Kündigung der Kfz-Versicherung: Was müssen Sie beachten?

09.11.2018, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 5 Min. (240 mal gelesen)
Kündigung der Kfz-Versicherung: Was müssen Sie beachten? © Bu - Anwalt-Suchservice

Jedes Jahr im November bietet sich für viele Autofahrer die Möglichkeit, ihre KfZ-Versicherung zu kündigen und für das Folgejahr einen Vertrag mit einem günstigeren Tarif abzuschließen. Dazu einige Tipps.

Die meisten Kfz-Versicherungsverträge laufen über das volle Kalenderjahr, also vom 1. Januar bis 31. Dezember. Erfolgt die Kündigung nicht rechtzeitig (= fristgerecht), verlängert sich der Vertrag um weitere 12 Monate. Möchte man dies vermeiden, weil man zum Beispiel einen günstigeren Tarif bei einer anderen Versicherung gefunden hat, muss der vorhandene Vertrag bis zum 30. November gekündigt werden, damit dieser am 31. Dezember endet. Wichtig: Die Kündigung ist nur dann fristgerecht, wenn sie bis zum 30.11. bei der Versicherung eingegangen ist.

Welche abweichenden Kündigungstermine gibt es?


Das zuvor Gesagte gilt jedoch nicht für alle Kfz-Versicherungsverträge. Manche Verträge haben nämlich abweichende Laufzeiten. Ein Vertrag muss ja nicht unbedingt am 1. Januar eines Jahres beginnen, sondern kann auch unterjährig, z.B. am 1. Juni, beginnen. Dieser Vertrag würde bei einer Laufzeit von 12 Monaten am 31. Mai des folgenden Jahres enden. Will der Versicherungsnehmer diesen Vertrag ordentlich kündigen, muss er ebenso die einmonatige Kündigungsfrist beachten. Hier müsste also die Kündigung bis 30. April bei der Versicherung eingegangen sein. Ob es bei Ihnen eine solche abweichende Frist gibt, können Sie in Ihrem Vertrag nachlesen.

Was passiert, wenn ich den Termin versäume?


Haben Sie den vertraglich vorgesehenen Termin zur ordentlichen Kündigung verpasst? Sie müssen trotzdem nicht unbedingt ein weiteres Jahr bei Ihrer alten Versicherung bleiben. Das Versicherungsrecht sieht nämlich unter bestimmten Bedingungen ein Sonderkündigungsrecht vor. Die entsprechenden Regelungen stehen im Versicherungsvertragsgesetz (VVG).
Ein solches Sonderkündigungsrecht haben Versicherungsnehmer grundsätzlich in drei Fällen: Nach einer Beitragserhöhung oder Leistungskürzung, nach einem Schadensfall und beim Wechsel des Fahrzeugs.

Wie kann ich nach einer Beitragserhöhung kündigen?


Alljährlich rund um den Jahreswechsel – im November, Dezember und Januar – erhöhen viele KfZ-Versicherungen ihre Beiträge bzw. Prämien. § 40 des Versicherungsvertragsgesetzes gibt Versicherungskunden ein Sonderkündigungsrecht, wenn ihr Beitrag erhöht wird und der Umfang des Versicherungsschutzes gleich bleibt. Es kann sich also lohnen, den neuen und den alten Beitrag auf den Rechnungen zu vergleichen.
Bei einer Beitragserhöhung müssen die Versicherer ihre Kunden auf das Sonderkündigungsrecht hinweisen.
Kündigen müssen Sie innerhalb eines Monats nach Zugang des Schreibens mit der Beitragserhöhung. Auch hier zählt der Eingang der Kündigung bei der Versicherung. Sie können die Kündigung mit sofortiger Wirkung vornehmen oder – spätestens –
mit Wirkung zum Zeitpunkt des Eintritts der Prämienerhöhung.
Eine Einschränkung gibt es allerdings: Diese Kündigungsmöglichkeit gilt nur für Prämienerhöhungen, die vertraglich vorgesehen sind und auf Preisanpassungen der Versicherung beruhen. Sie steht dem Kunden nicht zu, wenn die Versicherung die Prämie wegen Änderungen auf Seiten des Kunden erhöht, weil zum Beispiel der Kunde an einen anderen Ort umgezogen ist, sich seine Jahres-Kilometerleistung erhöht hat, er sein Auto nicht mehr in eine Garage stellt oder er seinen 18-jährigen Sohn als weiteren Fahrer hat eintragen lassen.

Was gilt für die Sonderkündigung bei Leistungskürzung?


Ein Sonderkündigungsrecht hat der Versicherungskunde auch dann, wenn sein Beitrag gleich bleibt, die Versicherung aber ihre Leistungen kürzt. Dies ergibt sich aus § 40 Abs. 2 VVG. Verdächtige Briefe mit Informationen über Vertragsänderungen insbesondere zum Jahreswechsel sollten Versicherungsnehmer daher lesen und daraufhin überprüfen. Auch in diesem Fall muss der Versicherer den Kunden über sein Sonderkündigungsrecht informieren.

Welche Rechte habe ich nach einem Schadensfall?


