Minijobs – was ist das?

25.07.2018, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 5 Min. (853 mal gelesen)
Minijobs – was ist das? © Rh - Anwalt-Suchservice

Minijobs sind beliebt und viele Menschen sind auf sie angewiesen. Über sieben Millionen Minijobber gibt es in Deutschland. Worauf Sie bei einem Minijob achten sollten, erfahren Sie hier.

Als Minijobs bezeichnet man geringfügige oder auch kurzfristige Beschäftigungen, für die besondere Regeln hinsichtlich Sozialversicherungspflicht und Lohnsteuer gelten. Man unterscheidet 450-Euro-Minijobs und kurzfristige Minijobs. Für beide gelten etwas unterschiedliche Regeln.

Was ist ein 450-Euro-Job?


Damit sind Jobs gemeint, bei denen das Arbeitsentgelt durchschnittlich nicht mehr als 450 Euro im Monat beträgt. Für die Berechnung wird der erzielte Gesamtbetrag einschließlich Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld durch die Anzahl der gearbeiteten Monate (maximal 12) geteilt. Bei 450-Euro-Jobs tragen die Arbeitgeber einen großen Teil der Abgaben, wie etwa pauschale Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung, zur gesetzlichen Unfallversicherung und Lohnsteuer.
450-Euro-Minijobber müssen nur die Rentenversicherung bezahlen, aber keine anderen Sozialversicherungen. Von der Rentenversicherungspflicht können sie sich befreien lassen, erwerben dann jedoch auch keine Rentenansprüche.

450-Euro-Job als Nebenjob und mehrere 450-Euro-Jobs gleichzeitig
Als Arbeitnehmer können Sie neben Ihrer sozialversicherungspflichtigen Hauptarbeit einen Minijob ausüben. Dieser bleibt sozialversicherungsfrei.
Aber: Jeder weitere Minijob wird mit der Haupttätigkeit zusammengerechnet; dann entsteht durch Überschreitung der Einkommensgrenzen schnell die Steuer- und Sozialversicherungspflicht.
Mancher hat gar keinen Hauptjob, sondern übt mehrere 450-Euro-Minijobs nebeneinander aus. Übersteigt der Verdienst insgesamt 450 Euro, gilt für alle Jobs zusammen die Sozialversicherungs- und Lohnsteuerpflicht.

Haben Minijobber Anspruch auf Urlaub?


Auch Minijobber haben Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Dieser beträgt nach dem Bundesurlaubsgesetz mindestens 24 Werktage bei einer Sechs-Tage-Woche. Das Gesetz geht also davon aus, dass am Samstag gearbeitet wird. Wird weniger Tage in der Woche gearbeitet, ändert sich der Urlaubsanspruch: Hat ein Arbeitnehmer eine Fünf-Tage-Woche, bekommt er mindestens 20 Tage Urlaub im Jahr. Arbeitet er nur an zwei Tagen in der Woche, sind es acht Tage Urlaub im Jahr. Wie viele Stunden der Minijobber pro Tag arbeitet, ist dabei nicht relevant.

Haben Minijobber Kündigungsschutz?


Minijobber haben den gleichen Kündigungsschutz wie andere Arbeitnehmer. Die Regelungen des Kündigungsschutzgesetzes gelten allerdings nur für Betriebe mit mehr als zehn Mitarbeitern und für Mitarbeiter, die länger als sechs Monate im Betrieb beschäftigt sind. Das Kündigungsschutzgesetz schreibt unter anderem vor, das der Arbeitgeber für eine Kündigung einen der dort beschriebenen gesetzlich zulässigen Gründe braucht.
Auch die Kündigungsfristen unterscheiden sich nicht von denen bei anderen Arbeitsverhältnissen. Diese sind im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt. Die allgemeine gesetzliche Kündigungsfrist beträgt vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Ende eines Kalendermonats für beide Seiten. Für die ersten drei Monate kann der Chef mit einer vorübergehend beschäftigten Aushilfe im Arbeitsvertrag eine kürzere Frist vereinbaren (§ 622 Abs. 5 BGB).
Nach zwei Jahren Beschäftigungsdauer verlängern sich die Kündigungsfristen für den Arbeitgeber von einem bis zu sieben Monaten je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit. In Tarifverträgen können abweichende Kündigungsfristen vereinbart werden. Innerhalb der sechsmonatigen Probezeit beträgt die Kündigungsfrist zwei Wochen.

Bekommen Minijobber Urlaubs- und Weihnachtsgeld?


Wenn solche Zahlungen im Betrieb seit Jahren üblich oder im Tarifvertrag vereinbart sind, haben auch Minijobber einen anteiligen Anspruch darauf. Wichtig ist es allerdings, darauf zu achten, dass durch die zusätzliche Zahlung nicht die Verdienstgrenze für das Jahr überschritten wird. Denn dann wird der ganze Job plötzlich sozialversicherungspflichtig und das Weihnachtsgeld wird zum Bumerang.

Wie funktioniert die Rentenversicherung bei 450-Euro-Jobs?


Für 450-Euro-Jobs gilt seit Januar 2013 eine eingeschränkte Rentenversicherungspflicht. Der Arbeitgeber zahlt einen pauschalen Beitrag von 15 Prozent bei gewerblichen Minijobs und fünf Prozent bei Minijobs in Privathaushalten. Der Arbeitnehmer trägt einen Eigenanteil von 3,6 Prozent bei gewerblichen und 13,6 Prozent bei Minijobs in Privathaushalten. Der Arbeitnehmer kann sich durch Antrag an den Arbeitgeber von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen.

