Kreuzfahrt: Welche Rechte haben Urlauber?

11.07.2018, Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 7 Min. (119 mal gelesen)
Kreuzfahrt: Welche Rechte haben Urlauber? © Rh - Anwalt-Suchservice

Kreuzfahrten sind bei Urlaubern beliebt. Allerdings kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen Reisenden und Veranstaltern. Was sind Ihre Rechte, wenn die Schiffsreise nicht so verläuft wie geplant?

Auch auf Kreuzfahrten kann viel schiefgehen. Dies reicht von den üblichen Reisemängeln wie Lärm oder schlechtem Essen bis hin zu ganz kreuzfahrtspezifischen Problemen: Welche Rechte haben Reisende zum Beispiel, wenn das Schiff eine andere Fahrtroute nimmt, als angekündigt, oder wenn der Reiseveranstalter sogar ein anderes Schiff an den Start schickt? Darf der Veranstalter einfach geplante Anlegehäfen aus der Route streichen?

Wann gilt eine Reise als mangelhaft?


Liegen Reisemängel vor, können Urlauber ihre Rechte aus dem Reisevertragsrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches geltend machen. Dieses ist in den §§ 651a ff. BGB niedergelegt. Reisende können dann zum Beispiel den Reisepreis mindern, in bestimmten Fällen den Reisevertrag kündigen und unter Umständen sogar Schadensersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit geltend machen. Generell geht man davon aus, dass eine Pauschalreise mangelhaft ist, wenn sie nicht die vorher zugesicherten Eigenschaften hat oder wenn sie andere Fehler hat, die ihren Wert herabsetzen oder ihren Nutzen mindern. So kann es sein, dass einfach der Erholungswert nicht gegeben ist oder dass der Sinn dieser besonderen Reise durch irgendeine Panne entfällt – zum Beispiel, weil auf einer Tauchreise ungeeignete Ausrüstung zur Verfügung gestellt wird, sodass nicht getaucht werden kann. Auch eine Kreuzfahrt gilt als Pauschalreise, da hier in der Regel mehrere Reiseleistungen als Paket gebucht und bezahlt werden. Reiseleistungen sind zum Beispiel Hotel, Flug, Reiserücktrittversicherung, Transfer.

Welche Rechte habe ich, wenn der Veranstalter einfach das Schiff austauscht?


Wer eine Kreuzfahrt bucht, freut sich meist nicht auf irgendein Schiff, sondern auf ein bestimmtes. Es handelt sich hier nicht um ein austauschbares Transportmittel wie etwa einen Zug. So empfand es auch ein Münchner, der eine einwöchige Kreuzfahrt auf dem Fluss Rhone gebucht hatte. Der Reiseprospekt hatte mit schönen Fotos vom Schiff Appetit auf die Reise gemacht. Der Preis betrug 899 Euro pro Person für eine Zweibett-Kabine. Der Münchner bezahlte 180 Euro Aufpreis pro Person, um eine garantierte Kabine auf dem Oberdeck zu erhalten. 14 Tage vor Reisebeginn informierte ihn ein Brief darüber, dass die Kreuzfahrt nicht mit dem im Prospekt abgebildeten Schiff stattfinden werde, sondern mit einem anderen. Dieses habe auch fünf Sterne und biete vergleichbaren Komfort. Kofferanhänger und Kabinennummer für die Reise wurden mit übersandt.
Der Kunde kündigte nun den Reisevertrag und forderte seine Anzahlung zurück. Das Schiff sei schlechter als das andere. Die Kabine liege zwar auf dem Oberdeck, aber auf diesem Schiff lägen dort alle Einrichtungen für die Passagiere und in unmittelbarer Nähe befinde sich die Bar. Er sei davon ausgegangen, dass die Einrichtungen mit Publikumsverkehr sich im Unterdeck befänden. Der Veranstalter wandte ein, dass die für den Passagier reservierte Mini-Suite besser als die ursprünglich gebuchte Zweibettkabine sei. Man habe keine bestimmte Lage im Schiff zugesichert. Der Veranstalter verlangte eine Stornogebühr von 800 Euro.

Wann kann man einen Reisevertrag kündigen?


Eine Kündigung des Reisevertrages ist nach § 651e BGB möglich, wenn die Reise infolge eines Mangels erheblich beeinträchtigt wird. Voraussetzung ist, dass der Reisende dem Veranstalter zuvor erfolglos eine Frist zur Abhilfe setzt. Darauf kann man allenfalls verzichten, wenn eine Abhilfe von vornherein unmöglich ist oder verweigert wird.

Wie entschied das Gericht zur Flusskreuzfahrt?


