Ferienjobs: Wenn Schüler Geld verdienen wollen

27.07.2018, Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 5 Min. (305 mal gelesen)
Ferienjobs: Wenn Schüler Geld verdienen wollen © Bu - Anwalt-Suchservice

In den Ferien möchten viele Schüler mit einem Ferienjob Geld verdienen. Dabei sind allerdings einige rechtliche Regeln zu beachten. Wie viele Stunden Schüler überhaupt arbeiten dürfen, ist gesetzlich geregelt.

Ferienjobs sind gerade in den Sommerferien beliebt. Mit ihnen können Schüler ihr Budget aufbessern und sich Wünsche erfüllen. Nicht zuletzt sammelt man so auch Erfahrungen für das spätere Berufsleben. Allerdings schützen gesetzliche Regelungen Kinder und Jugendliche auch vor Überarbeitung. Denn immerhin kann man ihnen nicht so viel zumuten, wie volljährigen Arbeitnehmern. Einschränkungen für Kinder und für Jugendliche ergeben sich aus dem Jugend-Arbeitsschutzgesetz.

Von welchem Alter an darf man jobben?


An sich ist Kinderarbeit verboten. Aber: Mit Zustimmung der Eltern dürfen Kinder ab dem vollendeten 13. Lebensjahr jobben, wenn sie dabei nur einfache, altersgerechte Tätigkeiten durchführen. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Tätigkeit nicht dem Schulbesuch schaden oder ihre Konzentrationsfähigkeit in der Schule beeinträchtigen darf. Auch ihre Gesundheit darf nicht leiden. Der Umgang mit gefährlichen Stoffen zum Beispiel ist tabu. Auch eine ungesunde Körperhaltung oder das Tragen schwerer Lasten sind nicht erlaubt. Typische zulässige Tätigkeiten sind Babysitten oder Zeitung austragen.
Jugendliche ab 15 Jahren dürfen zwar ganztags arbeiten, dies jedoch nur vier Wochen im Jahr während der Schulferien.

Welche Einschränkungen gibt es hinsichtlich der Arbeitszeit?


Bei 13- und 14jährigen Jobbern ist die tägliche Arbeitszeit auf zwei Stunden begrenzt, in landwirtschaftlichen Familienbetrieben sind maximal drei Stunden am Tag erlaubt. Die Arbeitszeit muss dabei zwischen 8 Uhr und 18 Uhr liegen. Untersagt ist es, vor dem Schulunterricht und während der Unterrichtszeiten zu arbeiten.

Jugendliche, die mindestens 15 Jahre alt sind, dürfen acht Stunden am Tag und 40 Stunden in der Woche arbeiten. In der Landwirtschaft während der Erntezeit ist für jugendliche über 16 eine Beschäftigung von neun Stunden täglich erlaubt, wenn es in zwei Wochen nicht mehr als 85 Stunden werden.

Welche Ruhepausen sind einzuhalten?


Das Jugendarbeitsschutzgesetz schreibt für Jugendliche ab 15 Jahren feste Ruhepausen vor:
- bei einer Arbeitszeit von viereinhalb bis sechs Stunden mindestens 30 Minuten Pause,
- bei einer Arbeitszeit über sechs Stunden mindestens 60 Minuten Pause,

Als Ruhepause zählt dabei jede Unterbrechung der Arbeit von mindestens 15 Minuten.

Diese Pausen müssen auch in angemessener zeitlicher Lage gewährt werden. Das bedeutet: Die Pause darf frühestens eine Stunde nach Arbeitsbeginn und spätestens eine Stunde vor Arbeitsende liegen.
Spätestens nach viereinhalb Stunden Arbeit muss es eine Pause geben.

Das Gesetz stellt auch klar, dass die Ruhepausen normalerweise nicht in den Arbeitsräumen stattzufinden haben. Ausnahme: Dort ruht während der Pause die gesamte Arbeit und es ist eine ausreichende Erholung möglich.

Schichtarbeit, Freizeit und Nachtruhe


Bei Schichtarbeit sind die Schichtzeiten für Jugendliche auf maximal zehn Stunden beschränkt. Im Bergbau unter Tage sind es maximal acht Stunden, im Gaststättengewerbe, in der Landwirtschaft, in der Tierhaltung, auf Bau- und Montagestellen elf Stunden.

Unabhängig von Schichtarbeit oder normaler Arbeit müssen Jugendliche zwischen den einzelnen Arbeitseinsätzen mindestens 12 Stunden Freizeit haben.

Grundsätzlich dürfen Jugendliche nur in der Zeit zwischen sechs Uhr und 20 Uhr beschäftigt werden. Es gibt allerdings eine Reihe von Ausnahmen. Zum Beispiel: Wer in einer Gaststätte kellnert oder im Schaustellergewerbe aushilft, darf bis 22 Uhr arbeiten, wer in einer Bäckerei jobbt, darf morgens schon um fünf Uhr anfangen, ab 17 Jahren sogar schon ab vier Uhr.

Dürfen Jugendliche am Wochenende arbeiten?


