Wie beantrage ich meine Rente und wie hoch ist sie?

24.02.2020, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 5 Min. (165 mal gelesen)
Formular,Rentenantrag Was muss man zum Rentenantrag wissen? © Bu - Anwalt-Suchservice

Die Rente ist ein neuer Lebensabschnitt. Viele Menschen machen sich vorher darum wenig Gedanken. Wie beantragt man aber seine Rente und was ist dabei zu beachten? Dazu geben wir hier einige Tipps.

Wer Rente bekommen möchte, muss einiges wissen. Denn: Die Rente wird nicht automatisch mit Erreichen eines bestimmten Alters gezahlt. Sie muss beantragt werden - und dies gilt für alle Arten der gesetzlichen Rente. Darüber hinaus gibt es für jede Rentenart auch unterschiedliche Fristen zu beachten. Die Deutsche Rentenversicherung empfiehlt, die Rente drei Monate vor dem geplanten Rentenbeginn zu beantragen.

Welche Arten von Rente gibt es?


In der gesetzlichen Rentenversicherung gibt es die Altersrente, die Erwerbsminderungsrente und die Hinterbliebenenrente. Letztere wird noch einmal unterteilt in Witwen-, Witwer und Erziehungsrente sowie Waisenrente.

Wie und wo stelle ich den Rentenantrag?


Es gibt mehrere Träger der Rentenversicherung. Vom 27. Lebensjahr an erhält jeder gesetzlich Rentenversicherte jährlich ein Schreiben mit seiner Renteninformation. Aus dem Briefkopf geht hervor, welcher Rentenversicherungsträger zuständig ist. An diesen ist auch der Rentenantrag zu richten. Er kann in Papierform ausgefüllt werden oder auch im Rahmen eines Beratungsgesprächs in einer Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung gemeinsam mit dem Berater. Formulare gibt es im Internet unter anderem bei der Deutschen Rentenversicherung.
Eine weitere Möglichkeit besteht außerdem darin, den Rentenantrag online zu stellen. Dies ist ebenfalls auf der Internetseite der Deutschen Rentenversicherung möglich:
https://www.eservice-drv.de/eantrag/hinweis-ohne-karte.seam

Welche Unterlagen brauche ich für den Rentenantrag?


Um die Rente korrekt zu berechnen, sind eine ganze Menge Angaben zum Leben des Antragstellers notwendig.
Zunächst einmal müssen Sie angeben, welche Art von Rente Sie überhaupt beantragen möchten. Dann benötigen Sie für alle Rentenanträge Ihre Rentenversicherungsnummer, ein Ausweisdokument (oder Ihre Geburtsurkunde in Kopie) sowie
- Angabe der Kranken- und Pflegeversicherung,
- Steueridentifikationsnummer,
- internationale Kontonummer und Bankleitzahl (IBAN, BIC),
- Geburtsurkunden der Kinder (auch bei Vätern),
- Nachweise über absolvierte Berufsausbildungen,
- bei Bevollmächtigung einer anderen Person: Vollmachtsurkunde,
- bei (auch zeitweiser) Beamtentätigkeit: Festsetzungsblatt der Versorgungsdienststelle.

Wichtig ist es, zu überlegen, ob die Versicherungszeiten vollständig abgedeckt sind. Gibt es Zeiten, die im Versicherungsverlauf noch nicht erfasst sind? Auch darüber sollten Sie Nachweise beifügen. Dies können beispielsweise Nachweise über Ausbildungszeiten sein, über Zeiten von Arbeitslosigkeit oder Krankheit, Ausbildungsverträge bei abgebrochener Lehre oder nicht bestandener Prüfung, Geburtsurkunden von Kindern.

Je nachdem, welche Art von Rente beantragt wird, können weitere Unterlagen dazukommen. Bei der Altersrente sind dies zum Beispiel:

- bei Schwerbehinderung: Schwerbehindertenausweis und Feststellungsbescheid,
- bei Arbeitslosigkeit: letzter Bescheid der Agentur für Arbeit,
- bei Altersteilzeit: Altersteilzeitvertrag,
- bei geplanter Nebentätigkeit neben der Rente: voraussichtliche Verdiensthöhe.

Wo finde ich meine Rentenversicherungsnummer?


Die zwölfstellige Rentenversicherungsnummer besteht aus Buchstaben und Ziffern. Sie begleitet gesetzlich Rentenversicherte ihr Leben lang und ist zur Beantragung der Rente erforderlich. Zu finden ist sie im Sozialversicherungsausweis, den man normalerweise bei Eintritt ins Berufsleben erhält. Nach 2005 Geborene bekommen die Rentenversicherungsnummer schon bei ihrer Geburt zugeteilt.
Sie findet sich außerdem auf der jährlich zugesandten Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung und der Meldebescheinigung zur Sozialversicherung, die der Arbeitgeber verschickt. Sie kann auch bei der Deutschen Rentenversicherung telefonisch oder per E-Mail angefordert oder gegen Vorlage des Personalausweises bei der Krankenkasse angefragt werden.

Welche Fristen sind zu beachten?


Einen Rentenantrag kann man auch schon vor Erreichen der Voraussetzungen, etwa der Altersgrenze, einreichen. In diesem Fall ist eine Bescheinigung des Arbeitgebers über den Verdienst in den letzten Arbeitsmonaten wichtig.