Das Amtsgericht München sah hier keine erhebliche Beeinträchtigung der Reise. Der Reiseveranstalter habe kein bestimmtes Schiff verbindlich zugesichert; es reiche nicht aus, dass das Schiff im Katalog genannt werde. Eine 19 Quadratmeter große Mini-Suite sei kein Qualitätsmangel. Der Mann habe eine Kabine auf dem Oberdeck gebucht und diese auch zugeteilt bekommen. Die Lage der Kabine neben der Bar wäre auch auf dem ersten Schiff möglich gewesen, da die Schiffe gleich aufgeteilt seien. Bei den meisten Kreuzfahrtschiffen lägen Restaurants und Bars auf dem Oberdeck und nicht unter Deck, wo man die Umgebung nicht sehen könne. Was der Reisende vor Buchung der Reise gedacht habe, sei rechtlich nicht relevant (AG München, Urteil vom 30.6.16, Az. 133 C 952/16).

Wenn der Höhepunkt der Reise nachts stattfindet


Ein Urlauber hatte eine Kreuzfahrt nach Mittelamerika für rund 8.000 Euro gebucht. In der Reisebeschreibung wurde als “besonderer Höhepunkt” die Passage des Panamakanals angekündigt. Nach dem Prospekt sollte das Schiff am 8. Reisetag in Colon um 6.00 morgens die Anker Richtung Panamakanal lichten, um die 81 Kilometer lange Durchfahrt zu beginnen. Tatsächlich fand die Einfahrt in den Panamakanal nach 16 Uhr statt, sodass der überwiegende Teil der Durchfahrt im Dunkeln stattfand. Allerdings waren die Schleusen mit Flutlicht nachts hell erleuchtet. Der Reisende verlangte eine Minderung des Reisepreises und Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit in Höhe von rund 4.060 Euro.
Das Amtsgericht München sprach ihm 1.224 Euro zu. Die Schiffsreise sei mangelhaft gewesen, da die Kanal-Durchfahrt nicht wie vertraglich vereinbart gegen 6.00 Uhr morgens begonnen und komplett tagsüber durchgeführt worden sei, sondern teilweise in der Dämmerung und nachts. Dass die Schleusen hell beleuchtet waren, sei nicht vergleichbar mit einer Tagesdurchfahrt: Für das Erlebnis der Durchquerung des Panamakanals sei die Natur am Ufer entscheidend und nicht die Ansicht der beleuchteten Schleusen.
Eine Kreuzfahrt werde nicht nur durch die Fahrtroute, die Dauer der Reise sowie die Ausstattung des Schiffes geprägt, sondern wesentlich auch durch die touristischen Höhepunkte. Die Durchfahrt des Panamakanals sei im Prospekt als einziger Programmpunkt als “Highlight” bezeichnet worden. Eine Minderungsquote von 20 Prozent sei hier angemessen. Ein Schadensersatzanspruch wegen vertaner Urlaubszeit wurde dem Kläger nicht zugesprochen: Die Reise sei insgesamt nicht erheblich beeinträchtigt worden (AG München, Az. 182 C 15953/13).

Was gilt bei geänderter Reiseroute?


Ein Ehepaar hatte eine 14-tägige Nordland-Kreuzfahrt für knapp 7.000 Euro gebucht. In der Routenbeschreibung war angegeben, an welchem Tag welche Anlegestelle angelaufen werden sollte und wann sich das Schiff jeweils auf See befinden würde. In einer Skizze im Reiseprospekt war eine Umrundung der Inselgruppe Spitzbergen zeichnerisch dargestellt. Als die Reise dann durchgeführt wurde, umrundete das Kreuzfahrtschiff Spitzbergen jedoch nicht, sondern fuhr westlich vorbei bis zum Magdalenenfjord und auf der gleichen Route wieder zurück. Das enttäuschte die Urlauber, da sie extra eine Backbordkabine gebucht hatten, damit sie Spitzbergen sehen konnten. Dass dies nicht möglich war, empfanden sie als Reisemangel und klagten auf Minderung des Reisepreises.
Das Amtsgericht München wies die Klage ab. Zwar könne die Nichteinhaltung der Reiseroute und auch eine fehlende Umfahrung einer Insel grundsätzlich ein Reisemangel sein. Dabei komme es aber auf die Routenbeschreibung an. In dieser sei hier für den maßgeblichen Tag nur “auf See” angegeben worden. Es sei den Reisenden gerade nicht zugesichert worden, dass auf diesen als “Seetagen” bezeichneten Tagen besondere Sicht auf umliegendes Land möglich sein würde. Auch eine Umrundung der Inseln sei nicht in Aussicht gestellt worden. Eine Abweichung sei daher möglich gewesen (Az. 222 C 31886/12).

