Doppelte Haushaltsführung – die Grundregeln

10.08.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (456 mal gelesen)
Doppelte Haushaltsführung – die Grundregeln © CG - Fotolia.com
Wer eine Zweitwohnung in einer anderen Stadt unterhält, um dort zu arbeiten, kann steuerliche Vergünstigungen in Anspruch nehmen. Allerdings gibt es einige Einschränkungen, die man beachten muss.

Was versteht man unter doppelter Haushaltsführung?
Hat jemand aus beruflichen Gründen eine zweite Wohnung an seinem Arbeitsort, kann er nach dem Steuerrecht die dafür anfallenden Aufwendungen als Werbungskosten von der Einkommenssteuer absetzen. Heutzutage kommt dies häufig vor, denn berufliche Flexibilität ist gefragt. Viele Menschen arbeiten in einer Großstadt, haben aber ihre Hauptwohnung mit ihrer Familie ganz woanders. Wird man – womöglich nur für eine gewisse Zeit – in eine andere Stadt versetzt, kann man nicht jedesmal die Kinder aus der Schule nehmen, das Haus verkaufen und umziehen – und auch der Partner hat oft einen Job, den er behalten möchte.

Wann ist die Zweitwohnung „beruflich veranlasst“?
Als beruflicher Anlass gilt eine Versetzung durch den Arbeitgeber, ein Arbeitsplatzwechsel und die Aufnahme einer neuen Arbeit außerhalb des bisherigen Wohnorts und dessen Umgebung. Auch der umgekehrte Fall gilt als doppelte Haushaltsführung: Wenn der Arbeitnehmer seinen Hauptwohnsitz aus privaten Gründen vom Arbeitsort weg verlegt und am Arbeitsort einen Zweitwohnsitz behält, um dort weiter zu arbeiten.

Anforderungen an den Hauptwohnsitz
Am Hauptwohnsitz muss ein eigener Hausstand geführt werden und der Arbeitnehmer muss dort seinen Lebensmittelpunkt haben. Ob es sich um eine gemietete oder eigene Wohnung handelt, ist egal. Es muss sich aber um eine normale Wohnung mit Bad, Kochgelegenheit usw. handeln. Heute ist die entscheidende Frage, ob sich der Steuerzahler bei der Hauptwohnung an den Kosten für die Haushaltsführung, z.B. für Miete und Lebensmittel, beteiligt (Faustregel: mindestens mit zehn Prozent).

Wann erkennt das Finanzamt keine doppelte Haushaltsführung an?
Nicht anerkannt wird eine doppelte Haushaltsführung, wenn diese nicht beruflich veranlasst ist. Eine Ferienwohnung oder eine ohne berufliche Gründe betriebene Zweitwohnung führen nicht zu Steuervergünstigungen. Ebenso wird die doppelte Haushaltsführung nicht anerkannt, wenn kein richtiger Hauptwohnsitz vorliegt. Dies gilt zum Beispiel für das Elternhaus eines Studenten, wo dieser noch sein altes Zimmer hat. Auch eine Einliegerwohnung im Haus der Eltern zählt nicht, wenn der Bewohner sich nicht finanziell an deren Haushaltskasse beteiligt.

Welche Kosten kann man von der Steuer absetzen?
Für das Jahr 2014 können die Kosten angesetzt werden, die für die Zweitwohnung tatsächlich entstanden sind. Bei einer Mietwohnung sind dies Miete, Strom, Heizkosten und sonstige Betriebskosten. Die Obergrenze liegt bei 1.000 Euro pro Monat. Natürlich müssen die Aufwendungen durch entsprechende Belege nachgewiesen werden. Bei einer gekauften Zweitwohnung können auch Abschreibungen, Darlehenszinsen, Erhaltungsaufwendungen, öffentliche Abgaben, Versicherungsbeiträge bis zur genannten Obergrenze abgesetzt werden. Auch Umzugskosten, Maklergebühren, Rundfunkbeiträge, Reinigungskosten und eine Zweitwohnungssteuer der Gemeinde kann der Steuerzahler absetzen.

Möbel und Fahrtkosten
Grundsätzlich können auch die Kosten der Wohnungseinrichtung,
Fahrtkosten für Wochenendheimfahrten (einmal pro Woche mit der Kilometerpauschale) und Mehraufwendungen für Verpflegung am Arbeitsort (Pauschale, für drei Monate) abgesetzt werden. Bei der Wohnungseinrichtung müssen die Kosten allerdings in angemessenem Rahmen bleiben. Gegenstände, die jeweils nicht mehr als 410 Euro ohne Mehrwertsteuer gekostet haben, können sofort mit dem ganzen Betrag abgezogen werden; bei höheren Kosten muss eine Verteilung auf die voraussichtliche Nutzungsdauer stattfinden. Dann ist eine häppchenweise Abschreibung über mehrere Jahre möglich.

Autostellplätze
Dem Bundesfinanzhof in München zufolge kann man auch die Kosten für eine Garage oder einen Autostellplatz am Arbeitsort absetzen. Ob man für den Beruf ein Auto benötigt, spielt dabei keine Rolle. Wichtig ist jedoch die berufliche Veranlassung der Zweitwohnung. Keine Probleme sah das Gericht bei einem Arbeitnehmer, der wegen akuter Parkplatznot in seiner Wohngegend einen Autostellplatz gemietet hatte (BFH, Urteil vom 13.11.2012, Az. VI R 50/11).

Alleinstehende
Bis 1994 haben die Finanzämter eine doppelte Haushaltsführung nur bei Ehepartnern oder Elternteilen anerkannt. Seitdem ist jedoch auch bei Alleinstehenden grundsätzlich eine doppelte Haushaltsführung möglich. Dazu gehören nicht nur Ledige, sondern auch Geschiedene, getrennt Lebende oder verwitwete Steuerpflichtige. Bei diesen wird jedoch genauer geprüft, ob sich der Lebensmitelpunkt nicht doch mittlerweile an den Arbeitsort verlagert hat (BFH, Urteil vom 09.08.2007, Az. VI R 10/06).