Kreuzfahrt: Welche Rechte haben Urlauber?

08.07.2019, Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 8 Min. (242 mal gelesen)
Kreuzfahrt: Welche Rechte haben Urlauber? © Rh - Anwalt-Suchservice

Kreuzfahrten sind beliebt bei Urlaubern. Es kommt jedoch immer wieder auch zu Konflikten zwischen Reisenden und Veranstaltern. Welche Rechte haben Urlauber, wenn auf der Schiffsreise etwas schiefgeht?

Auch auf einer Kreuzfahrt kann manches dazwischenkommen, was die Urlaubsfreude trübt. Wie auf jeder anderen Reise können dies ganz normale Reisemängel sein, wie beispielsweise Lärm oder schlechtes Essen. Es kann sich aber auch um kreuzfahrttypische Probleme handeln: Welche Rechte haben Reisende zum Beispiel, wenn das Schiff aus irgendwelchen Gründen eine andere Fahrtroute nutzt, als angekündigt, und dadurch geplante Landgänge und Zwischenstopps in bekannten Häfen ausfallen? Oder, wenn der Reiseveranstalter vor der Abfahrt das Schiff gegen ein anderes austauscht?

Wann ist eine Reise mangelhaft?


Bei Reisemängeln haben Urlauber Ansprüche aus dem Reisevertragsrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) gegen ihren Reiseveranstalter. Die Vorschriften finden sich in den §§ 651a ff. BGB und beziehen sich auf Pauschalreisen.
Auch eine Kreuzfahrt ist eine Pauschalreise, weil in der Regel mehrere Reiseleistungen als Paket gebucht und bezahlt werden. Reiseleistungen sind etwa Hotel, Flug, Reiserücktrittversicherung, Transferfahrten.

Reisende können bei Mängeln beispielsweise den Reisepreis mindern, in manchen Fällen ihren Reisevertrag kündigen und zum Teil auch Schadensersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit beanspruchen. Es sollte sich allerdings schon um einen erheblichen Mangel handeln.
Generell wird eine Pauschalreise als mangelhaft angesehen, wenn sie nicht die vorher versprochenen Eigenschaften hat oder wenn andere Fehler ihren Wert herabsetzen oder ihren Nutzen verringern.

Beispiele: Sichert der Reiseveranstalter bestimmte Ausstattungen zu – etwa einen Pool oder Fitnessraum – so ist deren Fehlen ein Mangel, der zumindest eine gewisse Minderung des Reisepreises rechtfertigt. Natürlich kann es auch sein, dass der Erholungswert nicht gegeben ist – etwa durch dauernden Lärm. Auch kann der Sinn dieser besonderen Reise durch irgendeine Panne entfallen – zum Beispiel, weil auf einer Tauchreise keine Ausrüstung zur Verfügung steht, sodass man nicht tauchen kann.

Wenn der Veranstalter das Schiff austauscht


Urlauber, die eine Kreuzfahrt buchen, freuen sich meist nicht auf irgendein Schiff, sondern auf ein bestimmtes. Ein Schiff ist nicht nur irgendein austauschbares Transportmittel wie ein Zug.
So sah es auch ein Münchner, der eine einwöchige Kreuzfahrt auf dem Fluss Rhone unternehmen wollte. Im Reiseprospekt wurde mit schönen Fotos vom Schiff geworben. Die Reise kostete 899 Euro pro Person für eine Zweibett-Kabine. Der Münchner zahlte zusätzlich 180 Euro Aufpreis pro Person für eine garantierte Kabine auf dem Oberdeck. 14 Tage vor Beginn der Reise wurde er darüber informiert, dass die Kreuzfahrt nicht mit dem im Prospekt abgebildeten Schiff durchgeführt werde. Das Schiff sei durch ein anderes ausgetauscht worden, das ebenfalls fünf Sterne habe und vergleichbaren Komfort biete.

Daraufhin kündigte der Kunde den Reisevertrag. Er verlangte seine Anzahlung zurück. Das Austausch-Schiff sei schlechter als das andere. Zwar befinde sich seine Kabine immer noch auf dem Oberdeck, aber auf diesem Schiff wären dort auch alle Einrichtungen für die Passagiere angesiedelt inklusive der Bar. Er sei davon ausgegangen, dass die Einrichtungen mit Publikumsverkehr alle im Unterdeck lägen. Der Veranstalter war jedoch der Ansicht, dass die reservierte Mini-Suite besser als die ursprünglich gebuchte Zweibettkabine wäre. Eine bestimmte Lage auf dem Schiff habe man nicht zugesichert. Der Veranstalter forderte 800 Euro Stornogebühr.