Routenverkürzung und ausgefallener Landgang


Der Bundesgerichtshof beschäftigte sich mit einer 14tägigen Kreuzfahrt "Sommer in Grönland". Während dieser waren zum Teil andere Fahrtrouten gewählt worden als vorgesehen; auch fielen geplante Landgänge aus oder wurden erheblich verkürzt. Durch verschmutztes Bunkeröl wurde die Maschinenleistung herabgesetzt, sodass zudem die vorgesehenen Besuche der Färöer und der Orkney-Inseln ganz entfielen.
Daraufhin brachen mehrere Reisende in Reykjavik die Kreuzfahrt ab und reisten anderweitig zurück; die übrigen Reisenden verbrachten die nachfolgenden Tage bis zur Ankunft in Kiel auf See. Der Reiseveranstalter erstattete 40 Prozent des Reisepreises.
Im Prozess forderten nun die Kläger eine Minderung von weiteren 40 Prozent, den Ersatz von Kosten, die durch Kündigung und Abbruch der Reise entstanden waren und eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit.
In den ersten beiden Gerichtsinstanzen wurde die Klage abgewiesen. Die Gerichte waren der Meinung, dass alle Mängel mit der vom Veranstalter angebotenen Minderungsquote abgegolten seien.
Der Bundesgerichtshof war anderer Ansicht und verwies den Fall an das Berufungsgericht zurück. Die Minderungsquote sei neu zu bestimmen, auch sei weder das Kündigungsrecht noch der Anspruch auf Schadensersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit hier ausgeschlossen. Insbesondere der zweite Teil der Reise sei zu stark beeinträchtigt gewesen (Az. X ZR 15/11).

Kein Platz auf dem Schiff: Wie hoch ist die Entschädigung?


Eine besonders unangenehme Erfahrung musste ein Paar machen, das eine zweiwöchige Karibik-Kreuzfahrt für 5.000 Euro gebucht hatte. Drei Tage vor der Abfahrt erfuhren die Reisenden, dass auf dem Schiff keine Buchung für sie vorlag. Sie machten stattdessen eine Florida-Rundreise per Mietwagen – für weitere knapp 900 Euro. Den Reiseveranstalter verklagten sie auf Zahlung einer Entschädigung wegen Vereitelung der gebuchten Kreuzfahrt in Höhe des vollen Reisepreises, auch wollten sie die Mehrkosten für die Mietwagen-Reise ersetzt haben.
Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass Reisende bei einer kompletten Vereitelung der gebuchten Reise zusätzlich zur Rückzahlung des Reisepreises auch eine angemessene Entschädigung für nutzlos aufgewendete Urlaubszeit verlangen könnten. Diese müsse aber nicht unbedingt die Höhe des Reisepreises erreichen. Mit der Entschädigung für nutzlos aufgewendete Urlaubszeit sollten Reisende dafür entschädigt werden, dass sie ihren Jahresurlaub nicht so verbringen konnten, wie geplant. Hier hätten die Reisenden die Urlaubszeit immerhin noch neu verplanen können. Eine Entschädigung in Höhe von 73 Prozent des Reisepreises sei daher ausreichend. Die 900 Euro für die Mietwagenrundreise gestand der BGH dem Paar nicht zu. Derartige Kosten könnten allenfalls geltend gemacht werden, wenn sie im Rahmen einer zulässigen Selbstabhilfe angefallen seien (Urteil vom 29. Mai 2018, Az. X ZR 94/17).

Mittelmeer-Kreuzfahrt mit Badeurlaub: Gesamtpreis erforderlich


Reiseveranstalter, die eine Schiffsreise und einen Hotelaufenthalt im Paket anbieten, müssen bei der Werbung für ihr Angebot den Endpreis der Reise benennen. Dazu gehören auch Entgelte für Leistungen Dritter, die von den Reisenden zwangsläufig in Anspruch genommen werden müssen – insbesondere ein an Bord täglich zu entrichtendes sogenanntes “Serviceentgelt”. Solche Kosten müssen in den ausgewiesenen Endpreis der Reise eingerechnet werden. Ein Verweis auf die Serviceentgelte mittels “Sternchen” in der Werbeanzeige unterhalb des beworbenen Reisepreises widerspricht den wettbewerbsrechtlichen Vorschriften.
Dies entschied das Oberlandesgericht Koblenz in einem Verfahren, das ein Wettbewerbsverein gegen einen Reiseveranstalter geführt hatte. Es war dabei um ein Serviceentgelt von sieben Euro pro Person und Tage gegangen, welches nicht in den Endpreis eingerechnet worden war. Es hatte sich nicht um Trinkgeld, sondern um ein fest beziffertes Serviceentgelt gehandelt (Az. 9 U 1324/13).

Praxistipp


Auch bei einer Kreuzfahrt gilt: Probleme und Mängel der Reise sollten sofort vor Ort beim Personal des Reiseveranstalters angezeigt werden, vorzugsweise in Verbindung mit einer angemessenen Fristsetzung zur Abhilfe. Andernfalls können später keine Ansprüche geltend gemacht werden. Falls Sie rechtliche Unterstützung wegen Ansprüchen hinsichtlich einer Kreuzfahrt benötigen, hilft Ihnen ein Anwalt mit Schwerpunkt Reiserecht gerne weiter.

(Wk)



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