Im Schadensfall – also zum Beispiel nach einem Unfall, der nicht allein die Schuld eines anderen Verkehrsteilnehmers war, dürfen sowohl die Versicherung, als auch der Versicherungsnehmer den Vertrag kündigen. Die Kündigung orientiert sich hier an § 92 Versicherungsvertragsgesetz. Sie muss bis zum Ablauf eines Monats nach Ende der Verhandlungen über die Entschädigung stattgefunden haben.
Der Versicherungskunde kann nicht mit Wirkung für einen späteren Zeitpunkt als den Schluss des laufenden Versicherungsjahres kündigen.
Tipp: Nach einem Unfall kann es für den Kunden günstig sein, zu kündigen und zu einem anderen Versicherer zu wechseln. Denn seine bisherige Versicherung wird ihn in der Regel in der Schadensfreiheitsklasse zurückstufen.

Was ist beim Verkauf des Autos zu beachten?


Beim Verkauf eines angemeldeten Autos geht die Versicherung zunächst einfach auf den Erwerber über. Der Verkäufer braucht nicht extra zu kündigen. Der Käufer hat ein Sonderkündigungsrecht nach § 96 VVG. Dieses kann er einfach dadurch ausüben, dass er einen Vertrag mit einer neuen Versicherung abschließt und beim Anmelden des Autos der Zulassungsstelle die neue eVB-Nummer vorlegt. Allerdings ist das Sonderkündigungsrecht des Autokäufers zeitlich begrenzt: Es erlischt, wenn es nicht innerhalb eines Monats nach dem Kauf ausgeübt wird. Weiß der Käufer nichts von der Versicherung, erlischt das Kündigungsrecht innerhalb eines Monats, nachdem er davon erfahren hat.

Welche Pflichten hat der Verkäufer?


Er muss seiner Versicherung mitteilen, dass er sein Auto verkauft hat. Kauft er sich ein anderes Fahrzeug, kann er seine KfZ-Versicherung frei wählen. Allerdings ist es grundsätzlich sicherer, das Fahrzeug vor dem Verkauf abzumelden und abgemeldet an den Käufer zu übergeben. Dies macht für diesen zwar die Überführung zu seinem Wohnsitz schwieriger, schützt den Verkäufer aber vor unerwarteten Strafzetteln und Streit über die Verantwortung für einen Unfall.
Wird das Fahrzeug abgemeldet, informiert die Kfz-Zulassungsstelle die Versicherungsgesellschaft. Findet nicht innerhalb einer gewissen Zeit wieder eine Anmeldung dieses Fahrzeugs statt, geht die Versicherung meist in eine sogenannte Ruheversicherung über, die für den Fahrzeughalter kostenlos ist. Diese läuft nach 18 Monaten aus.

Was ist formell bei der Kündigung zu beachten?


Ob bei der Kündigung zum Beispiel die Schriftform einzuhalten ist, regeln die jeweiligen Versicherungsbedingungen. Wird darin die Schriftform verlangt, muss die Kündigung auf Papier und mit eigenhändiger Unterschrift des Versicherungsnehmers erfolgen. Verlangt die Versicherungsgesellschaft dagegen nur die Textform, reicht auch ein Fax oder eine E-Mail aus. Kunden, die einen Nachweis der Kündigung haben wollen, sollten sie per Einschreiben mit Rückschein versenden.
Das Kündigungsschreiben sollte Namen und Anschrift beider Vertragspartner beinhalten, die Vertragsnummer, das amtliche Kennzeichen des Autos, den Termin, zu dem der Vertrag enden soll, und die Unterschrift des Kunden. Wird ein Sonderkündigungsrecht in Anspruch genommen, sollte man den Grund dafür nennen.
Wichtig: Für die Einhaltung der Kündigungsfrist zählt nie das Datum des Poststempels, sondern der fristgerechte Eingang bei der Versicherung.

Praxistipp


Vergleichsportale ermöglichen es, schnell die Tarife verschiedener Kfz-Versicherungen zu vergleichen. Allerdings sind die Portale auch schon in die Kritik geraten. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hat im Mai 2017 Vergleichsportale für Kfz-Versicherungen untersucht. Die Verbraucherschützer haben dabei bemängelt, dass die Angaben in den Portalen häufig „nicht objektiv, nicht nachvollziehbar, nicht vollständig“ seien. Dazu sollte man wissen: Meist berücksichtigen die Portale nur die Versicherungen, die sich bei ihnen listen lassen und dafür ordentlich zahlen. Ist ein Direktabschluss über das Portal möglich, wird in der Regel eine Provision fällig. Diese soll nach einem Artikel der FAZ zum Teil sogar höher sein als die, die ein Versicherungsmakler bekommen würde. So manche kleinere Versicherung spart sich diese Ausgabe, obwohl sie günstige Tarife bietet. Auch einige große Anbieter wie etwa die HUK haben sich inzwischen aus den Vergleichsportalen zurückgezogen. Es kann sich also lohnen, auch nicht in den Portalen vertretene Versicherungen in den eigenen Vergleich einzubeziehen.

(Bu)



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