Beziehung zwischen 47jährigem und 15jähriger – rechtlich okay?

07.11.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (241 mal gelesen)
Beziehung zwischen 47jährigem und 15jähriger – rechtlich okay? © fotodo - Fotolia.com
Vor einiger Zeit machte dieser Fall über eine Beziehung mit großem Altersunterschied Schlagzeilen. Nun folgte die rechtliche Aufarbeitung durch ein Gericht. Können Eltern etwas dagegen unternehmen, wenn ihre 15jährige Tochter mit einem 30 Jahre älteren Mann zusammen sein will?

Beziehung trotz extremem Altersunterschied
Eine 15jährige hatte sich in einen 47jährigen angeheirateten Onkel verliebt. Dieser ist der "Noch-Ehemann" der Halbschwester des Vaters der 15jährigen und selbst Vater. Der Mann ließ sich auf eine Beziehung ein, nach eigenem Bekunden hatte er sich ebenfalls verliebt. Die Eltern des Teenagers wollten dem einen Riegel vorschieben – sie versuchten immer wieder, den Kontakt zu unterbinden. Eine gemeinsame Flucht nach Südfrankreich mit polizeilicher Suchaktion sorgte für Schlagzeilen – nicht zuletzt durch Entführungsvorwürfe und das von den Eltern veranlasste Medienecho mit Bildern und Nennung voller Namen. Die Eltern waren der Meinung, dass ihre Tochter unter dem Einfluss des älteren Mannes stünde. Sie schafften es sogar, ihre Tochter wochenlang in die Psychiatrie einweisen zu lassen. Diese kam schließlich außerhalb des Elternhauses unter und hielt ihren Aufenthaltsort vor den Eltern geheim. Zur Schule ging sie nicht mehr. Schließlich nahm sie sich einen Verfahrensbeistand. Vor dem Brandenburger Oberlandesgericht wurde nun darum gestritten, ob die Eltern ihr die Beziehung zu dem 30 Jahre älteren Mann untersagen durften. Denn diese hatten ein gerichtliches Kontaktverbot gegen den 47jährigen durchgesetzt.

Einweisung auf dem Prüfstand
Das Oberlandesgericht setzte sich kritisch mit den ärztlichen Befunden auseinander. Die "Einweisungsverordnung" sei durch einen anderen Onkel der 15jährigen an einem Samstag ohne Untersuchung des Mädchens und "praktisch auf Zuruf" der Eltern erfolgt. In der Klinik seien die von den Eltern behaupteten Angststörungen nicht aufgetreten. Das Gericht stellte fest, dass hier eine wahnhafte Störung "nicht ansatzweise schlüssig aus irgendwelchen belastbaren, objektivierbaren Befunden abgeleitet" worden sei. Die Klinik habe die Argumentation der Eltern übernommen, nach der die Beziehung zu einem 30 Jahre älteren Mann allein schon Beweis für eine psychische Störung sei. Betrachte man die Berichte aus dem stationären Alltag und der Klinikschule, ergebe sich das Bild einer überdurchschnittlich intelligenten, positiv gestimmten, hilfsbereiten und äußerlich gelassenen jungen Frau. Belege für eine krankhafte Störung gebe es nicht. Allerdings stimmte das Gericht den Befunden in einem Punkt zu: Sie sei ein früh gereiftes Mädchen, das gern schon als junge Frau verstanden und gesehen werden wollte und in einem typischen Pubertätskonflikt stecke, den sie konsequent austrage.

Beziehung ist erlaubt
Das Gericht sah das Wohl der mittlerweile 16jährigen nicht durch die Beziehung zu dem älteren Mann gefährdet. Diese hatte ohne Wissen der Eltern schon eine Zeit lang angedauert, ohne dass dies negative Folgen gehabt hätte. Die Beziehung sei von ihr selbst gewünscht worden und nicht unter irgendeinem Zwang oder Einfluss zustande gekommen. Ob sich nun ein 47jähriger verheirateter Mann und Familienvater auf so etwas hätte einlassen müssen, sei eine andere Frage, aber nicht "justiziabel". Das Wohl der 16jährigen sei eher durch den eskalierten Konflikt mit den Eltern in Gefahr. Ein Kontaktverbot mit dem 47jährigen sei hier nicht das geeignete Mittel, um wieder stabile Lebensverhältnisse herzustellen. Die 16jährige habe nachdrücklich den Wunsch geäußert, wieder in die Schule zu gehen und – ohne dauernde Kontrolle durch die Eltern – in einer Jugendhilfeeinrichtung zu wohnen. Der feste Wille, den sie zeige, sei zu respektieren (OLG Brandenburg, Urteil vom 24.3.2016, Az. 9 UF 132/15).

Hat sich der Mann strafbar gemacht?
Wie auch das Brandenburger OLG erläuterte, liegt hier keine strafbare Handlung vor. Als Kindesmissbrauch strafbar sind sexuelle Kontakte mit einem Kind, also einer Person unter 14 Jahren. Dafür droht eine Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und bis zu zehn Jahren. Hier war das Mädchen bereits über 14. Allerdings käme dann immer noch ein sexueller Missbrauch von Jugendlichen nach § 182 des Strafgesetzbuches in Betracht. Danach macht sich strafbar, wer mit einer Person unter 18 Jahren unter Ausnutzung einer Zwangslage sexuelle Handlungen vornimmt. Eine Zwangslage gab es hier nicht. Strafbar macht sich auch ein über 21jähriger, der mit einer Person unter 16 Jahren sexuell verkehrt – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass dem Opfer die Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung fehlt und dies ausgenutzt wird. Mangelnde Reife oder Entschlossenheit kamen aber bei dieser jungen Frau – die sich selbst einen Anwalt besorgt hatte, um ihre Vorstellungen gegenüber ihren Eltern durchzusetzen und eigenständig mit dem Jugendamt verhandelte – eher nicht in Betracht.