Hochwasser: Für welche Schäden zahlt die Versicherung?

12.01.2018, Redaktion Anwalt-Suchservice (96 mal gelesen)
Hochwasser: Für welche Schäden zahlt die Versicherung? © Rh - Anwalt-Suchservice

Jedes Jahr entstehen durch Überschwemmungen und Hochwasser Millionenschäden für private Haushalte. Für viele kommt danach das böse Erwachen, denn sie sind nicht ausreichend versichert.

Alljährlich kommt es durch Dauerregen oder Schneeschmelze zu Überschwemmungen. Von einem Hochwasser spricht man, wenn der Pegelstand eines Gewässers deutlich über dem Mittelmaß liegt. Das Wasserhaushaltsgesetz spricht dabei von der zeitlich begrenzten Überschwemmung von Flächen, die sonst trocken sind. Oft entstehen durch Hochwasser ganz erhebliche Schäden an Immobilien und Autos. Auch Orte abseits von Gewässern können betroffen sein.

Hochwasserschäden am Auto: Welche Versicherung zahlt?


Die Haftpflichtversicherung zahlt bei einem Hochwasserschaden nicht, da sie nur Schäden abdeckt, die der Versicherte mit seinem Auto bei Dritten verursacht. Wird das parkende Auto von einer Überschwemmung erfasst, zahlt die Teilkaskoversicherung. Eine Vollkaskoversicherung schließt die Teilkasko mit ein. Bei der Teilkasko muss man beachten, dass die meisten Verträge eine Selbstbeteiligung des Kunden beinhalten. Wird das Auto nur soweit beschädigt, dass es noch sinnvoll zu reparieren ist, zahlt die Versicherung die Reparaturkosten. Natürlich ist ein vom Hochwasser überschwemmtes Auto oft nicht mehr zu retten, denn Schlamm und Schmutzwasser dringen überall hin vor. Bei einem Totalschaden zahlt die Teilkaskoversicherung in der Regel den Wiederbeschaffungswert. Dieser wird von einem Gutachter festgelegt und berücksichtigt Alter, Laufleistung und Ausstattung des Fahrzeugs. Bei einigen Versicherern kann in besonderen Tarifen allerdings auch der Neupreis versichert werden; dies lohnt sich natürlich meist nur bei hochpreisigen Neuwagen. Nicht versichert sind im Fahrzeug liegende lose Gegenstände.

Ändert sich mein Schadensfreiheitsrabatt?


In der Teilkaskoversicherung ändert sich nichts.

Was gilt, wenn ich mein Auto versehentlich in einer Gefahrenzone geparkt habe?


Bei grober Fahrlässigkeit kann die Teilkaskoversicherung ihre Leistungen in Abhängigkeit von Ihrem Verschulden verringern. Ob grobe Fahrlässigkeit vorliegt, hängt vom Einzelfall ab. Diese Gefahr besteht, wenn es ganz offensichtlich war, dass das betreffende Gebiet demnächst überschwemmt werden wird, wenn es sich zum Beispiel um eine bekannte Überschwemmungszone gehandelt hat oder es behördliche Warnungen für dieses Gebiet gab. Kommt die Versicherung zu dem Ergebnis, dass Sie Ihr Auto absichtlich in die Gefahrenzone gestellt haben, erhalten Sie natürlich nichts, denn Schäden durch Vorsatz sind nie versichert.

Was gilt, wenn ich in eine Überschwemmung hineingefahren bin?


Dann wurde der Schaden nicht durch das Wetter verursacht, sondern durch den Betrieb des Fahrzeugs. Hier hilft grundsätzlich nur noch die Vollkaskoversicherung, die Teilkasko zahlt nicht. Und die Vollkaskoversicherung kann in solchen Fällen ihre Zahlung einschränken, da es hier relativ wahrscheinlich ist, dass der Fahrer sich grob fahrlässig verhalten hat. Schließlich hat er seine Fahrweise dem Wetter anzupassen, und wer sehenden Auges in eine Überschwemmung fährt, kann sich nicht darauf berufen, dass dies für ihn überraschend kam.
Hier soll allerdings nicht verschwiegen werden, dass manche Gerichte dies durchaus anders sehen. So gestand das Landgericht Bochum einem Autofahrer, der in eine erkennbar überschwemmte Fläche hineingefahren war, den Schutz der Teilkaskoversicherung zu. Das Gericht hielt es für unerheblich, dass der Fahrer in das Wasser hineingefahren war – versichert seien Überschwemmungsschäden, und durch die Überschwemmung sei es zu dem Schaden gekommen. Nicht versichert wären dem Gericht zufolge hier lediglich Schäden durch Ausweichmanöver gewesen. Die Teilkasko musste hier den vierstelligen Schaden an der Fahrzeugelektrik bezahlen (LG Bochum, Urteil vom 21.4.2015, Az. 9 S 204/14).

Hochwasserschäden am Haus: Welche Versicherung zahlt?