Grundsätzlich gilt: Jugendliche haben immer eine Fünf-Tage-Woche. Die beiden freien Tage sollen aufeinander folgen. Jugendliche dürfen an Samstagen und Sonntagen nicht beschäftigt werden. Aber auch hier gibt es wieder eine Reihe von Ausnahmen, etwa Tätigkeiten im Krankenhaus- und Pflegebereich, in Kinderheimen, Bäckereien, Friseursalons, Gaststätten, der Landwirtschaft, beim Sport, im ärztlichen Notdienst und in Kfz-Werkstätten.
Allerdings müssen auch in diesen Ausnahme-Branchen mindestens zwei Samstage bzw. Sonntage im Monat frei bleiben!
Bei Beschäftigung am Samstag oder Sonntag muss dann ein anderer Tag in der Woche frei bleiben.

Welche gefährlichen Arbeiten dürfen Jugendliche nicht ausführen?


§ 22 des Jugendarbeitsschutzgesetzes soll Jugendliche vor allzu gefährlichen Arbeiten schützen.
Verboten sind zum Beispiel Arbeiten, durch die ihre physische und psychische Belastungsgrenze überschritten wird. Auch Tätigkeiten, bei denen sie „sittlichen Gefahren“ ausgesetzt sind, sind tabu.

Darüber hinaus sind verboten:
- besonders unfallgefährliche Arbeiten,
- Arbeiten mit außergewöhnlicher Hitze, Kälte oder Nässe,
- Arbeiten, bei denen sie besonderem Lärm, Erschütterungen oder Strahlen ausgesetzt sind,
- bei denen sie mit Gefahrstoffen aus der Gefahrstoffverordnung in Berührung kommen,
- oder bei denen sie mit biologischen Arbeitsstoffen nach der Biostoffverordnung in Berührung kommen.

Bei den letzten Punkten gibt es allerdings Ausnahmen, wenn die Arbeiten mit der Berufsausbildung zu tun haben und fachmännisch beaufsichtigt werden, was jedoch bei Ferienjobs eher nicht zutreffen dürfte.

Sind Ferienjobber unfallversichert?


Schüler, die in den Ferien arbeiten, sind gesetzlich unfallversichert. Hier gelten die herkömmlichen Regelungen; die Unfallversicherung umfasst auch den direkten Arbeitsweg und betriebliche Veranstaltungen.

Was muss man zu Steuern und Sozialversicherung wissen?


Ferienjobs stellen oft eine sogenannte kurzfristige Beschäftigung dar. Dann sind sie sozialversicherungsfrei. Voraussetzung: Der Jobber arbeitet nicht länger als drei Monate eines Kalenderjahres und insgesamt nicht mehr als 70 Tage. Dabei kommt es nicht auf die Höhe des Einkommens an.
Allerdings muss der Arbeitgeber den Ferienjobber bei der Minijob-Zentrale anmelden. Das Modell „kurzfristige Beschäftigung“ ist allerdings befristet und existiert zunächst bis Ende 2018.

Grundsätzlich ist auch der Arbeitslohn von ferienjobbenden Schülern lohnsteuerpflichtig. Allerdings fällt meist keine Lohnsteuer an. Der Grund: Schüler gehören meist der Lohnsteuerklasse I an. Hier gibt es einen Freibetrag von 9.000 Euro im Jahr. Das heißt: Lohnsteuer wird erst bei über 750 Euro Verdienst im Monat fällig. Allerdings gibt es auch hier Rückerstattungsmöglichkeiten. Wer als Ferienjobber Lohnsteuer gezahlt hat, sollte also eine Steuererklärung abgeben.

Eine andere Variante ist der 450-Euro-Job, also die geringfügige Beschäftigung. Der Arbeitgeber führt dann pauschale Abgaben ab.

Überschreitet der Arbeitslohn den Betrag von 450 Euro im Monat und handelt es sich nicht um eine kurzfristige Beschäftigung, wird die Tätigkeit ganz normal sozialversicherungspflichtig.

Übrigens: Anspruch auf den Mindestlohn besteht erst ab Volljährigkeit.

Was muss ich zur Krankenversicherung wissen?


Schüler sind meist in der Familienversicherung mitversichert. Hier gibt es aber Einkommensgrenzen: Wer regelmäßig mehr als 435 Euro im Monat verdient, muss sich selbst versichern. Ansprüche aus der Familienversicherung bestehen nicht mehr. Allerdings handelt es sich bei einem Vier-Wochen-Job in den Sommerferien nicht um eine „regelmäßige“ Beschäftigung.

Wird der Ferienjob auf das Kindergeld angerechnet?


Das Kindergeld ist nur bei Jobbern in Gefahr, die ihre erste Berufsausbildung schon abgeschlossen haben, nicht aber bei Schülern.

Praxistipp


Kommt es zum Streit mit dem Arbeitgeber oder mit Behörden, stellen sich schnell viele rechtliche Fragen. Beim Thema Ferienjob ist ein Fachanwalt für Arbeitsrecht im Ernstfall der richtige Ansprechpartner.

(Bu)



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