Tattoos und Piercings: Bei der Arbeit erlaubt?

22.08.2014, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (2273 mal gelesen)
Tattoos und Piercings: Bei der Arbeit erlaubt?
Tattoos und Piercings sind en vogue und längst gesellschaftsfähig. Doch nicht jeder Arbeitgeber ist bei seinen Mitarbeitern mit sichtbaren Tätowierungen oder etwa Schmuck an der Nase einverstanden. Darf ein Bewerber wegen Tattoos abgelehnt werden? Sind Regelungen im Arbeitsvertrag, die Tattoos und Piercings verbieten, wirksam?

Kleidung und Schmuck sind Privatsache!

Grundsätzlich kann ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern keine Kleidungs- oder Schmuckvorschriften machen. Es sei denn, aufgrund der Beschäftigung ist Berufskleidung zu tragen. Hat ein Arbeitnehmer allerdings Kunden- oder Außenkontakt ist er Repräsentant des Unternehmens und da können sichtbare Tattoos oder Piercings im korrekten Erscheinungsbild stören. In diesem Fall kann der Arbeitgeber vom Arbeitnehmer fordern, dass Piercing im Dienst zu entfernen oder das Tattoo während der Arbeitszeit zu verdecken. Das kann auch im Arbeitsvertrag geregelt werden.

Bei bestimmten Beschäftigungsverhältnissen- Tattoos verboten!

Ein Justizvollzugsbeamter muss seine Uniform so tragen, dass seine Unterarmtätowierungen nicht zu sehen sind. Dies urteilte das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen 2 A 10254/05.OVG ) mit folgender Begründung: Durch das Tragen einer Uniform solle ein einheitliches und neutrales Auftreten der Beamten erreicht werden. Mit diesem Zweck seien die großflächigen und deshalb besonders auffälligen Tätowierungen des Klägers trotz des Einstellungswandels der Bevölkerung zu Tätowierungen nicht vereinbar. Vielmehr ähnelten die Tätowierungen des Klägers denjenigen, die auch im Milieu von Strafgefangenen verbreitet seien. Deshalb bestehe die Möglichkeit eines Distanzverlustes zu den Strafgefangenen und damit einer Schwächung der Autorität des Beamten.

Tattoos kann Einstellung entgegenstehen!

Die Nichtzulassung einer Polizeidienstanwärterin zum Einstellungsverfahren wegen großflächiger Tätowierung am Unterarm war rechtmäßig, entschied aktuell der Hessische Verwaltungsgerichtshof (Aktenzeichen 1 B 1006/14). Es sei nicht zu beanstanden, dass die oberste Dienstbehörde unter Anwendung des Erlasses des Bundesministeriums des Innern vom 12. Mai 2006 („Erscheinungsbild der Polizeikräfte der Bundespolizei“) zu dem Ergebnis gelangt sei, die bei der Antragstellerin auf dem rechten Unterarm angebrachte großflächige Tätowierung überschreite ungeachtet ihrer verbalen Aussage den Rahmen der noch akzeptablen individuellen Auffälligkeit im äußeren Erscheinungsbild der uniformierten Bundespolizei.