Intime Fotos von der Ex im Netz

05.07.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (152 mal gelesen)
Intime Fotos von der Ex im Netz © Rh - Anwalt-Suchservice

Ob aus Versehen oder gar aus Rache: Die Veröffentlichung intimer Fotos der Ex im Internet ohne deren Einwilligung ist nicht die feine englische Art und kann zudem teuer werden.

Sex ist eine private Angelegenheit. Intime Fotos sind es auch. Werden solche Bilder gegen den Willen des Abgebildeten im Internet veröffentlicht, kann dieser unter Umständen Schmerzensgeld verlangen. Unabhängig von einer Veröffentlichung kann gegenüber dem Ex Löschung verlangt werden.

Darf man intime Fotos der Ex im Internet veröffentlichen?


So auch in dem Fall eines jungen (Ex-) Paares, den das OLG Hamm im Februar verhandelt hat (Urteil vom 20.2.2017, 3 U 138/15). Der jugendliche Freund hatte - vermutlich einvernehmlich - ein Foto gefertigt, das ihn beim Oralverkehr mit seiner gleichaltrigen Freundin zeigte. Auf dem Bild war seine Partnerin zu erkennen. Zwei Jahre später, die Beziehung war zwischenzeitlich beendet worden, stellte er das Foto auf einer Internetplattform ein, die auch von Freunden und Bekannten genutzt wurde. Das Bild verbreitete sich daraufhin insbesondere über die sozialen Netzwerke im Internet. Als die Ex-Freundin einige Tage später von der Veröffentlichung des Fotos erfuhr, forderte sie ihren früheren Partner auf, das Foto sofort zu löschen. Dieser Aufforderung kam der junge Mann nach.

In der Folge litt die junge Frau erheblich unter der Bloßstellung durch die Veröffentlichung des Fotos. Sie mied die Öffentlichkeit, litt über mehrere Jahre an psychischen Erkrankungen und sah sich nicht in der Lage, eine Berufsausbildung zu beginnen. Der Gesundheitsschaden und auch dessen Verursachung wurden von einer medizinischen Sachverständigen bestätigt. Das OLG Hamm hat der jungen Frau nun zum Ausgleich ihres immateriellen Schadens ein Schmerzensgeld von 7.000 € zugebilligt.

Wie hoch ist das Schmerzensgeld?


Bei der Bemessung des Schmerzensgeldes berücksichtigte das Gericht u.a. die psychischen Erkrankungen der jungen Frau und die Folgen auf ihre Lebensgestaltung. Die Veröffentlichung des Fotos habe zu einer massiven Bloßstellung der aufgrund ihres jugendlichen Alters besonders verletzlichen Klägerin geführt. Und zwar gegenüber einer unüberschaubaren Anzahl von Personen, auch aus dem nahen Umfeld. Der Ex-Freund habe das Bild zwar schon nach kurzer Zeit wieder auf der Internetplattform gelöscht; zuvor hätten es jedoch - vorhersehbarer Weise - andere Personen entdeckt und bereits heruntergeladen. Insoweit sei die Verbreitung des Fotos unkontrollierbar geworden.

Zugunsten des jungen Mannes sei allerdings zu berücksichtigen, dass er vermutlich stark alkoholisiert gewesen sei und das Foto unbedacht, unreflektiert und spontan hochgeladen habe. Darüber hinaus sei das Foto überwiegend wahrscheinlich im Einvernehmen gefertigt worden. Da die junge Frau zwischenzeitlich an einem anderen Wohnort lebe, sei im Übrigen nicht zu erwarten, dass sie künftig noch in größerem Umfang mit dem Foto konfrontiert werde.

Kann eine Einwilligung widerrufen werden?


Übrigens: Lichtbilder und Filmaufnahmen vom Ex-Partner mit explizit intimem Bezug müssen grundsätzlich gelöscht werden, wenn der Abgebildete dies verlangt. Auch wenn dieser bei Erstellung der Bilder sein Einverständnis erklärt hatte. Das hat das OLG Koblenz entschieden. (Urteil v. 20.5.2014, 3 U 1288/13). Geklagt hatte in dem Fall eine Frau gegen ihren ehemaligen Lebensgefährten. Dieser hatte während der Beziehung zahlreiche Bild- und Filmaufnahmen von der Klägerin gefertigt, auf denen diese z.T. unbekleidet und während des Geschlechtsverkehrs zu sehen war.

Das Gericht stellte klar, dass Fotos, die die Abgebildete beim Geschlechtsverkehr zeigen, eine solch erhebliche Beeinträchtigung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts darstellen, dass das Recht des Fotografen auf Kunstfreiheit und sein Recht auf Eigentum zurücktreten müsse. Auch bei zuvor erteilter Einwilligung in die Aufnahmen, habe die abgebildete Person für die Zukunft ein Widerrufsrecht; sie könne daher die Löschung der elektronischen Vervielfältigungsstücke verlangen.