Wohnungseinbruch: Wann zahlt die Versicherung?

30.12.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (194 mal gelesen)
Wohnungseinbruch: Wann zahlt die Versicherung? © DOC RABE Media - Fotolia.com
In der dunklen Jahreszeit machen sich viele Menschen verstärkt Gedanken um die Sicherheit im eigenen Heim. Wenn es dann tatsächlich einmal zu einem Wohnungseinbruch gekommen ist, möchte der Bestohlene möglichst schnell Ersatz von seiner Hausratsversicherung bekommen. Nur: In vielen Fällen kann die Versicherung eine Zahlung verweigern.

Statistik: Wie viele Wohnungseinbrüche gibt es?
Laut polizeilicher Kriminalstatistik fanden im Jahr 2015 insgesamt 167.136 Einbrüche inklusive gescheiterter Versuche statt. Gegenüber dem Vorjahr war dies eine Steigerung um 9,9 Prozent. Der Gesamtschaden lag bei 440,8 Millionen Euro. Aber: Obwohl für 2016 noch keine Gesamtzahlen vorliegen, ist jetzt von einem Rückgang auszugehen. So meldete das Landeskriminalamt NRW in den ersten elf Monaten knapp 48.000 Wohnungseinbrüche, inklusive Versuche. Im Vorjahr waren dies 62.360. Laut Polizei sind 2015 etwa 40 Prozent der Einbrüche misslungen, Tendenz steigend. Die Polizei schreibt dies der verbesserten Sicherheitstechnik zu. Die Haupteinbruchszeit ist übrigens nicht, wie man denken könnte, die Nacht: Die meisten Einbrüche finden tagsüber zwischen 10 und 18 Uhr statt. Denn dann sind viele Menschen nicht zu Hause. Auch finden die meisten Einbrüche relativ spontan statt, ohne Verwendung von anspruchsvollem Werkzeug.

Welche Versicherung zahlt?
Bei einem Einbruch ist die Hausratsversicherung gefragt. Diese deckt den gesamten beweglichen Hausrat ab, also zum Beispiel Elektrogeräte, Möbel, Teppiche, Bücher, Geschirr, aber auch Werkzeug und Gartengeräte, die zum Beispiel im Keller oder in der Garage gelagert werden. Bezahlt wird der Wiederbeschaffungswert. Auch Reparaturkosten für zerstörte Fenster und Türen oder Einrichtungsgegenstände werden erstattet. Es empfiehlt sich, beim Abschluss einer Hausratsversicherung den Wert der vorhandenen Gegenstände korrekt einzuschätzen und besondere Wertgegenstände anzumelden, auch wenn dies die Prämie erhöht.

Was muss ich als Bestohlener wissen?
Versicherte haben nach dem Versicherungsvertrag sogenannte Obliegenheiten zu beachten, wenn sie Geld sehen wollen. Bei einem Diebstahl ist die wichtigste Obliegenheit die unverzügliche Meldung an die Polizei und die Versicherung. Zudem hat der Versicherte nach dem Versicherungsrecht eine Schadensminderungspflicht. Er muss dafür sorgen, dass der Schaden möglichst gering bleibt – zum Beispiel dadurch, dass er gestohlene Kreditkarten sofort sperren lässt. Wurden Autoschlüssel entwendet, sollte das dazugehörige Fahrzeug bis zum Schlössertausch nicht mehr in Wohnungsnähe geparkt werden.

Die Stehlgutliste
Eine weitere Pflicht des Betroffenen ist die Aufstellung einer sogenanntern Stehlgutliste. Diese geht an Polizei und Versicherung und listet alle Gegenstände auf, die entwendet wurden, vorzugsweise mit Neuwert und Beschreibung. Wer Wertgegenstände ersetzt haben will, sollte unbedingt sofort diese Liste anlegen und weitergeben – und auch nachweisen können, dass er die Gegenstände überhaupt besessen hat. Dies kann durch Kaufbelege geschehen, aber auch durch Fotos oder Zeugenaussagen. Wird die Stehlgutliste nicht unverzüglich an Versicherung und Polizei gegeben, kann die Versicherung leistungsfrei werden. 2008 wurde vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe ein Fall verhandelt, in dem der Bestohlene zwar der Versicherung unverzüglich die Liste übergeben hatte, nicht jedoch der Polizei. Denn von dieser Pflicht hatte ihm niemand etwas gesagt. Die Versicherung verweigerte deshalb die Zahlung. Der BGH entschied: Die Versicherungen sind verpflichtet, den Versicherten über seine Pflicht zur Weitergabe der Liste an die Polizei zu unterrichten und ihn auch darauf hinzuweisen, dass er bei Nichtbeachtung seinen Versicherungsschutz verliert (Urteil vom 17.9.2008, Az. IV ZR 317/05).

Wie weise ich nach, dass etwas geklaut wurde?
Natürlich will die Versicherung sicher sein, dass auch ein Einbruch vorliegt – und nicht etwa ein Versicherungsbetrug. Hilfreich ist es zunächst, wenn die Polizei eindeutige Einbruchsspuren feststellt und sichert. Das Oberlandesgericht Hamm hat sich mit der Frage befasst, wie denn nun ein Normalbürger, der keine Kaufbelege für sein sämtliches Eigentum archiviert hat, nachweisen soll, was ihm gestohlen wurde. Gibt es keine Fotos oder Zeugen, können unter Umständen die Aussagen des Bestohlenen selbst ausreichen – denn hier greift eine sogenannte "Redlichkeitsvermutung". Im Prozess wurde das Vorhandensein von Schmuck, Uhren und Bargeld vor dem Einbruch durch Zeugenaussagen bestätigt. Der Wert einer Uhr und eines Ringes, die von Privatpersonen ohne Beleg und Echtheitszertifikat gekauft worden waren, musste von der Versicherung laut Gericht nicht ersetzt werden. Hier war nicht nachweisbar, dass die Stücke echt waren. Bei einigen anderen Schmuckstücken nahm das Gericht Abschläge vom Wert vor, da dieser lediglich von den Bestohlenen geschätzt worden war (Urteil vom 21.10.2011, Az. I-20 U 62/11).