Nachbarschaftsstreit: Die Frösche quaken zu laut!

10.04.2017, Redaktion Anwalt-Suchservice / Lesedauer ca. 2 Min. (254 mal gelesen)
Nachbarschaftsstreit: Die Frösche quaken zu laut! © Bu - Anwalt-Suchservice
Dass Frösche – oder vielmehr ihre menschlichen Gastgeber – vor Gericht zitiert werden, kommt immer wieder vor. 1992 befasste sich sogar der Bundesgerichtshof mit den quakenden Gesellen – und gab dem Naturschutz Vorrang vor einem lärmgeplagten Nachbarn.

Das Landgericht Dortmund musste sich ebenfalls mit einem solchen Fall beschäftigen. In Streit geraten waren die Eigentümer von zwei benachbarten Reihenhaus-Grundstücken. Einer der beiden hatte einen Gartenteich angelegt. Darin siedelten sich nach kurzer Zeit Frösche an. Offenbar gefiel den Tieren ihre neue Umgebung, und dies taten sie durch lautes nächtliches Quaken kund. Das wiederum störte den Nachbarn, dessen Schlafzimmer sich im Abstand von 14 Metern zum Teich befand. Er klagte über psychische Beeinträchtigungen durch das Gequake, gar über Folgen in Form eines pathologischen, somatisch objektivierbaren Zustandes nervlicher Art. Per Anwaltsbrief forderte er die Einstellung des Lärms. Der Teichbesitzer reagierte nicht.

Auf Veranlassung des Quak-Geschädigten erteilte nun der Kreis Unna dem Teichbesitzer eine Ausnahmegenehmigung. Das Verbot, wild lebende Tiere zu fangen und aus ihrem Biotop zu entfernen, wurde in diesem Fall ausgesetzt.

Der Teichbesitzer nutzte jedoch die behördliche Lizenz zum Frösche-Fangen nicht. Nun kam es zur Klage. Und hier ging es nicht nur um die Entfernung der quakenden Untermieter, sondern auch um eine “Mietminderung” von 330 Euro pro Jahr für den Lärmgeplagten und ein Schmerzensgeld von 1.000 Euro pro Jahr der Lärmbelästigung, jeweils für drei Jahre.

Das Landgericht zog einen Sachverständigen zu Rate, der ausführliche nächtliche Messungen vor dem Schlafzimmerfenster des Klägers vornahm. Und tatsächlich: Bis zu 13 Mal pro Stunde wurde gequakt, mit einer Lautstärke von durchschnittlich 44 dB(A). Der nächtliche Lärmgrenzwert für allgemeine Wohngebiete liegt bei 40. Das Gericht hörte zu Beweiszwecken Tonaufnahmen ab, mit denen das Gequake dokumentiert werden konnte.

Das Landgericht entschied: Normalerweise dürfen Frösche als wildlebende Tiere nicht gefangen werden – auch nicht aus einem Gartenteich, den jemand künstlich angelegt hat. Aber: Gibt es eine Ausnahmegenehmigung der Umweltbehörde und überschreitet das Quaken die Lärmgrenzwerte, müssen die Quaker ausziehen. Der Teichbesitzer wurde verpflichtet, die nächtlichen Störenfriede aus dem Teich zu entfernen.

Weniger Verständnis hatte das Gericht für die finanziellen Forderungen des Nachbarn. Hauseigentümer könnten von ihrem Nachbarn keine “Mietminderung” verlangen. Und auch Schmerzensgeld gab es nicht, da der Nachbar sich schon vor Anlage des Teiches wegen Depressionen in Behandlung befunden hatte.

Fazit: Wer zu laut quakt, muss umziehen – zumindest, wenn es eine liberale Umweltbehörde vor Ort gibt. Bleibt zu hoffen, dass die Lärmerzeuger ein neues Heim in einer von empfindlichen Nachbarn freien Umgebung gefunden haben.

Landgericht Dortmund, Urteil vom 3. Juli 2012, Az. 6 O 431/09