Viele Hauseigentümer glauben, gegen Hochwasserschäden versichert zu sein – sind es aber nicht. Genauer: Nur 40 Prozent der deutschen Haushalte sind gegen Hochwasser versichert. Denn eine normale Wohngebäudeversicherung deckt Hochwasserschäden in aller Regel nicht ab. Hier muss eine sogenannte Elementarschadenversicherung abgeschlossen werden. Diese gibt es als Zusatzbaustein zur Wohngebäudeversicherung oder als eigene Versicherung. Elementarschäden sind zum Beispiel Schäden durch Hochwasser, Schneedruck, Erdrutsch oder Starkregen. Die Elementarschadenversicherung zahlt Schäden am Gebäude selbst und an allen Teilen, die damit fest verbunden sind. Sie wird vom Hauseigentümer abgeschlossen. Mobiliar und Inventar kann der jeweilige Bewohner – auch als Mieter – über eine Hausratsversicherung versichern. Auch bei der Hausratsversicherung sollten sich Versicherungskunden genau darüber informieren, ob Elementarschäden eingeschlossen sind. Neuerdings wird in der Geschäftsbedingungen der Versicherungsbranche für den Begriff „Elementarschäden“ auch der Ausdruck “Naturgefahren“ verwendet.

Wie unterscheiden sich die verschiedenen Versicherungstarife?


Nicht in allen Verträgen sind im Rahmen einer Elementarschadenversicherung die gleichen Gefahren versichert. So kann eine Überschwemmung durchaus unterschiedlich definiert sein. Man kann darunter das Über-die-Ufer-Treten eines Flusses verstehen, oder aber auch an die Oberfläche drängendes Grundwasser oder oberirdische Wassermassen, die sich fernab eines Flusses infolge von Starkregen sammeln. Hauseigentümer sollten sich die Bedingungen genau daraufhin durchlesen, was tatsächlich versichert ist. Wichtig ist auch, dass ein sogenannter Rückstau eingeschlossen ist. So nennt man es, wenn Abwasser durch die Abflussrohre ins Haus zurück gedrückt wird und aus Kanaldeckeln, Abflüssen und Toiletten herauskommt. An diesem Punkt unterscheiden sich die Versicherungsbedingungen ebenfalls oft: Einige Versicherer machen es zur Pflicht des Versicherungsnehmers, zur sogenannten Obliegenheit, durch Rückstauventile oder -Klappen einen solchen Effekt zu verhindern.
Unterschiede kann es außerdem bei der Selbstbeteiligung geben. Diese kann bei einer Elementarschadenversicherung durchaus vierstellig sein. Auch bieten manche Versicherungsgesellschaften einen Versicherungsschutz gegen Hochwasserschäden erst nach Ablauf einer bestimmten Wartefrist an. Denn sie wollen verhindern, dass Immobilieneigentümer in hochwassergefährdeten Gebieten erst dann eine Versicherung abschließen, wenn die Flutwelle unmittelbar vor der Tür steht und das THW bereits die Sandsäcke bereitstellt.

Was ist eine Überschwemmung von Grund und Boden?


Eigentlich hört sich diese Frage nach einer Selbstverständlichkeit an. Was passiert aber, wenn die „Überschwemmung von Grund und Boden“ versichert ist, das Grundstück selbst aber trocken bleibt und nur der Keller voll läuft? Dem Oberlandesgericht Köln zufolge ist dann der Schaden nicht versichert. Denn immerhin sei das Grundstück ja nicht überflutet worden, und eine Überflutung von Grund und Boden erfordere zwingend eine erhebliche Ansammlung von Wasser auf dem (oberirdischen) Grundstück (OLG Köln, Urteil vom 9.4.2013, Az. 9 U 198/12).

Was zahlt der Staat?


Die Chancen auf staatliche Hilfe nach einer Überschwemmungskatastrophe werden immer geringer. So hat es im Juni 2017 einen Beschluss der Länderkonferenz der Bundesländer gegeben, nach dem Hochwassergeschädigte künftig nur noch dann staatliche Hilfen in Anspruch nehmen können, wenn sie sich zuvor rechtzeitig vergeblich um einen Versicherungsvertrag bemüht haben oder sich diesen nachweislich nicht leisten konnten, weil er zu teuer war. Die Umsetzung wird von den Bundesländern unterschiedlich gehandhabt.
Der Freistaat Bayern will ab Juli 2019 Opfern von Naturkatastrophen generell keine Soforthilfen mehr geben, wenn der jeweilige Schaden versicherbar war. Davon sind nur Härtefälle ausgenommen.
Niedersachsen zum Beispiel handhabt dies anders. Hier wurde zum 29.9.2017 ein neues Hilfsprogramm für Privathaushalte verabschiedet. Dabei sollen sowohl Mieter als auch Eigentümer bei der Instandsetzung von Wohngebäuden und der Erneuerung von Hausrat unterstützt werden. Es gibt sogar Unterstützung für den Wiederaufbau von hochwasserbedingt zerstörten Brücken, die als Zuweg für Wohnhäuser gebraucht werden. Bis zu 80 Prozent des Schadens können Hochwasseropfer vom Land ersetzt bekommen – allerdings sind Versicherungen zuerst in Anspruch zu nehmen. Und: Voraussetzung für Hilfen vom Land ist künftig, dass die Betroffenen sich zumindest für die Zukunft selbst gegen Elementarschäden versichern.

Praxistipp


Sollte es bei Ihnen zu einem Hochwasserschaden gekommen sein, denken Sie daran: Sie haben auch als Versicherter eine Schadensminderungspflicht. Können Sie irgendetwas tun, um den Schaden so gering wie möglich zu halten, dass sollten Sie dies auch wahrnehmen. Dokumentieren Sie den Schaden etwa durch Fotos. Werfen Sie zerstörte Wertgegenstände und Möbel nicht gleich weg, vielleicht will die Versicherung den Schaden noch sichten. Und denken Sie daran, den Schaden so schnell wie möglich zu melden. Versäumen Sie die im Versicherungsvertrag genannte kurze Frist, gibt es von der Versicherung kein Geld.


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