Ferienjobs: Wenn Schüler Geld verdienen wollen

21.06.2019, Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 5 Min. (451 mal gelesen)
Ferienjobs: Wenn Schüler Geld verdienen wollen © Bu - Anwalt-Suchservice

Viele Schüler möchten in den Ferien Geld verdienen. Dabei sind allerdings einige gesetzliche Regeln zu beachten. So ist zum Beispiel vorgeschrieben, wie viele Stunden Schüler arbeiten dürfen.

Ferienjobs sind besonders in den Sommerferien beliebt. Schüler können mit ihrer Hilfe ihr Budget aufbessern und sich ein paar Wünsche erfüllen. Dazu kommt: Man sammelt auf diese Weise auch Erfahrungen für das spätere Berufsleben. Der Gesetzgeber möchte allerdings Kinder und Jugendliche durch gesetzliche Regeln auch vor Überarbeitung schützen. Immerhin ist ihnen nicht so viel zuzumuten, wie volljährigen Arbeitnehmern. Das Jugend-Arbeitsschutzgesetz enthält verschiedene Einschränkungen für Kinder und für Jugendliche.

Von welchem Alter an darf man jobben?


Eigentlich ist Kinderarbeit ja verboten. Aber: Stimmen die Eltern zu, dürfen Kinder ab dem vollendeten 13. Lebensjahr jobben. Sie dürfen dabei allerdings nur einfache, altersgerechte Tätigkeiten durchführen.
Der Job darf nicht dem Schulbesuch schaden oder ihre Konzentrationsfähigkeit in der Schule beeinträchtigen. Natürlich darf auch die Gesundheit der Jung-Arbeitnehmer nicht leiden. Absolut tabu ist daher der Umgang mit gefährlichen Stoffen. Aber auch eine ungesunde Körperhaltung oder das Tragen schwerer Lasten sind unzulässig. Beispiele für typische zulässige Tätigkeiten sind das Babysitten oder Zeitung austragen.
Jugendliche ab 15 Jahren haben zwar die Möglichkeit, ganztags zu arbeiten. Dies ist jedoch nur insgesamt vier Wochen im Jahr während der Schulferien erlaubt.

Welche Einschränkungen bestehen hinsichtlich der Arbeitszeit?


13- und 14-jährige Jobber müssen sich auf täglich zwei Stunden Arbeit beschränken, in landwirtschaftlichen Familienbetrieben sind maximal drei Stunden am Tag zulässig. Dabei muss die Arbeitszeit zwischen 8 Uhr und 18 Uhr liegen. Verboten ist es, vor dem Schulunterricht und während der Unterrichtszeiten zu arbeiten.

Weit mehr Arbeit ist Jugendlichen erlaubt, die mindestens 15 Jahre alt sind. Sie dürfen acht Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich arbeiten. In der Landwirtschaft ist während der Erntezeit für Jugendliche über 16 eine Beschäftigung von neun Stunden täglich gestattet. Es dürfen jedoch in zwei Wochen nicht mehr als 85 Stunden werden.

Welche Ruhepausen sind zu beachten?


Für Jugendliche ab 15 Jahren schreibt das Jugendarbeitsschutzgesetz folgende festen Ruhepausen vor:
- bei einer Arbeitszeit von viereinhalb bis sechs Stunden mindestens 30 Minuten Pause,
- bei einer Arbeitszeit über sechs Stunden mindestens 60 Minuten Pause.

Als Ruhepause gilt jede Unterbrechung der Arbeit von mindestens 15 Minuten.

Der Arbeitgeber muss den Jugendlichen diese Pausen in angemessener zeitlicher Lage gewähren. Das heißt: Die Pause darf frühestens eine Stunde nach Arbeitsbeginn und spätestens eine Stunde vor Arbeitsende stattfinden. Spätestens nach viereinhalb Stunden Arbeit ist eine Pause fällig.

Laut Gesetz dürfen die Ruhepausen außerdem im Normalfall nicht in den Arbeitsräumen stattfinden. Eine Ausnahme gibt es allerdings: In den Arbeitsräumen ruht während der Pause die komplette Arbeit und es ist eine ausreichende Erholung möglich.

Was gilt für Schichtarbeit, Freizeit und Nachtruhe?


Für Jugendliche gibt es darüber hinaus auch Begrenzungen bei der Schichtarbeit. Die Schichtzeiten sind auf höchstens zehn Stunden beschränkt, im Bergbau unter Tage auf maximal acht Stunden, im Gaststättengewerbe, in der Landwirtschaft, in der Tierhaltung sowie auf Bau- und Montagestellen auf elf Stunden.

Jugendliche müssen zwischen den einzelnen Arbeitseinsätzen mindestens 12 Stunden Freizeit haben. Dies gilt unabhängig von Schichtarbeit oder normaler Arbeit.
Grundsätzlich dürfen sie nur in der Zeit zwischen sechs Uhr und 20 Uhr arbeiten. Dabei gibt es jedoch eine Reihe von Ausnahmen. Zum Beispiel: Jugendliche, die in einer Gaststätte kellnern oder im Schaustellergewerbe aushelfen, dürfen bis 22 Uhr arbeiten. Jobben sie in einer Bäckerei, dürfen sie morgens schon um fünf Uhr anfangen, ab 17 Jahren sogar schon um vier Uhr.

Wie sieht es mit Wochenendarbeit aus?


