Krank im Urlaub: Haftet der Reiseveranstalter?

04.01.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 3 Min. (210 mal gelesen)
Krank im Urlaub: Haftet der Reiseveranstalter? © pure-life-pictures - Fotolia.com
Im wohlverdienten Urlaub krank zu werden, ist besonders ärgerlich. In einigen Fällen haben Urlauber Anspruch auf Schadensersatz gegen ihren Reiseveranstalter. Besonders bei Erkrankungen aufgrund hygienischer Mängel können solche Ansprüche geltend gemacht werden.

Haftung des Reiseveranstalters
Nach dem Zivilrecht haftet der Reiseveranstalter einer Pauschalreise für Reisemängel. Meist machen Urlauber einen Anspruch auf Minderung des Reisepreises geltend. Neben der Minderung oder der Kündigung des Reisevertrages kommt allerdings nach § 651f des Bürgerlichen Gesetzbuches auch ein Schadensersatzanspruch wegen Nichterfüllung der vertraglich vereinbarten Leistung oder wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit in Betracht.

Magenkrank durch Salmonellen
Eine Urlauberin verklagte ihren Reiseveranstalter, weil während eines Türkeiurlaubs ihre drei Kinder unter Brechdurchfall, Magenkrämpfen und Fieber gelitten hatten. Bei einem Kind war sogar ein Krankenhausaufenthalt erforderlich geworden. Nach dem Urlaub bestätigte eine Untersuchung, dass Salmonellen die Ursache gewesen waren. Die Mutter forderte nun den vollen Reisepreis zurück und verlangte Schadensersatz. Sie sah die Ursache in unhygienischen Zuständen im Hotel. Das Gericht wies jedoch die Klage ab: Es fehlten die Beweise, dass es tatsächlich im Hotel zu der Salmonelleninfektion gekommen war. Lediglich zehn Prozent der Hotelgäste seien während ihrer Urlaubszeit nachweislich von Durchfalllerkrankungen betroffen gewesen – dies reiche nicht aus, um von einer Schuld des Hotels auszugehen (Landgericht Leipzig, Az. 5 O 1659/10).

Kaputte Kläranlage: Geld zurück
In einem anderen Fall hatte sich eine komplette Familie bei einem Türkeiurlaub einen derart schweren Brechdurchfall eingefangen, dass der Hotelarzt die ganze Familie in ein Krankenhaus einwies. Eine örtliche Kläranlage war defekt gewesen und hatte ungeklärte Abwässer ins Meer gepumpt – direkt vor den abgeteilten Hotelstrand. Eine Warnung hatte es nicht gegeben. Für den Rest des Urlaubs wurden die Reisenden in ein anderes Hotel verlegt. Das Landgericht Köln gestand den Urlaubern hier eine erhebliche Minderung des Reisepreises zu, sowie auch Schadensersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit. Nachweislich hatte es bereits zehn Tage vor Urlaubsantritt der Familie massive Beschwerden über die Zustände vor Ort einschließlich Einträgen in Internetforen gegeben. Der Reiseveranstalter hätte aus Sicht des Gerichts die Pflicht gehabt, die Reisenden von Anfang an in ein anderes Hotel umzubuchen. Auch die Mehrkosten des zweiten Hotels sowie die Taxikosten für die Fahrt dorthin musste der Veranstalter hier ersetzen. Den Klägern wurde zusätzlich Schmerzensgeld in Höhe von einmal 1.000 und zwei Mal 500 Euro zugesprochen (LG Köln, Urteil vom 24. August 2015, Az. 2 O 56/15).

Kreuzfahrt: Behandlungsfehler durch den Schiffsarzt
Grundsätzlich haftet der Reiseveranstalter für Schäden, die durch Personen verursacht werden, welche für ihn tätig sind. Dies führt zu dem Schluss, dass der Veranstalter womöglich auch für Behandlungsfehler eines Arztes haften muss, der für ihn tätig wird – etwa den Schiffsarzt eines Kreuzfahrtschiffes. Mit dieser Frage hat sich vor einiger Zeit das Amtsgericht Rostock befasst. In dem Fall ging es um eine Reisende, die auf einer Kreuzfahrt Übelkeit und Schwindelgefühle verspürt hatte. Sie hatte den Schiffsarzt aufgesucht, der ihr eine Spritze gab. Dabei war nach ihrer Ansicht ein Nerv beschädigt worden, und sie verlangte 3.000 Euro Schmerzensgeld. Mit dieser Forderung wandte sie sich an den Reiseveranstalter, da der Bordarzt für diesen tätig sei, seine Arbeitszeiten und sein Arbeitsort durch den Veranstalter bestimmt würden und sein Honorar vom Reiseveranstalter mit dessen Briefkopf abgerechnet und an den Veranstalter bezahlt werde.

Ärztliche Behandlung als Reiseleistung?
Das Amtsgericht Rostock vertrat jedoch den Standpunkt, dass eine ärztliche Behandlung keine Reiseleistung sei. Der Schiffsarzt sei selbstständig tätig und kein Erfüllungsgehilfe des Reiseveranstalters. Auch habe er nichts mit der Erbringung der Reiseleistung zu tun. Dazu komme, dass der Reiseveranstalter dem Schiffsarzt gegenüber nicht weisungsberechtigt sei und sich auch nicht dessen medizinischen Anordnungen oder Maßnahmen widersetzen dürfe. Der Reiseveranstalter sei für die vertragsgemäße Durchführung der Reise zuständig und müsse lediglich eine medizinische Versorgung an Bord sicherstellen. Der Schiffsarzt sei nicht dessen Hilfspersonal. Dementsprechend könne die Reisende für den von ihr behaupteten Behandlungsfehler keine Ansprüche gegen den Veranstalter geltend machen (Amtsgericht Rostock, Urteil vom 2.12.2015, Az. 47 C 243/15).