Kreuzfahrt: Darf der Reiseveranstalter einfach ein anderes Schiff nehmen?

18.02.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice (137 mal gelesen)
Kreuzfahrt: Darf der Reiseveranstalter einfach ein anderes Schiff nehmen? © pure-life-pictures - Fotolia.com
Eine Reise ist mangelhaft, wenn ihr Eigenschaften fehlen, die vom Veranstalter im Katalog versprochen wurden. Unter Umständen kann dies eine Kündigung des Reisevertrages rechtfertigen. Aber was sind solche zugesicherten Eigenschaften und liegt ein solcher Fall vor, wenn der Veranstalter vor der Reise das Kreuzfahrtschiff austauscht?

Der Fall: Sieben Tage auf der Rhone
Ein Münchner hatte bei einem Reiseveranstalter eine Flusskreuzfahrt gebucht. Sieben Tage wollte er gemütlich mit einem Fünf-Sterne-Schiff den Fluss Rhone herunterschippern und es sich gut gehen lassen. Ansprechende Fotos des Schiffes im Reiseprospekt erhöhten die Vorfreude. Zu bezahlen waren 899 Euro pro Person für eine Zwei-Bett-Kabine auf einem der drei Decks, der Reiselustige bezahlte noch 180 Euro pro Person mehr, um eine garantierte Kabine auf dem Oberdeck zu bekommen. Er zahlte rund 400 Euro an. 14 Tage vor Reisebeginn kam dann ein Brief, der die Vorfreude gründlich trübte: Das Reiseunternehmen kündigte an, dass die Kreuzfahrt nicht mit dem im Prospekt abgebildeten Schiff stattfinden werde, sondern mit einem anderen. Dieses habe auch fünf Sterne und biete vergleichbaren Komfort. Kofferanhänger für die Reise wurden mit übersandt. Darauf stand die Kabinennummer 318.

Der Konflikt
Der Kunde kündigte daraufhin den Reisevertrag und verlangte seine Anzahlung zurück. Das Schiff sei schlechter als das andere. Die Kabine 318 liege zwar auf dem Oberdeck, aber das Oberdeck sei das Hauptdeck mit allen Einrichtungen für die Passagiere und daher mit viel Publikumsverkehr. Seine Kabine liege nun direkt neben der Bar. Er sei wegen der Prospektangaben davon ausgegangen, dass das unterste Deck die Einrichtungen mit Publikumsverkehr enthalte. Er fühte sich getäuscht. Der Reiseveranstalter konterte: Die zugeteilte Kabine sei eine Mini-Suite, und besser als die gebuchte Zwei-Bett-Kabine. Eine bestimmte Lage im Schiff habe man nie zugesichert. Der Veranstalter forderte eine Stornogebühr von rund 800 Euro, immerhin abzüglich der Anzahlung.

Hintergrund: Wann kann man einen Reisevertrag kündigen?
Das Reisevertragsrecht gehört zum Zivilrecht und ist im Bürgerlichen Gesetzbuch besonders geregelt. Es bezieht sich auf alle Pauschalreisen, bei denen ein Veranstalter ein Bündel von Dienstleistungen an den Reisenden verkauft – zum Beispiel Hotel, Verpflegung, Flug, Reiserücktrittversicherung, Transfer. Eine Kündigung des Reisevertrages ist nach § 651e BGB möglich, wenn die Reise infolge eines Mangels erheblich beeinträchtigt wird. Im Normalfall darf eine Vertragskündigung erst erfolgen, wenn der Reisende dem Veranstalter zuvor erfolglos eine Frist zur Abhilfe gesetzt hat. Darauf kann man verzichten, wenn eine Abhilfe von vornherein unmöglich ist oder verweigert wird. Ein Mangel liegt unter anderem dann vor, wenn eine vom Veranstalter zugesicherte Eigenschaft der Reise fehlt. Klassische Beispiele für solche fehlenden Eigenschaften sind: Kein Meerblick, kein Swimming-Pool, kein Balkon. Allerdings rechtfertigen solche Mängel oft nur eine Minderung des Reisepreises. Um kündigen zu können, muss die Reise schon erheblich beeinträchtigt sein.

Die Entscheidung des Amtsgerichts
Genau aus diesem Grund scheiterte der verhinderte Flusskreuzfahrer auch vor Gericht. Denn das Amtsgericht München sah hier keine erhebliche Beeinträchtigung der Reise. Ein bestimmtes Schiff sei nicht verbindlich zugesichert worden, die Nennung des Schiffes im Katalog reiche dafür nicht aus. Eine 19 Quadratmeter große Mini-Suite sei zudem kein Qualitätsmangel. Der Mann habe ausdrücklich eine Kabine auf dem Oberdeck gebucht und diese auch tatsächlich zugeteilt bekommen. Auch auf dem ersten Schiff hätte die Kabine auf dem Oberdeck neben der Bar liegen können, da die Schiffe gleich aufgeteilt wären. Bei den meisten Kreuzfahrtschiffen seien Restaurants und Bars auf dem Oberdeck und nicht unter Deck, wo man die Umgebung nicht sehen könne. Was der Reisende vor Buchung der Reise gedacht habe, sei rechtlich nicht relevant (AG München, Urteil vom 30.6.16, Az. 133 C 952/16).


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