Grundsätzlich haben Jugendliche immer eine Fünf-Tage-Woche. Die zwei freien Tage sollen aufeinander folgen. An Samstagen und Sonntagen dürfen sie nicht beschäftigt werden. Es gibt jedoch auch hier wieder Ausnahmen, etwa Tätigkeiten im Krankenhaus- und Pflegebereich, in Kinderheimen, Bäckereien, Friseursalons, Gaststätten, der Landwirtschaft, beim Sport, im ärztlichen Notdienst und in Kfz-Werkstätten.
Auch in den Ausnahme-Branchen müssen jedoch mindestens zwei Samstage bzw. Sonntage im Monat frei bleiben!
Werden Jugendliche samstags oder sonntags beschäftigt, muss für diese Tage ein anderer Tag in der Woche frei bleiben.

Welche gefährlichen Arbeiten dürfen Jugendliche nicht ausführen?


§ 22 des Jugendarbeitsschutzgesetzes bezweckt, Jugendliche vor zu gefährlichen Arbeiten zu schützen.
Deshalb sind zum Beispiel Arbeiten untersagt, durch die ihre physische und psychische Belastungsgrenze überschritten wird. Tabu sind ferner Tätigkeiten, bei denen sie „sittlichen Gefahren“ ausgesetzt sind.

Verboten sind außerdem:
- besonders unfallgefährliche Arbeiten,
- Arbeiten mit außergewöhnlicher Hitze, Kälte oder Nässe,
- Arbeiten mit besonderem Lärm, Erschütterungen oder Strahlenbelastung,
- Arbeiten, bei denen sie mit Gefahrstoffen aus der Gefahrstoffverordnung in Berührung kommen,
- oder bei denen sie mit biologischen Arbeitsstoffen nach der Biostoffverordnung in Berührung kommen.

Bei den letzten Punkten gibt es wiederum Ausnahmen, wenn die Arbeiten mit der Berufsausbildung zusammenhängen und fachmännisch beaufsichtigt werden. Bei Ferienjobs dürfte dies eher nicht der Fall sein.

Sind Ferienjobber unfallversichert?


Wer als Schüler in den Ferien arbeitet, ist gesetzlich unfallversichert. Hier kommen die herkömmlichen Regelungen zur Anwendung. Die Unfallversicherung gilt auch für den direkten Arbeitsweg und betriebliche Veranstaltungen.

Was muss man zu Steuern und Sozialversicherung wissen?


Oft stellen Ferienjobs eine sogenannte kurzfristige Beschäftigung dar. In diesem Fall sind sie sozialversicherungsfrei. Die Voraussetzung ist, dass der Jobber nicht länger als drei Monate eines Kalenderjahres und insgesamt nicht mehr als 70 Tage arbeitet. Dabei kommt es nicht auf die Höhe des Einkommens an. Die Beschäftigung darf nicht auf Wiederholung und Regelmäßigkeit ausgelegt sein – auch über mehrere Jahre hinweg. Der Chef muss den Ferienjobber bei der Minijob-Zentrale anmelden.

Der Arbeitslohn von ferienjobbenden Schülern ist grundsätzlich lohnsteuerpflichtig. Trotzdem fällt meist keine Lohnsteuer an. Der Grund: Schüler sind meist in Lohnsteuerklasse I. Hier gilt ein Freibetrag von 9.000 Euro im Jahr. Das bedeutet: Lohnsteuer ist erst bei über 750 Euro Verdienst im Monat zu zahlen. Allerdings gibt es auch Rückerstattungsmöglichkeiten. Wer als Ferienjobber Lohnsteuer gezahlt hat, sollte daher eine Steuererklärung abgeben.

Bei einem 450-Euro-Job, also einer geringfügigen Beschäftigung, führt der Arbeitgeber pauschale Abgaben für den Beschäftigten ab.
Wenn der Arbeitslohn 450 Euro im Monat überschreitet und es sich nicht um eine kurzfristige Beschäftigung handelt, wird die Tätigkeit ganz normal sozialversicherungspflichtig.

Wer bekommt den Mindestlohn?


Unter 18-jährige, die noch keine abgeschlossene Berufsausbildung haben, sind keine Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer im Sinne des Mindestlohngesetzes. Sie haben daher keinen Anspruch auf den Mindestlohn. Auch Schüler, die ein Schulpraktikum machen, sind vom Mindestlohn ausgeschlossen (§ 22 Mindestlohngesetz).
Abgesehen davon gilt der gesetzliche Mindestlohn für Schüler, die das 18. Lebensjahr vollendet haben.

Was muss ich zur Krankenversicherung wissen?


Meist sind Schüler in der Familienversicherung mitversichert. Allerdings gibt es dabei Einkommensgrenzen: Verdient ein Schüler regelmäßig mehr als 445 Euro (2019) im Monat, muss er sich selbst versichern. Ein Vier-Wochen-Job in den Sommerferien zählt jedoch nicht als „regelmäßige“ Beschäftigung. Bei geringfügigen Beschäftigungen liegt die Grenze bei 450 Euro im Monat.
Bei Überschreitung der Grenze bestehen keine Ansprüche aus der Familienversicherung mehr.

Wird der Ferienjob auf das Kindergeld angerechnet?


Das Kindergeld wird allenfalls bei Jobbern angerechnet, die ihre erste Berufsausbildung schon abgeschlossen haben, jedoch nicht bei Schülern.

Praxistipp


Kommt es zum Streit mit dem Arbeitgeber oder mit Behörden, kommen sehr schnell komplizierte rechtliche Fragen auf. Bei Problemen im Bereich Ferienjob ist ein Fachanwalt für Arbeitsrecht der richtige Ansprechpartner.

(Bu)



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