Zweitwohnsitz und Steuern

23.02.2015, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (786 mal gelesen)
Zweitwohnsitz und Steuern © CG - Fotolia.com
Eine Zweitwohnung ist praktisch und für Arbeitnehmer, die weit weg von zu Hause arbeiten, oft auch unverzichtbar. Inhaber einer Zweitwohnung müssen jedoch eine Reihe steuerlicher Fragen beachten.

Zweitwohnung – warum?
Gründe für eine Zweitwohnung gibt es mehrere. Wird ein Arbeitnehmer in eine andere Stadt versetzt oder findet nur dort eine neue Stelle, kann er nicht immer einfach umziehen – denn womöglich hat er am ursprünglichen Wohnort gerade ein Haus gebaut, eine Wohnung gekauft, und die Kinder gehen dort zur Schule. Da muss dann eine Zweitwohnung am Arbeitsort her. Oder, umgekehrt: Jemand hat bisher in einer kleinen Wohnung gelebt und nun „Familienanschluss“ an einem anderen Ort gefunden. Dann wird der bisherige Erstwohnsitz zum Zweitwohnsitz.

Kosten für Zweitwohnung absetzen?
Die Kosten für eine beruflich veranlasste Zweitwohnung am Arbeitsort können als Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden, wenn sich der Lebensmittelpunkt des Arbeitnehmers weiterhin am Ort seiner Hauptwohnung befindet. Im Steuerrecht spricht man hier von „doppelter Haushaltsführung.“ Absetzbar sind grundsätzlich:
- die Kosten der Wohnungssuche (Makler, Wohnungsanzeigen)
- die Kosten für den Umzug,
- die Unterkunftskosten (Miete, Betriebskosten, Rundfunkbeiträge, Renovierungskosten),
- Fahrtkosten und Telefon (Kosten für eine Fahrt nach Hause pro Woche: 30 Cent pro Kilometer oder ein 15-minütiges Telefongespräch einmal pro Woche).
- Kosten für "notwendige" Einrichtungsgegenstände wie Küche, Bett, Schrank, Tisch, Stühle, Herd – für alles, was zur "zur Führung eines geordneten Haushalts notwendig“ ist. Liegen die Kosten für einen einzelnen Gegenstand unter 410 Euro netto, können sie sofort abgesetzt werden, ansonsten sind sie über die gesamte Nutzungsdauer abzuschreiben.
- Verpflegungspauschale nach § 9 Abs. 4a EStG: In den ersten drei Monaten kann für jeden Kalendertag, den der Arbeitnehmer sich am Beschäftigungsort und damit fern seines Lebensmittelpunktes aufhält, eine Verpflegungspauschale abgesetzt werden. Diese beträgt bei ganzen Tagen 24 Euro pro Tag und bei angebrochenen Tagen (An- und Abreise, mindestens 8 Stunden Abwesenheit vom Lebensmittelpunkt) 12 Euro pro Tag.

Als Unterkunftskosten für eine doppelte Haushaltsführung können nach § 9 Abs. 1 Nr. 5 EStG höchstens 1.000 Euro im Monat abgesetzt werden.

10-Prozent-Regel
Seit 2014 gilt: Mieter einer Zweitwohnung müssen zumindestens 10 Prozent der laufenden Kosten (Miete, Betriebskosten) am Hauptwohnsitz tatsächlich bezahlen. Ansonsten wird angenommen, dass dort nicht der Lebensmittelpunkt liegt. Wer also am Hauptwohnsitz nichts für seine Unterkunft bezahlt (weil er zum Beispiel dort im Haus seiner Eltern lebt) kann einen Zweitwohnsitz nicht steuerlich geltend machen.

Eigener Hausstand
Am Hauptwohnsitz muss ein eigener Hausstand unterhalten werden. Ein Zimmer im Haus der Eltern ist kein eigener Hausstand, eine Wohnung im Haus der Eltern schon.

Urteil: Privat veranlasster Umzug?
Der Bundesfinanzhof in München hat entschieden, dass auch bei einem privaten Wegzug von der bisherigen Hauptwohnung eine doppelte Haushaltsführung vorliegen kann. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn der Arbeitnehmer heiratet, in einer anderen Stadt seine Familie und seinen Hauptwohnsitz hat, aber während der Woche zum Arbeiten in seiner alten Wohnung lebt. Diese wird dadurch zum Zweitwohnsitz (Beschluss vom 8.10.2014, Az. VI R 7/13). Nach diesem Urteil beginnt die Dreimonatsfrist für die Verpflegungs-Mehraufwendungen im Moment der „Umwidmung“ der bisherigen Hauptwohnung in eine Zweitwohnung zu laufen.

Urteil: Tochter contra Zweitwohnung
Das Finanzgericht Münster entschied sich 2013 gegen die Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung, weil in der Wohnung am Arbeitsort auch noch die erwachsene, zum Unterhalt berechtigte Tochter der Mieter lebte. Die Kosten für die Zweitwohnung waren dem Gericht zufolge privat veranlasst (Az. 14 K 1196/10 E).

Zweitwohnungssteuer
Viele Gemeinden erheben auf Zweitwohnungen eine Zweitwohnungssteuer. Wird die Zweitwohnung aus beruflichen Gründen unterhalten, kann die Zweitwohnungssteuer jedoch wiederum im Rahmen der Werbungskosten selbst abgesetzt werden.