Wann kann man einen Reisevertrag kündigen?


Reisende können nach § 651e BGB ihren Reisevertrag kündigen, wenn die Reise durch einen Mangel erheblich beeinträchtigt wird. Die Voraussetzung ist allerdings, dass der Reisende dem Veranstalter zuvor erfolglos eine angemessene Frist gesetzt hat, um dem Mangel abzuhelfen und das Problem noch vor Ort zu lösen. Auf eine solche Fristsetzung kann man höchstens dann verzichten, wenn eine Abhilfe entweder von vornherein nicht möglich ist oder vom Veranstalter verweigert wird.

Wie entschied das Gericht zur Flusskreuzfahrt?


Das Amtsgericht München sah die Reise hier nicht als erheblich beeinträchtigt an. Tatsächlich habe der Reiseveranstalter kein bestimmtes Schiff verbindlich zugesichert. Dass das Schiff im Katalog gezeigt werde, reiche nicht aus. Auch sei eine 19 Quadratmeter große Mini-Suite kein Qualitätsmangel. Der Reisende habe eine Kabine auf dem Oberdeck gebucht und auch zugeteilt bekommen.
Auch auf dem ersten Schiff wäre es möglich gewesen, dass die Kabine sich neben einer Bar befunden hätte. Die Raumaufteilung der Schiffe sei gleich. Auch befänden sich bei den meisten Kreuzfahrtschiffen Restaurants und Bars auf dem Oberdeck und nicht unter Deck, wo man die Umgebung nicht sehen könne. Was sich der Reisende vor der Buchung gedacht habe, spiele rechtlich keine Rolle. Damit verlor hier der Urlauber den Prozess (AG München, Urteil vom 30.6.16, Az. 133 C 952/16).

Wenn der Höhepunkt der Reise nachts stattfindet


Ein Urlauber hatte eine Kreuzfahrt nach Mittelamerika gebucht, die etwa 8.000 Euro kostete. Als „besonderer Höhepunkt“ wurde in der Reisebeschreibung die Passage des Panamakanals herausgestellt. Laut Prospekt sollte das Schiff am 8. Reisetag morgens um 6 Uhr in Colon losfahren, um die 81 Kilometer lange Durchfahrt durch den Kanal zu beginnen. Nun fand aber die Einfahrt in den Panamakanal nach 16 Uhr statt. Folge war, dass es während des größten Teils der Durchfahrt dunkel war. Immerhin waren die Schleusen durch Flutlicht nachts hell erleuchtet. Hier verlangte der Reisende eine Minderung des Reisepreises sowie Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit in Höhe von etwa 4.060 Euro.

Das Amtsgericht München gestand ihm 1.224 Euro zu. Die Reise sei mangelhaft gewesen: Vertraglich vereinbart worden sei, die Kanal-Durchfahrt gegen 6 Uhr morgens anzufangen und komplett tagsüber durchzuführen. Dies sei nicht passiert. Die helle Beleuchtung der Schleusen könne nicht mit einer Tagesdurchfahrt verglichen werden: Entscheidend sei für so eine Kanaldurchfahrt aus Sicht des Gerichts, dass man die Landschaft und die Natur am Ufer sehen könne. Hier sei eine Minderungsquote von 20 Prozent angemessen. Das Gericht sprach dem Kläger allerdings nicht den verlangten Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit zu. Die Reise sei in ihrer Gesamtheit nicht erheblich beeinträchtigt worden (AG München, Az. 182 C 15953/13).

Was gilt bei geänderter Reiseroute?


