Hochwasser: Für welche Schäden zahlt die Versicherung?

05.02.2021, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 7 Min. (197 mal gelesen)
Brücke,Absperrung Beim Versicherungsschutz gegen Hochwasser gibt es einige Details zu beachten. © Rh - Anwalt-Suchservice

Jedes Jahr kommt es durch Überschwemmungen und Hochwasser zu Millionenschäden für Privathaushalte. Viele Haushalte sind für solche Fälle nicht ausreichend versichert.

Alljährlich entstehen infolge von Dauerregen oder Schneeschmelze Überschwemmungen. Von einem Hochwasser ist die Rede, wenn der Pegelstand eines Gewässers deutlich über dem Mittelmaß liegt. Das Wasserhaushaltsgesetz spricht in diesem Zusammenhang von einer zeitlich begrenzten Überschwemmung von Flächen, die sonst trocken sind. Durch ein Hochwasser entstehen häufig ganz erhebliche Schäden an Häusern und Autos. Betroffen sind nicht selten sogar Orte, die in einiger Entfernung von einem Gewässer liegen.

Hochwasserschäden am Auto: Welche Versicherung zahlt?


Keine Zahlungen gibt es von der KfZ-Haftpflichtversicherung: Sie deckt lediglich Schäden ab, die der Versicherte mit seinem Auto bei Dritten verursacht.
Wenn ein parkendes Auto in eine Überschwemmung gerät, zahlt die Teilkaskoversicherung. In eine Vollkaskoversicherung ist die Teilkasko mit eingeschlossen. Wichtig: Die meisten Teilkasko-Verträge beinhalten eine Selbstbeteiligung des Kunden.

Wenn das Auto nur soweit beschädigt wird, dass sich aus Sicht der Versicherung eine Reparatur lohnt, bezahlt die Versicherung die Reparaturkosten. Allerdings ist ein vom Hochwasser überschwemmtes Auto oft nicht mehr zu retten, denn Schlamm und Schmutzwasser kommen überall hin. Schnell handelt es sich aus Sicht der Versicherung um einen wirtschaftlichen Totalschaden - ganz besonders bei Fahrzeugen, die kein Neuwagen mehr sind. In diesem Fall zahlt die Teilkaskoversicherung in der Regel den Wiederbeschaffungswert. Dieser wird von einem Gutachter festgelegt unter Berücksichtigung von Alter, Laufleistung und Ausstattung des Autos. Vom Wiederbeschaffungswert werden dann regelmäßig noch die Selbstbeteiligung sowie der von einem Schrotthändler gebotene Ankaufpreis des Fahrzeugs abgezogen.
Bei einigen Versicherern besteht die Möglichkeit, in speziellen Tarifen auch den Neupreis zu versichern. Dies lohnt sich natürlich meist nur bei hochpreisigeren Neuwagen.
Übrigens sind im Auto liegende Gegenstände durch die Teilkasko nicht versichert.

Was ändert der Schaden am Schadensfreiheitsrabatt?


In der Teilkaskoversicherung ändert sich durch den Schaden nichts.

Was gilt, wenn ich mein Auto versehentlich in einer Gefahrenzone geparkt habe?


Die Teilkaskoversicherung kann bei grober Fahrlässigkeit ihre Leistungen in Abhängigkeit von Ihrem Verschulden reduzieren. Ob grobe Fahrlässigkeit vorliegt, muss je nach Einzelfall beurteilt werden. Grob fahrlässig verhält man sich, wenn man die gebotene Sorgfalt in besonders schwerem Maße außer Acht lässt. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn offensichtlich war, dass das betreffende Gebiet demnächst überschwemmt wird, wenn es sich zum Beispiel um eine bekannte Überschwemmungszone gehandelt hat oder wenn es behördliche Warnungen für dieses Gebiet gab.
Falls die Versicherung zu dem Ergebnis kommt, dass Sie Ihr Fahrzeug mit Absicht in der Gefahrenzone geparkt haben, bekommen Sie gar nichts: Schäden durch Vorsatz sind natürlich nicht versichert.

