Verpfuschte Schönheits-Operation – welche Ansprüche haben Betroffene?

21.07.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice (303 mal gelesen)
Verpfuschte Schönheits-Operation – welche Ansprüche haben Betroffene? © spotmatikphoto - Fotolia.com
Viele Menschen sind mit ihrem Aussehen nicht zufrieden oder empfinden gar dadurch psychische Belastungen. Oft wird die Lösung in einer Schönheitsoperation gesucht. Nicht immer endet diese jedoch so, wie sich der Patient es vorstellt.

Schönheitsoperation – der Ausweg?
Schönheit liegt im Auge dess Betrachters, und mancher ist mit seinem Spiegelbild nicht allzu glücklich. Auch die Medien verbreiten Schönheitsideale, von denen viele Menschen weit entfernt sind. Einige Menschen leiden so sehr unter ihrem Aussehen, dass es sie psychisch belastet. Eine Schönheits-OP stellt da oft die Lösung nach Wunsch dar. Allerdings ist jeder körperliche Eingriff mit Risiken verbunden, bei jeder Operation gibt es einen bestimmten Prozentsatz gescheiterter Eingriffe und nicht immer sind Ärzte in der Lage, allen auftretenden Komplikationen zu begegnen. Vorerkrankungen, Allergien, Kreislaufprobleme sowie Entzündungen und Infektionen können den Erfolg gefährden und die Gesundheit des Patienten beeinträchtigen. In solchen Fällen stellt sich schnell die Frage nach der Haftung. Das Zivilrecht gibt dem Patienten einige Möglichkeiten – aber auch das Sozialrecht kann in bestimmten Fällen herangezogen werden.

Fehlgeschlagene Fettabsaugung
Das Bundessozialgericht beschäftigte sich 2010 mit dem Fall einer Frau, bei der trotz erheblicher Vorerkrankungen Eingriffe vorgenommen worden waren. Sie litt an verschiedenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen – darunter starkes Übergewicht, Herzschwäche, Bluthochdruck, Diabetes und einer Darmerkrankung. Sie ließ bei einem Gynäkologen eine Fettabsaugung durchführen. Da sich dabei eine sogenannte „Fettschürze“ bildete, trat der Arzt ein zweites Mal in Aktion – aber die zweite Fettabsaugung misslang und es kam zu erheblichen gesundheitlichen Problemen, die einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machten. Die Frau hatte den Arzt vor der Operation auf ihre Vorerkrankungen hingewiesen, aber dieser hatte sie nicht über die dadurch bedingten erheblichen Risiken informiert. Der Arzt dokumentierte auch weder ein Aufklärungsgespräch noch ihre Einwilligung. Die notwendigen Fähigkeiten für eine solche Operation besaß er offenbar nicht.

Strafrechtliche Folgen
Für den Arzt folgte zunächst ein Strafverfahren, bei dem er wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Da auch andere Taten gegen Patienten vor Gericht kamen, wurde er zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Dazu muss man wissen: Jede Operation ist eine Körperverletzung, wenn der Patient nicht in diese Operation eingewilligt hat. Um wirksam einwilligen zu können, muss der Patient zuvor (rechtzeitig!) über die Risiken und Erfolgschancen aufgeklärt worden sein. Diese Aufklärung muss der Arzt ebenso dokumentieren und nachweisen können, wie die vom Patienten erteilte Einwilligung.

Entschädigung nach dem Opferentschädigungsgesetz
Die Patientin beantragte nun beim Versorgungsamt Aachen Leistungen der Beschädigtenversorgung nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG). Das Amt lehnte jedoch ab: Diese Entschädigung stehe nur Kriminalitätsopfern zu. Ärztliche Kunstfehler seien davon nicht erfasst. Es kam zum Rechtsstreit. Das Bundessozialgericht in Kassel entschied schließlich, dass es sich bei den ärztlichen Eingriffen hier um vorsätzliche, rechtswidrige tätliche Angriffe gehandelt habe. Dies sei zwar nicht grundsätzlich bei allen ärztlichen Kunstfehlern oder mangelhafter Aufklärung des Patienten der Fall. Immerhin wolle ein Arzt dem Patienten normalerweise ja helfen. Als tätlichen Angriff könne man jedoch einen Eingriff werten, der in keiner Weise dem Wohl des Patienten diene, sondern allein den finanziellen Interessen des Arztes. Davon sei hier auszugehen – insbesondere, weil der Arzt die Patientin trotz all ihrer Vorerkrankungen nicht auf die mit der Operation verbundenen, potentiell tödlichen Risiken hingewiesen hatte. Auch habe er die Patientin über seine Fähigkeiten getäuscht. Der Frau standen damit Versorgungsleistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz zu (BSG, Urteil vom 29.4.2010, B 9 VG 1/09 R K).

Schadenersatzansprüche gegen den Arzt
Natürlich hat ein Patient nach einem Behandlungsfehler auch Ansprüche gegen den Arzt. Dabei handelt es sich um Ansprüche auf Schadenersatz bzw. Schmerzensgeld nach dem Zivilrecht. Auch ein Aufklärungsmangel kann bereits eine Arzthaftung auslösen. Beispiel: Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main verurteilte einen Chirurgen zur Zahlung von 6.000 Euro Schmerzensgeld an eine 69jährige Patientin, bei der eine Oberschenkelstraffung misslungen war. Der Arzt war hier einem Verdacht auf eine bestehende Pilzinfektion nicht nachgegangen, was zu erheblichen Problemen bei der Wundheilung geführt hatte. Das Gericht erkannte ihm auch seinen Honoraranspruch ab (Urteil vom 19. Dezember 2006, Az. 8 U 268/05).


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