentestament gehört tatsächlich zu den letztwilligen Verfügungen. Dabei handelt sich um ein besonderes Testament, mit dem die Eltern eines behinderten Kindes gewährleisten möchten, dass dieses nach ihrem Ableben gut versorgt ist. Der Hauptzweck ist, zu verhindern, dass Sozialhilfeträger auf den Nachlass zugreifen, um sich für gezahlte Beträge zu entschädigen. Solche Regelungen sind aus Sicht der Gerichte zulässig - auch unter dem Aspekt, dass das Kind dadurch keine Sozialleistungen in Anspruch nehmen muss.

Praxistipp zum Testament


Wenn der Inhalt Ihres Testaments rechtssicher sein und Ihrem Willen entsprechen soll, ist eine Beratung durch einen Fachanwalt für Erbrecht zu empfehlen. Auch bei einem Testament können Sie nicht alles frei regeln, wie Sie möchten. Unwirksame Regelungen können die Folge haben, dass das Ergebnis völlig anders aussieht, als es beabsichtigt war.

(Ma)



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