Was gilt, wenn ich in eine Überschwemmung hineingefahren bin?


In diesem Fall ist der Schaden nicht durch das Wetter verursacht worden, sondern beim Betrieb des Fahrzeugs entstanden. Folge ist, dass grundsätzlich nur noch die Vollkaskoversicherung zahlen würde, die Teilkasko leistet hier nicht.

Auch die Vollkaskoversicherung schränkt in solchen Fällen teilweise ihre Zahlung ein. Ein grob fahrlässiges Verhalten des Fahrers ist nämlich relativ wahrscheinlich. Immerhin muss man als Autofahrer seine Fahrweise dem Wetter anpassen. Wer sehenden Auges in eine Überschwemmung fährt, kann sich meist nicht darauf berufen, dass dies für ihn ganz überraschend kam.

Allerdings sehen manche Gerichte dies auch anders. Das Landgericht Bochum etwa gestand einem Autofahrer, der in eine erkennbar überschwemmte Fläche gefahren war, den Schutz der Teilkasko zu. Aus Sicht des Gerichts war es unerheblich, dass der Fahrer ins Wasser hineingefahren war: Überschwemmungsschäden seien versichert und der Schaden sei durch die Überschwemmung verursacht worden. Dem Gericht zufolge wären hier allenfalls Schäden infolge von Ausweichmanövern nicht versichert gewesen. In diesem Fall musste die Teilkaskoversicherung also den vierstelligen Schaden an der Fahrzeugelektrik zahlen (LG Bochum, Urteil vom 21.4.2015, Az. 9 S 204/14).

Hochwasserschäden am Haus: Welche Versicherung zahlt?


Viele Hauseigentümer sind der Meinung, gegen Hochwasserschäden versichert zu sein – sind es aber in Wirklichkeit gar nicht. Tatsächlich sind nur etwa 40 Prozent der deutschen Haushalte gegen Hochwasser versichert. Eine herkömmliche Wohngebäudeversicherung deckt Hochwasserschäden in der Regel nicht ab. Dafür muss eine sogenannte Elementarschadenversicherung abgeschlossen werden, die es als Zusatzbaustein zur Wohngebäudeversicherung oder als eigene Versicherung gibt.

Unter Elementarschäden versteht man beispielsweise Schäden durch Hochwasser, Schneedruck, Erdrutsch oder Starkregen. Die Elementarschadenversicherung erstattet Schäden am Haus selbst und an allen Teilen, die damit fest verbunden sind. Abschließen muss sie der Hauseigentümer.

Werden bei Hochwasser oder Überschwemmung Möbel, Elektrogeräte oder anderes Inventar in Mitleidenschaft gezogen, sind die Schäden nur durch eine Hausratsversicherung des jeweiligen Bewohners abgedeckt. Mieter sind selbst dafür verantwortlich, wenn gewünscht eine solche Versicherung abzuschließen. Auch beim Abschluss einer Hausratsversicherung empfiehlt es sich übrigens, sich zu vergewissern, dass Elementarschäden eingeschlossen sind. In letzter Zeit wird in den Geschäftsbedingungen der Versicherungsbranche für diese immer häufiger der Begriff “Naturgefahren“ verwendet.

Wie unterscheiden sich die verschiedenen Versicherungstarife?


Auch wenn in einem Versicherungsvertrag Elementarschäden versichert sind, sind damit nicht immer die gleichen Gefahren gemeint. Zum Beispiel kann eine Überschwemmung ganz unterschiedlich definiert sein. Darunter kann man das Über-die-Ufer-Treten eines Flusses verstehen, an die Oberfläche drängendes Grundwasser oder auch oberirdische Wassermassen, die sich fern von einem Fluss nach einem Starkregen sammeln.

