Fehlerhafte Tattoos: Wann gibt es Schadensersatz?

25.10.2016, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (389 mal gelesen)
Fehlerhafte Tattoos: Wann gibt es Schadensersatz? © belyjmishka – Fotolia.com
Auch Tätowierer machen Fehler – und das ist dann für den Kunden oft besonders ärgerlich. Denn einmal Gestochenes ist nur schwer wieder zu entfernen, und andere Fehler führen zu schmerzhaften Dauerproblemen gesundheitlicher Art. In manchen Fällen können die Geschädigten Schadensersatz oder Schmerzensgeld verlangen.

Fall 1: Fehlerhafte Tätowierung: Nachbesserung muss gewährt werden
Im ersten Fall ging es um eine 17jährige aus München, die sich – ohne Wissen ihrer Eltern – hatte tätowieren lassen. Die Tätowierung war ein koptisches Kreuz auf der Innenseite ihres Handgelenks. Die erforderlichen 50 Euro hatte sie von ihrem Job in einer Eisdiele. Nach einer Woche kam sie zurück und wollte die Tätowierung per Laser entfernen lassen, da diese schief sei. Der Tätowierer glaubte ihr nicht: Er war der Ansicht, dass sie selbst versucht hatte, das Tattoo zu entfernen. Es war sehr ausgewaschen und die Haut hatte eine Art Kruste. Als schief sah er das Tattoo nicht an. Er verweigerte die Entfernung und bot eine Nachbesserung an. Die Kundin lehnte ab. Sie verlangte nun Schadensersatz: 50 Euro Kosten zurück, dazu 799 Euro für die Entfernung des Tattoos per Laser bei jemand anders. Als sie volljährig wurde, reichte sie Klage ein.

Das Urteil: Nachbessung ist erforderlich
Das Amtsgericht München stellte klar, dass ein Vertrag über eine Tätowierung ein normaler Werkvertrag nach dem Zivilrecht sei – geregelt in den § 631 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuches. Zunächst einmal sei dieser Vertrag trotz ihrer Minderjährigkeit auch ohne Zustimmung ihrer Eltern wirksam geschlossen worden, weil sie das Tattoo mit eigenem und mit Zustimmung der Eltern verdientem Geld bezahlt habe, über das sie frei verfügen konnte. Hier kam § 110 BGB, der sogenannte Taschengeldparagraph, zum Tragen. Die Voraussetzung für Ansprüche aufgrund einer mangelhaften Werkleistung sei jedoch, dass die Kundin dem Werkunternehmer zunächst Gelegenheit zur Nacherfüllung gebe. Erst wenn diese fehlschlage, ihr nicht zumutbar sei oder vom Tätowierer verweigert werde, könnten Ansprüche wegen mangelhafter Leistung geltend gemacht werden. Auch Schmerzensgeld komme nicht in Betracht: Sie habe in die Verletzung ihres Körpers durch das Tätowieren selbst eingewilligt. Da sie die erforderliche Einsichtsfähigkeit gehabt habe, sei diese Einwilligung trotz Minderjährigkeit wirksam (Urteil vom 17.3.2012, Az. 213 C 917/11).

Fall 2: Schadensersatz ohne Nachbesserung
Im zweiten Fall hatte sich eine Kundin auf dem rechten Schulterblatt eine farbige Blüte nebst Ranken stechen lassen. Allerdings brachte der Tätowierer die Farbe in zu tiefe Hautschichten ein. Das Ergebnis hatte wenig mit dem abgesprochenen Entwurf zu tun, es gab Farbverläufe, falsche Linienführungen und unregelmäßig dicke Linien. Die Kundin lehnte die angebotene Nachbesserung ab und klagte.

Das Urteil: Kundin darf Nachbesserung ablehnen
Das Oberlandesgericht Hamm erklärte, dass das Stechen eines Tattoos eine Körperverletzung sei, die nur durch die Einwilligung der Kundin gerechtfertigt wäre. Sie habe eine solche Einwilligung aber nur für ein dem Entwurf entsprechendes Tattoo erteilt, das hier nicht entstanden wäre. Schon deshalb habe sie Anspruch auf Schmerzensgeld; zugesprochen wurden ihr 750 Euro. Außerdem habe sie Anspruch auf Schadensersatz für zukünftig entstehende materielle und immaterielle Schäden (also: zum Beispiel für die Kosten der Laser-Entfernung des Tattoos, mögliche ärztliche Behandlungen, mögliches Schmerzensgeld für spätere Schmerzen). Sie müsse nicht zuerst eine Nachbesserung durch diesen Tätowierer erlauben, denn er habe so schwere Fehler gemacht (sowohl in technischer wie auch in künstlerischer Hinsicht) dass der Kundin eine Nachbesserung nicht zumutbar sei (Urteil vom 5.3.2014, Az. 12 U 151/13).

Fall 3: Schmerzhafte Hautveränderungen
Im dritten Fall hatte sich eine Kundin 2008 den rechten Unterschenkel tätowieren lassen. Es war ihre vierte Tätowierung. Nach sechs Monaten entzündete sich die Haut im Bereich rotvioletter Farbpigmente. Schließlich musste dort die Haut ärztlich entfernt werden. Die Kundin warf dem Tätowierer eine nicht ausreichende Risikoaufklärung vor, außerdem die Verwendung verunreinigter Farben sowie unhygienisches Arbeiten. Er habe nicht einmal die Chargennummer der verwendeten Farben nennen können. Sie forderte 6.000 Euro Schmerzensgeld und etwa 1.800 Euro Schadensersatz.

Das Urteil: Keine Ansprüche
Das Landgericht Coburg erklärte, dass ein Tätowierer keine Aufklärungspflicht wie ein Arzt habe. Die Tätowierung habe hier vor Inkrafttreten der sogenannten Tätowiermittelverordnung im Jahr 2009 stattgefunden; es habe zu diesem Zeitpunkt praktisch keine Regeln darüber gegeben, welche Farbstoffe verwendet werden dürften, und welche nicht. Der Tätowierer habe sich auf die Angaben der Hersteller verlassen dürfen. Verstöße gegen die Hygieneregeln seien ihm nicht nachzuweisen. Auch hätten sich diese dann auf alle Farben erstrecken müssen und nicht nur auf die rotviolett tätowierten Bereiche. In die Verletzung ihres Körpers habe sie eingewilligt – und zwar als erfahrene Tattoo-Kundin. Ansprüche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld habe sie daher nicht (Landgericht Coburg, Urteil vom 14.2.2012, Az. 11 O 567/10).