Sind alle Voraussetzungen für die Rente erfüllt - ist also zum Beispiel die Altersgrenze erreicht - läuft eine Antragsfrist von drei Monaten. Sie haben also drei Kalendermonate lang Zeit, einen Rentenantrag zu stellen, ohne dass Ihnen Nachteile entstehen. Die Rente wird rückwirkend ab Erreichen der Altersgrenze gezahlt.

Stellen Sie den Antrag erst später, wird die Rente nicht mehr rückwirkend gezahlt, sondern erst ab dem Antragsmonat. Diese Frist gilt für Renten aus eigener Versicherung - also Altersrenten, Erwerbsminderungsrenten und Erziehungsrenten.

Tipp: Wenn der Rentenantrag schon drei Monate vor Erreichen des Rentenalters gestellt wird, hat die Rentenversicherung genug Zeit, um den Antrag zu bearbeiten und offene Fragen zu klären. Dieses Vorgehen ist zu empfehlen.

Besonderheiten gibt es bei der Hinterbliebenenrente. So wird Witwen und Witwern im ersten Vierteljahr nach dem Tod des Partners die volle Rente des Verstorbenen gezahlt ("Sterbevierteljahr"). Dies muss innerhalb von vier Wochen nach dem Todesfall beantragt werden und zwar beim Rentenservice der Deutschen Post. Oft übernimmt den Antrag das Bestattungsunternehmen.

Danach haben Hinterbliebene Anspruch auf eine Witwen- oder Witwerrente in Höhe eines Teils der Rente des Verstorbenen. Die Antragsfrist beträgt zwölf Kalendermonate. Sie haben also zwölf Monate Zeit, den Antrag zu stellen. Auch hier wird dann rückwirkend gezahlt. Ist die Frist überschritten, wird die Rente frühestens ab dem Antragsmonat gezahlt.

Was ist eine Kontenklärung und warum ist sie erforderlich?


Voraussetzung dafür, dass die Rente in korrekter Höhe gezahlt wird, ist, dass alle versicherten Zeiten und Lebensumstände im Rentenversicherungskonto vermerkt sind. Auf dem Versicherungskonto wird gespeichert, wann ein Arbeitnehmer gearbeitet hat, wann er arbeitslos oder durch Krankheit arbeitsunfähig war. Viele Zeiten werden hier automatisch vermerkt. Immer wieder fehlen jedoch wichtige Angaben. Auch Berufsausbildungen oder Kindererziehungszeiten können für die Rente eine Rolle spielen. Wer also genau klären möchte, ob alles Notwendige auf seinem Rentenkonto vermerkt ist, kann eine Kontenklärung beantragen. Dies kann schriftlich oder telefonisch beim Rentenversicherungsträger geschehen. Dann ist allerdings Mitarbeit erforderlich, denn der Versicherungsträger wird Ihnen zuerst einmal Formulare zuschicken. Ohne Informationen vom Versicherten selbst geht es nicht.

Wie hoch wird meine Rente sein?


Jede Rente ist unterschiedlich hoch. Die Höhe richtet sich nach der Rentenformel. Diese lautet:
Monatliche Rentenhöhe = Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x Aktueller Rentenwert x Rentenartfaktor.

Entgeltpunkte ergeben sich aus dem Vergleich des Einkommens des Versicherten mit dem Durchschnittseinkommen aller Versicherten. Sie werden für jedes Beschäftigungsjahr ermittelt. Deckt sich beides in einem Jahr genau, gibt es einen Entgeltpunkt. Kindererziehungszeiten oder die Pflege von Angehörigen werden hier angerechnet.

Beim Zugangsfaktor werden Zu-und Abschläge berücksichtigt. Zuschläge gibt es zum Beispiel für einen zeitweisen Verzicht auf die Rente bei Rentenbeginn, Abschläge für vorzeitiges In-Rente-Gehen. Gibt es beides nicht, beträgt der Wert 1.

Der aktuelle Rentenwert entspricht einem Entgeltpunkt und wird je nach Wirtschaftslage festgelegt. Er beträgt zurzeit 33,05 Euro für Westdeutschland und 31,89 Euro für Ostdeutschland.

Der Rentenartfaktor richtet sich nach der Art der Rente. Er beträgt etwa bei Altersrenten, Renten wegen voller Erwerbsminderung und Erziehungsrenten 1,0, bei Renten wegen teilweiser Erwerbsminderung 0,5, bei Vollwaisenrenten 0,2.

Besonderheiten gibt es in den neuen Bundesländern. Um das niedrigere Einkommensniveau aus DDR-Zeiten und die heute noch niedrigeren Löhne auszugleichen, wird der Verdienst hier mit einem Umrechnungsfaktor erhöht. Dieser ändert sich jedes Jahr.

Praxistipp


Beratung zur Rente bieten die Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung an, die es in jeder größeren Stadt gibt. Beratungstermine kann man online oder telefonisch vereinbaren. Kommt es zu Streitigkeiten mit dem Rentenversicherungsträger, ist ein Fachanwalt für Sozialrecht der richtige Ansprechpartner.

(Ma)



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