Wie viel Lohnsteuer fällt bei 450-Euro-Jobs an?


Der Arbeitslohn von Minijobbern ist zu versteuern. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: Pauschale Besteuerung oder Besteuerung nach den beim Finanzamt hinterlegten persönlichen Besteuerungsmerkmalen (z.B. Lohnsteuerklasse). Die Wahl trifft der Arbeitgeber. Wird die pauschale Besteuerung gewählt, muss der Arbeitgeber 2 % pauschale Lohnsteuer an die Minijob-Zentrale abführen. In der Regel ist er auch Steuerschuldner. Diese Pflicht kann allerdings per Arbeitsvertrag auf den Arbeitnehmer übertragen werden. Dann wird die Steuerpauschale von 2 % von dessen Lohn einbehalten und durch den Arbeitgeber abgeführt. In der Steuererklärung des Arbeitnehmers ist der Minijob-Lohn nicht weiter zu berücksichtigen.

Anders ist es, wenn die Besteuerung nicht pauschal, sondern individuell erfolgt: Dann müssen Angaben in der Steuererklärung gemacht werden. Wälzt der Arbeitgeber die Steuerpflicht auf den Arbeitnehmer ab, kann es für diesen lohnend sein, eine Besteuerung nach den individuellen Besteuerungsmerkmalen zu wählen. Als ungünstig kann sich die individuelle Besteuerung erweisen, wenn weitere Einnahmen außer dem Minijob zu versteuern sind. Wichtig ist dies z.B. bei zusammen veranlagten Ehepaaren.

Ausnahme: 20 %-Regelung


Eine pauschale Besteuerung mit 20 % findet statt, wenn der Arbeitgeber den 15 %-Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung nicht zu entrichten braucht. Dies kommt zum Beispiel vor, wenn ein Minijob wegen Zusammenrechnung mit einer hauptberuflichen Beschäftigung sozialversicherungspflichtig wird. Solche Minijobs muss der Arbeitgeber bei der Krankenkasse anmelden.

Welche Auswirkungen hat der Mindestlohn?


Auch Minijobber bekommen den Mindestlohn. Seit 1.1.2017 beträgt dieser – mit Ausnahmen für bestimmte Branchen – 8,84 Euro brutto pro Stunde. Ab 2019 stehen Änderungen an. Für Arbeitgeber bedeutet der Mindestlohn: Sie müssen die Stundenzahl des Minijobbers anpassen. Denn sonst führt die Erhöhung des Stundenlohns zum Überschreiten der Grenze, und es besteht Sozialversicherungspflicht. Minijobber dürfen pro Monat höchstens 50,90 Stunden arbeiten (8,84 Euro x 50,90 = 449,96 Euro).

Welche Regeln gelten für die Kurzfristige Beschäftigung?


Auch kurzfristige Beschäftigungen werden oft als Minijobs bezeichnet. Für sie gelten jedoch etwas andere Regeln als für 450-Euro-Jobs.
Kurzfristig sind Tätigkeiten, die unabhängig vom Verdienst von vornherein auf nicht mehr als drei Monate oder insgesamt 70 Arbeitstage im Kalenderjahr begrenzt sind. Dies umfasst also auch unregelmäßige Tätigkeiten. Als geringfügige Beschäftigung zählt so ein Job, wenn die Bezahlung unter der 450-Euro-Grenze bleibt oder der Job nicht berufsmäßig ausgeübt wird. Berufsmäßig bedeutet: Als Haupttätigkeit, mit der man seinen Lebensunterhalt verdient. Ab 1. Januar 2019 ändern sich die Zeitgrenzen: Dann sind es zwei Monate bzw. 50 Arbeitstage.

Mehrere kurzfristige Minijobs


Will man wissen, ob die Zeiträume für eine kurzfristige Beschäftigung noch eingehalten sind, muss man mehrere nacheinander ausgeübte kurzfristige Beschäftigungen zusammenrechnen. Ist der Minijobber in einem Job regelmäßig fünf oder mehr Tage in der Woche aktiv und im nächsten weniger als fünf Tage, darf er pro Jahr insgesamt nicht mehr als 70 Arbeitstage erreichen. Ist er in allen Jobs mindestens an fünf Tagen in der Woche tätig, darf er höchstens drei Monate pro Jahr arbeiten.

Lohnsteuer bei kurzfristigen Beschäftigungen


Kurzfristige Beschäftigungen unterliegen immer der Lohnsteuer. Diese kann individuell nach den eigenen Besteuerungsmerkmalen oder pauschal mit 25 Prozent (plus Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag) entrichtet werden. Die Pauschalbesteuerung ist an einige Voraussetzungen geknüpft (z.B.: keine regelmäßig wiederkehrende Tätigkeit beim gleichen Arbeitgeber, Beschäftigungsdauer überschreitet nicht 18 zusammenhängende Arbeitstage).

Sozialversicherung bei kurzfristigen Beschäftigungen


Kurzfristige Beschäftigungen sind sozialversicherungsfrei. Sie können auch neben und zusätzlich zu einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit ausgeübt werden, ohne dass für die kurzfristige Beschäftigung eine Versicherungspflicht entsteht. Der Arbeitgeber muss allerdings in die Unfallversicherung einzahlen und bestimmte Umlagen abführen, etwa die Insolvenzgeldumlage.

Praxistipp


Viele Infos zu Minijobs finden Sie online bei der Minijob-Zentrale. Dort gibt es auch eine Haushaltsjob-Börse. Im Falle von Rechtsstreitigkeiten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist ein Fachanwalt für Arbeitsrecht der beste Ansprechpartner.

(Wk)



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