Energieausweis: Was nützt er Hauskäufern und Mietern?

13.07.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (198 mal gelesen)
Energieausweis: Was nützt er Hauskäufern und Mietern? © SZ-Designs - Fotolia.com
Der Energieausweis für Wohngebäude wird von vielen Immobilienkäufern und Mietern nicht ernst genommen. Er ist jedoch ein wichtiges Informationsmittel, das eine Einschätzung der künftig zu erwartenden Kosten der Immobilie erlaubt – und gerade im Energiebereich können auf den Eigentümer wie auf den Mieter große Dauerbelastungen zukommen.

Der Energieausweis – Hilfsmittel mit Schattendasein
Der Energieausweis für Wohngebäude wurde mit der Energieeinsparverordnung 2007 eingeführt. Diese zum Immobilienrecht zählende Verordnung wird alle paar Jahre angepasst, um eine immer bessere Wärmedämmung und effizientere Energieausnutzung bei Wohnhäusern zu erreichen. Der Sinn des Energieausweises ist es, die für den Energieverbrauch wichtigen Kerndaten eines Hauses kurz und knapp aufzulisten, damit sich Käufer und Mieter daran orientieren können. Der Gesetzgeber möchte so erreichen, dass sich immer mehr Interessenten für eine energieeffiziente Immobilie entscheiden – damit Vermieter und Immobilieneigentümer schon aus eigenem finanziellen Interesse ihre Häuser an moderne Energiestandards anpassen. Trotzdem nutzen viele Immobilieninteressenten dieses Informationsmittel nicht.

Wer muss den Energieausweis haben?
Seit 2014 ist jeder, der eine Wohnung oder ein Haus zum Kauf oder zur Miete anbietet, gesetzlich verpflichtet, einen Energieausweis für diese Immobilie zu haben und ihn Kauf- und Mietinteressenten spätestens bei der Besichtigung ungefragt vorzulegen. Bei Abschluss des Vertrages muss eine Kopie ausgehändigt werden. Auch für Nichtwohngebäude und Behördengebäude gibt es eine Energieausweis-Pflicht, aber mit besonderen Regelungen. Ausgenommen sind unter anderem Häuser, die unter Denkmalschutz stehen.

Wie lange gilt ein Energieausweis?
Der Ausweis behält zehn Jahre lang seine Gültigkeit. Außer natürlich, wenn am Gebäude maßgebliche Umbauten stattfinden, die Einfluss auf die Energieeffizienz haben. Dann muss er neu erstellt werden.

Welche Varianten des Ausweises gibt es?
Miet- und Kaufinteressenten sollten wissen, dass es zwei Varianten des Ausweises gibt: Den Energieausweis auf Verbrauchsbasis und den auf Bedarfsbasis. Der Verbrauchsausweis wird anhand der tatsächlichen Heizkostenabrechnung, also der Verbrauchswerte erstellt. Dies klingt zwar ganz realistisch, hat aber den Nachteil, dass die Werte vom Heizverhalten des vorherigen Bewohners abhängen. Hat derjenige ständig bei eingeschalteter Heizung bei offenem Fenster geschlafen, kommen hohe Verbrauchswerte heraus – egal wie gut die Dämmung ist. Die andere Variante ist der Ausweis auf Basis des Energiebedarfs. Dieser wird rechnerisch ermittelt, anhand der Gebäudedaten und der Wärmedurchgangswerte der einzelnen Bauteile. Hier muss zwangsläufig viel mit Durchschnittswerten gearbeitet werden. Trotzdem gilt der Bedarfsausweis als realistischer. Welcher Ausweis Pflicht ist, hängt vom Alter des Hauses und der Anzahl der Wohnungen ab.

Was sagen mir die Energieeffizienzklassen?
Die Energieeffizienzklasse des Gebäudes geht aus dem farbigen sogenannten Bandtacho hervor, der auf Seite 2 des Energieausweises zu finden ist. Es gibt Energieeffizienzklassen von A+ bis H, markiert durch grüne bis rote Farbe, wobei H die schlechteste Klasse ist.

Was sagen mir Primär- und Endenergiebedarf?
Zwei Pfeile am Bandtacho signalisieren, wo das Gebäude einzuordnen ist – sie geben die Werte für den Primärenergiebedarf und den Endenergiebedarf (bzw. – verbrauch) des Gebäudes an. Beim Primärenergiebedarf wird auch der Aufwand für die Bereitstellung der nötigen Heizenergie berücksichtigt – diese Zahl fällt niedriger aus, wenn am Haus erneuerbare Energieträger zum Einsatz kommen. Für künftige Bewohner ist der Endenergiebedarf interessanter – er zeigt die berechnete Energiemenge für Heizung, Lüftung und Warmwassererzeugung an, die übers Jahr gebraucht wird. Dieser Wert kann im Vergleich mit Energieausweisen anderer Häuser herangezogen werden, um die künftigen Energiekosten abzuschätzen.

Was sagen mir die Angaben über Baujahr und Energieträger?
Wer den verwendeten Energieträger kennt, kann sich an anderer Stelle – ohne Weiteres auch online – über die Preisentwicklung der letzten Jahre informieren. Das Baujahr ist eine wichtige Information – so weiß man, mit welchen technischen Standards zu rechnen ist und kann prüfen, ob gesetzliche Nachrüstpflichten eingehalten worden sind. So dürfen zum Beispiel über dreißig Jahre alte Heizkessel nach der Energieeinsparverordung oft nicht mehr betrieben werden (§ 10 Abs. 1 EnEV).

Fazit
Der Energieausweis kann ein wichtiges Hilfsmittel sein, um eine Entscheidung über Kauf oder Miete zu treffen. Natürlich haben viele Interessenten in Ballungsgebieten kaum eine Wahl – da muss mancher auch höhere Energiekosten in Kauf nehmen, um eine erschwingliche Wohnung zu bekommen. Jeder, der Immobilien inseriert, muss die Kerndaten aus dem Energieausweis schon in der Anzeige angeben – so können potentielle Kunden vergleichen.