Hauseigentümer sollten sich die Versicherungsbedingungen daher genau daraufhin durchlesen, was tatsächlich versichert ist. Unbedingt eingeschlossen sein sollte ein sogenannter Rückstau. So nennt man es, wenn Abwasser durch die Abflussrohre ins Haus zurückgedrückt wird und dann aus Kanaldeckeln, Abflüssen und Toiletten herauskommt. Dies ist ein Punkt, an dem sich die Versicherungsbedingungen oft unterscheiden: Manche Versicherer machen es zur Pflicht des Versicherungsnehmers, zur sogenannten Obliegenheit, einem solchen Rückstau durch Rückstauventile oder -klappen vorzubeugen.

Unterschiede gibt es auch bei der Selbstbeteiligung. Bei einer Elementarschadenversicherung kann diese durchaus vierstellig sein. Einige Versicherungsgesellschaften bieten einen Versicherungsschutz gegen Hochwasserschäden überhaupt erst nach Ablauf einer bestimmten Wartefrist an. Dadurch wollen sie verhindern, dass Immobilieneigentümer in hochwassergefährdeten Gebieten erst dann eine Versicherung abschließen, wenn die Flutwelle schon vor der Tür steht und das THW bereits die Sandsäcke stapelt.

Was ist eine Überschwemmung von Grund und Boden?


Diese Frage hört sich eigentlich nach einer Selbstverständlichkeit an. Aber: Was passiert, wenn zwar eine „Überschwemmung von Grund und Boden“ versichert ist, das Grundstück selbst aber trocken bleibt und nur der Keller mit Wasser voll läuft? In diesem Fall ist laut Oberlandesgericht Köln der Schaden nicht versichert. Schließlich wird das Grundstück ja nicht überflutet, und eine Überflutung von Grund und Boden erfordert nach dem Gericht unbedingt eine erhebliche Ansammlung von Wasser auf dem oberirdischen Grundstück (OLG Köln, Urteil vom 9.4.2013, Az. 9 U 198/12).

Überschwemmung und Hochwasser: Gibt es Hilfe vom Staat?


Die Wahrscheinlichkeit staatlicher Hilfe nach einer Überschwemmungskatastrophe ist in den letzten Jahren eher geringer geworden. So hat eine Länderkonferenz der Bundesländer im Juni 2017 beschlossen, dass Hochwassergeschädigte künftig nur noch staatliche Hilfen bekommen, wenn sie sich vorher rechtzeitig vergeblich um einen Versicherungsvertrag bemüht haben oder sich nachweislich keine Versicherung leisten konnten. Die Umsetzung des Beschlusses handhaben die Bundesländer unterschiedlich.
Der Freistaat Bayern gewährt seit Juli 2019 Opfern von Naturkatastrophen generell keine Soforthilfen mehr, wenn der Schaden versicherbar war. Ausnahme sind Härtefälle. Auch weitere Bundesländer, wie Sachsen und Nordrhein-Westfalen, zahlen Soforthilfe nur noch im Ausnahmefall und unter strengen Auflagen.

Anders wurde dies zum Beispiel in Niedersachsen gehandhabt. Hier wurde nach dem Hochwasser von 2017 ein neues Hilfsprogramm für Privathaushalte verabschiedet. Sowohl Mieter als auch Eigentümer wurden dadurch bei der Instandsetzung von Wohngebäuden und der Erneuerung von Hausrat unterstützt. Es gab sogar Unterstützung für den Wiederaufbau von hochwasserbedingt zerstörten Brücken, die als Zuweg für Wohnhäuser benötigt werden. Bis zu 80 Prozent des Schadens konnten Hochwasseropfer vom Land ersetzt bekommen – allerdings waren Versicherungen zuerst in Anspruch zu nehmen. Dass dies jedoch auch in Zukunft so gehandhabt wird, ist nicht gesagt. 2017 wurde es zur Voraussetzung für Hilfen vom Land, dass Betroffene sich zumindest für die Zukunft selbst gegen Elementarschäden versichern.

Wann haftet der Staat für Hochwasserschäden?


Natürlich ist es auch denkbar, dass der Staat bzw. ein Bundesland für Schäden durch Hochwasser und Überschwemmungen haften müssen, weil sie Pflichten verletzt haben. Dies kann zum Beispiel bei unsachgemäßer Ausführung von Entwässerungskanälen der Fall sein.

