Kategorie: Zivilrecht

Verpfuschte Schönheits-Operation – welche Ansprüche haben Betroffene?

21.07.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice (265 mal gelesen)
Verpfuschte Schönheits-Operation – welche Ansprüche haben Betroffene? © spotmatikphoto - Fotolia.com
Viele Menschen sind mit ihrem Aussehen nicht zufrieden oder empfinden gar dadurch psychische Belastungen. Oft wird die Lösung in einer Schönheitsoperation gesucht. Nicht immer endet diese jedoch so, wie sich der Patient es vorstellt.

Schönheitsoperation – der Ausweg?
Schönheit liegt im Auge dess Betrachters, und mancher ist mit seinem Spiegelbild nicht allzu glücklich. Auch die Medien verbreiten Schönheitsideale, von denen viele Menschen weit entfernt sind. Einige Menschen leiden so sehr unter ihrem Aussehen, dass es sie psychisch belastet. Eine Schönheits-OP stellt da oft die Lösung nach Wunsch dar. Allerdings ist jeder körperliche Eingriff mit Risiken verbunden, bei jeder Operation gibt es einen bestimmten Prozentsatz gescheiterter Eingriffe und nicht immer sind Ärzte in der Lage, allen auftretenden Komplikationen zu begegnen. Vorerkrankungen, Allergien, Kreislaufprobleme sowie Entzündungen und Infektionen können den Erfolg gefährden und die Gesundheit des Patienten beeinträchtigen. In solchen Fällen stellt sich schnell die Frage nach der Haftung. Das Zivilrecht gibt dem Patienten einige Möglichkeiten – aber auch das Sozialrecht kann in bestimmten Fällen herangezogen werden.

Fehlgeschlagene Fettabsaugung
Das Bundessozialgericht beschäftigte sich 2010 mit dem Fall einer Frau, bei der trotz erheblicher Vorerkrankungen Eingriffe vorgenommen worden waren. Sie litt an verschiedenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen – darunter starkes Übergewicht, Herzschwäche, Bluthochdruck, Diabetes und einer Darmerkrankung. Sie ließ bei einem Gynäkologen eine Fettabsaugung durchführen. Da sich dabei eine sogenannte „Fettschürze“ bildete, trat der Arzt ein zweites Mal in Aktion – aber die zweite Fettabsaugung misslang und es kam zu erheblichen gesundheitlichen Problemen, die einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machten. Die Frau hatte den Arzt vor der Operation auf ihre Vorerkrankungen hingewiesen, aber dieser hatte sie nicht über die dadurch bedingten erheblichen Risiken informiert. Der Arzt dokumentierte auch weder ein Aufklärungsgespräch noch ihre Einwilligung. Die notwendigen Fähigkeiten für eine solche Operation besaß er offenbar nicht.

Strafrechtliche Folgen
Für den Arzt folgte zunächst ein Strafverfahren, bei dem er wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Da auch andere Taten gegen Patienten vor Gericht kamen, wurde er zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Dazu muss man wissen: Jede Operation ist eine Körperverletzung, wenn der Patient nicht in diese Operation eingewilligt hat. Um wirksam einwilligen zu können, muss der Patient zuvor (rechtzeitig!) über die Risiken und Erfolgschancen aufgeklärt worden sein. Diese Aufklärung muss der Arzt ebenso dokumentieren und nachweisen können, wie die vom Patienten erteilte Einwilligung.

Entschädigung nach dem Opferentschädigungsgesetz
Die Patientin beantragte nun beim Versorgungsamt Aachen Leistungen der Beschädigtenversorgung nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG). Das Amt lehnte jedoch ab: Diese Entschädigung stehe nur Kriminalitätsopfern zu. Ärztliche Kunstfehler seien davon nicht erfasst. Es kam zum Rechtsstreit. Das Bundessozialgericht in Kassel entschied schließlich, dass es sich bei den ärztlichen Eingriffen hier um vorsätzliche, rechtswidrige tätliche Angriffe gehandelt habe. Dies sei zwar nicht grundsätzlich bei allen ärztlichen Kunstfehlern oder mangelhafter Aufklärung des Patienten der Fall. Immerhin wolle ein Arzt dem Patienten normalerweise ja helfen. Als tätlichen Angriff könne man jedoch einen Eingriff werten, der in keiner Weise dem Wohl des Patienten diene, sondern allein den finanziellen Interessen des Arztes. Davon sei hier auszugehen – insbesondere, weil der Arzt die Patientin trotz all ihrer Vorerkrankungen nicht auf die mit der Operation verbundenen, potentiell tödlichen Risiken hingewiesen hatte. Auch habe er die Patientin über seine Fähigkeiten getäuscht. Der Frau standen damit Versorgungsleistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz zu (BSG, Urteil vom 29.4.2010, B 9 VG 1/09 R K).

Schadenersatzansprüche gegen den Arzt
Natürlich hat ein Patient nach einem Behandlungsfehler auch Ansprüche gegen den Arzt. Dabei handelt es sich um Ansprüche auf Schadenersatz bzw. Schmerzensgeld nach dem Zivilrecht. Auch ein Aufklärungsmangel kann bereits eine Arzthaftung auslösen. Beispiel: Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main verurteilte einen Chirurgen zur Zahlung von 6.000 Euro Schmerzensgeld an eine 69jährige Patientin, bei der eine Oberschenkelstraffung misslungen war. Der Arzt war hier einem Verdacht auf eine bestehende Pilzinfektion nicht nachgegangen, was zu erheblichen Problemen bei der Wundheilung geführt hatte. Das Gericht erkannte ihm auch seinen Honoraranspruch ab (Urteil vom 19. Dezember 2006, Az. 8 U 268/05).


