Arzthaftung bei Schulteroperationen

19.09.2014, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (453 mal gelesen)
Arzthaftung bei Schulteroperationen
Die Schulter ist besonders verletzungsanfällig. Für Schulterverletzungen gibt es verschiedenste Ursachen und natürlich auch viele verschiedene Behandlungsmethoden. Stellt sich nicht der erhoffte Erfolg einer Schulterbehandlung ein, könnte es sich um einen ärtzlichen Behandlungsfehler handeln.

Arthroskopie bei Schulterverletzung?

Ärzte dürfen eine Schulterverletzung mit Arthroskopie abklären. Nach einer Schulterverletzung kann eine Arthroskopie zur Klärung der Ursachen eines - nach MRT vermeintlich eindeutigen - Einrisses der Supraspinatussehne indiziert sein. Über die Möglichkeit einer konservativen Behandlung muss der Patient nicht aufgeklärt werden, wenn sie sich nicht als medizinisch gleichermaßen indizierte Behandlungsalternative darstellt. Das hat das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 26 U 101/12) entschieden.

Schulteroperation misslungen- Schmerzensgeld!

Einer Patientin, die ihre linke Schulter nach einer fehlerhaft gewählten und fehlerhaft durchgeführten Schulteroperation nicht mehr einsetzen kann, steht ein Schmerzensgeld in Höhe von 50.000 Euro zu. Dies entschied ebenfalls das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 26 U 4/13).

Im zu entscheidenden Fall musste die Schulter einer Patientin nach mehreren operativen Eingriffen versteift werden. Mit der Begründung, sie sei unter Entfernung ihres Schulterdachs fehlerhaft operiert worden, hat die Klägerin von den Beklagten Schadensersatz verlangt ein Schmerzensgeld in Höhe von 50.000 Euro.
Mit Erfolg! Das Oberlandesgerichts Hamm stellte fest, dass die Patientin im beklagten Krankenhaus von den beiden beklagten Operateuren grob fehlerhaft behandelt wurde. Sowohl die Wahl einer offenen Schultergelenksoperation als auch die Durchführung dieser Operation verstießen gegen den ärztlichen Standard. Nach dem vor der Operation erhobenen MRT-Befund sei allein ein arthroskopischer Eingriff zur Entfernung des Schleimbeutels und zur Dekompression der Enge im Schultergelenk der Klägerin indiziert gewesen. Der tatsächlich vorgenommene Eingriff sei zudem fehlerhaft durchgeführt worden, weil intraoperativ wesentliche Teile des Schulterdachs entfernt worden seien. Dadurch sei das Schulterdach zerstört worden. Dies habe die Versteifung der linken Schulter der Patientin erfordert, so dass der linke Arm funktionsunfähig geworden sei. Von diesem Kausalzusammenhang sei auszugehen, weil den Beklagten ein grober Behandlungsfehler vorzuwerfen sei, der zu einer Beweislast hinsichtlich der eingetretenen Schadensfolgen führe, so die Hammer Richter.