Ein Ehepaar wollte eine 14-tägige Nordland-Kreuzfahrt für rund 7.000 Euro unternehmen. In der Routenbeschreibung stand, an welchem Tag welche Anlegestelle angelaufen werden sollte. Auch, wann sich das Schiff jeweils auf See befinden würde, ging daraus hervor. Eine zeichnerische Skizze im Reiseprospekt zeigte eine Umrundung der Inselgruppe Spitzbergen.
In Wirklichkeit umrundete das Kreuzfahrtschiff Spitzbergen jedoch nicht. Es fuhr stattdessen westlich vorbei bis zum Magdalenenfjord und kehrte auf der gleichen Route wieder zurück. Die Urlauber waren enttäuscht. Sie hatten extra eine Backbordkabine gebucht, damit sie Spitzbergen sehen konnten. Dies war nun nicht möglich. Sie sahen dies als Reisemangel an und klagten auf Minderung des Reisepreises.
Allerdings wies das Amtsgericht München die Klage ab. Die Nichteinhaltung der Reiseroute und auch die fehlende Umfahrung einer Insel könne zwar durchaus ein Reisemangel sein. Es komme hier jedoch sehr auf die Routenbeschreibung an. Darin sei für den maßgeblichen Tag nur “auf See” angegeben worden. Den Urlaubern sei gerade nicht zugesichert worden, dass während der Tage auf See besondere Sicht auf umliegendes Land möglich sein würde. Ihnen sei auch keine Umrundung der Inseln versprochen worden. Die Skizze im Prospekt reiche nicht aus (Az. 222 C 31886/12).

Routenverkürzung und ausgefallener Landgang


Eine 14-tägige Kreuzfahrt "Sommer in Grönland" beschäftigte den Bundesgerichtshof. Während der Kreuzfahrt hatte das Schiff teilweise andere Fahrtrouten genommen als vorgesehen. Es waren auch geplante Landgänge ausgefallen oder erheblich verkürzt worden. Infolge von verschmutztem Bunkeröl musste die Maschinenleistung reduziert werden, sodass die vorgesehenen Besuche der Färöer und der Orkney-Inseln entfielen.

Daher brachen mehrere Reisende in Reykjavik die Kreuzfahrt ab und organisierten selbst ihre Rückreise. Die übrigen Passagiere verbrachten die weiteren Tage bis zur Ankunft in Kiel auf See. 40 Prozent des Reisepreises bekamen sie vom Reiseveranstalter zurück.
Die Kläger verlangten nun eine Minderung um weitere 40 Prozent und den Ersatz von Kosten, die durch Kündigung und Abbruch der Reise entstanden waren. Sie forderten auch eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit.
In den ersten beiden Gerichtsinstanzen blieb die Klage erfolglos. Die Gerichte meinten, dass die Mängel mit der vom Veranstalter freiwillig gezahlten Minderungsquote abgegolten seien. Der Bundesgerichtshof sah das anders und verwies den Fall an das Berufungsgericht zurück. Dieses müsse die Minderungsquote neu berechnen. Hier sei weder das Recht zur Kündigung des Reisevertrages noch ein Anspruch auf Schadensersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit ausgeschlossen. Der zweite Teil der Reise sei durch die Mängel erheblich beeinträchtigt worden (Az. X ZR 15/11).

Kein Platz auf dem Schiff: Was tun?


Besonders unangenehm wurde es für ein Paar, das eine zweiwöchige Karibik-Kreuzfahrt für 5.000 Euro gebucht hatte. Dieses erfuhr drei Tage vor der Abfahrt, dass es auf dem Schiff keine Buchung für sie gab. Sie disponierten um und machten stattdessen eine Florida-Rundreise per Mietwagen. Diese kostete knapp 900 Euro. Anschließend verklagten sie den Reiseveranstalter auf eine Entschädigung in Höhe des vollen Reisepreises wegen Vereitelung der gebuchten Kreuzfahrt, sowie auf den Ersatz der Kosten für die Reise per Mietwagen.
Dem Bundesgerichtshof zufolge können Reisende bei einem solchen Komplettausfall der gebuchten Reise zusätzlich zur Rückzahlung des Reisepreises auch eine angemessene Entschädigung für nutzlos aufgewendete Urlaubszeit fordern. Allerdings müsse deren Höhe nicht unbedingt dem Reisepreis entsprechen.