Gefällt Ihnen dieser Rechtstipp?
Ihre Bewertung:  stern_graustern_graustern_graustern_graustern_grau
Bisher abgegebene Bewertungen:
sternsternsternsternstern  3,5/5 (12 Bewertungen)

Hier finden Sie Anwälte für Zivilrecht an Ihrem Ort (alphabetisch sortiert)
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Z Ö

Suche in Rechtstipps

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:
Redaktion Anwalt-Suchservice
Das Berufsrecht der Ärzte ist Teil des Arztrechtes und damit wiederum Teil des Medizinrechts. Es beinhaltet alle rechtlichen Vorgaben und Reglementierung, die sich auf die Ausübung des freien Berufes "Arzt" beziehen.
Redaktion Anwalt-Suchservice
Der Beruf des Arztes zählt zu den sogenannten freien Berufen. Approbierten Ärzten ist es - wie auch Angehörigen ander der freien Berufe nicht gestattet, selbst kalkulierte Honorare zu verlangen. Das Gebührenrecht der Ärzte regelt aus diesem Grund verbindlich, welche Honorare Ärzte verlangen dürfen.
Redaktion Anwalt-Suchservice
Unter „Arzthaftung“ versteht man die Haftung des behandelnden Arztes für sogenannte Kunstfehler oder Behandlungsfehler. Diese können auch in der Unterlassung medizinisch notwendiger Behandlungsschritte oder in einer fehlerhaften Aufklärung des Patienten bestehen. Der Begriff „Arzthaftung“ gehört zum Bereich des Medizinrechts.
Redaktion Anwalt-Suchservice
Eine Fehldiagnose ist umgangssprachlich die Bezeichnung für die falsche Einschätzung eines Arztes über die Erkrankung eines Patienten. Der Fehler kann darin bestehen, dass der Patient nicht als krank erkannt oder seine Symptome der falschen Erkrankung zugerechnet werden. In beiden Fällen kann keine sachgerechte Behandlung stattfinden.
2017-08-01, Autor Marilla Reich (39 mal gelesen)

Einen Arzt auf einen möglichen Behandlungsfehler anzusprechen, wird in den meisten Fällen zu einer unergiebigen und für beide Seiten belastenden Diskussion führen , sodass davon nur abgeraten werden kann. ...

sternsternsternsternstern  5,0/5 (2 Bewertungen)
2010-02-04, Autor Isis G. Wendt (4330 mal gelesen)

http://www.kanzleiwendt.de Die ärztliche Aufklärung Warum eigentlich? Jeder Eingriff in die körperliche Integrität bedarf der Einwilligung des Betroffenen, auch eine Rasur und erst recht die künstliche Ernährung mit einer Magensonde. Die ...

sternsternsternsternstern  3,9/5 (24 Bewertungen)
Ärztliche Schweigepflicht: Abschaffen zur Terrorbekämpfung? © spotmatikphoto - Fotolia.com
2016-08-22 22:27:19.0, Redaktion Anwalt-Suchservice (617 mal gelesen)

Um die ärztliche Schweigepflicht wird bereits seit der Germanwings-Katastrophe eine rege Diskussion geführt. Nun erhält diese durch den Münchner Amoklauf und terroristische Anschläge von Einzeltätern neue Nahrung. Welche Regelungen gibt es zur...

sternsternsternsternstern  4,0/5 (68 Bewertungen)
2015-01-15, Autor Hans-Berndt Ziegler (587 mal gelesen)

Der Arzt verpflichtet, das Krankheitsbild sorgfältig abzuklären, indem er den Patienten ausreichend untersucht und die gebotenen Befunde erhebt. Unterlässt er dies, haftet er wegen unterlassener Befunderhebung. ...

sternsternsternsternstern  4,3/5 (19 Bewertungen)
2011-08-24, Autor Erik Hauk (1932 mal gelesen)

Minderjährigen Patienten kann bei einem nur relativ indizierten Eingriff mit der Möglichkeit erheblicher Folgen für ihre künftige Lebensgestaltung ein Vetorecht gegen die Einwilligung durch die gesetzlichen Vertreter zustehen, wenn sie über eine ...

sternsternsternsternstern  3,9/5 (18 Bewertungen)
weitere Rechtstipps in der Rubrik Zivilrecht weitere Rechtstipps weitere Rechtstipps in der Rubrik Zivilrecht

Suchen Sie hier mit einem

Rechtsthema, z.B.: Kündigung, Scheidung...
Rechtsgebiet, z.B. Arbeitsrecht, Mietrecht...
Qualifikation, z.B. Fachanwalt für...
Name, z.B. Max Mustermann

Suchen Sie hier mit

einer PLZ, z.B.: 10117, 1224,..
oder
einem Ort, z.B.: Berlin, Hamburg...

Suche in Rechtstipps
Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.   
Mehr Informationen  |  OK
Durch die Nutzung unserer Dienste, erklären Sie sich mit Cookies einverstanden.    Info
OK