So musste das Land Nordrhein-Westfalen aufgrund der Verletzung einer Verkehrssicherungspflicht für zwei durch ein Hochwasser beschädigte Pkw haften. Dies hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden.
Geklagt hatte der Eigentümer eines nahe der BAB 46 gelegenen Hausgrundstücks. In der Nähe des Grundstücks verlief ein Wassertunnel unter der Autobahn, der in einen offenen Ableitungsgraben mündete. Durch diesen floss auch ein Bach. Wegen der nachträglichen Anlage des Baugebiets machte der Graben in der Nähe des Grundstücks zwei Krümmungen von ca. 90 Grad.
Im August 2007 regnete es in einer Stärke, die seltener als alle 100 Jahre vorkommt. Das Grundstück wurde durch das Wasser des Ableitungsgrabens überschwemmt. Zwei dort abgestellte Pkw des Klägers liefen mit schlammigem Wasser voll und waren nicht mehr zu retten. Der Eigentümer verlangte vom Land Ersatz der Schäden von ca. 7.100 Euro. Seiner Ansicht nach war der Abwassergraben zu klein dimensioniert.

Das OLG Hamm bestätigte seinen Schadensersatzanspruch. Der Schaden sei durch eine vom Land zu vertretene Verkehrssicherungspflichtverletzung verursacht worden.
Denn: Für die Bundesautobahn 46 sei das Land verkehrssicherungspflichtig. Diese Pflicht erstrecke sich auch die Entwässerungsanlagen der Autobahn. Hier sei der schon beim Bau der Autobahn veränderte Verlauf des Ableitungsgrabens mit der Anlage des Wohngebietes weiter verändert worden, sodass im Bereich des klägerischen Grundstücks zwei ca. 90 Grad Kurven entstanden seien. Hieraus habe sich die Gefahr eines Hochwassers ergeben. Aufgrund des zunächst vom Land und dann von der Stadt Arnsberg veränderten Grabenverlaufs habe das Land im Rahmen des Zumutbaren Hochwasserschäden vorbeugen und den Ableitungsgraben ausreichend dimensionieren müssen, um seiner Verkehrssicherungspflicht zu genügen.

Diesen Anforderungen habe der Graben nicht entsprochen. Mit den Krümmungen habe die Gewässertiefe von 0,4 m den bei der Planung zu berücksichtigenden Hochwassermengen nicht mehr Rechnung getragen. Die Krümmungen begründeten die erhöhte Gefahr über das Ufer tretenden Wassers. Um dem Rechnung zu tragen habe der Graben einem Sachverständigen zufolge eine Abflusstiefe von insgesamt 1,15 m aufweisen müssen. Das Land habe sich hier fahrlässig verhalten. Daher könne sich das Land auch nicht auf einen "Jahrhundertregen" berufen, gegen den es keinen zumutbaren Schutz gebe. Im vorliegenden Fall hätten die zumutbaren Schutzmaßnahmen den Schaden verhindert (OLG Hamm, Urteil vom 13.3.2013, Az. 11 U 198/10).

Praxistipp


Falls es bei Ihnen zu einem Hochwasserschaden gekommen ist, denken Sie daran: Auch als Versicherter haben Sie eine Schadensminderungspflicht. Wenn Sie also irgendetwas tun können, um den Schaden so gering wie möglich zu halten, sollten Sie diese Möglichkeit wahrnehmen.
Wichtig ist es, den Schaden etwa durch Fotos gut zu dokumentieren. Zerstörte Wertgegenstände und Möbel sollten nicht gleich entsorgt werden - womöglich möchte die Versicherung den Schaden noch sichten. Dieser sollte außerdem so schnell wie möglich gemeldet werden. Wenn Sie die im Versicherungsvertrag genannte kurze Frist versäumen, bekommen Sie nichts ersetzt.
Kommt es zum Streit mit der Versicherung, ist ein Fachanwalt für Versicherungsrecht der richtige Ansprechpartner.