Die Entschädigung für nutzlos aufgewendete Urlaubszeit solle Urlauber dafür entschädigen, dass sie ihren Jahresurlaub nicht wie geplant verbringen konnten. Hier hätten die Reisenden die Urlaubszeit neu verplanen und für Urlaub nutzen können. Daher sei eine Entschädigung in Höhe von 73 Prozent des Reisepreises ausreichend. Der Bundesgerichtshof gestand dem Paar jedoch nicht die 900 Euro für die Mietwagenrundreise zu. Solche Kosten könne man höchstens dann geltend machen, wenn sie im Rahmen einer zulässigen Selbstabhilfe entstanden seien (Urteil vom 29. Mai 2018, Az. X ZR 94/17).

Mittelmeer-Kreuzfahrt mit Badeurlaub


Bietet ein Reiseveranstalter eine Schiffsreise und einen Hotelaufenthalt im Paket an, muss er in der Werbung den Endpreis der Reise nennen. Zum Endpreis gehören auch Entgelte für Leistungen Dritter, die die Reisenden zwangsläufig in Anspruch nehmen müssen, wie etwa ein an Bord täglich zu bezahlendes “Serviceentgelt”. Nicht ausreichend ist ein Verweis auf die Serviceentgelte mittels “Sternchen” in der Werbeanzeige unterhalb des Reisepreises. Ein solcher Hinweis widerspricht den wettbewerbsrechtlichen Regelungen.
So entschied das Oberlandesgericht Koblenz. Ein Wettbewerbsverein hatte einen Reiseveranstalter wegen unlauterer Werbung verklagt. Es ging dabei um ein Serviceentgelt von sieben Euro pro Person und Tag, das der Veranstalter nicht in den Endpreis eingerechnet hatte (Az. 9 U 1324/13).

Seenotfall mit Todesangst


Ein einschneidendes Erlebnis am letzten Reisetag kann die gesamte Reise wertlos machen. Dies zeigte sich in einem vor dem Landgericht Köln verhandelten Fall. Hier ging es allerdings nicht um eine Kreuzfahrt, sondern um die Überfahrt mit einem kleinen Fährschiff von einer Malediveninsel Richtung Flughafen.
Nachdem das Fährboot schon durch ein heftiges Unwetter verspätet eingetroffen war, hatte die Mannschaft die Passagiere zum Einsteigen aufgefordert – trotz Sturmwarnung. Auf See geriet das Schiff dann in den Sturm, beide Maschinen und die Navigation fielen aus und die Fähre trieb manövrierunfähig umher. Unter den Passagieren brach Panik aus. Viele mussten sich übergeben. Ein Küstenwach-Schiff wollte helfen – und rammte die Fähre. Schließlich wurde diese von einem größeren Marineschiff abgeschleppt.

Ein Urlauberpaar klagte auf Rückzahlung des Reisepreises und auf Schmerzensgeld. Die Ehefrau musste sich noch ein Jahr später wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung behandeln lassen, die durch die Überfahrt ausgelöst worden war. Sie war lange arbeitsunfähig. Ganz abgesehen vom Dauer-Übergeben auf der Überfahrt, einem verpassten Rückflug und durchnässtem Gepäck.

Das Gericht gestand ihnen eine komplette Rückzahlung des Reisepreises zu. Das Personal habe die Pflicht gehabt, die Überfahrt wegen des Sturms abzusagen oder sich noch einmal vernünftig über die Wetterlage zu informieren. Man habe die Reisenden unnötig in Lebensgefahr gebracht. Der Reiseveranstalter sei für das Verhalten seiner örtlichen Vertragspartner verantwortlich. Die Ehefrau erhielt zusätzlich 5.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen, der Mann 500 Euro (Urteil vom 15.1.2019, Az. 3 O 305/17).

Praxistipp


Auch bei einer Kreuzfahrt gilt: Urlauber sollten Probleme und Mängel der Reise sofort vor Ort beim Personal des Reiseveranstalters melden, möglichst in Verbindung mit einer angemessenen Fristsetzung zur Abhilfe. Andernfalls können Sie später keine Ansprüche geltend machen. Rechtliche Unterstützung wegen Ansprüchen hinsichtlich einer Kreuzfahrt leistet ein Anwalt mit dem Tätigkeitsschwerpunkt Reiserecht. Dies ist ein Teilbereich des Zivilrechts.

(Wk)



Anwalt-Suchservice
Juristische Redaktion
E-Mail schreiben Juristische Redaktion

Anwalt-Suchservice
Juristische Redaktion
E-Mail schreiben Juristische Redaktion